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Ausgabe:

1883 Nr. 6

Spalte:

133-134

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Pfleiderer, J. G.

Titel/Untertitel:

Amerikanische Reisebilder, mit besonderer Berücksichtigung der damaligen religiösen und kirchlichen Zustände der Vereinigten Staaten 1883

Rezensent:

Fay, Friedrich Rudolf

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung. 1883. Nr. 6.

134

Correspondenzblatt des Vereins für Geschichte der evangeli- diefe f. g. ,Verquickung' mit dem Staat, die der evange-
schen Kirche Schlesiens. L Bd. 1882. Breslau, Selbft- i lifchen Kirche, was man nie vergeffen follte, den ganzen

verlag. (96 S. 8.) M. 1. 50.

Der genannte Verein, welcher jetzt 140 Mitglieder
zählt, bringt im erden Jahrgange feiner Vereinszeitfchrift
neben bibliographifchen fpeciell Schlefifches betreffenden
Notizen auf S. 49 eine Arbeit feines Vorfitzenden, Ge-
neralfuperintendenten Dr. Erdmann über,Markgraf Georg
v. Brandenburg und feine Verdiende um die Reformation
in Oberfchlelien'. Der Unterzeichnete, Secretär des Vereins
, hat in Artikeln ,zur Schlefifchen Hymnologie' bei j fo fei es auch uns gedattet, zu fagen, dafs wir in unferen
Nr. i: Elifabet v. Senitz als Verfafferin des Liedes: ,0 j landeskirchlichen Verhältnifsen, wie fie fich in den Hei-
du Liebe meiner Liebe' nachgewiefen und in Nr. 2: ' mathländern der Reformation, in Deutfchland und in der

und reichen Segen des lebendigen Zufammenhanges mit
der einheitlichen, nationalen Cultur- und Rechtsgemein-
fchaft gebracht und ihr namentlich auch eine tüchtige
Ausbildung ihrer Lehrkräfte fichert, Zudänden vor, in
welchen ,die Concurrenz der Kirchen' (S. 97) in einer
unfer religiöfes Empfinden verletzenden Weife den Aus-
fchlag giebt. Da in dem intereffanten Ueberblicke über
die Gefchichte Nordamerikas (S. 57—85) wiederholt auf
die Weisheit der göttlichen Vorfehung hingewiefen wird,

Daniel v. Czepko angefangen zu behandeln. Diefes
Mydikers 600 Monodidicha, welche zur Hälfte abgedruckt

Schweiz, finden, nicht weniger etwas providentielles finden
und erblicken. Vollkommen find fie gewifs nicht, aber

werden, lind das Original, woraus wahrfcheinlich Angelus ! beffer werden fie auch nicht werden, wenn uns die ameri-
Silefius bei Abfaffung feines cherubinifchen Wanders- kanifchen Methodiden, für die der Verf. eine unver-
manns fchöpfte. Die grofse Verwandtfchaft beider Werke, kennbare, freundfehaftliche Zuneigung hat, mit ihren
fowie die Priorität Czepko's, werden S. 92 ff. befprochen. , Millionen beglücken!

Auch Kirchenlieder desfelben Dichters find hier zum Abgefehen von diefer Differenz in der Grundan-

erden Mal abgedruckt. Mittheilungen über Schwenckfeld fchäuung deht Ref. nicht an, das gründlich, lehrreich und
und feine Anhänger eine Probe S. 15) dehen für den j anziehend gefchriebene Büchlein, dem werthvolle An-
zweiten Jahrgang in Ausficht. I merkungen (S. 170—212) beigefügt find, bedens zur

Breslau. Lic. G. Koffmane.

Pfleiderer, Prof. Dr. J. G., Amerikanische Reisebilder, mit

befonderer Berückfichtigung der dermaligen religiöfen
und kirchlichen Zudände der Vereinigten Staaten.
Bonn 1882, Schergens. (XI, 212 S. 8.) M. 2. 20.

Der Verf. der vorliegenden Amerikanifchen Reifebilder
, Prof.Dr.J. H. Pfleiderer, vormals Inditutsdirector
zu Kornthal, jetzt Vice-Director der Lerberfchule in Bern,

Leetüre zu empfehlen. Die buchhändlerifche Ausdat-
tung entbehrt nicht einer gewiffen Eleganz.

Crefeld. F. R. Fay.

Kanig, Prof. C. G. Otto, Bekenntnisse zu Christo. Predigten
und Amtsreden. Bautzen, Rühl, 1882. (VI, 199 S. gr. 8.)
M. 2. 40; geb. M. 3. 40.

Die Predigten und Amtsreden von Prof. Kanig,
welche meid theils vor der Stadtgemeinde Bautzen, theils

war im Jahre 1880 als Gad zu dem zweiten presbyteria- , vor dem Schulcrcdtus des dortigen Gymnafiums gehalten
nifchen Gencralconcil in Philadelphia eingeladen und hat ! vurd^n' verrathen allerdings uberall, dafs fie nicht aus
auf demfelben einen inzwifchen auch gedruckten Bericht dcr ^axis eines Mannes herausgewachfen find, deffen
über den gegenwärtigen religiöfen Zudand Deutfchlands , Hauptberuf es rd, 1 rediger und See Borger zu fein, fon-
erdattet (S. 108. 109). Einmal in Amerika, benutzte er der.n, aus,df*.. c,lne,s Schulmannes. Die Rückfichtnahme
die Gelegenheit zu einem dreimonatlichen Aufenthalt aui *** chrifthche Leben ift zu wenig individuell, fondern
dafelbd, während deffen er Land und Leute (S. 2-40), ' abS^en von einigen Reden vor dem Schülercötus, die
die religiöfen Verhältnifse (S.4l-85)und vorzüglich z„m lbell>. Wle die Abendmahlsrede über 1. Cor. 5,6-8,
die kirchlichen Verhältnifse (S. 86-169) mit grofser aUzu »Pfielle Punkte berühren, etwas allgemein und
Aufmerkfamkeit dudirt hat. Die Augen, mit denen der f hematifch, weshalb auch e.ne gewilfe Eintönigkeit nicht

geehrte Verf. gefehen hat, find diejenigen eines echt
wiirttcmbergifchen Reichsgottesmannes, denn obwohl ,von

hat vermieden werden können. Im Uebrigen aber haben
die Reden einen gefunden evangelifchen Gehalt und

wurLiemuergiiciieii ivciciisguLiesiiiauiic», ueuu uuwuiu^wu o.,„,„, cc u ■ ^- j», , r.7 ,. r> ,

Haus aus Lutheraner' (S 108), nimmt er, der ,33 Jahre gWg*£ offenbar aus einem Gemuthe das für die Sache
lang der freien Gemeinde Kornthal angehört, die auf Sl^f 'ft' .Auffallend ift es dafs nicht
dem presbyterianifchen Princip der Seifafterhaltung und ; "btrra11 dle G.cfetze der Wik und des fprachlichen Aus-
Selbdrcgierung beruht', an dem vorhin fchon erwähnten : ™J» z« d^rern Rechte gekommen Und. Was die
presbyterianifchen Generalconcil in Philadelphia theil I Correcthe.t anbc^

(S. 110), kann es ,aufserdem fünf Wochen unter de* rXl^Ä

Methodiden aushalten' (S. 145), hat an der deutfehen vlel zu aUg,mel!k- , Man. wurde das allgemeinere Thema
Evang. Synode von Nordamerika ,feine Herzensfreude' : ZwTTr S V f^O a nfcha aber: 'Wie betf.n
(S. 145;, mufs aber deshalb ,dem richtigen Miffourier g« h -f V,atC7'nfer reKdltr' Au,h ^ es unrichtig die
als ein im hüchden Grade meidenswerther Ketzer er- »etrubnifs des Herrn über den Verrath des Judas ohne
icheinen' (S. 145) und zieht es daher vor, ,das Concordia- W"teres Betrubnifs um unfertw.llen zu nennen, wie
College zu St. Louis, wo der grofse Walther refidirt, % I5? geschieht. Sprachlich ungenau id es, wenn z. B.
(fich) nur von Aufsen anzufehen' (S. 145). Wie der Mann, fSSS;lta" m,tr ,blttet ,mij; 'bctet' überfetzt und vom
fo id fein Buch! Es deht überall in und zwifchen den ^tterherzen gefagt wird (S. 167), dafs feine forgende
Zeilen gefchrieben, dafs es für uns viel beffer wäre, ; „e dC!Lböbn begleitet habe und fein Herz (des
wenn wir keine Landeskirchen mehr hätten, fondern uns 1 Herzens Herz!) mit ihm gezogen fei, als er das Eltern-
jener hochgepriefenen Freiheit, die in Amerika in reli- aJ r?r ~ r und andere I'icorrectheiten wird
giöfen Dingen herrfcht, auch erfreuten. Wir leben ja, der .Verlader gewifs bei einer event. zweiten Auflage
wie der Verf. im Vorworte fagt, ,in der Zeit der Krifen' Deleit'gen wollen.

und es können ,uber kurz oder lang Fragen an uns Lennep. Lic. Dr. Thönes.

herantreten, die es uns wünfehenswerth erfcheinen laden
möchten, zu wiffen, wie unfere Brüder jenfeits des üceans
unbehindert durch die Verquickung (!) mit dem Staate
und andere dem Reich Gottes fremdartige Rückfichten ihre
kirchlichen Verhältnifse geordnet haben' (S. VII).

Ref. feinerfeits zieht für einmal wenigftens noch