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Ausgabe:

1883

Spalte:

553-559

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Zöckler, Otto (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Handbuch der theologischen Wissenschaften in encyklopädischer Darstellung mit besonderer Rücksicht auf die Entwicklungsgeschichte der einzelnen Disziplinen. 2. Halbbd 1883

Rezensent:

Nestle, Eberhard

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack und D. E. Schürer, Proff. zu Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jahrlich 16 Mark.

No- 24.

1. December 1883.

8. Jahrgang.

Handbuch der theologifchen Wifl'enfchaften, hrsg.

von Zöckler. 2. Halbband (Neftle).
Delitzfch, The Hebrew New Teftament

(Kautzfeh).

Weffely, Evangelienfragniente auf Papyrus (Ber-
theau).

Lötz, Quaestiones de historia sabbati (Schürer).
Schürer, lieber ipayfiv 16 nao/u (Schürer).
Hertram, Theodoreti doctrina christologica

(A. Harnack).
Dammann, Kulturkämpfe in Alt - England

(Loofs).

Brifchar, Papft Innocenz HL und feine Zeit

(Karl Müller).
Lob (lein, La notion de la preexistence du tili

de Dieu (Kaftan).
.Zur Lutherliteratur'.

Handbuch der theologischen Wissenschaften in encykiopä- Bearbeiter, Prof. Dr. F. W. Schultz, von dem im erften
discher Darstellung, mit befonderer Rückf.cht auf die Halbband fchon die Archäologie und Gefchichte des
_ ,, , , IV . .. I A. l.s herrührt, feinen Stoff auf 50 Seiten zufammen-

Entwicklungsgefch.chte der einzelnen Dtsz.pljnen, m , drängte und fo nur die aHgemetnften Umriffe geben
Verbindung mit Proff. DD. Cremer, Grau, Harnack ! konnte, während doch auf diefem Gebiet gerade die
(Dorpat) etc. hrsg. von Prof. Dr. Otto Zöckler. 1 Detailfragen am meiften Intereffe erregen. Daneben hat

2. Halbbd. Nördlingen, Beck, 1882. (VIII u. S. 289
6S4.) M. 5. 50.

es aber doch noch den tieferen Grund, dafs auch die
hier zum Ausdruck gebrachte Gefammtauffaffung vom
Entwickelungsgang der altteff Religion nicht befriedigen
Indem ich mich anfchicke. meine Anzeige des zweiten ! kann. Es ift, wie man fo fagt, nicht gehauen und nicht

geflochen, eine Trompete, die keinen klaren Ton giebt.
Schultz kann und will fich — mit Anerkennung fei das
hervorgehoben — den Refultaten der neueren und
neueften Forfchung auf diefem Gebiete nicht entziehen,
auf der anderen Seite wagt er aber doch nicht, mit der
traditionellen Auffaffung undBehandlung ganz zu brechen,
daher das Schwebende, Unfichere, Unbeftimmte, nicht
blofs in der Ausdrucksweife. Was foll z. B. folgende

Halbbandes von Zöckler's Handbuch der theologifchen
Wiffenfchaftcn für den Druck zurecht zu machen, bedauere
ich zuvörderfl — und hierfür erbitte ich die Ent-
fchuldigung der Redaction und der Lefer diefer Zeitung,
wie der an diefem Handbuch Betheiligten —, dafs dies
erft jetzt gefchieht, während mir diefer Band gerade vor
Jahresfrift zur Befprechung zukam; ich bedauere noch
mehr, dafs es mir — wegen Eintritts in einen neuen

Beruf — nicht möglich war, den anzuzeigenden Band . Charakteriftik der herkömmlichen drei Perioden, in die
oder einen Theil desfelben nochmals zu durchlefen, zur j auch Schultz die alttefl. Theologie zerfallen läfst: ,In der
Beftätigung beziehungsweife Berichtigung des Eindrucks, I erften giebt fich die Gemeinfchaft zwifchen Jehova und
den die erfte, über eine längere Zeit fich erftreckende, Ifrael, die das Wefen der altteft. Religion ausmacht, eine
übrigens forgfältige Leetüre auf mich machte und zur ! Begründung und Geftalt. In der zweiten dagegen führt
Ergänzung der dabei niedergefchriebenen Bemerkungen; | fie durch Entfaltung ihres eigentlichften Gehalts, ihrer
am meiften aber bedauere ich, dafs mein Urtheil über j ethifchen Elemente, auf Gegenfätze, die fie in Frage
den umfangreichften Theil diefes Bandes fehr unpünftig • ftellen, die fie gerade dadurch aber auch veranlaffen, das
lauten mufs. Ich halte es für Pflicht, dies unter Hinweis I Leben zu verinnigen, die Erkenntnifs zu erweitern und
auf meine Anzeige des erften Halbbandes 1882, Nr. 21, ; auf eine künftig vollendende Neugeftaltung auszufchauen.
fofort an den Anfang zu ftellen, da Annoncen der Ver- I In der dritten endlich fucht fie, ohne noch diefe Neu-
lagshandlung hervorhoben, dafs das Handbuch von der | geftaltung erreicht zu haben, eine voreilige Selbftbefrie-

Kritik cinftimmig als epochemachend bezeichnet
worden fei. In formeller Hinficht verwirklicht es ja
allerdings einen neuen, entfehieden glücklichen Gedanken
, in einem nicht zu umfangreichen Werke die
theologifchen Disciplinen in encyklopädifcher Zufammen-

faffung mit befonderer Rückficht auf den Entwicklungs- hat, oder hat Er perfönlich nichts mehr dabei zu thun?
^ang derfelben von den verfchiedenften Bearbeitern zur Ganz dasfelbe Schwanken zeigt fich dann bei der Schil-

digung u. f. w.' Wer thut das alles? Wer ift das handelnde
Subject in diefer ganzen Gefchichte? Ift es noch der
Gott, der Abraham berufen, mit Mofes geredet, feinen
Namen den Kindern Ifraels geoffenbart, feine Gefichte
den Propheten gezeigt, feine Worte in ihren Mund gelegt

Darfteilung zu bringen, und dem, dem das Verdienft
diefes Gedankens gebührt, foll mit Freuden Dank und
Anerkennung dafür ausgesprochen werden; aber inhaltlich
, und das ift doch die Hauptfache, kann diefem
Halbband wenigftens jenes Lob durchaus nicht gefpendet,
ja es mufs, was die mittlere Partie desfelben betrifft, in
fein Gegentheil verkehrt werden. Von feinen 400 Seiten
kommen 50 auf die altteftamentliche, 80 auf die neu-
teftamentliche Theologie, und wieder 50 auf Kanonik und
Hermeneutik, mitteninne aber mehr als 200 auf die Einleitung
und biblifche Gefchichte des N. T.'s, und gerade
diefen umfangreichften Theil mufs ich für den mifslungen-
ften erklären und kann nur bedauern, dafs nicht auch
diefe Disciplinen in die Hand des Bearbeiters der neuteft.
Theologie gelegt wurden. Allerdings kann auch fchon
die altteft. Theologie nicht völlig befriedigen. Theilweife

derung der einzelnen Perioden, z. B. der erften. Auch
bei den Semiten habe fich die Depravation der Religion
vollzogen und zwar in der Weife, dafs fie die Gottheit
immer mehr als blofse Naturmacht betrachteten und fie
befonders durch Bcthätigung der Naturtriebe verehren zu
müffen meinten; dagegen feien .Abraham und feine Nachkommen
' Anfänger einer neuen höheren Entwicklung
in der Religion dadurch geworden, dafs fie fefthaltend,
was fie hatten, dem Zuge des h. Gottes als folchen
folgten und ihr Geiftesleben mehr und mehr von ihm
reinigen liefsen. Schwer halte es freilich, dafs fich ein
Stamm aus der Naturreligion zur Geiftes- und Offenbarungsreligion
erhebe (NB. fich zur Offenbarungsreb>ion
erhebe), und undenkbar fei es, dafs es diefen Schritt
durch fich felbft thue. So mufs es weiter ,in etwas
dahin geftellt bleiben', wie weit bereits Abraham's Behängt
dies freilich mit dem Umftand zufammen, dafs ihr griffe von Sittlichkeit entwickelt waren, und die Art
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