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Ausgabe:

1883

Spalte:

526

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hildebrandt, Th.

Titel/Untertitel:

Wie sind die leichenreden von uns nach Inhalt und Form zweckmässig einzurichten? 1883

Rezensent:

Diegel, J. Gustav

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525 Theologifche'Literaturzeitung. 1883. Nr. 22. 526

den Weg zur Ueberwindung der Skepfis zeigt. Ref.
möchte fich dem hier Gefagten in befonderem Grade

Hildebrandt, Paft. Diac. Th., Wie sind die Leichenreden
von uns nach Inhalt und Form zweckmässig einzurichten?

anfchliefsen. Nicht der Glaube felbft ift in Gefahr der Eine Konventsarbeit. Clausthal, Groffe in Comm'

Skepfis; feine eigene Natur fchützt ihn davor. Aber „ M

die wiffenfchaftliclie Rechtfertigung desfelben fleht in l883- 08 S. gr. 8.) M. -. 80.

diefer Gefahr bei allen, die den Muth des sacrificio del Bringt diefes Schriftchen auch nicht gerade Neues,

intcllctto in diefer oder jener Geftalt ebenfo wenig be- fo doch in klarer, anfprechender Form mit guter Sach

fitzen, wie den einer fpcculativen Umdeutung des ehr.
Offenbarungsgehaltes und von der Unhaltbarkeit der fo
gut gemeinten vermittlungstheologifchen Verfuche des
letzten halben Jahrhunderts durchdrungen find. — Indem
wir dem gegebenen Ueberblick über den Inhalt der vor-
liegendenSchrift das Urtheil beifügen, dafs diefelbe eine
wirklich getreue und verläßliche Darlegung des Charak-
teriftifchen und Wcfentlichen aus Ritfchl's Theologie giebt,
glauben wir doch zwei Bemerkungen nicht unterdrücken
zu follen, in welchen kleine Differenzen der Auffaffung
ihren Ausdruck finden mögen. Der Verfaffer fpricht S.
5 aus, dafs für Ritfehl die Harmonie zwifchen alt- und
neuteftamentlichen Ideen in einer (neuteftamentlichen)
Schrift ein wefentliches Kriterium der Echtheit
derfelben fei. In diefer Form widerfpricht der Satz
direct der Bemerkung Ritfchl's (Rechtf. und Verföhn.
3! 17): ,ich finde nun — dafs auch folche Briefe, die
man nicht für echt halten kann, des Merkmals der
authentifchen altteftamentlichen Bedingtheit des ehr.
Ideenkreifes nicht entbehren'. Man wird die Meinung

kenntnifs und recht verftändigem Urtheil eine verhält-
nifsmäfsig vollftändige Befprechung feines Gegenftandes;
denn es bietet mehr als fein Titel ankündigt. Abfchnitt
I nämlich redet über Berechtigung, Arten und Zweck
der Leichenreden, Abfchnitt 2 über deren Inhalt, Abfchnitt
3 über deren Form. Zum Belege für unfer
günftiges, obige Arbeit zur Ucberficht und Anregung
beftens empfehlendes Urtheil verweifen wir nur auf die
Befürwortung der Leichenreden (S. II, 12), auf die ent-
fchiedene Warnung, dafs fich der Geiftliche mit feiner
freien Rede nicht von weltlichen Rednern verdrängen
laffe (S. 12), auf die Hinweifung, wie auch bei geringer
Kenntnifs vom Leben der Verltorbenen eine gute Rede
möglich fei (S. 16) und auf die Bemerkungen über die
Auswahl des Textes (S. 31). Bei letzteren vermifst man
indeffen die Texte über die letzten Dinge, und wir
würden auch noch andere Erweiterungen vorfchlagen.
Kirchliche Beerdigung der bei vollem Bewufstfein Selbft-
mörder Gewordenen wird S. 26 für ungehörig erklärt.
Die Bevorzugung der Leichenpredigt vor Parentation

Ritfchl's richtiger, als das in dem angeführten Satze des j oder Grabrede S. 29 entfpricht fchwerlich den Anflehten
Verfaffcrs der Fall ift, dahin wiedergeben, dafs, wenn auch | der Mehrzahl. Dafs im Mittelalter Leichenreden nicht
das Merkmal der Echtheit (äufseren Authentie) einer j überall fo gänzlich fehlten, als es nach S. 5 fcheint, be-
neuteft. Schrit nicht zutrifft, fo dennoch diefelbe an der 1 weifen die dem 14. oder 15. Jahrh. zugefchriebenen, zur
Harmonie zwifchen alt- und neuteft. Ideen ein Kriterium j Benutzung für Geiftliche beftimmten sermones funebres

ihrer inneren Authentie haben kann. — Ferner S. 45
fagt der Verfaffer: ,Der Gedanke des Athanafius, dafs
Chriftus die Menfchheit vergottet habe, ift nicht brauchbar
'; und er fetzt weiterhin die Formel des Athanafius
in Gegenfatz gegen Ritfchl's Meinung, dafs die Stellung
Chrifti als des Sohnes Gottes und Vertreters der Gemeinde
auf diefe infofern übergehe, als den Gliedern derfelben
die Gotteskindfchaft der Verföhnung zufalle. Die Meinung
Ritfchl's in der Stelle aus Lehre von Rechtf. und
Verföhn. Bd.III. S.351T., auf welche Verfaffer hier offenbar
Bezug nimmt, ift aber vielmehr die, dafs die genannte
athanafifche Formel der in dem Bewufstfein Jefu als des
Sohnes Gottes eingefchloffenen Abficht, dafs die Menfchen
durch den Glauben an ihn Kinder Gottes werden follen,
analog ift und im Gegenfatz zu der fpäteren
kirchlichen Lehrbildung von der Gottheit Chrifti fleht,
nach deren Abficht diefes Prädicat einen Ausdruck des
unüberfchreitbaren Abftandes Chrifti gegen die Genoffen
feiner Gemeinde bildet: weshalb auch die weitere Erwägung
Ritfchl's dahin geht, ,wie man dem Gefichts-
punkt des Athanafius wieder Geltung verfchaffen könne'
(vgl. S. 360 /. c.).") — Möge der Herr Verfaffer diefe Bemerkungen
für nichts anderes aufnehmen als für ein
Zeichen des Intereffes, und der Gemeinfamkeit des Sinnes,
welchem entgegen der vielfachen Verkennung Ritfchl's
vielmehr an deffen voller Würdigung gelegen ift! — Der
Schrift felbft wünfehen wir die weitefte Verbreitung.
Sie wird gewifs, wie der Verfaffer S. 52. hofft, dazu beitragen
, ebenfo die leidenfehaftlichen Angriffe auf die
Theologie Ritfchl's in das gebührende Licht zu fetzen,
wie die Zahl derer zu vermehren, welche ihr das Zeugnifs

des Johannes de saneto Getniniano.

Friedberg. Dr. Diegel.

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von Dr. Caspar Rene Gregory.
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(Fortfetzung in nächfter Nummer.)

*) Doch f. Rechtf. u. Verföhng. 2. Aufl. Bd. 1 ? 2, Bd. 3 J 44, Unter
rieht i. d. chrifti. Religion. 2. Aufl. 45. Anm. der Redaction.