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Ausgabe:

1883

Spalte:

485-486

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Cunningham, William

Titel/Untertitel:

The Churches of Asia 1883

Rezensent:

Harnack, Adolf

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Seite 1

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485 Theologifche Litcraturzeitung. 1883. Nr. 21. 486

fchaft mit dem Urtext entdeckt H. auch 10, 38, wo dt
den in der ganz abweichenden Geftalt der LXX nachgebrachten
Satz iS 'TSE: n*)t$ <">'5ET: ,an dem, der
aufgeblafen ift, (an dem Stolzen) wird feine Seele nicht
Wohlgefallen haben' (II), aufserdem als vorangegangen

Spannung nahm daher Ref. das Buch von Cunningham
in die Hand; aber er mufste bald erkennen, dafs der
Titel ,The Ckurches of Asia1 ein unberechtigter ift, ja
ein fo unberechtigter, dafs Ref. nicht einmal muthmafsen
kann, welche Erwägungen den Verf. zu ihm geführt

berückfichtige. — Die Chriftologie des Hbriefs wird nicht 1 haben. Nahezu mit demfelbenRechte könnte dasBuch ,die
fowohl aus diefem entnommen als aus Joh. 3, 13 (18. I Kirche von Rom' oder anders überfchrieben fein. Diefe
132. 151. 178. 268). Zur Rechten Gottes fitzt Chriftus i oder ähnliche Ueberfchriften wären allerdings nicht minder
nach 10, 12 allerdings feit feiner Himmelfahrt, aber nach ; irreführend; denn das Buch verträgt keinen anderen
8 I. 4. 9, 24 feit feiner Aufftellung zum Hohenpriefter 1 Titel als etwa ,die Anfänge der chriftlichen Kirche',
durch den'"ottlichen Schwur Pf. HO, durch den er auch Was der Verf. giebt, ift eine Skizze der Entwicklung
bereits xtztleaotitvog wurde (7, 28); ,im Himmel . . . der chriftlichen Kirche als einer Gern ei nfchaft, näher
wurde das Opfer (Chrifti] dargebracht, . . . indem es als einer neuen Gefell fchaft in der Welt. In diefer
hier auf Erden gebracht wurde' (135), und zwar ,durch Begrenzung will er die wefentlichen Momente der Ent-
Vermittelun" (!) der . . . himmlifchen Hütte' (9, 11), ,in 1 wicklungsgefchichte der Kirche bis zum Ausgang des
der er ... zu Haufe . . . blieb, auch als er in . . . unfer 2. Jahrhunderts fchildern. Dabei ift der Verf. aber doch
Eleifch . . einkehrte' (271. 151). Diefer Himmel oder das : fehr eklektifch verfahren, und man begreift nicht, warum
Allerheiligfte ift übrigens felbft ,im buchftäblichen Sinne' | er Einiges fo ausführlich behandelt, Anderes und zwar
(9, 24) nur ,die göttliche Innenfeite der Welt', anderwärts j Wichtigeres nur ftreift. So ift der quartodecimanifch.cn
(4, 14. 10, 19) einfach die Gegenwart Gottes. Derfelbe 1 Controverfe ein nicht geringer Theil der 200 S., welche
Spiritualismus macht aus der 716hg jitllovaa 13, 14 den 1 die Ausführung umfafst, gewidmet; während der Gnofti-
,neuen Zufammenfchlufs aller Bürger Gottes in der ... I cismus und Marcionitismus ganz kurz behandelt find.*)
Völkerkirche', ohne doch auch das himmlifche Jerufalem ! Das Verfahren des Verf.'s ift in der Gruppirung fowohl
12, 22 fo umdeuten zu können. I wie in der Einzelausführung fchwer verftändlich, und fo

Der Stil ift ganz an dem Hofmann'fchen gebildet, fruchtbar der Gefichtspunkt ift, unter welchem er die
Nicht unbeanftandet dürfen bleiben Ausdrücke wie ,auf ' Entwicklung betrachten will, fo wenig wird er den
etwas rückfichtigen', ,folch Gang', ,Fernung', ,Sammt- 1 Lefer, der nach gründlicher Belehrung fucht, befriedigen,
begriff', ,urftänden', die durchgängige Einfchliefsung Was der Verf. fagt, ift meiftens wohl erwogen und
von Citationen in Kommata ftatt Parenthefen (z. B.: j richtig; aber Alles ift viel zu fkizzenhaft, um wirklich
AJnrein, Ebrard, Lünemann, oder fündig, Hofmann, förderlich zu fein. Daher kann man das Buch nicht als
heifst v.oivög nicht' 186), das Fehlen der Seitenüber- eine wirkliche Bereicherung unferes Wiffens von der
fchriften, die feltene und im Context verfteckte Angabe j alten Kirche bezeichnen; aber als einen anziehend ge-
der Verszahlen und die Bezeichnung ,8, 2' für ,Vers 8b'. fchriebenen Effay, der manche eigenthümliche Beob-

Eine Gliederung des Briefes ift nirgends verfucht. Gut,
aber doch nur nach der Leetüre des Commentars verftändlich
ift die Recapitulation des Gedankenganges
253—298. Hier fieht man zugleich am deutlichften, wie

achtungen enthält, wird man es mit Intereffe lefen.

Der Verf. beginnt mit einer kurzen Skizze ,des
vorchriftlichen Begriffs der göttlichen Gefellfchaft (,Con-
ption of the Divine Society1') im Judenthum, fpeciell zur

oft der Verf. dem Hbrief feine eigene Theofophie unter- J Zeit Chrifti. Er erörtert dann den Urfprung des chrift-
fchiebt (z. B. 273 f.). Das Buch enthält natürlich auch , liehen Begriffs der göttlichen Gefellfchaft nach den
viel Richtiges und zeugt jedenfalls von vielem Scharf- j fynoptifchen Evangelien, der Apoftelgefchichte, dem

finn; auch fei die leidenfchaftslofc Sprache rühmend
anerkannt. Aber dafs es wiffenfehaftlichen Anforderungen
entfpräche, dazu ift die Naivität, mit welcher der Verf.

Jacobusbrief, der Apokalypfe, dem erften Petrusbrief,
den nach Afien gerichteten Briefen des Paulus und dem
4. Evangelium. Hieran fchliefst er eine kurze Ueberficht

es unternommen, ein Ausleger des N. T.'s zu fein, doch j über die einfchlagenden Auffaffungen der Chriften im
gar zu grofs, und eine Förderung der Wiffenfchaft haben j nachapoftolifchen Zeitalter {Nature of tlic Christian Society

wir auch für Einzelfragen darin nirgends finden können.
Jena. Paul W. Schmiedel

Terms of Admission. Life of the Members. Organisation:
, Viceregal Episcopacy1. Civic Episcopacy — existence of seif
regulating bodics). Was der Verf. über den Epifikopat

Cunningham. William, M. A., The Churches of Asia. A ! bemerkt, verdient befondere Beachtung.

methodical sketch of the second Century. London,
Macmillan and Co., 1880. (XVI, 299 S. 8.) 6 s.

Erft vor einigen Wochen ift vorftehendes Werk in
meine Hände gekommen; es wird auch jetzt noch nicht
zu fpät fein, dasfelbe den Lefern diefer Zeitfchrift vor-
zuftellen. Zunächft hat man allen Grund, über den Titel
mit dem Vcrfaffer zu rechten. Man erwartet nach dem-
felben eine erfchöpfendeBefchreibung der kleinafiatifchen

In dem zweiten Thcile fchildert der Verf. den Con-
flict der chriftlichen Gefellfchaft mit aufserchriftlichen
Einflüffen. In etwas bunter Reihe folgen fich Gnofticis-
mus,Judaismus(pharifäifcherund effenifcherEbionitismus),
,Sunnval of Grcek political ideas' und ,Roman admini-
stration'. Die folgenden Abfchnitte Hellen das Ergebnifs
dar: den Verfall des , Viceregal Episcopatc', die modifi-
cirte Verfaffungsordnung u. f. w. Eingefchoben ift ein
kurzer Abfchnitt, in welchem der Verf. von den Wirk-

Kirchcn im 2. Jahrhundert, etwa nach dem Mufter des j ungen des Falls von Jerufalem und des Todes der

ausgezeichneten Werkes, welches Münter der nordafri
kanifchen Kirche gewidmet hat. Wie dankenswerth eine
folchc Arbeit wäre, braucht nicht erft gefagt zu werden.
Sieht man fich doch bei der Erörterung der für die
Gefchichte der Kirche im 2. Jahrhundert wichtigften
Fragen immer wieder von Rom, Gallien und Nordafrika
nach Kleinafien gewiefen. Eine Monographie aber über
die kleinafiatifchen Kirchen fehlt noch immer, fo viel in
den Werken über NTliche Einleitung auch von denfelben
zu lefen fleht. Das Ausführlichfte hat Renan in feinem
grofsen Werke gegeben; aber fo werthvolle Beobachtungen
fich bei ihm finden, fo wenig vermögen fie dem
Bedürfnifse zu genügen, welches nur durch eine Monographie
befriedigt werden kann. Mit nicht geringer

Apoftel handelt.

Den dritten und letzten Theil hat der Verf. überfchrieben
: ,The natnre of the Christian Institutions as
reflected in carly Controversies'. Hier wird vom Marcionitismus
, Montanismus, der Arcandisciplin, der Schlüffel-
gewalt und fchliefslich von der Controverfe über das
Ofterfeft gehandelt. In diefem letzten Theile tritt der
fkizzenhafte Charakter der ganzen Schrift am ftärkften
und ungünftigften hervor.

Giefsen. Adolf Harnack,

*) S. 218 —299 des Werkes enthalten lediglich Ueberfetzungen ausgewählter
Quellenftellen (Clemens, Hermas, Ignatius, Jüdin, Eufebius, Apoft.
Conftitut.), fowie eine chronologifche Tabelle und das Regifter.