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Ausgabe:

1883 Nr. 21

Spalte:

483-485

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Holtzheuer, Otto

Titel/Untertitel:

Der Brief an die Ebräer ausgelegt 1883

Rezensent:

Schmiedel, Paul

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483 Theologifche Literaturzeitung. 1883. Nr. 21. 484

Holtzheuer, Superint. Lic. Otto, Der Brief an die Ebräer, J thum bleibt, infofern es ,inftitutionell dem natürlichen
ausgelegt. Berlin, Wiegandt & Grieben, 1883. (298 S. j Zufammenhang enthoben ift'). 10, 20 (Cüaa und occq-mq).

gr 8N M 4 _ II, 3. 28. 12, 24 (vsa) hinwegführen, um ihn an ganz

I klaren Stellen mit Widerlegung Hofmann'fcher Selt-
famkeiten aufzuhalten. Und fchwerlich würden fich die
Anführungen Anderer faft alle auch bei Hof mann,
fpeciell folche ausBleek, Riehm, Kurtz undTholuck,
wenn wir richtig beobachtet haben — H. hätte uns dies
durch Hervorhebung der Schriftftellernamen im Druck
fehr erleichtern können — mit nur Einer Ausnahme blofs
da finden, wo Hof mann fie als einzige Vertreter einer
Anficht, nie, wo er fie neben Anderen nennt. Auch
Bemerkungen über die Lesart (,Textkritik' wäre dafüi»
ein viel zu vornehmer Name) haben wir mit Einer Ausnahme
nur an Stellen gefunden, wo auch Hofmann
folche macht. Dabei hält es H. nicht für nöthig, zu
fagen, welchen Text er zu Grunde legt. Derfelbe mufs
aber ein recht feltfamer fein, da H. — dies verräth
feine Polemik gegen Hofmann, bei dem diesmal die
textkritifche Notiz fehlt — von der Beanftandung des
vtev.e 11, 11 keine Ahnung hat und ohne jede Bemerkung

Müfste man die Stimmen zählen, fo könnte die
paulinifche Abfaffung des Hebräerbriefs durch den
Confenfus faft fämmtlicher Ausleger des letzten Jahrzehnts
— Hofmann, Wichelhaus, Wörner, Biefen-
thal, Pänek, Holtzheuer, auch Zill — als fo gut wie
gefichert erfcheinen. Die Mühe, welche der jüngfte auf
den Beweis derfelben verwendet, ift bereits äufserft
gering. Die aufgezählten Einwände find eine Auswahl
von der Auswahl Hofmann's, die Widerlegung ift zum
Theil unglaublich oberflächlich. Bezüglich des Sprachlichen
(11 —14) und der äufseren Zeugnifse (1 —10) ruht
auch fie faft ganz auf Hof mann, weshalb wir nur erwähnen
, dafs H. in der Annahme, die Barnabashypo-
thefe flamme aus grundlofer Combination von 13, 22
mit Act. 4, 36, mit Lipfius (GGA 1881, 364) zufammen-
trifft. Der Nachweis paulinifcher Gedankenwelt wird in
der Hauptfache gar nicht verflicht, fondern durch die

Bemerkung abgewiefen, ein Brief des Paulus an Hebräer 6, 18 mit wenigen Minuskeln /.atacpevyovTi-g (= die ftetig
müffe eben fpeeififche Anfchauungen enthalten (14—22). 1 das Judenthum PTiehenden!) und 2, 15 uXXü^ij zu Grunde
Die erforderliche Verdrehung von 2, 3 wird fo bewerk- | legt, was Tifchendorf nicht einmal als Variante bietet
ftelligt: Das Heil ift von den unmittelbaren Plörern ein- 1 ^übrigens foll nach S. 19 anaXXäaasiv ebenfalls ,ändern'
fchliefslich meiner, des Paulus (sie r/u«c), (aus Erfahrung) bedeuten).

bekräftigt worden. Und daneben flehen pofitive Beweife Neben folcher Abhängigkeit fleht eine Reihe, foviel

für paulinifchen Urfprung wie der: ,das . . . kann nur uns bekannt, neuer Erklärungen, die wir aber faft ausPaulus
, tadeln, wie es 5, 11—14 gefchieht, um fich dann | nahmslos als grundverkehrt bezeichnen müffen. 2, 16 foll
doch an die Vollkommenheit zu wenden . . . das ift nach 1 bedeuten: .er erlangt doch wohl nicht EngeP seil. ,als
Analogie von II Cor. 2, 7. Gnomifch draftifch wird im [ (feinen) Samen' (256. 21); 3, 2 f.: Chriftus, der ,zuverläffig
Zufammenhange mit dem echtpaulinifchen vor^ia der [ ift dem, der es [das erft zu erwähnende Haus, d. h.
oxoiyeia . . . die nächfte graufige Zukunft prognofticirt, j Ifrael| gefchaffen hat, wie auch Mofe, in feinem, d. i.

6, 8, aber ... in einer Weife . . . theils, durch die Beziehung
auf das . . . avanaivlZeiv V. 6, für feine fub-
jectiven Amtserwägungen verwerthet, theils, V. 9, durch
das Wohlwollen der Hoffnung, für die Lefer unfehädlich
gemacht . - . dafs wiederum alles das geiftige Gepräge
gerade des Paulus trägt' (15). ,Diefen Gedanken [dafs
,die Sonderbundftellung Ifraels . . . fchlankweg aufgehört'
hat] mit der Unbefangenheit der Einwurfslofigkeit über

Gottes, ganzen Haufe', denn gröfserer Herrlichkeit als
Mofe ift diefes gewürdigt, ,und um fo gröfsere [xae*'
boov] Bedeutung als das Haus hat der', welcher es eingerichtet
; 7, 6: ,als ein folcher, der nicht ein irgend
welchem Gefchlecht Zugehöriger war, hat er aus ihnen
[ex eorum numero d. i. aus denen, welche einem Gefchlecht
zugehörig waren, den Abraham gezehntet', dazu (7, 9)
den Levi, als diefer ,hiltorifche Perfon wurde' (wo fteht

der ganzen Deduction fchweben zu laffen, das . . . ver- gefchrieben, dafs der Bruder des Rüben Zehnten einge-
mochte nur Paulus' (22), wenn er auch nach Act. 21 die | nommen oder dem Melchifedek Zehnten gegeben hat?).
Jerufalemiten gerade überzeugt hatte, wie wenig er Abfall ! ^zoiyela foll Gal. 4, 3 nur den Schatten an der Sonnen-
von Mofe lehre. Jetzt würde Paulus, was er damals zu I uhr, d. i. die Vergänglichkeit bedeuten können, folglich
ihrer Beruhigung that, nicht wieder thun' (249). Die j Hebr. 5, 12 OT0i%eia trje aqym tojv Xoyiwy tov &eov
Adreffe ift, wie man fieht, wieder einmal Jerufalem, der ! ,die Vergänglichkeit des Altteftamentlichen' und Xöyog
Hauptgrund (11. 188) dafür der, dafs der Brief die ,Ge- dr/.aioovv'tjg 5, 13 das A. T. Das unfruchtbare Land
gengabe' des ,von den Enden der Erde zurückkehrenden 6, 8 ift das ungläubige Ifrael, yuiaig die Zerftörung
Paulus' für den Römerbrief ift, durch den ,über Jerufalem I Jerufalems, und nur fie, nicht ein inneres Hindernifs ift
hin die Enden der Erde für das Evangelium erreichbar j der Grund der Unmöglichkeit der Bufse (6, 4). Die
wurden' (22 f.). ,Der Apoftel ift... im Erühjahr 63 nach | erft auf Paulus zugerichtete Lesart dtoftoig (.iov 10, 34
Spanien aufgebrochen, ift dort bis Anfang Sommer ge- wird um fo unbedenklicher beibehalten, da auch Ssafiioig
blieben, hat an der Grenze des Heidenmiffionsgebiets j ,Feffeln' (von dtof^aov) bedeuten würde; ja auch die
fich wieder mit befonderer Liebe feinen Volksgenoffen j «071071) twv vnaqyövnov (ibid.) ift nur das Aufhören der
zugewendet, die ihn treibt, abermals gen Jerufalem zu I Spenden des Paulus an Jerufalem feit feiner Gefangenziehen
. . . über Philippi [Phil. 2, 24] den Weg nehmend' ; fchaft. Da das Gefetzbuch nach ex. 24, 8 die Grundlage
(252). Wer doch auch fo zuverhehtlich erzählen könnte! ! des Bundes ift, fo fügt Paulus, der die Stelle ,organifch
Der Commentar (24—253) ift faft noch mehr als die 1 reconftruirt', 9, 19 mit Recht hinzu, dasfelbe fei eben-
Einleitung wefentlich eine Bearbeitung des Hofmann'- falls, und zwar an erfter Stelle, wenn auch nur ,princi-
fchen. Viele Behauptungen des letzteren werden beftritten, ] piell', befprengt worden (letzteres grofsentheils wörtlich
fonft aber das Meifte aus ihm gefchöpft, dies auch öfters fchon Zeitfchr. f. kirchl. Wiff. 1881, 28—34;. Mehr der-
angegeben. Benutzung neuerer Literatur zeigt fich nir- j gleichen f. zu 4, 3 (i'qya). 5, 8. 7, 25 (Ivtvyyaveiv S. 125.
gends, wenn nicht etwa bei der je zweimaligen Ver- j 129 gegen 19). 9, 17 (jießaia). 23. 26 (und). 12, 10.21.25.
weifung auf Cremer und Weifs die neuen Auflagen 13, 19. — Die altteftamentlichen Citate als überein-
gemeint find. Es ift aber nicht einmal wahrfcheinlich, ftimmend mit dem Grundtext nachzuweifen wird fogar
dafs H. auch nur eine mäfsige Zahl von den bei Hof- 1, 7- 2, 7. 10, 37. 12, 26 verfucht; dagegen II, 21 ,hält
mann citirten Commentaren fyftematifch durchgearbeitet fich der Apoftel an die LXX', 3, 9 f. hat er ,die Stelle
habe. Sonft würde er fchwerlich den Lefer über die ' felbftändig behandelt', 12, 15 IvoyXj, (ftatt h yuXiß nicht
gröfsten Schwierigkeiten fo ahnungslos wie bei 2, 14. j etwa einem Vorgänger des cod. Alex, entlehnt, fondern
6, 15. 9, 10 (bii). 16—18 (Tod des Erblaffers im A.T.). i .abfichtlich gewählt', und 10, 5 ift fftüjU« (ftatt dniu) ein
21. 28 (avsvtyytiv). 13, 8 oder mit einer tieffinnig fchei- ■ ,Quidproquo' der LXX, aber ,fo bezeichnend, um [sie]
nenden Phrafe, wie bei 4, 15. 7, 3 (Melchifedek's Priefter- [ von dem Apoftel feftgehalten werden zu müffen'. Bekannt-