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Ausgabe:

1883 Nr. 2

Spalte:

29-34

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Klöpper, Alb.

Titel/Untertitel:

Der Brief an die Colosser 1883

Rezensent:

Holtzmann, Heinrich Julius

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29 Theologifche Literaturzeitung. 1883 Nr. 2. 30

der aramäifchen Nominalbildung geradezu unmöglich gemacht
, zumal wenn (ich an dies Mutabiles als anderweitige
Rubriken noch die Derivate das Gentilicium 1*3 und
die Derivate n'3 anfchliefsen. Uebrigens ift DB fo wenig
tS"S — Bildung, als T5> (aus 'ins!) und höchft wahrfcheinlich
auch S|J.

Doch genug mit diefen Ausheilungen, die uns um
fo faurer geworden find, je gröfseren Dank wir Baer für
feine textkritifchen Leitungen — gerade auch bezüglich
der aramäifchen Stücke — fchuldig find. Mit diefemDank
an den Textkritiker wollen wir fchliefsen, indem wir noch
conftatiren, dafs fich auch im hebräifchen Texte des
Daniel, Ezra und Nehemia überall die gröfste Sorgfalt
und Umficht bei der Feftftellung der maforetifchen Tradition
kundgiebt. Von befonders bemerkenswerthen LA.
notiren wir: Dan. 9, 8 mrf] (ftatt 151»); 9, 19: HD11 SS pH;
10, 19 TTTD1 (nicht DI); n, 3 Dp; II, 43 Dipb; Ezra'i,
Sund Ii: ISDOTD; 2, 2 "OTta (mit' Baer 'TIM zu fchreiben,
will uns nicht aus der Feder); 2, 61 H^Dfi; 3, 4 OBIDDD;
Nehem. 7, 68 ift mit Recht als Interpolation aus Ezr.

Vers für Vers reproducirenden Commentars hervorzuheben
, begnüge ich mich mit der Verficherung, dafs der-
felbe auch die gebrauchteften und beften unter den vorhandenen
Commentaren — vielleicht abgefehen von der
nur fporadifch berückfichtigten Gefchichte der Auslegung
und von der Textkritik 1 darüber auch ungenaue Angaben
S. 147 und 353) — in Schatten ftellt und vielleicht noch
auf geraume Zeit die vorzüglichften Dienfte für das Ver-
ftändnifs des Briefes leiften wird. Stellung dazu zu
nehmen, könnte ich nicht umhin, auch wenn ich nicht
von vornherein und bis auf die letzte Seite das Haupt-
angriffsobject zu bilden in der Lage wäre.

In meiner vor zehn Jahren erfchienenen ,Kritik der
Ephefcr- und Kolofferbriefe' war ich zu dem Refultate
gelangt, dafs der Epheferbrief nach Form und Inhalt
ebenfo gewifs der Schule des Paulus zu- wie ihm felbft
abzufprechen ift, und dafs der Kolofferbrief in jeder Beziehung
halb ift, was jener ganz, fofern er ein Doppel-
geficht erkennen läfst, den wirklichen Apoftel nach der
einen, den Autor ad Eplicsios nach der andern Richtung.
Erft nachträglich (Zeitfchrift für wiffenfchaftliche Theo-

2, 66 (nicht 65, wie p. 114 angiebt) geftrichen, fo dafs ™" ™ ff"™ 1 ^ ' ^ ^

Can. 7 nur 77. Verfe zählt. Intereffant hleihf es ührkzens loSie> lSV.3> b-.42S b)..habe ich noch die frage autge

Cap. 7 nur 72 Verfe zählt. Intereffant bleibt es übrigens
doch, dafs fogar noch in nachmaforetifcher Zeit ein
ganzer Vers in den Text interpolirt werden konnte.

Tübingen. E. Kautzfeh.

Klöpper, Alb., Der Brief an die Colosser. Kritifch unter-
fucht und in feinem Verhältnifse zum paulinifchen

Lehrbegriff exegetifch und biblifch-theologifch erörtert. '< der Authentie des kleinften im Bunde der drei Briefe

worfen, ob vielleicht die Parallele Philem. 4—6 (=Kol. 1,
3. 4. 9 = Eph. 1, 15—17) als eine Spur derfelben Hand
zu werthen fei, welche erft den Epheferbrief nach Vorlage
des echten Kolofferbriefes abgefafst und dann den
letzteren wieder jenem conformirt und beide Schriftftücke
als Zwillingsbriefe in Umlauf gefetzt hat. Ich erwähne
dies, weil mir Davidfon {A11 introduetion to the study
qf tlic N. T. 2. ed. I, S. 152) mifsverftändlich Verwerfung

Berlin 1882, G. Reimer. (III, 553 S. gr. 8.) M. 10.- ! be'mifst- Jedenfalls war alfo- meine Route die entgegen-

JJ 0 I geletzte zu derjenigen, welche der neuelte Uommentator

Die gleiche Abfaffungsverhältnifse vorausfetzenden ! eingefchlagen hat, und dem entfpricht auch der Gegen-
und auch fachlich fo vielfach fich untereinander berühr- fatz unferer Endergebnifse, braucht alfo nicht gerade
enden Briefe an den Philemon, die Koloffer und die : aus darwiniftifchen Neigungen auf meiner Seite herge-
Ephefer bilden bezüglich der Schwierigkeiten, die üc der j leitet zu werden (S. 27. 38. 40).

Kritik darbieten, eine Scala, bei der ,es keineswegs I Gewifs hat Klöpper das Mögliche geleiftet, um den

gleichgültig ift, von welcher Seite her die Betrachtung
anhebt' (S. 2 f.), d. h. ob man vom Philemonbrief hinauf
zum Epheferbrief oder aber vom Epheferbrief herab
zum Philemonbrief fteigt. Jenes bezeichnet die Route

Brief im Leben des Paulus begreiflich erfcheinen zu
laffen. Schon feit Jahren war der Apoftel feinen alten
Miffionskreifen entrückt; von feinen Gemeinden und
deren individuellen Intereffen weit entfernt, wendet er

des Verf.'s, welcher an den in beiden Fällen die Mittel- nunmehr feine Aufmerkfamkeit der Gefammtkirche zu
ftation bildenden Kolofferbrief mit der begründeten Vor- ; (daher die exz/buff« ftatt der s/./.hplat) und zieht in der
ausfetzung herantritt, dafs derfelbe ,mit dem gleichzei- I fo anfechtbaren Stelle 1, 24 wohl nur im Rückblick auf
tigen, nur ganz vereinzelt und mit den vagften Gründen fein langes, drangfalvolles Berufsleben die fegensvollen
verdächtigten Briefe an den Philemon rückfichtlich der j Refultate desfelben für den Gefammtcomplex feiner Gebezüglichen
Perfonalien auf das Befte übereinftimmt'(S. i meinden in Betracht (S. 241. 317). Gegnern gegenüber,
20). In der That ftellt fich an der Hand diefer Exegefe i von denen er nicht perfönlich angegriffen war, überhaupt
trotz aller unbefangen gewürdigten Bedenken, die fich | nur durch Mittelperfonen gehört hat, legt er natürlich

die altgewohnte Waffenrüftung ab (S. 115) und kehrt
vielfach neue, über die aus den Hauptbriefen bekannten
hinausgehende, Seiten feiner Gedankenwelt hervor.
Eine definitive Löfung der Räthfel des Briefes fteht formt
ganz befonders von der genaueren Kenntnifs der

feit faft einem halben Jahrhundert angehäuft haben (S.
2 f. 7 f.), heraus, dafs Paulus unferen Brief fo wie er vorliegt
von Rom aus (S. 48 f.) in der fpäteren Zeit feiner
dortigen Gefangenfchaft (S. 53 f. 500 f.) nach Koloffä
in Phrygien gerichtet hat. Dafs gleichzeitig auch das

unter dem Namen des Ephcferbriefes kanonifch gewor- ] hier bekämpften Irrlehre zu erwarten (S. 59). Die
dene Sendfehreiben Entftehung gefunden, wird zwar j Polemik gegen ,ein effäifirendes Judenchriftenthum' wird

fich von jder fonft bekannten Bekämpfung des pharifä-
ifchen Judcnchriftenthums in dem Mafse entfernen, als
der erftere Standpunkt über den letztgenannten hinaus-

zu 4, 16 angedeutet (S. 549 f.), fonft aber grundfätzlich
jedwede Berückfichtigung diefes Seitengängers vermieden
(S. 2 f. 6. 10. 28. 256). ,Auch er wird vollen Anfpruch
daraufhaben, zunäclift als eine für fich beftehende Gröfse i geht (S. 112).
auf feine apoftolifche Herkunft, feinen Leferkreis, Zweck j Hier beginnen nun die gewagteren Gedankengänge,
und Gedankengehalt geprüft zu werden. Erft dann .... Aus dem Umftande, dafs wir nur eine fehr unvollkom-
werden wir im Stande fein, beide Briefe, die uns fo j mene Kenntnifs der effäifchen Gcfammtanfchauung be-
keineswegs blofs nach ihren Einzelheiten, fondern nach | fitzen, wird das Recht abgeleitet, diefelbe mannigfach
ihrem individuellen Gefammttypus zu möglichft klarer i zu ergänzen (S. 81), z. B. dahin, dafs die apokalyptifchen

Anfchauung gebracht worden find, mit einander zu vergleichen
und ein gefichertes Endurtheil über ihr gegen-
fertiges Verhältnifs zu bilden' (S. 4).

Der Verf. ift diefer Aufgabe, was nun vorläufig einmal
den Kolofferbrief betrifft, in mufterhafter Weife nach-

Vifioncn der Effäer durch ,Vermittelung von fecundär-
göttlichen Wefen' zu Stande gekommen feien (S. 488 f.)
und dafs bei ihnen die Befchneiclung die Bedeutung eines
fymbolifchen Inauguralactes ihrer fpiritualiftifch-asceti-
fchen Lebensrichtung gewonnen habe (S. 397 f.); ferner

gekommen. Anftatt einzelne Vorzüge feines, in breiter j dafs fie alle jüdifchen Fefte mitgefeiert (S. 434), gleich-
und doch nicht ermüdender Ausführlichkeit den Text | wohl aber weder Wein noch Fleifch genoffen hätten