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Ausgabe:

1883 Nr. 16

Spalte:

367-368

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Latendorf, Friedrich

Titel/Untertitel:

Hundert Sprüche Luthers zum alten Testament 1883

Rezensent:

Enders, Ernst Ludwig

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Seite 1

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367

Theologifche Literaturzeitung. 1883. Nr. 16.

368

von Fällen an, in welchen der urfprüngliche Text der
Präparatio des Eufebius durch die Uebereinflimmung von
A (Arethashandfchrift) und Theodoret ficher ermittelt
werden kann. ,Quod ad libros VI.—XV. attinet, eis quae-
stionis adiuioribus caremus1. ,Ea de causa rarius ex Theodor
eto perspicitur, ubi Eusebius ipse prave aliquid scripserit;
interpolationes enim, quac ex scriptorum paganorum libris
in Praeparationem illatae sunt, si Codices Eusebii consentiunt,
omnino certa ratione reperiri nequeunt, cum nemo de singulis
verbis diiudicare audeat quid Theodorcti, quid Eusebii negle-
gentiae, quid Curationis, quid Praeparationis librariorum
socordiae aut emendandi studio tribucndum sit'. Dennoch
führt der Verf. eine Reihe von Fällen an, in welchen
die Emendation refp. die Beftätigung des eufebianifchen
Textes durch Theodoret fehr wahrfcheinlich ift.

Von diefen Fällen abgefehen, zeigen die Unterfuch- !
ungen des Verf.'s aufs neue — freilich an einem ver-
hältnifsmäfsig untergeordneten Punkte —, wie viel wir
dem Fleifse und der Sorgfalt des gelehrten Erzbifchofs j
Arethas von Cäfareä zu verdanken haben. Meine Nach-
weife über die gelehrte Thätigkeit diefes Mannes (a. a. O.
S. 36 f.) haben zu meiner Freude das Intereffe nicht j
weniger Alterthumsfreunde erregt. So bin ich jetzt bereits
in der Lage, manche Ergänzungen zu dem kurzen
Berichte zu geben, den ich vor zwei Jahren niederge-
fchrieben habe. Nicht nur in paläographifcher Hinficht
werden die Arethashandfchriften in Zukunft einen Ehrenplatz
einnehmen, fondern in der Gefchichte der Ueber-
lieferung der klaffifchen und der kirchlichen Literatur wird
der Name des alten Erzbifchofs eine der erften Stellen
erhalten. —

In Bezug auf einige Stellen in der ,Curatio(, welche
fowohl bei Eufebius als bei Clemens fich finden, nimmt
der Verf. mit Vorbehalt an, dafs Theodoret fein Excerpt
aus dem Letzteren nach Eufebius corrigirt habe, da er
bald mit diefem bald mit jenem ftimme. In der Einleitung
kündigt er eine Unterfuchung über das Verhältnifs von
Theodoret zu Cyrill von Alexandrien an, indem er andeutet
, dafs beide ihre Kenntnifs der ,pJiilosophiae Historie!
des Porphyrius einer und derfelben abgeleiteten Quelle
verdanken. ,Commentationem alteram, qua de doctrina
Theodoreti et de studiis scholae Antiochenae animadversiones
continebuntur, data occasione publice iuris faciam1. Möge
die ,Gelegenheit' dem forgfältigen Forfcher nicht fehlen!

Das Epimetrum über die Platohandfchriften hat für
den Kirchenhiftoriker infofern ein Intereffe, als der Verf.
feftzuftellen fucht, wie fich die von Eufebius benutzten
Handfchriften des Plato zu dern uns überlieferten Texte
verhalten. Dafs auch für eine Reihe platonifcher Dialoge
Arethas der befte Zeuge ift, ift durch Schanz
bewiefen worden (f. Texte u. Unterf. a. a. ü. S. 40 f.).

Giefsen. Adolf Harnack.

Latendorf, Friedr., Hundert Sprüche Luthers zum alten
Testament in hochdeutfeher, niederdeutfeher und nie-
derländifcher Faffung. Aus den Originaldrucken ausgewählt
und mit erläuternden Zufätzen begleitet.
Roftock und Ludwigsluft, Hinftorff, 1883. (26 S. gr. 4.)
M. I. 20.

Der Werth diefer P'eftfchrift mit ihrer Auswahl von
100 fog. Randgloffen Luther's zur Bibel, denen die nieder-
deutfehe Ueberfetzung nach einem Magdeburger Bibeldruck
von 1545 (vgl. über denfelben Ausführlicheres bei
Hülfse, Gefch. der Buchdruckerkunft in Magdeburg,
sub Nr. 245, in den ,Gefch.-Blättern f. Stadt und Land
Magdeb.' Jahrg. 17 S. 43; Latendorf giebt blofs den Titel),
fowie die niederländifche Ueberfetzung nach der Emdener
Bibel von 1365 gegenübergeftellt find, liegt wohl mehr
nach der philologifchen, als theologifchen Seite hin.
Doch ift das, was der Verf. S. 17 f. über die Deux-Aes-
und Eulenfpiegel-Bibeln, fo genannt wegen Luthers

Randgloffen zu Nehem. 3, 5: ,Teus Efs hat nicht, Sees
Zing giebt nicht, Quater Drei die helfen frei', und zu Jef.
Sir. 19, 5: ,Schalkheit: als Ulenfpiegel, Vincentius, Pfaff
von Kalenberg' (Erl. Ausg. Bd. 64 S. 65 u. 176), beibringt
, auch für den Theologen, fofern er fich fpeciell
mit Luther oder mit Bibelliteratur befchäftigt, von Intereffe
. L. weift nach, dafs diefe Benennung eigentlich nicht
nur den Emdener Drucken, fondern auch den hochdeut-
fchen feit 1341 zukomme; ebenfo wird der Nachweis
der von anderen Literatoren feither überfehenen Abhängigkeit
der niederländifchen von der niederdeutfehen
Ueberfetzung erbracht. Auch wollen wir nicht verfehlen,
eine Correctur namhaft zu machen, welche S. 2 die 1er-
langer Ausgabe Bd. 64, S. 9 zu Genef. 30, 14 erfährt,
wo es heifsen mufs: ,Es heifsens etliche Jueden Kirfchen'
(ftatt: Es heifsens Etliche Jüdenkirfchen).

Oberrad. Enders.

Evers, Paft. Dr. C, Dr. Martin Luther in Wort und Bild.

Feftfchrift zur 400jährigen Geburtstagsfeier desgrofsen
Reformators, mit 8 Stahlft. v. Prof. C. A. Schwerd-
geburth. Leipzig, Uhlig, 1883. (XIII, 35 S. Fol.)
M. 12. —; geb. M. 15. —

Diefes Werk giebt ein bei aller fubjectiven Wärme
gefchichtlich objectiv gehaltenes Lebensbild unferes
grofsen deutfehen Reformators. Die Vereinigung von
Knappheit und reicher Fülle ift dem Verf. auf's Befte
gelungen. Die Eintheilung in fechs Abfchnitte ift zutreffend
: 1. Luther's Vaterhaus und feine Jugend (1483 —
1505); 2. feine evangelifche Entwicklung (1505—17);

3. fein erftes Zeugnifs (1517—-21); 4. fein reformatorifcher
Kampf (1521—25); 5. feine kirchliche Bauarbeit (1525—
32); 6. fein Lebensabend (1532—46).

Die Darftellung ift bis zu Ende feffelnd und eindringlich
. An vielen Stellen werden Luther's Ausfprüche
im Wortlaut angeführt. Deshalb dürfte das Werk für
jedes gebildete evangelifche Haus, dem nicht umfangreichere
Werke über Luther zu Gebote flehen, zur
400jährigen Geburtstagsfeier Luther's eine höchft willkommene
Jubiläumsgabe fein.

Die beigegebenen acht Stahlftiche von Prof.
C. A. Schwerdgeburth in Weimar (1. Luther's Abreife
von Wittenberg nach Worms 1521; 2. feine Ankunft
auf der Wartburg; 3. feine Predigt im Dorfe Möhra;

4. fein Verweilen in Jena; 5. feine Vermählung; 6. fein
P"amilienkreis am Weihnachtsfefte; 7. fein Abfchied von
Wittenberg [Jan. 1546] und 8. das grofse Schlufsbild:
Luther auf dem Reichstage zu Worms), welche in einzelnen
Stichen fich bereits in viele Häufer eingeführt haben,
find zart und gefchichtlich treu. Wie man ,Luther im
Wort' immer und immer wieder lefen wird, wird man
,Luther im Bild', befonders die liebliche Familiengruppe
am Weihnachtsfefte und das Lutherzimmer in Wittenberg,
die andächtige Dorfgemeinde und die Linde in Möhra,
fowie die Wartburg, ebenfo oft und gern wieder fchauen.

Leipzig. Dr. Seifert.

Keller, Staatsarchivar Dr. Ludw., Ein Apostel der Wiedertäufer
. Leipzig, Hirzel, 1882. (X, 258 S. gr. 8.) M. 3. 60.

Die Frage nach der Entftehung und Gefchichte des
Täuferthums ift in den letzten Jahren mehrfach aufgenommen
worden und nicht zum wenigften verdanken wir
es den Arbeiten Keller's, dafs fie in Flufs geblieben.
Er hat nicht nur das Verdienft, durch fein Buch über
das Reich der Wiedertäufer zu Münfter jene tragifchc
Epifode von Neuem auf archivalifchem Wege erforfcht,
fondern mehr noch als Cornelius den Nachweis geliefert
zu haben, dafs die vulgäre und traditionelle Auffaffung
von der numerifchen Unbedeutendheit der Täufer eine
gänzlich irrige ift, vielmehr in den zwanziger Jahren des