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Ausgabe:

1883

Spalte:

313-318

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Davids, T. W.

Titel/Untertitel:

Lectures on the origin and growth of religion as Illustrated by some points in the history of Indian Buddhism 1883

Rezensent:

Baudissin, Wolf Wilhelm

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack und D. E. Schürer, Proff. zu Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 10 Mark.

N°- 14. 14. Juli 1883. 8. Jahrgang.

Davids, History of indian Buddhism (Graf | by William Smith and Henry Wace. Kaftan, Das Leben in Chrifto. Predigten

Baudiffin). Vo'- H*. (A. Harnack). (Gottfchick).

Kuenen, National religions and universal reli- j Seebafs, Ueber Columba's Klofterregel (Loofs). Ahlfeld, Morgenandachten (Gottfchick).

gions (Graf Baudiffin). Gerbel-Embach, Ruffifche Sectirer (Bon- Poetter, Gefchichte der Philofophie im Grund-

Chwolfon, Corpus inscriptionum Hebraicarum j wetfch). rifs (Gottfchick).

(Kautzfeh). Hoffma nn, Mein Weg nach Jerufalem. i.Theil i S choel, Zur Kritik der Herbart'fchen Religions-

Dictionary of Christian Biograph)' etc., edited i (Rade). | philofophie (Flügel).

1. Davids, T. W. Rhys, Lectures on the origin and growth uns die Entftehung der am weiteften ausgebreiteten Welt

of religion as illustrated by some points in the history of

religion verftändlich zu machen und das Intercffe für die-

uxl. ,. t „*. ,00, t ~„a^n 1 felbe zu erwecken, in hohem Grade gerecht geworden

ndian Buddhism. Htbbert Lectures, 1881. London, j „ , c . > . ... , . &. *> „

Etwas Unbefriedigendes freilich wird nicht ohne Grund

Williams & Norgate, 1881. (VII, 262 S. gr. 8.) Cloth.
10 s. 6 d.

für viele Lefer zurücklaffen das Fehlen der Antwort auf
die doch mit Nothwendigkeit fich aufdrängende Frage,

2. Kuenen, A., National religions and universal religions. | w»e denn der Verf. über jene feltfamen Gedankengebilde

tt eu i- r *. 00_ t a„„ w:ii;-.m ■ m«.„,to 1 urtheile, die er uns fo verführerifch deutlich zu machen

Hibbert Lectures, 1882. London, Wilhams Sc fvorgate, ' c .„

! weifs. Glaubt er an .Seelenwanderung' (Karma) und

1882. (350 b. gr. 8.) Cloth. 10 s. 6 d. j Nirwana und jene anderen Vorftellungen, die als fo ein-

Ueber frühere Erfcheinungen der Hibbert-Lectiires fach, wie von felbft fich ergebend hier erfcheinen? In-
habe ich berichtet in diefer Zeitung 1880 C. 452 ff. und | wieweit der Verf. nur erläutern, in wie weit er auch
1882 C. 337 ff. Die beiden oben genannten neuen Serien überreden will, ift fchwer zu unterfcheiden. Sein Auffind
hervorragende Leiftungen bedeutender Fachmänner, treten aber wie ein Miffionar des Buddhismus ift doch
welche durch die befondere Wichtigkeit und Anziehungs- : wohl nichts anderes als eine Rolle höchfter Kunftleiftung.
kralt der behandelten Gegenltände Aufmerkfamkeit in j Nirgends ftellt der Verf., confequent alles Aburtheilen

weiteften Kneifen, bei Gelehrter, und Laien verdienen.
Jeder Lefer wird aus diefen Vorlefungen zu lernen haben
und auch der dem Stoffe etwa ferner Stehende durch die
in den beiden Büchern in fehr verfchiedenartiger Weife
aber mit gleicher Kraft feffelnde Darfteilung dem Gegen-
ftande gewonnen werden.

Rhys Davids erzählt weniger über den Buddhismus
als aus demfelben. In eigenthümlicher, zunächft frappi-
render, dann anreizender Art verfetzt er uns von vornherein
mitten in den Gegenftand hinein, fo dafs wir an

meidend, die buddhiftifche Anfchauung als die beffere
im Vergleich mit anderen dar: ,Ernftlich mufs ich mir
verbitten, bei dem Studium einer von der unfrigen ver-
fchiedenen Religion lediglich die Aufmerkfamkeit zu
richten auf Punkte, in welchen wir mit ihr übereinzu-
ftimmen vermögen; ich meine — denn gewöhnlich kommt
es darauf hinaus — die Gewohnheit, andere Religionen
zu beurtheilen nach dem Grade ihrer Verwandtfchaft
mit unferen eigenen Religionsvorftellungen. Es giebt im
Buddhismus, ohne Zweifel, Ideen, mit welchen wir von
Herzen fympathifiren können; aber die lehrreichften
Punkte in der Gefchichte diefer oder irgend einer anderen
der Hand eines mit dem Buddhismus in hohem Grade I Religion find oft folche, mit welchen wir am wenigften
vertrauten Führers auch uns felbft bald wie Vertraute übereinzultimmen im Stande find' (S. 2 f.). Der Verf. ift
jenes unferem Denken doch fo fernftehenden Syftemes 1 demgemäfs, ohne fich auf Seitenwege einzulaffen, feiner
fühlen. Von Buddha und der hiftorifchen Entftehung , Aufgabe treu geblieben, welche er richtig fo formulirt:
des Buddhismus ift erft gegen das Ende des Buches die j ,Die Aufgabe des Religionshiftorikers ift . . . einfach die,
Rede. Auszüge aus buddhiftifchen Schriften (und zwar , fo weit möglich deutlich zu machen den Entwickelungsaus
den erft neuerdings, auch durch Oldenberg in feinem gang, auf welchem die Menfchen zu ihrem befonderen
höchlt anziehenden und belehrenden Werke über Buddha, Glauben gelangt find' (S. 8).

erfchloffenen ältelten Quellen) füllen einen grofsen Theil Nicht von dem Buddhismus im Allgemeinen will der

der Vorlefungen. Diefe Referate werden einfach gegeben , Verf. handeln, fondern, dem beftimmten Thema entin
dem Sinne, welche die Originalfchriften ausdrücken j fprechend, von .folchen Punkten in der Gefchichte des
wollen. Der Verf., dem man überall anmerkt, dafs er , Buddhismus, welche in Ausficht Hellen, Licht zu werfen
feinen Gegenftand wie aus den älteften fchriftlichen auf Entftehung und Wachsthum des religiöfen Glaubens'
Denkmälern, fo auch aus dem Leben kennt, will den- j (S. 1). Seine fechs Vorlefungen betiteln fich: ,Die Rolle
felben nicht beurtheilen, fondern ihn verliehen lehren, 1 des Buddhismus in der Entwickelung des religiöfen
indem er uns die Welt mit den Augen eines Buddhiften [ Denkens', ,Die Pali Pitakas' (kanonifche Schriften), ,Die
anfehen läfst. Abfichtlich vermeidet er, Werth und buddhiftifche Theorie des Karma' (Seelenwanderung),
Mängel des Buddhismus anderen Weltanfchauungen ge- »Buddhiftifche Lebensbefchreibungen des Buddha', ,Die

genüber abzufchätzen — was nicht ausfchliefst, dafs er
hinfichtlich der Entftehungsgefchichtc diefer »Religion'
und ihrer Anfchauungen von dem Stifter manche auffallende
Parallelen mit dem Chriftenthume zur Sprache
bringt. In diefer Weife ift der Verf. feiner Aufgabe,

Regeln der Jüngerfchaft Gotama's', .Spätere Formen
des Buddhismus'.

Nicht im Stande, dem Verf. in feine Quellen zu
folgen, begnüge ich mich, auf einige der Punkte auf-
merkfam zu machen, wo feine Darfteilung mir neu und

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