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Ausgabe:

1883

Spalte:

248-251

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Pánek, Joa

Titel/Untertitel:

Commentarius in epistolam b. Pauli apostoli ad Hebraeos 1883

Rezensent:

Schmiedel, Paul

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247 Theologifche Literaturzeitung. 1883. Nr. n. 248

und Weizen zu fcheiden und die unglaubliche Maffe von
Incorrectheiten des Druckes zu verbeffern vermag.
Uebrigens aber ift das Meifte der Art, dafs man fehr
harte Worte brauchen müfste, um einen folchen Grad von
Dreiftigkeit im Bunde mit einem folchen Grad von Un-
wiffenheit gebührend zu charakterifiren. Der Herausgeber
rühmt fich (S. VIII des Vorworts) ,Etwas an neuen
Irrthümern geleiflet zu haben'. Wir dürfen ihm aber
auch das Zeugnifs geben, dafs deshalb die alten Irr-
thümer bei ihm nicht zu kurz gekommen find. Von
dem gegenwärtigen Stand der aramäifchen Studien, den
Arbeiten Nöldeke's, de Lagarde's u. a., hat er offenbar
nicht die leifefte Ahnung. Ebenfowenig theilt er die Hoffnung
, ,es müffe durch die feit zwei Decennien zur felb-
ftändigen Wiffenfchaft fich emporgewirbelte Affyrologie
die Stagnation des Aramäifchen wieder in einen lebhaften
Flufs gerathen' (S. IX); er will nicht ,Zeit und
Kraft vergeuden, um fpärliche Refte zu fammeln unter
den Trümmern einer vermoderten Hieroglyphenwelt auf
dem fchwankenden Boden der in Nebeldunft zerronnenen
Vergangenheit, während reichliche Ausbeute uns bevor-
fteht auf feftem ficheren Boden in unzweideutiger Schrift:
im Sanskrit, wo der Aramäismus feinen Ausgang nimmt,
und im Talmud, wo er zum Abfchluffe kommt' (S. X).

Die meiften Lefer werden an diefer Probe bereits genug
und übergenug haben; Ref. kann aber das oben
ausgefprochene Urtheil nicht ohne nähere Begründung
laffen. Wir fagen, es gehöre eine Harke Dreiftigkeit dazu
, andere (S. 12—33) über ,die Gefchichte des Aramäismus
, die Priorität der aramäifchen Sprache und die aramäifchen
Dialekte' zu belehren, wenn man nicht einmal
weifs, dafs das fogen. Chaldäifch in der Hauptfache den
paläftinenfifchen Dialekt repräfentirt und mit der Sprache
am Hof zu Ninive und Babel rein nichts zu thun hat.
Aber der Verf. hat noch ganz andere Vorftellungen
vom Verhältnifs der femitifchen Dialekte zu einander.
Man höre S. 16: ,Dafs die Phönizier in der erden Zeit
ihres Wohnens in Kanaan aramäifch gefprochen haben,
fehen wir aus den Reften der punifchen Sprache, die
mehr an das Aramäifche, als an das Hebräifche anklingen
, weil jene Refte von der aus Kanaan durch die
Phönizier nach den afrikanifchen Colonien verpflanzten
Sprache aus der Zeit Jofua's flammen (1300 vor Chr.)' etc.
— S. 17: ,fo ift es als die natürliche Confequenz anzunehmen
, es habe die erfte dialektifche Abweichung, wie
es in der femitifchen Sprachfamilie die Herausbildung
des Hebräifchen aus dem Aramäifchen ift, bei den Phöniziern
ftattgefunden'. S. 21: ,Hieraus (aus 2. Kön. 18, 36)
geht hervor, dafs die aramäifche Sprache um jene Zeit
nicht nur eine vollkommen für fleh beftehende, fondern
dafs fle fogar die an beiden Höfen, zu Nineve und zu
Jerufalem, gefprochene und diplomatische Verkehrsfprache
war. Auch die Wahrfager und Zauberer am affyrifchen
(?) Hofe, die Kasdim, welche ihre hergebrachte Sprache,
das Chaldäifche, in der Metropole einzubürgern Richten (!!),
waren genöthigt, den König in der am Hofe üblichen
aramäifchen Sprache anzureden' u. f. w. u. f. w. Diefen
Proben entfpncht die Belehrung, die der Lefer anderweit
findet über Japhet als den Erftgeborenen Noah's
(S. 12), über aram naharajim oder paddan aram als
Name Mefopotamiens incl. der Stadt Babel (S. 14), über
qir und die Kurden {ibid.), über Galiläa als Sprachlichen
Trümmerhaufen (S. 31), über die Quadratfchrift als
Eigenthum der Affyrer (S. 36), über Paulus, der feine
Briefe hebräifch fchrieb und dabei aaga^, oaoaxog de-
clinirte (S. 47), flltT1 als Compofitum aus rrj und ttjh
(S. 53; daher flamme auch die Abkürzung' 111), über
ELf.ii, in welcher Form der Ichheit (/</) die Exiftenz (er/)
zugefchrieben wird (S. 74), und vielest andere mehr.
Dafs der Verf. mit den griechifchen Wörtern meift Unglück
hat (S. 9. 47, wo in fechs Worten 5 Fehler, 86.
157), dafs er ipsud declinirt (S. 74) und mit der deutfehen
Grammatik vielfach im Streite liegt, wollen wir nicht

weiter urgiren; dafs er aber S. 49 Iben Jarchi fchreibt,
den Imper. von «M : »5 bildet (S. 59, Z. 2) und S. 138
das Dagesch in etc. durch den Ausfall eines He erklärt
(die Endung des Emphaticus foll nämlich nach ihm
eigentlich das Demonftrativum 55rt fein!), das find doch
mehr als ftarke Stücke, und bei' folchem Stand feiner
Kenntniffe hat der Verf. die Stirn, auf einen Gelehrten,
wie Luzzatto (S. XI, wo er aber, wie S. XIV. 47. 50
Luzzato gefchrieben wird,, hochmüthig herabzufehen und

5. 59 in einem gänzlich überflüffigen und verfehlten Ex-
curs über die Bedeutung von Abracadabra und den
hebräifchen Vers in Dante's Hölle XXI 67, zu witzeln,
Dante könne wegen Verfündigung gegen die heilige
Sprache in der Hölle vielleicht zur Entfchuldigung vorgeben
, ,er habe fein Hebräifch bei einem Nichtjuden,
vielleicht auf einer deutfehen Univerfität erlernt' u. f. w.
— Von der Art, wie der Verf. mit der Dageffirung der
Tenues und der Vocalifation talmudifcher Worte um-
fpringt (auf S. 173 zähle ich 14 .Druckfehler') will ich
fchweigen. Dafs die Grammatik eben nur bei völliger
Ignorirung der Fifcher'fchen Zuthaten mit Nutzen zu
brauchen ift, dürfte durch Obiges genugfam erhärtet fein.

Tübingen. E. Kautzfch.

Pänek, Prof. Dr. Joa., Commentarius in epistolam b. Pauli
apostoli ad Hebraeos. Usibus auditorum suorum con-
cinnavit J. P. Innsbruck 1882, Wagner. (VI, 230 S.
gr. 8.) M. 3. 20.

Das Erfcheinen einer neuen Erklärung des vielbc-
handeltenHebräerbriefs rechtfertigt der Verfaffer mit dem
Bedürfnifs feiner Zuhörer und überhaupt der öfterrcichifchen
Studirenden der katholifchen Theologie, kurze lateinifche
Commentare zu befltzen. Neues zu bieten wird er felbft
nicht glauben; dagegen kann es nur als erfreulich bezeichnet
werden, wenn an katholifchen Studienanftalten
eine in allem Wefentlichen fo befonnene und nüchterne
Exegefe getrieben wird, in welcher vorzüglich der Einflufs
Lünemann's fehr deutlich hervortritt. Neben diefem
nennt der Verf. als feine Quellen, von denen er praeeipuas
liujus libripartes entlehnt zu haben fofort bekennt, Cornelius
a Lapide, Calmet, Eftius, Bernardinus a Piconio, Susil,
Bisping und Biefenthal. Er hat jedoch noch mehr
Literatur benutzt, nicht wenige Citate aber auch, wie
fchon ihre Form lehrt, lediglich von anderwärts herübergenommen
, befonders folche aus Bleck und Quericke,
wie er faft ausnahmslos fchreibt. Die Zerreifsung des
Zufammenhangs durch die rein gloffatorifche Methode
wird einigermafsen wieder gut gemacht durch abfehnitt-
weife angehängte Paraphrafen des Textes, welche aber
ihren Zweck bei weniger engem Anfchlufs an den Text
noch beffer erfüllen würden. Bei der Kürze des Buches
ift es nicht zu verwundern, dafs trotz rühmenswerther
Knappheit im Ausdruck philologifche, hiftorifche und
biblifch-theologifche Ausführungen fich nur feiten finden.
Indeffen hätte fich für fie leicht Raum fchaffen laffen, da
das Buch gewifs um ein Scchftel feines Umfangs gekürzt
werden konnte, wenn alle die in einem neuteftament-
lichen Lexikon ebenfo gut zu findenden, oft fogar fehr
kindlichen Angaben der Wortbedeutungen geftrichen
worden wären, welche in einen Commentar nun einmal
nicht gehören und nur der Bequemlichkeit des Lefers
frühnen. Auch der andern Unfitte huldigt der Verf., ein
Wort felbft dann als anal; oder che Xeyoftevov zu kennzeichnen
, wenn diefe Notiz fonft keinerlei Zweck hat.
Bedenklicher ift es, dafs der unkundige Lefer manchmal
gar nicht erfährt, welche wichtige Streitfrage durch eine
anfeheinend felbftverftändliche Bemerkung erledigt wird
(1,3 Abglanz, nicht Ausglanz; 2,lOT«XeiOVV nirgends von
fittlicher Vollendung Chrifti; 4, 13 löyoe — Rechenfchaft;

6, I teIelÖtl]!; — höhereErkenntnifs; 7, 12 vbfing dieganze
altteftamentiiche Oekonomie; 12, 4 fttXQtg affunog buch-
ftäblich gemeint u. f. w.), ja dafs der Verf. zuweilen felbft