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Ausgabe:

1883

Spalte:

246-248

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Winer‘s Chaldäische Grammatik für Bibel und Targum. 3. Aufl 1883

Rezensent:

Kautzsch, Emil

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Theologifche Literaturzeitung. 1883. Nr. M.

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der Furcht, die die ängftlich forgenden Fellachen vor der Kaulen, Prof. Dr. Fr., Assyrien und Babylonien nach den
verwegenen Kriegs- und Raubluft der Beduinen haben, j neuesten Entdeckungen. 2., erweiterte Aufl. Mit 49 (ein-
Dafs der Inhalt des Buches Jofua hinter den Angaben , gedr. Holzfchn.- Illuftr., einer (lith) Infchrifttafel und
von Richter c. 1 weit ^ückfteht, hatte Ichon Well- j Kart£n ^

häufen ausgefprochen und Ld. Meyer genauer zu er- - ' ■ „T

weifen gefucht. Nun auch Jericho als eine Station der ; 223 S. gr. 8.) M. 4. —; geb. M. 6. —
Eroberung zu ftreichen, halte ich für unberechtigt. Es giebt j Die Schrift bietet, fovveit ich mir ein Urtheil erlauben
mehr gangbare Fürthen über den Jordan für das mittlere darf, eine für den Laien fehr empfehlenswerthe Dar-
und füdliche Weftlandalsbei Jericho; aus der Einzigkeit die- ! ftellung der Entdeckungen auf dem Boden des alten
fer erklärt fleh der Bericht alfo nicht. Die natürliche Strafse [ Aflyriens und Babyloniens und der Entzifferungsgefchichte
von Jericho aus öffnet fleh lediglich nach Bethel zu, für
ein Marfchziel wie Hebron kann hingegen Jericho, als
Station vom Oftjordanland aus, eigentlich gar nicht in
Betracht kommen. Die Art und Weife, wie St. überhaupt

der aufgefundenen Denkmäler. Selbftändige Entzifterungs-
oder Deutungsverfuche macht der Verf. nicht, fondern
fchliefst fleh ,als blofser Berichterftatter' den namhafteften
affyriologifchen Autoritäten an, ohne immer — was ich

mit der Genalt des Jofua verfährt, vermag ich nicht zu 1 wünfehenswerth gefunden hätte — die Gelehrten zu
billigen. Wenn er auch Recht darin hat, dafs die Jofua- nennen, welchen er Ueberfetzungen entlehnt. Auswahl
fage Ereignifse zufammendrängt, die zeitlich weit aus- : uncj Darftellung ift gefchmackvoll und gut orientirend,
einanderliegen, fo folgt daraus noch nicht die vollftändige <jas Urtheil über die Sicherheit des Gefundenen im Allge-
Auflöfung derfelben. In mehreren anderen Fällen fcheint 1 meinen mafsvoll (man beachte z. B. über Geo. Smith
mir St. nach diefer Seite hin eine zu kühne Gewifsheit S. 159 f.), fern — was zu fagen auf diefem Gebiete nicht
zu entfalten (p. 217 not. p. 262. p. 280). Sehr beachtens- überflüffig ift — von Reclame für die neue Wiffenfchaft.
werth ift feine Erörterung der Stammesverhältnifse, ob- ' £s wjrd zunächft das Gebiet des Euphrat und des Tigris

gleich ich auch hier meine Bedenken habe, ob das eth-
nologil'che und geographifche Verftändnifs derfelben

geographifch gefchildert, dann die Auffindung Ninive's,
die des Sargonspalaftes und die Entdeckungen auf baby-

überall zuläfflg ift- Mit vieler Sorgfalt werden auch 1 lonifchem Boden erzählt, die Entzifferung der Keilfchrift
die alten Namen behufs der Erkenntnifs der älteften Zu- anfehaulich gemacht, der Umfang ihrer Literatur darge-
ftände herangezogen. ftellt. Den Schlufs machen ,Ergcbnifse' für die Gefchichte

Referent darf jedoch nicht unterlaffen, daran zu er
innern, dafs der Hauptinhalt des 2. Buches, betreffend die
Vorgefchichte Ifraels, von St. fchon durch feinen Titel
zu demjenigen geftellt worden ift, was von der Gefchichts-
forfchung als unficher, als dem Gebiet der Vermuthungen

überhaupt, das Verftändnifs des Alten Teftamentes ins-
befondere — die dürftigfte und am wenigften gelungene
Partie der Schrift, auch wenn ich von dem durch des
Verf.'s katholifch-theologifchen Standpunkt Bedingten ab-
fehe, wonach er wie auf gefchichtliche Rechtfertigung

angehörig, bezeichnet werden mufs, wenigftens was die der Details des B. Daniel, fo auch der Apokryphen aus-
pofitiven Ausfagen anlangt. Ref. knüpft daran den ; geht. Auch auf babylonifch-affyrifchem Boden findet der
Wunfeh, dafs dem Verf. die Gerechtigkeit widerfahren Verf. Spuren der überlieferten'Wahrheit von der Einen
möge, feine eigentliche Gefchichtserzählung von Debora dreifaltigen Gottheit' (S. 173). Die Bezeichnung ,chal-
refp. Gideon an mehr geprüft und beurtheilt zu fehen, ; däifch' für das biblifche Aramäifch wird fleh fchwerlich
als feine Erörterungen über die vorgefchichthchen Zeiten. , durch die Annahme rechtfertigen laffen, dafs dies die
Nicht hier, fondern dort ift der Platz, wo der wiffen- Sprache der babylonifchen Kaldi gewefen fei (S. 178 f.).
fehafthehe Streit über den Verlauf der Gefchichte Ifraels , Von einer weiblichen Gottheit Sin (S. 95) ift mir nichts
ausgefochten werden kann und entfchieden werden mufs. bekannt. — Ganz befonders dankenswerth und nützlich,
Durch feine energifche Scheidung zwifchen Sicherem auch uber Laienkreife hinaus, ift die, foweit ich fehe,
und Unflcherem hat der Verf. fleh das Verdienft er- fehr fortgfältige Zufammenftellung der auf die Keilfchrift
worben, aufs neue darau yerwiefen zu haben, dafs eine , im weiteften Umfange lauch auf die perflfehe) fleh be-
Einigung über die gefchichthchen Zeiten Ifraels die noth- ziehenden Literatur, nach Jahren geordnet, von 1620 bis
wendige Vorbedingung für eine fruchtbare Discufflon l882 _ Die aus verfchiedenen affyriologifchen Werken
der Vorgefchichte diefes Volkes ift. gefammelten Illuftrationen find reichlich und inftruetiv.

Marburg i. H. Wolf Baudiffin.

Wo der Verf. darfteilt, lieft fleh fein Buch gut und
angenehm. In den analyflrenden Partien ftöfst man bisweilen
auf unrichtige, wohl unüberlegte Ausdrücke, p. lob j _

Anm. erwartet man ,Conjectur' ftatt ,Factum'; p. 75 Winer's Chaldäische Grammatik für Bibel undTargum. 3. Aufl.,
.armfelig ungefchickte Art der Darfteilung' ift ungerecht I vermehrt durch eine Anleitung zum Studium des
gegen jene Zeit und ihren Gefchmack; ferner p. 85 , Midrafch und Talmud von Dr. Bernh. Fifcher
,directionslos'; p. 181 Anm. 1 ,verhunzt'. An Druck-; , . . , , „ XVT - „

fehlem notire ich: p. 58 ,erfterem' ftatt .letzterem', p.68 : M P g' J' arth' l882" (XV1* 2°* b" gr> 8>)

.Feinden' ftatt .Kindern', p. 121 .Penuel' ftatt ,Pemul'. I M- 4- 5°-

Andere verbeffern fleh leicht. Die kartographifchen Bei- : Winer's .Grammatik des biblifchen und targumifchen
lagen fowie die Abbildungen von Bibelhandfchriftcn und j Chaldäismus' (dies der wirkliche Titel) erfchien zuletzt
Denkmälern werden jedem willkommen fein. Intereffant I 1842 auf 127 Seiten; die Zufatze des neuen Heraus-
und lehrreich ift es, die .ethnographifche Karte von gebers belaufen fleh fomit auf ca. 80 Seiten. Der Text
Paläftina für die Zeit vor Entftehung des Königthums' Winer's ift (incl. der meiften Druckfehler, zu denen in-
mit den üblichen Abgrenzungen der ifraelitifchen Stamm- I defs einige neue gekommen find) faft ganz unangetaftet
gebiete zu vergleichen. Die Bilder.im Text find nur j geblieben, während die Zuthaten des Herausgebers ent-
theilweife treu, die Schuld daran trägt jedoch die be- j weder in Geftalt längerer Excurfe (fo die .Einleitung'
nutzte Vorlage. ! S. 12—33) oder kürzere Ergänzungen in curfivem Druck

Leipzig. H. Guthe. beigegeben find. Letztere Methode macht es nun zum

] Glück möglich, die Grammatik, fofern fle aus Winer's
Feder flammt, trotz manchem Irrigen und Veralteten
auch jetzt noch zu empfehlen, vorausgefetzt, dafs der
Lernende die curfiv gedruckten Zufätze forgfältig über-
fchlägt. Denn was hier etwa noch brauchbar ift, wie
z. B. die Zufammenftellung der talmudifchen Partikeln
S 39" erfordert doch einen Lefer, der zwifchen Spreu