Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1883

Spalte:

225-230

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Beiträge zur politischen, kirchlichen und Cultur-Geschichte der sechs letzten Jahrhunderte 1883

Rezensent:

Brieger, Theodor

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2, Seite 3

Download Scan:

PDF

225

Tlieologifche Literaturzeitung. 1883. Nr. 13.

226

lehnen, in dem Palladius Profper's den Patricius der co?i- j von vornherein das Erfcheinen diefes 3. und (leider) letzten

fessio wiederzuerkennen, vielmehr jenen Palladius ganz
in das Reich der Erfindungen verweifen, — denn auch
diele ftellen ja die Exiftenz des Palladius neben Patrick
in Abrede. Ifl fo das Refultat der kritifchen Gefchichts-
forfchung demjenigen Shearman's geradezu entgegengefetzt
, fo mag diefer Umftand der handgreiflichfte Beweis
dafür fein, dafs die Anfchauungen Shearman's von der
Methode der Gefchichtsforfchung vollkommen andere
find als die unfern. — Wir können hier im Ausland, wo
die Quellen nur fehr mühfam und unvollfländig zu erreichen
find, eine für uns genügende Kenntnifs der Ge-
fchichte Patrick's uns wohl verfchaffen, mit hineinreden
in die Verhandlungen der Irländer felbft, können wir
nicht, denn fie werden herabfehen auf unfere mangelhafte
Kenntnifs ihrer hagiographifchen Literatur. Eine
völlig lichere, umfaffende und abfchliefsende Behandlung
wird die Gefchichte Patrick's, überhaupt die ältere Kirchen-
gefchichte Irlands deshalb erft dann erfahren, wenn die
Iren felbft erft einmal von der Haltlofigkeit ihrer Methode
überzeugt fein werden. Einft wird kommen der Tag, —
aber noch ift er gewifs fehr fern, denn jene Methode
hängt aufs engfte zufammen mit dem Katholicismus der
Irländer und mit der Stärke ihres Nationalgefühls, —
und beide haben ja einen Bund gefchloffen, deffen Fertigkeit
noch lange dem Fortfehritt der Zeit fcheint Wider-
rtand leiften zu follen.

Leipzig. F. Loofs.

Glock. Pfarrverw. W., Die Predigtweise Luthers ein Spiegel
für die moderne Predigt. Zur 400jährigen Jubelfeier

von Luthers Geburtsjahr und Geburtstag. Karlsruhe, j des Cardinalcollegiums fehr wohl in den Stand "gefetzt

Bandes mit Freuden begrüfst haben. Und er findet fich
bei genauerer Kenntnifsnahme nicht enttäufcht! Wir
werden es dem ehrwürdigen Neftor der deutfehen Kir-
chenhirtoriker aufrichtig Dank wiffen, dafs er auch die
hier uns dargebotenen Actenftücke und Denkwürdigkeiten
zufammengebracht hat und nun allgemein zugänglich
macht. Und diefer Dank gegen ihn wird nichts an Lebhaftigkeit
einbüfsen, wenn wir dem Thun feines (Mitarbeiters
' (f. Vorrede S. V), des eigentlichen Bearbeiters
diefes Bandes (den ich, ohne damit Döllinger ein Unrecht
zu thun, im Folgenden wohl kurzweg als den
Herausgeber einführen darf) ein unbedingtes Lob
nicht fpenden können.

Der reiche Inhalt des Bandes zerfällt in 4 Abtheilungen,
denen (S. VII—XXVIII) eine über Inhalt und Bedeutung
der einzelnen Stücke fich verbreitende Einleitung voran-
gefchickt ift. Sie beginnt mit der zutreffenden Bemerkung
: ,Die Actenftücke des vorliegenden Bandes find
weder dem Inhalte nach zufammenhängend, noch treffen
fie in der Zeit zufammen. Sie umfaffen einen Zeitraum
von 4 (foll heifsen: 5) Jahrhunderten. Inhaltlich befchäftigen
fich die meiften Documente mit der Papftgefchichte
vom 14. bis 17. (lies: 18.) Jahrhundert, mit der Vor-
gefchichte der Reformation und mit diefer felbft'.

Die I. Abtheilung enthält (S. 1—74) die Denkwürdigkeiten
des Jefuiten Julius Cordara zur
Gefchichte von 1740—1773'. Cordara (geb. 1704, f 1785,
war von 1740—1772 Hiftoriograph feines Ordens und
Secretär des Generals, fowohl durch diefe Stellung, als
befonders durch feine perfönlichen Beziehungen zu den
Päpften feiner Zeit und zu einflufsreichen Mitgliedern

Reiff, 1883. (26 S. 8.) M. —. 30. über den ganzen Verlauf der Kataftrophe feines Ordens,

Ein vor fechs Jahren gehaltener Vortrag, der jetzt die.er «gf$f< zuverläffige Kunde zu gewinnen; und fie
nachträglich als Spende zur Lutherfeier veröffentlicht auch w,,r. h£h, zru «b.f™"eln> befähigt ihn die Ruhe und
wird; einen beförderen Werth wird man diefer Ver- ' Lejldenfc~^slofigkeit die uns aus feinen Aufzeichnu
mehrung der Lutherliteratur kaum beimeffen können, . entgegentritt. Sie find demnach ohne Präge eine beach-
Ift auch manches Richtige über Luther's Predigtweife 1 -enswerthe und jedenfalls intereffante Quelle zur Gebier
bemerkt, fo ift doch ein lebendiges Bild von der buchte des Jefuitenordens und der Papfte jener Zeit-
Art feiner Predigten nicht gegeben. Damit ift wenig namentlich Clemens XIV. Preihch, ob fie auf die Cha-
geleiftet, dafs feine Predigten materiell nach dem Schema I rakt™k dielfs Papftes einen .massgebenden Einflufs'
Dogmatik, Ethik und Polemik, formell in fynthetifche, 1 gewinnen werden, wie der Herausgeber meint, ift mir

noch zweifelhaft. Aber von Intereffe find nicht blofs

analytifche und in Form der Homilie gehaltene einge
theilt werden; dafs uns aufgezählt wird, über welche

die Mittheilungen über das Conclave von 1769 (S.40—-42),

loci der Dogmatik er geredet oder gegen welche Gegner deflr?n Dunkel noch immer nicht gelichtet ,ft von Intereffe
er polemifirt habe. Dabei wird die Behauptung des i f. ™md™ ™h f^ln Urtheil über Clemens XIV
Verf.'s, dafs fich in feinen Predigten nur in geringem ! £>rdara *g n.ch. aach »ü{ das ™^ uberzeugt dafs
Mafse ethifche Elemente fänden, wohl kaum bei einem i JlffiÄ^ den !Äen ge,wefcn' fe,ne

Kenner diefer Predigten Beifall finden; wo wäre eine Feindfchaft w.dcr fie nur gemffenthch zur Schau getragen
Predigt Luther's, die es nicht mit der Ausgeftaltung des babe, um fie vor dem Aeufserften bewahren zu können;
Chriftenlebens zu thun hätte? Auch der Satz, dafs Luther's. d*;V^ abf' durch;las l,,nel lcbc SPld1 der eiFnen
Bekanntfchaft mit den Schriften des Ariftoteles auf Jjtngue getrogen und in die Notwendigkeit gedrangt

humaniftifche Einflüffe zurückzuführen fei, ift ganz ff - de" Schri" ™th™' Wy°her ¥ I*e.?lnn femes

ig. Die Vorbemerkungen über die Predigtweife des Pontificates noch hatte vermieden werden können, jetzt
Mittelalters bedürfen mannigfacher Berichtigung. Man ! afc?r d™* dlef Ruckficht auf den Flieden der Kirche
follte fich doch vor folchen Ucbertreibungen hüten, wie geb'eter.fch gefordert wurde: er that ihn in der für den
fie der Verf. begeht, wenn er behauptet, als höchfter ?w m,ldeften W{-,fe« kelne der gegen ihn erhobenen

11c ui.1 vl.ii. uevem. wenn ci uciMuui«, an iiueimi-' a 1 1 „ u i-u • v.r. "--------

Zweck der Predigt habe nicht die Erbauung fondern ™™$en hat er fich angeeignet Daher das zufammen
die Unterhaltung gegolten. Endlich, was foll es heifsen,
Luther liebe in feinen Predigten ,Alliterationen und Elliterationen
' ?

fafiende Urtheil Cordara's: ,Quod de societate statuit, non
voluntate, sed veecssitate, at plane invitissmum statuisse
certo scio, quod proinde non tarn eins anhno quam condi-
honi temporum sit assignandum'; auf einem mag/s fuissc
Magdeburg. G. Ka wera u. j puto quam malum' [S. 42], ,mala demum si egit, haud mala

1 egit mcntei [S. 60]. Es war indeffen — fo urtheilte C. in
fpäterer Zeit — nur die Nemefis feiner ,dup/icitas ac simu-
latio', dafs er fein Ziel, den Frieden der Kirche, doch
nicht erreichte. Das fall Clemens XIV. fclber, wenn auch

Beiträge zur politischen, kirchlichen und Cultur-Geschichte der
sechs letzten Jahrhunderte. Herausgegeben unter der
Leitung von Joh. Jof. Ign. v. Döllinger. III. Wien,

1882. Regensburg, Manz in Comm. (XXVIII, 476 S. zu fPat, ein. Daher (mit diefer yon Iheiner mehr als

& &' ' zur (vpniKTP mir pr pertpn Fähe Vfrfrlinnt ,.wc- ^..„u j:..r__

gr. 8.) M. 8. 60.
Wer bei feinen Studien den Werth der beiden erften

zur Genüge widerlegten Fabel verfchont uns auch diefer
Jefuit nicht) fein zuweilen [interdum] und in gewiffer Weife
[quodammodo] zu Wahnfinn fich fteigernder Kummer

Bände diefer Sammlung fchätzen gelernt hat, der wird der letzten Lebenszeit! [S. 58. 62. 64]