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Ausgabe:

1882

Spalte:

605-607

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Scholz, Ant.

Titel/Untertitel:

Commentar zum Buche des Propheten Hoseas 1882

Rezensent:

Nowack, Wilhelm

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Theologische Literaturzeitung.

Herauso-eo-eben von D. Ad. Hamack und D. E. Schürer, Proff. zu Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 26.

30. December 1882.



7.

Jahrgang.

Scholz, Commentar zum Buche des Propheten

Hofeas (Nowack).
Schultze, Der theologifche Ertrag der Kata-

kombenforfchung (A. Harnack).
Acten der Univerfität Erfurt, bearb. von W e i fs e n -

born (Kolde).

Aus dem Leben eines reformirten Paflors (Moller).

Eine Erinnerung an Dr. Kohlbrügge (Möllert.

Wendt, Symbolik der römifch-katholifchen
Kirche (Kattenbufch).

Ericke, Metaphyfik und Dogmatik unter befon-
derer Beziehung auf die Ritfchl'fche Theologie
(Kattenbufch).

Lotze, Grundzüge der Religionsphilofophie

(Gottfchick).
Fricke, Erziehungs- und Unterrichtslehre

(K. Strack).

Leutz, Lehrbuch der Erziehung und des Unterrichts
(K. Strack).

Scholz, Prof. Dr. Ant, Commentar zum Buche des Propheten
Hoseas. Würzburg 1882, Woerl. (XXXIX, 204
S. gr. 8.) M. 4--

Der Verf. des obigen Buches, welches der Würzburger
Hochfchule zu ihrer dritten Jubelfeier dargebracht
ift, hat fich namentlich durch feine Auslegung des Jeremias
vortheilhaft vor den katholifchen altteftamentlichen
Exegeten ausgezeichnet. Leider find die Leiftungen im
vorliegenden Commentar hinter den Erwartungen, die
man hegen durfte, und den Anforderungen, die man zu
ftellen berechtigt ift, erheblich zurückgeblieben, denn
davon, dafs durch Sch. die Erklärung und das Verftänd-
nifs des Buches gefördert ift, kann nicht die Rede fein.
Weder erfahren fchwierige Stellen eine glückliche Löfung,
noch ift die Darlegung des Zufammenhanges eine befriedigende
, noch auch hat der Verf. die Freiheit der
Stellung, welche unbedingt nothwendig ift, um die Pro-
phetenfchriftcn für das Verftändnifs der Entwicklung des
ifraelitifchen Lebens nach feinen verfchiedenen Beziehungen
fruchtbar zu machen. Gleich in den beiden erften
Paragraphen, welche die zeitgeschichtlichen Verhältnifse
und das Leben des Hofeas behandeln, zeigt fich der
Mangel einer wirklich hiftorifchen Auffaffung. Ohne
irgend eine Berückfichtigung der verfchiedenen Quellen
empfangen wir faft nichts als eine Zufammenftellung der
verfchiedenften Nachrichten über die Gefchichte des nordlichen
Reiches und da, wo Sch. durch Heranziehung der
affyrifchen Gefchichte die ifraelitifche zu illuftriren fucht,
ift er meift wenig glücklich. So ift Phul nach Sch. jedenfalls
nicht mit Tigl. PU. indentifch, da die Bibel unverkennbar
beide unterfcheide, jener fehle entweder aus

mit mehr denn 40 Stellen aus dem Pentateuch berühren,
ein Beweis, der noch dadurch verftärkt wird, dafs ja
Hofeas von der Thora, die nicht mit 55Ct> dem prophe-
tifchen Ausfpruch zu verwechfeln fei (S. 108), als einer
gefchriebenen und als etwas Bekanntem fpricht 4,6. 8, 12.
Kann fo von keiner Förderung in Bezug auf hiftorifche
Fragen die Rede fein, fo faft noch weniger in Bezug auf
die Exegefe; die Arbeit zeigt, dafs Sch. kein Bewufstfein
davon hat, was fprachlich zuläffig ift oder nicht. Zum
Beweis nur Einiges: 1, 2 foll nbnn parenthefirt werden,
der Verf. von v. 1 habe damit feine Angabe von den
Worten des Proph. v. 2 fcheiden wollen, die fo v. 2
fich ergebende Tautologie ftört Sch. ebenfo wenig wie
"TWrn, das hier gefetzt ift, ,um das Erzählte als einen
Theil eines gröfseren Ganzen, hier der religiöfen Gefchichte
Ifraels erfcheinen zu laffen'. 3, 3 fteht vielleicht
für b5: ,und auch ich werde über dich kommen', die
Schwierigkeit des dann unverftändlichen aj wird durch
die Bemerkung befeitigt, dafs 33 Füllwort ift. 4, 4» fieht
Sch. die Warnung vor eigener Rechtfertigung, was aber
weder noch ITWl zuläfst; 4, 17 ift 3X30 ihr Trank
= ihre Frucht, denn Ifrael ift ja der Weinberg des Herrn;
5, 2 wird überfetzt: ,und es zu verderben legen fie tief
Schlagbauer', wogegen ganz abgefehen von der Verwechslung
von an» mit fin» jedes Wort proteftirt;
nicht anders ift's mit 5, 9: ,an den Stämmen Ifraels erzeige
ich (iny-nn) Treue (nrox:). In 6, 7 ift ihm ans
die Heidenwelt und rm» 31» das Gefängnifs wenden
== zurückführen, was fich bei Ifrael In jeder Zeit vollzieht,
ja die ganze Gefchichte desfelben ift ein fortgefetzter
Verfuch feitens Gottes. In 7, 4 giebt Scholz dem M
beim Part, privative Bedeutung und in 7, 5 fafst er
Neid oder als Ufurpator in den Eponymenliften; der von I "0333 D"P als Nominalfatz: ,Tag unfers Königs ift-. In

Tigl. Pil. auf einer Infchrift genannte Menahem von
Ifrael ift Menahem II., der freilich in der Bibel nicht
genannt ift. Hofea hat wohl bis nach der Zerftörung
Samariens gelebt, wofür Sch. cinerfeits Stellen wie 12, 10.
13, 10. 14, 2. 3 und andererfeits die Analogie des Jeremias
anfuhrt; der Stierdienft in Ifrael ift. ägyptifchen
Urfprungs etc. Wie unbekannt Sch. mit dem Entwicklungsgange
der altteftamentlichen Kritik ift oder doch
ihre unzweifelhaften Ergebnifse negirt, das zeigt namentlich
der dritte Paragraph über das Buch des Propheten.
Abgefehen von dem völlig mifsglückten Verfuch, die
Reden des zweiten Theils c. 4—14 wieder beftimmten Zeiten
und zwar zurück bis in die Tage Jerobeam's II.

9, 10 nimmt Sch. |T»tJm im Sinn von ,Gipfel' und 9, 13
conjicirt er auf Grund der LXX 3n*:33 r»: .Ephraim
wie ich erfah zum Felfen feftgegründet für feine Söhne'.

10, 11 ift 3"i3"iX nicht etwa vom Einfpannen in den PfUm
zu verliehen, fondern zu überfetzen: .ich fchalte frei und
mit Macht'; 10, 14 ift Jfcb« Niemand als ysabt, wenn c
ift Erweichung für 2 und 3X33X ift identifch mit brs-p-

11, 6 ftand ftatt Tnya wohl urfprünglich -tf3: ,und es
kreift das Schwert ringsum'. 12, 12 ift zu überfetzen: ,fie
opferten Stieren', das 3 vor DTW blieb abfichtlich weg,
um zu fagen, dafs fie Stiere Stieren opferten. 13,9 ift
7nn» Ausruf: .Verderben über dich' und im folgenden
Satz ift aus Tltyi ein 7-iTy zu entwickeln, alfo: ,denn

zuzuweifen, findet fich hier auch ein Nachweis der Ab- i in mir, in deiner Hilfe, ift deine Hilfe'. 14, 3 ift mit LXX
hängigkeit unferes Buches von älteren Schriften: fo geht I zu lefen: 1S»n btt, was befagen foll: .fprecht zu ihm
13, 10 auf 1 Sam. 8,6; 10, 9 auf Jud. 20, I ff.; 2, 17 fetzt | dafs ihr nicht die Strafe eurer Miffethaten traget' und
Jof. 7 voraus etc.; befonders häufig foll in unferem Buch : np heifst nicht: ,nimm an', fondern: .nimm um zu geben'
die Bezugnahme auf den Pentateuch fein, denn Sch. d. i. gieb. Doch genug der Beifpiele, die mit geringer
weifs nicht weniger als 32 Stellen aufzuzählen, die fich | Mühe verdoppelt werden könnten; obige Blüthenlefe

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