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Ausgabe:

1882 Nr. 2

Spalte:

42-43

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Löhr, Die Geschichte der heiligen Schrift vom Anfang der der Dinge 1882

Rezensent:

Strack, Carl

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Theologifche Literaturzeitung. 1882. Nr. 2.

4^

in Fremdwörtern und Citaten hätte Ref. hie und da et- |
was gröfsere Sparfamkeit gewünfcht —, von feinem Hu- J
mor durchweht, concret, ohne derb oder trivial zu werden
, mit Gedichten durchflochten, die, wenn fie auch j
nicht auf grofse poetifche Schöpferkraft Anfpruch machen
, doch von einem feinen poetifchen Nachfinnen und
Nachempfinden der Natur- und Heilsgedanken Gottes J
zeugen, wird es von niemandem ohne Befriedigung aus I
der Hand gelegt werden. Es ift aber auch, namentlich
für Geiftliche, überaus anregend und lehrreich. Der Verf.
hat eine fehr hohe und ideale Auffaffung des pfarramtlichen
Berufes. Er bekundet das nicht blofs In feinem
eigenen Wirken, fondern giebt ihm auch in manchem
treffenden Worte Ausdruck. Ref. kann fich nicht vertagen
, zum Beleg eine Stelle aus dem Capitel ,Stilles
Schaffen' anzuführen, die zugleich einen Blick in die
Brunnenftube der literarifchen Thätigkeit des Verfaffers ■
thun läfst.

S. 112 fagt er: .Nicht darauf kommt's an in un-
ferem Pfarrleben, dafs wir Autoren werden und mu-
ftergiltige Leiftungen in den Bücherkatalog des Jahrhunderts
bringen; . . . Aber das, denke ich, follte
man uns allen zumuthen dürfen .... geiftig thätig
fein; mit Kopf und Hand, Herz und Feder fchaf-
fen, das Pfund nicht vergraben, das eine höhere
Hand uns anvertraute, follten wir alle. ,Raft ich, fo
roft ich', das gilt von keinem Stande mehr, als von dem
unfrigen. Keinem fleht es übler an, als uns, die wir das
Amt führen, das die Leuchte der Welt fein foll, wenn
wir verwahrloft im Wiffen, fchülerhaft in Rede und Stil,
eckig und anftöfsig in den Formen des Lebens es nicht
vermögen, die Pfeile der fpottluftigen Zeit an dem blanken
Schilde unferer Tüchtigkeit zurückprallen zu lallen. . .
Solche Tüchtigkeit fliegt uns aber nicht an, fie will er- J
worben fein, und durch nichts mehr wird fie erworben,
als durch das ftete treue Schaffen auf dem Gebiete des |
Geiftes'. Trefflich ift auch, was er im Capitel .Keimen j
und Wachfen' von dem langfamen Wachsthum der j
Früchte der Arbeit jüngeren Amtsbrüdern zur Warnung I
vorhält, und weiter von der Treue fagt: ,Das Volk ift j
feinfühlig genug, um beides, die Treue fowohl als den
Miethlingsdienft, an dem Manne, der fein Führer auf dem
religiös-fittlichen Gebiete fein foll, gar bald herauszufühlen
und ihn nach Verdienft zu taxiren'. Sehr beher-
zigenswerth ift, was im Schlufscapitel von der Pünktlichkeit
als einer unentbehrlichen Tugend des Pfarrers und von I
dem Schaden, welchen Unpünktlichkeit im Gemeindeleben
anrichtet, zu lefen ift.

Welchen Dienft das Büchlein auch folchen, die nicht 1
Pfarrer find, leiften möchte, fagt der Verf. felbft im Vorwort
. ,Lm in diefen Tagen an die Wiedergeburt der
Nation zu glauben, mufs man unfer Landvolk auf-
fuchen mit feiner Denkart und Sitte, mit feinen feften I
Traditionen und vor Allem mit feinem durch Kirche I
und Pfarramt genährten Chriftenglauben. Ich j
wage zu hoffen, dafs es in nicht geringer Zahl noch Leute
giebt, welche fich ein deutfehes vom Evange- !
lium abgelöftes Volksthum nicht zu denken vermögen
, welche darum auch die hohe und reichgefeg- j
nete, der gefellfchaftlichen Fäulnifs wehrende Miffion 1
des deutfehen evangelifchen Pfarrlebens vollauf
zu würdigen wiffen'.

Was das Büchlein im einzelnen bietet, mögen fchliefs-
lich die Capitelüberfchriften andeuten: Der Sonntagmorgen
— Land und Leute — Der Winter — Die Collegen
— Schatten — Aus Briefen — Stilles Schaffen — Die I
Lehrer — Volkes Rede und Volkes Witz — Zucht an
der Jugend — Keimen und Wachfen — Abfchied.

Es find ,fchlichte, der Erfahrung entfproffene Blätter
', aber gerade, weil Erfahrung daraus fpricht, von
wirklichem Werthe.

Giefsen. Gg. Schloff er.

Lohr, Paft., Die Geschichte der heiligen Schrift vom Anfang
der Dinge. Für Gebildete erläutert. Berlin 1881,
Wiegandt & Grieben. (164 S. gr. 8.; M. 2. —

,Dic Gefchichte der h. Schrift vom Anfang der
Dinge ift von ganz eminenter Bedeutung. In derfelben
haben wir das Fundament, auf dem die ganze übrige
Schrift ruht. Nimmt man diefes Fundament weg, fo
ftürzt das ganze Gebäude zufammen. Ift es nicht fo,
dafs die Welt von Gott gefchaffen und darum urfprüng-
lich gut gewefen, demnächft aber durch den Fall des
Menfchcn ins Verderben geftürzt ift, dann ift die ganze,
auf Erlöfung abzielende Offenbarung Gottes im A. und
N. T. eine Fabel Daher auch das Antichriftenthum
nicht blofs feine Angriffe auf das Kreuz hoch oben auf
des Domes Spitze richtet, fondern eben fo fehr und faft
noch mehr darauf aus ift, den Grundftein zu zermalmen'.

Mit diefer Erklärung beginnt ohne Vorrede die vorliegende
Schrift, auf die Wichtigkeit des behandelten
Gegenftandes hinweifend. Das letztere gefchieht faft
noch mit ftärkeren Ausdrücken auf der folgenden Seite
wo der Verf. fagt: ,Man kann einer genaueren und
gründlicheren Kenntnifs der epiftolifchen und propheti-
fchen Schriften des N. T.'s ermangeln und ebenfo alles
deffen, was von 1 Mof. 4 ab im A. T. fteht, und kann
doch bei gründlichem Verftändnifs von 1 Mof. 1—3 und
ferner der Evangelien eine gründliche Kenntnifs in
Wefen und Bedeutung des Chriftenthums befitzen, während
, wo jenes Verftändnifs fehlt, auch grofse Belefen-
heit in der h. Schrift von untergeordnetem Werth ift.'

Nicht blofs Theologen hätten die Pflicht, fich ein-
gehendft und immer von Neuem mit 1. Mof. 1—3 zu
befchäftigen, fondern auch Jeder, der irgendwie Anfpruch
auf Bildung mache. Die Grundlage aller wahren Bildung fei
eine klare Kenntnifs von dem Wefen der Dinge, Klarheit
in Beziehung auf jene Fragen, welche Urfprung und
Ziel des menfehlichen Lebens und jenes grofse Räthfel
der Sünde und des Todes betreffen. Nach diefen Erklärungen
läfst fich erwarten, dafs der Verf. keine oberflächliche
, leichtfertige Arbeit geliefert hat, und wir glauben
das beftätigen zu können. Auch leuchtet eine apologe-
tifche Tendenz fchon aus folchen Aeufscrungen hervor.
Man darf aber nicht glauben, dafs der Verf. nun die
Erzählung, wie fie zu lefen ift, in buchftäblicher Auffaffung
vertheidigthabe. Erfagt: .Schwerlich hat der Verfaffer,
der menfehliche Autor, die Abficht gehabt, wirkliche Gefchichte
zu fchreiben, die Entftehung der Welt, wie fie nach
feiner Meinung verlaufen, mitzutheilen. Dazu ift feine Erzählung
viel zu fehr von den Gedanken beherrfcht'. Er fetzt
die Schwierigkeiten, welche gegen eine buchftäbliche
Auffaffung des Sechstagewerkes, fowie gegen die Anficht,
mit den Tagen feien Perioden bezeichnet, erhoben worden
find und erhoben werden können, unverhohlen aus
einander. So viel flehe feft, dafs die Erzählung der
Wirklichkeit nicht entfpreche. Der Verf. habe in der
That nicht gewufst, wie die Schöpfung der Welt verlaufen
. Die von ihm gegebene Reihenfolge der einzelnen
Schöpfungswerke beruhe auf dem Gedanken, dafs
das Ziel der fchöpferifchen Thätigkeit Gottes die Hervorbringung
des Lebens fei (S. 24). Der Schöpfungs-
gefchichte liege nicht irgend welche, auf irgend einem
Wege gewonnene pofitive Kenntnifs des wirklichen Verlaufs
der Weltentftehung zu Grunde, fondern hier fei
alles ideal, lauter Gedanken (S. 33). Der Verf. habe von
den Piergängen bei Entftehung der Welt nichts wiffen
können. Augenzeuge fei er nicht gewefen. Dafs er
aber durch göttliche Offenbarung über naturwiffenfehaft-
liche Probleme unterrichtet worden fei, diefe Möglich-
lichkeit fei unmöglich. Gott könne wohl Alles, aber
manche Dinge könne er nicht, weil er fie nicht wolle.
Freilich könnte man meinen, dafs Gott, um uns über
das Wefen der Welt und ihr Ziel zu belehren und damit
die höchften Heilswahrheiten kund zu thun, eben