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Ausgabe:

1882 Nr. 24

Spalte:

562-566

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Dale, Alfr. Will. Winterslow

Titel/Untertitel:

The synod of Elvira and christian life in the fourth century. A historical essay 1882

Rezensent:

Harnack, Adolf

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56.

Theologifche Literaturzeitung. 1882. Nr. 24.

562

fprochenen als die empfehlenswerthefte Handausgabe die (hcovdaia xat aoya~ta avt/ygarpa der Apokalypfe be-
dcs N. T. gr. zu gelten haben; fie unterfcheidet fich von rufen hat, in welchen fich ubereinftimmend die Zahl 666
jener durch die Unterlaffung jeglicher Rückfichtnahme (nicht 616) fände. Diefe alten Manufcripte enthielten

auf den textus receptus und die an Stelle diefer eintre
tende eingehende Berückfichtigung der neuen englifchen
kritifchen Ausgaben und der handfchriftlichen Bezeugung
des Unterfchiedes zwifchen dem Texte derfelben und
dem Tifchcndorf's.

Hamburg. Carl Bertheau.

o

Völter, Repet. Hr. Daniel, Die Entstehung der Apokalypse.

Ein Beitrag zur Gefchichte des Urchriftenthums.
Ereiburg i Br. 1882, Mohr. (VII, 72 S. gr. 8.) M. 2. —
Der Verf. bezeichnet felbft feine Abhandlung als
eine Skizze und will durch diefelbe den Anftofs zu erneuter
gründlicher Unterfuchung der Apokalypfe gegeben
haben. Um nicht unbillig zu werden, wird fich der
Kritiker diefer Selbftbcurthcilung ftets erinnern muffen;
aber er wird freilich die ftärkften Bedenken nicht unterdrücken
können, ob der Verf. nicht durch die Anlage | renzen in den'Situationen der verfchiedenen Theile des

unzweifelhaft das Buch bereits in dem Umfang, in welchem
es uns jetzt vorliegt. Nun ift ja freilich nicht näher zu
beftimmen, wie alt diefe Codices waren — Optatus bezeichnet
einmal (I, 14) 60jährige Membrane als alte —,
allein immerhin macht fchon diefe Stelle bei Irenäus es
fehr unwahrfcheinlich, dafs die Apokalypfe noch um das
J. 170 grofse Zufätze und eine neue Redaction erfahren
hat. Aber für eine folchc Hypothefe läfst fich überhaupt
kein fcheinbares Argument beibringen. Der Verf. hätte
beffer gethan, wenn er, alle chronologifchen Hypothefen
bei Seite laffend, allein die Frage nach der Integrität
der Apokalypfe zur Sprache gebracht und gründlich erörtert
hätte. Eine Reihe von Beobachtungen, die er hier
gemacht hat, erfcheinen allerdings als erhebliche. Ich
rechne hiezu den doppelten Eingang und Schlufs des
Buches, ferner den verfchiedenen Gebrauch des Begriffes
1) [KtQTVQi'ct 'Jwtov Xqigiov, weiter gewiffe formelle Diffe-

fowohl als durch die Ausführung feiner Skizze der von
ihm vertretenen Hypothefe mehr gefchadet als genützt
hat. So überrafchende und zugleich fo beftimmte Re-
fultate, wie fie der Verf. hier bietet, können durch eine
fkizzirte Begründung nicht einleuchtend gemacht werden
. Die kanonifche Apokalypfe foll aus 5 verfchiedenen
Beftandtheilen beliehen: 1) die Urapokalypfe des
Presbyters Johannes aus dem J. 65 oder 66, c. 1, 4—6;
1, 9; c. 4—9; 11, 14—19; l8> 1—20; 19, 1 —10 wefent-
lich, dazu noch einige Verfe aus anderen Capiteln enthaltend
; 2) die im J. 68 entftandene Weisfagung desfel-
ben Verfaffers, nämlich c. IO; 11, 1—13; 17; 18,21—24.

Buches (Verwendung des nveiqia, eines angelus interpres,
des erhöhten Chriftus u. f. w.). Die Verfchiedenheiten
in den chriftologifchen Ausführungen, auf welche Völter
ein fo ftarkes Gewicht legt, fcheinen auch mir beachtens-
werth; aber der Verf. hat fie übertrieben und er hat
fich nicht erinnert, dafs fich Aehnliches auch noch in
viel fpäteren und ohne Zweifel einheitlichen Schriften,
wie z. B. im 2. Clemensbriefe, findet. Endlich foll zu-
geftanden werden, dafs manche charakteriftifche Eigentümlichkeiten
der Apokalypfe unter Zugrundelegung
der Hypothefe ihrer Entftehung unter Galba gefchicht-
lich fchwer verftändlich find, und dafs die alte Ueber-

•lit die urchriftliche lieferung vom Urfprung des Buches (unter Domitian)
In diefen beiden ^>^^rl^d^^S^^ vielleicht doch nicht ganz preiszugeben ift. Allein wenn
AuHaffungvon efu als dem ^»^«SSTlS Ref. an diefen Punkten eine erneute Unterfuchung der
Lmfchaltung (3, foll aus der J8^.™^,^ Apokalypfe für gerechtfertigt halten mufs, fo kann er
zwifchen 140-I50 (c. 12; 13 14,,9 ??» "i '„5 d(fch d£m Verf. kein anderes Verdienft zufprechen, als

.8; 18, 11 —21, 8), .die zweite (4) um 150 (c. I, 7. 8, , fuf^^{&n zu haben. Die Behandlung, welche

Völter ihnen hat zu Theil werden laffen, mufs er als
unniethodifch und unbefriedigend bezeichnen.

5. II —14; Sätzchen in 6, 16; 7, 9—17; 14, I. 4. 5; 21,

n_22, 5; 22, 6. 8—II. 14. 15), die letzte (5) unter Marc

Aurel um 170 herrühren (1, 1—3; 1,10—3,22; 22, 7.12.

13. 16—21 und fonft noch einige kleine Interpolationen). I Giefsen. Adolf Harnack

In der erften grofsen Einfchaltung fei Chriftus als ein
Öevrtooc &$6c neben und unter Gott gedacht, fo dafs

rsgog 3-eog neben und unter Gott gedacht, lo dals 1. Gwatkin, Lecturer Henry Melvill, M. A., Studies of

feine Gottheit nicht erft eine gefchichtlich erworbene,
fondern eine urfprüngliche zu fein icheine. Der Verf.
der zweiten Einfchaltung fei modaliftifcher Monarchianer
gewefen. der letzte Redactor endlich (unter M. Aurel)
habe Chriftus als den Urheber der Offenbarung an den

Arianism, chiefly referring to the character and chro-
nology of the reaction, which followed the Council of
Nicaea. Cambridge 1882, Deighton, Bell & Co. (XXVI,
303 S. gr. 8.) Cloth.

Propheten vorgeftellt, zugleich einen.neuen, nämlich den ; 2 Brjght prof Canon Willi D D Notes „n t|
mnntaniftifrhen / vi vua-We.°xR eingeführt und die Ule

SSf^^G^SUli^ gegeben. Um canon. of the first four general Councils. Oxford 1882,

gleich das Wichtigfte zu bemerken, fo erfcheinen dem j at the Clarendon Press. (VII, 215 S. gr. 8.) Cloth.

Ref. die Beziehungen gewiffer Abfchnitte der Apoka- | 3. Qale, Alfr. Will. Winterslow, M. A. The svnod of

, r. ___r J- !_______ ___j ^..r....... Cic.Cr-\r\tp rlnr Ivir,~h^ __. ..... ...... ' "

lypfe auf die innere und äufserc Gefchichte der Kirche
im 2. Jahrhundert, welche der Verf. aufgedeckt zu haben
meint, fämmtlich als völlig nichtige, und er gefleht, nicht
zu begreifen, wie fich der Verf. bei fo luftigen und
künftlichen Combinationen auch nur einen Moment hat
beruhigen können. Die Beweisführung dafür, dafs die
beiden Thiere c. 13 Antoninus Pius und der Schwindler
Alexander feien, dafs in c' 2, 8 f. das Martyrium des
Polyk arp vorausgefetzt fei u. A., braucht man nur zu
lefen, um fich von der Haltlofigkeit diefer pofitiven Kri

Elvira and Christian life in the fourth Century. A histo-
rical essay. London 1882, Macmillan & Co. (XXVIII,
354 S. gr. 8.) Cloth.
1. ,Tlie present work is not so mach a formal histo-
ry of Arianism as a ntview of the forces at work in the
different stages of the controversy, traced out with special
regard to the sequence of eiients and to their connexion
with the social characteristics and political history of the
Empire1. Mit diefen Worten hat Gwatkin felbft feine

tik zu uberzeugen. Das Stärkfte aber ift, dafs der Verf. »Studien über den Arianismus' zutreffend charakterifirt,

glauben machen will, die Pfeudoapoftel, die Bileamiten und es ift nur hinzuzufügen, dafs er doch auch den

und Nicolaiten feien — Montaniften. Diefes und Aehn- äufscien Rahmen der Gefchichte mit grofser Sorgfalt

liehe* wird vorgetragen, ohne auf die mindeftens rela- j behandelt und die ganze einfchlagende Literatur herbei-

. . °. TO Al_ C -1__Ii.!.™ .1--A__ —« maA 1--i. TVT _ .1-1 1 1 .,. „

tive Congenialität der verfchiedenen Abfchnitte der Apokalypfe
, auf ihren fprachlichen Charakter und auf die
Gefchichte der Ueberlieferung eingehender Rückficht zu
nehmen. Was den letzteren Punkt betrifft, fo fei nur
an das Eine erinnert, dafs Irenäus (V, 30, 1) fich auf

gezogen hat. Namentlich in chronologifcher Beziehung
(f. den Appendix II S. 291—295 über die Movemcnts of
the eastern emperors und die chronologifche Tabelle
S. XXI-XXV1) leiftet das Werk Vorzügliches- fehr
dankenswerth ift ferner der Appendix I, in welchem die