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Ausgabe:

1882 Nr. 23

Spalte:

546-547

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Martensen, H.

Titel/Untertitel:

Jacob Böhme. Theosophische Studien 1882

Rezensent:

Pünjer, Bernhard

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Theologifche Literaturzeitung. 1882. Nr. 23.

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jenmen welche fchon Rawdon Brown geliefert hatte, j ihrer Kirche eine Ehrenfchuld abzutragen' (S III). Wir
find" fo reichen fie doch, wie jüngft an einigen Beifpielen Proteftantcn können es nur mit Freuden begrufsen, wenn
Druffel fG e A 1882 S. 1029 ff.) nachgewiefen j kathohfehe Gelehrte der Gegenwart in Contanni und

nicht in Giov. Pietro Caraffa die Seele ,der Reformpartei
in Italien' feiern , felbft wenn fie in dem fchweren Irrthum
befangen find, dafs die Reform, wie fie Contarini
erftrebte, ,in dem Concil von Trient zum Abfchlufs
gebracht' worden ift.

hat, keineswegs überall hin. Ungern vermiffen wir
auch die wörtliche Wiedergabc von Depefchen und Briefen
, welche fich entweder nur handfehriftlich oder in
ganz feltenen italienifchen Drucken finden. Vgl. z. B.
die Nummern aus den Jahren 1540 und r 541: 499. 515.
516. 519. 521. 522. 543. 550. 554. 560. 566. 601.603.656.
694. 762. 814. Hierunter befinden fich fehr wichtige,
bei denen es auf den Wortlaut durchaus angekommen

Marburg. Th. Brieger.

Ha Hess, Dr. G. C. Adf. v., Jacob Böhme und die AI-

!^t,S Äf-t^ ;iÄ^Ähd , Chymisten. Ein Beitrag zum Verftandnifs J. Böhme's.

wefentliche Lücken, wenn er uns nicht gar neue Rathfei
aufgiebt! Von dem bisher nur lateinifch bekannten
Brief Contarini's an Farnefe vom 22. Juni 41 (über das
meritum der bona oßera) hat uns D. leider nicht den originalen
italienifchen Text mitgetheilt, den er doch wieder
aufgefunden hat (f. D. 201 Nr. 774).

Auch hätte D. von fchon gedruckten Briefen in allen
den Fällen, dafs er auf die Originale oder Conceptc ftiefs
i'wie z. B. in den Carte Cerviniane zu Florenz), diefe
angeben und fchlimmere Fehler aus ihnen berichtigen
können; fo bei den N. 440. 447 (lies: che io le sono,. 483
(diefer Brief ift nach dem Concept vom 24. Juni). 487
(lies: far nova deliberatione, nicht: //na). 494. 498. 534.
628. 693 (lies: parc, sia bonissimo, ohne: che). 710 (lies:
con aspettative). 732. 733 (gleichzeit. Abfchrift). 737 (das
Memoriale Eck's liegt noch bei dem Original). 750 (der
Brief trägt im Original das Datum des 9. Juni). 763.
883 (das Summario der casa santa liegt noch bei). 887
(lies: con qucl tniglior modo). 889. 890. 912 (lies: 250
Sc. — perche. . mi fwnaria). 913 (lies: haveine parlato).
Bei allen diefen Nummern habe ich nur zufällig die Vorlage
Quirini's gefehen; fie befinden fich fämmtlich im
Staatsarchiv zu Florenz, Carte Cerviniane Filza III.

Empfohlen haben würde es fich auch, die fehlenden
Briefe Cont.'s zu verzeichnen, auf deren Spuren
man nicht feiten in den vorhandenen ftöfst.

Die von D. 312 mitgetheilte Depefche Cont.'s (im
Namen Farnefe's) an Cervini ift mit Recht in den Juni
1540 verlegt. Hier ift zu Anfang die Rede von Gefprä-
chen des Legaten Cervini mit Granvella in Brüffel; mir
hat eine eigenhändige Aufzeichnung Cervini's vorgelegen
[Carte Cerv. 1, 100) über ein Gefpräch mit Granvella in
Brüffel am 4. Juni 40, das ficher das in Rede flehende
ift. Zweifeln könnte man nur, ob das nähere von D.
angenommene Datum das richtige ift und ob diefe Depefche
Cont.'s mehr ift als ein Entwurf. —S. 228 wird ein
Brief unter dem 16. December verzeichnet, der vielmehr
dem 16. Sept. angehört.

Wohl nur feiten ift D. in dem gedruckten Material
ein Brief für feine Regelten entgangen. Ich wüfste we-
nigftens nicht viel nachzutragen. Allerdings gehört hierher
ein Brief von hervorragender Bedeutung, das von
der Rechtfertigungslehre Cont.'s handelnde Schreiben
Pole's an ihn, Capranica 22. Auguft 1541, das fchon
Pallavicini bekannt war, gedruckt von Quirini in feiner
Fpistola an Friedr. Otto Mencken, Rom 7. Juli 1750, p.
VIII —X, von neuem in der 1756 zu Venedig veranftal-
teten Sammlung der Briefe des Cardinais Quirini von
Nicol. Coleti, p. 564 f. Merkwürdiger Weife fehlt zum
14. Juni 1541 die Angabe der Depefche Morone's an
Farnefe bei Laemmer, Man. Vat. 373—376, bei dem
übrigens, ohne dafs er es markirt hätte, der wichtige
Anfang fortgelaffen ift

Nebft zwei Anhängen: J. G. Gichtel's Leben und Irr-
thümer und über ein Rofenkreuzerifches Manufcript.
2. verm. Ausg. Leipzig 1882, Hinrichs. (X, 194 S.
gr. 8.) M. 2. —
2. Martensen, Bifchof Dr. IL, Jacob Böhme. Theofo-
phifche Studien. Autorifirte deutfehe Ausg. von A.
Michelfen. Leipzig 1882, Lehmann. (VI, 271 S.
gr. 8.) M. 6. —

Der tieffinnige Görlitzer Schufter übt noch immer
feine Anziehungskraft aus auf denkende Theologen und
feine Speculationen find fo vielleitig, dafs Jeder, der fich
mit feinen Schriften befchäftigt, je nach perfönlicher
Eigenthümlichkeit ihn von einer befondern Seite zu
faffen vermag. So bilden auch die beiden vorftehenden
Schriften eine dankenswerthe gegenfeitige Ergänzung.
Dem Lutheraner Harlefs fällt vor allem ins Gewicht,
dafs Böhme durch den Gegenfatz gegen die ,am Buch-
ftaben haftende' und daher zur ,Babel' gewordene luthe-
rifche Kirche feiner Zeit zu einer übertriebenen Geringfehätzung
alles Aeufserlich-Objectiven, der einmaligen
Erlöfungsthat Jefu wie des Schriftbuchftabens und aller
kirchlichen Ordnungen, und einer gefährlichen Betonung
der perfönlichen Erfahrungen geführt wird. Näher dargelegt
und im Einzelnen verftändlich gemacht wird dies
durch den eingehenden Nachweis, wie viel Böhme an
Gedanken und Ausdruck entlehnt hat von der weit verbreiteten
alehymiftifchen Literatur jener Zeit. Das Neue
an Böhme ift wefentlich dies, dafs er die Begriffe und
Formeln, welche bisher gedient hatten, die Schöpfung
aufser Gott zu begreifen, auf das innergöttliche Leben
und Werden anwendet, — für die Gegenwart eine Mahnung
, dafs die Anwendung phyfikalifcher Betrachtungen
auf die Theologie nur zu leicht zu Irrthümern führt.
Harlefs felbft bezeichnet daher (S. 102) als Aufgabe feiner
Schrift, jene Hauptmomente hervorzuheben, an welchen
fich der Zufammenhang mit der alehymiftifchen
Tradition nachweifen läfst, und andererfeits zu zeigen,
von welchem Einflufs dies auf feine chriftliche Denkweife
war und in welchem Verhältnifs diefe zu der dem
Schriftworte entnommenen chriftlich-kirchlichen Erkennt-
nifs ftehe'. Beides hat Verf. in anerkennenswerther und
lehrreicher Weife erreicht. — Angefügt ift eine bereits
1831 in der Berliner Evgl. Kirchenzeitung abgedruckte
Abhandlung über ,J. G. Gichtel's Leben u. Irrthümer',
die zu dem Gründlichften gehört, was wir über diefen
merkwürdigen Mann befitzen.

Dem felbft fpeculativ gerichteten Bifchof von Seeland
mufste beim Studium Böhme's nothwendig ein anderer
Gefichtspunkt in den Vordergrund treten. Ihm
dient die fertige Lehre Böhme's wefentlich zur An-

M?t den vorftehenden Aufteilungen beabfichtigte , knüpfung eigener .theofophifcher Studien'. Theofophie

ich nicht, den Werth der Publication Dittrich's zu be
anftanden. Vielmehr mögen fie ihm ein Beweis fein,
dafs ich feine Arbeit für beachtenswerth und dankens-
werth halte. D. ftellt, wie die warmen Worte feiner
Vorrede zeigen, den Helden der Biographie, an der er
arbeitet, ungemein hoch: ,Die Katholiken haben Contarini
als einem der edelften und eifrigften Vorkämpfer

bedeutet ihm .Weisheit in Gott', d. h. ,in Gottes Geift
(nicht im Geifte der Welt), eine fchauende Erkenntnifs
fowohl der göttlichen als der natürlichen Geheimnifse,
auf Grundlage der Offenbarung Gottes in der heiligen
Schrift und im Buche der Natur'. Während Harlefs uns
einführt in die Genefis der Böhme'fchen Gedanken und
vor allem die Anknüpfungspunkte bei Früheren aufzeigt,