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Ausgabe:

1882 Nr. 19

Spalte:

443-444

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Swete, H. B.

Titel/Untertitel:

Theodori in epistolas B. Pauli commentarii. The latin version with the greek fragments. (In 2 vols.) Vol. 2. I. Thessalonians - Philemon. Appendices. Indices 1882

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologifche Literaturzeitung. 1882. Nr. 19.

444

Buche S. 123 f. namhaft gemachten Schwierigkeiten
diefer Partie nicht nur nicht befeitigt, fondern durch
etwas unvorfichtiges Eingehen auf eine halsbrechende
Conftruction Hofmann's, Verbindung von V. 15 u. 16
betreffend (S. 12), noch um eine Unmöglichkeit vermehrt
hat, ift ausführlichft nachgewiefen in dem Auffatze
,Der zweite Timotheusbrief und der neuefte, mit ihm
vorgenommene, Rettungsverfuch', welchen, nachdem ich
ihn fchon im Manufcript vor mir gehabt, die ,Zeit-
fchrift für wiffenfchaftliche Theologie' 1883 von der
Hand meines, bei der Herausgabe der ,Paftoralbriefe'
betheiligt gewefenen, Bruders bringen wird. Ich bin namentlich
ganz einverftanden mit dem, was dort über
den Eingang des Briefes gegenüber dem Verfuch
Lemme's (S. 74), denfelben als die paulinifche Wurzel
der unpaulinifchen Manier der Paftoralbriefe {änöoxolog
yaxa) zu begreifen, geltend gemacht wird. Für mich ift
entfcheidend, dafs Ausdrücke wie die S. 75 aufgeführten
(naQad-x'iyri, aywva äywvt'Ceo&at, slg 0 ex£&r[V, avvyayo-
na{rr[O0>j voiiiftwg, dt &» alxiav, b vvv aiwv, doirf) fich
in gleicher Weife, wie fie zum bezeichnenden Sprachgebiete
diefes Briefes überhaupt gehören, auch in denjenigen
Abfchnitten finden, welche inhaltlich als pauli-
nifch noch am annehmbarften wären. Unfer Verf. mufs
hier zu dem ad hoc aufgeftellten ,geiftigen Gefetz' feine
Zuflucht nehmen, welches dem Nachahmer ,einfeitige
Benutzung gerade folcher Momente, die bei dem ur-
fprünglichen Verfaffer feiten find' (S. 75), auferlegt. Was
auch fo noch nicht in die Rechnung aufgehen will, das
wird für Interpolation erklärt (S. 43), und ich leugne
nicht, dafs beifpielsweife die Art, wie das yuotoua 1, 6
durch Streichung der in die Sphäre der katholifchen
Kirche führenden Worte o saxtv i,v ooi dtd t£g x.jn&t-
amg xwv ystgwv liov paulinifch gemacht (S. 49 f.) oder
wie eine paulinifche und eine unpaulinifche rrapaoSj"/.^
unterfchieden wird (S. 62 f.), recht viel anfprechendes hat,
wie überhaupt die ganze Unterfuchung befonnen und
umfichtig geführt ift und von Urtheil und Gefchmack
zeugt. Bin ich auch dadurch nicht eines Befferen belehrt
worden, fo gebe ich doch gerne die allgemeine Möglichkeit
zu, dafs wenigftens diefer ältefte und beftgefchrie-
bene der Paftoralbriefe irgendwie auf paulinifchem Grunde
ruht. Was ich beftreite, ift nur die Nachweisbarkeit des-
felben, und was ich behaupte, das ift der vorwiegende
Eindruck des Unechten, der vermöge des identifchen
Charakters aller drei Briefe auch an ihm haften bleiben
wird.

Strafsburg i. E. H. Holtzmann.

Theodori, episcopi Mopsuesteni, in epistolas B. Pauli

commentarii. The latin version with the greek frag-
ments. With an introduction, notes and indices. By
H. B. Swete, D. D. [In 2 vols.] Vol. IL I. Thessa-
lonians — Philemon. Appendices. Indices. Cambridge
1882, at the University Press (Deighton, Bell
& Co.). (VIII, 377 S. gr. 8.) Cloth.

Ueber den erften Band diefer in jeder Hinficht vortrefflichen
Ausgabe der lateinifch erhaltenen Commen-
tare Theodor's von Mopfueftia zu den paulinifchen
Briefen habe ich bereits in der Theol. Lit.-Ztg. 1880,
Nr. 22 berichtet. Die Commentare find bekanntlich
nicht unter dem Namen Theodor's erhalten, und find
zuerft von Pitra (1852) als ein angebliches Werk des
Hilarius von Poitiers bekannt gemacht worden. Die
Autorfchaft Theodor's nachgewiefen zu haben, ift das
Verdienft von Jacobi (1854) und Hort (1859). Während
aber Pitra nur auf Grund einer Handfchrift mangelhafte
Mittheilungen machte, liegt uns jetzt das Werk
in einer Ausgabe vor, für welche alle zugänglichen Hülfs-
mittel in mufterhafter Weife benützt wurden. Aufser
den beiden Handfchriften, welche den lateinifchen Text

enthalten (einem Corbeiensis zu Amiens und einem Har-
leianits im britifchen Mufeum zu London) hat Swete
auch die in der Catene des cod. Coislinianus 204 erhal-

j tenen griechifchen Fragmente durchgängig nach der
Handfchrift felbft verglichen und mitgetheilt, und aufser-
dem auch die Commentare des Rabanus Maurus, die nur

I ein Excerpt aus dem lateinifchen Texte Theodor's find,

I überall für die Textkritik herangezogen. Von der Exi-
ftenz einer dritten, im Privatbefitz befindlichen und eifer-
füchtig geheim gehaltenen Handfchrift weifs man durch
Pitra. Die Hoffnung Swete's, fie wenigftens nachträglich
noch verwerthen zu können, ift aber nicht in Erfüllung
gegangen. Dem Text der Commentare hat
Swete aufser dem kritifchen Apparate auch fprachliche
und fachliche Anmerkungen beigegeben, welche eine
Fülle werthvoller Belehrungen enthalten.

Der hier vorliegende zweite Band, welcher das Werk
abfchliefst, enthält die Commentare zu den Theffalo-
nicherbrie fen, den P aftoralbriefen und dem Phi-
lemonbrief. Sehr willkommen ift es, dafs Swete im
Anhang (S. 289—339) auch die Fragmente der dog-
matifchen Werke Theodor's vollftändig mittheilt. Sie
find zwar auch in Migne's Patrol. Graeca Bd. LXVI gebammelt
, und Swete hat für ihren Text fich auf Benützung
der gedruckten Hülfsmittel befchränkt. Aber auch
hier verrathen mannigfache Verbefferungen im Einzelnen
(in der Anordnung der Fragmente, in der Interpunktion
und Emendation des Textes), fowie die vorangefchickten
orientirenden Einleitungen die kundige Hand des Herausgebers
. — Wie fehr Swete bei feiner Arbeit auf Alles
geachtet hat, was zu beachten war, zeigt ein zweiter
Anhang (S. 340—345; über den Text der paulinifchen
Briefe, welcher dem Theodor vorgelegen
hat. Es zeigt fich hier, dafs auch fein Text im Wefent-
lichen der der anderen Antiochener und der fpäteren
griechifchen Theologen überhaupt ift — alfo wieder ein

j neuer Beleg dafür, dafs der emendirte fogenannte ,by-
zantinifche' Text im Wefentlichen feinen Urfprung den

' gelehrten Antiochenern des vierten und fünften Jahrhunderts
verdankt. — Ein dritter Anhang (S. 346—348)
giebt noch einige Nachträge über die Benützung der
Commentare durch abendländifche Schriftfteller. Reichhaltige
Indices befchliefsen endlich in würdiger Weife
das Ganze — eine reife Frucht fiebenjährigen Fleifses,
über welche der treffliche Verfaffer in der Vorrede p.
VI fich viel zu befcheiden ausfpricht.

Giefsen. E. Schür er.

Zitzlaff, Archidiac. Lutherauf der Koburg. Ein Lebensund
Charakterbild, nach Luthers eigenen Briefen gezeichnet
. Wittenberg 1882, Herrofe. (VIII, 175 S.
gr. 8.) M. 2. 40.
Wenn der Verfaffer es in den Schlufsworten feines
Schriftchens als feinen Zweck hinftellt, ,den grofsen
Mann, den viele nur aus weitefter Ferne gefehen, ob fie
ihn gleich oft im Munde führen, manchem bekannter
und dann ohne Zweifel auch theurer zu machen', fo wird
I man ihm gern zugeftehen können, dafs das anfprechend
gefchriebene Büchlein mit feiner guten Ausftattung und
trotz der modernen Typen mit ihren die Augen angreifenden
Häkchen fehr wohl diefen Zweck erfüllen
kann, auch der Verf. nicht ohne Gefchick verfahren ift.
Handelt es fich darum, nur einen Ausfchnitt aus Luther's
Leben zu geben, in dem die Vielfeitigkeit feines Schaffens
und feiner Beziehungen nach allen Seiten hin zu
charakteriftifchem Ausdruck kommen Poll, fo ift die Ge-
fchichte von Luther's Aufenthalt auf der Coburg, wie
fie uns zumal in feinen Briefen vorliegt, wohl reich genug
, um ein abgerundetes Bild zu geben, wenn auch
nicht gerade ein Lebensbild, wie der Verf. etwas viel«
verfprechend fchon im Titel feines Werkes ankündigt.
Nach einem Rückblick auf die andere, für Luther's Le-