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Ausgabe:

1882

Spalte:

361-366

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

König, Friedrich Ed.

Titel/Untertitel:

Der Offenbarungsbegriff des Alten Testamentes. 1. Bd 1882

Rezensent:

Kautzsch, Emil

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Theologische Literaturzeitung.

Herauso-eo-eben von D. Ad. Harnack und D. E. Schürer, Proff. zu Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J, C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 16. I2- Auguft 1882. 7. Jahrgang.

König, Der Offenbarungsbegriff des Alten Tefta-

mentes. I. Band (Kautzfeh).
Lagarde, P. de, The question, whether mar-

riage with a deceased wife's sister is, or is

not, prohibited (Neftle).
Merrill, East of the Jordan (Socin).
Schultze, Die Katakomben (A. Darnach).

Rieks, Gefchichte der chriftlichen Kirche und

des Papftthums (A. Harnack). 3
Schlottmann, Der deutfehe Gewiffenskampf

gegen den Vatikanismus (Fay).
Rae biger, Zur theologifchen Encyklopädie

(Pünjer).

Theologifcher Jahresbericht, hrsg. von Pünjer
(A. Harnack).

Oertzen-Leppin, Zeugnifse wider die obliga-
torifche Civilehe (Koehler).

Allgemeine Chronik des Volksfchuhvefens. 4. Jahrgang
(K. Strack).

Erklärung und Erwiederung.

Berichtigung.

König. Privatdoc. Lic. Dr. Friedr. Ed., Der Offenbarungsbegriff
des Alten Testamentes. 1. Bd. Leipzig 1882, Hin-
richs. (V, 212 S. gr. 8., M. 5. —

Der Verf. eröffnet fein kurzes Vorwort mit der Bemerkung
, dafs fein Denken feit dem Beginn feiner felb-
ftändigen Befchäftigung mit der Wiffenfchaft hauptfächlich
durch zwei Gegenftände angezogen worden fei: die hifto-
rifche und lautphyfiologifche Erklärung der hebräifchen
Sprache und die Sicherung der prophetifchen Welt-
anfehauung. In erfterer Hinficht verdanken wir dem
Verf. bereits drei werthvolle Arbeiten: die Schrift
,Gedanke, Laut und Accent als die drei Factoren der
Sprachbildung comparativ und phyfiologifch am Hebräifchen
dargeftellt' (1874), ferner die Differtation ,De criticae
sacrae argumento e linguae legibus repetito' (1879), in welcher
der Verf. durch eine Analyfe von Gen. 1 —11 die Möglichkeit
erweift, aus dem fprachlichen Befund eines altteft.
Stückes über feine Priorität oder Pofteriorität gegenüber
anderen Stücken mit Sicherheit zu urtheilcn, und vor
allem das ,Hiftorifch-kritifche Lehrgebäude der hebr.
Sprache' (1. Hälfte, Lpz. 1881). Das vorliegende Buch
nun ift der Löfung der anderen obengenannten Aufgabe
gewidmet. ,Es fcheint mir', fagt der Verf., ,dafs in unterer
Zeit das Bewufstfein der Propheten vielfach verkannt
werde, und ich will dazu beitragen, dafs das den Propheten
nach meiner Anficht zugefügte Unrecht wieder

Ritfehl behauptete Neutralität des Chriftenthums als Religion
gegenüber den verfchiedenen Erkenntnifstheorien,
durch welche fein Gedankeninhalt wiffenfehaftlich geordnet
werden mag). In § 4 (p. 37 ff.) bekennt fich der
Verf. bezüglich der ,Quellen der prophet. Selbftzeugnifse'
im Ganzen mit den Einleitungen ins A. T. von de Wette-
Schrader und Bleek-Wellhaufen einverftanden; bezüglich
der Zufätze zu den authentifchen Prophetenfchriften will
er unterfchieden wiffen, ob fie von .unmittelbaren' (fo
Jef. 40—66) oder von .mittelbaren wahren Propheten'
(f. z. das Buch Jona) herftammen. In § 5 ,Auslegung
der Quellen' erklärt der Verf., fich der Warnung Kurtz's
vor ,buchftäbelnder Exegefe' voll bewufst gewefen
zu fein.

Das ganze übrige Buch ift unter die Ueberfchrift
,Erfte Hauptausfage der Propheten' zufammengefafst;
diefe Auslage lautet: .Göttliche Berufung und Ausrüftung
mit dem Geifte Gottes befähigen uns zum Offenbarungs-
empfang'. Diefe Ausfage wird nun im Einzelnen zurückgeführt
auf das Bewufstfein, 1) Wunder thun zu können;
2) die ganze Heilsgemeinde der Gegenwart und Zukunft
zu überragen (in diefem $ 7 wird zugleich der Unter-
fchied zwifchen den .unmittelbaren wahren und mittelbaren
wahren Propheten' ausführlich erörtert); 3) die
Sprecher Gottes zu fein (dabei Erörterung des Wortes
nabi, Verhältnifs des Nabiismus zur heidnifchen Mantik,
Entftehungszeit des Nabiismus etc.); 4) in einem be-

gut gemacht werde'. Hören wir nun zunächft, welchen ! ftimmten Moment des Lebens berufen zu fein; 5) nicht
Weg der Verf. zur Erreichung feiner unter allen Um- | durch phyfifche Ausrüftung fähig zum Offenbarungsempfang
gemacht zu fein; 6) mit dem Gottesgeifte aus-
gerüftet zu fein (wobei in erfter Linie ausführlich begründet
wird, dafs ,der den Propheten erfüllende Geift
nicht Offenbarungsquelle ift', fondern — nach p. 108 —
nur der Vermittler von Fähigkeiten ..., nur der Ueber-
bringer einer Qualität, nicht fertiger Wahrheit; nach
p. 113 ,wiffen die Propheten und mit ihnen Israel nur
davon, dafs der Geift Jahwes eine allgemeine Dispofition
für eine Tendenz auf das Gottgefällige verleiht'). Nach
diefer Analyfe der 1. Hauptausfage der Propheten werden
p. 134 ff- die .Anfchauungen der Gefchichts- und Lehrbücher
über die erfte Hauptausfage der Propheten' erörtert
, refp. der Reihe nach erwiefen, dafs diefelben
Sätze, welche oben als Inhalt des prophetifchen Bewufst-
feins aufgezählt find, auch in den Gefchichts- und Lehrbüchern
als ausgemachte Wahrheit gelten. In $ 13
endlich unterfucht der Verf., .welche Wirkungen aufser
der wahren Prophetie in Israel dem Geifte Gottes zu-
gefchrieben wurden'; diefe Unterfuchung foll befonders
zeigen, ,an welchen pofitiven und negativen Vorftellungen
die Propheten ihre Ausfagen über den Geiftesbefitz zu
prüfen, zu meffen und zu läutern hatten'. Am Schluffe

Bänden höchft löblichen Abficht einfehlägt.

Die Einleitung (p. 1—40) begründet in J 1 die
.gegenwärtige Opportunität einer Studie über das Fundament
der prophet. Theologie' 1) aus dem jetzigen
Stand der höheren Kritik des A. T. (die meiften der
Prophetenfchriften werden jetzt als die erfte fefte Boden-
fchicht begrüfst); 2) aus der weitverbreiteten Leugnung
einer transcendenten Offenbarung feitens der nicht-
theologifchen und theol. Wiffenfchaft (folgen zahlreiche
Belege); 3) aus der Ungenügendheit der bisherigen Bearbeitungen
des altteftamentlichen Offenbarungsbegriffes.
$ 2 erörtert die Möglichkeit der .Objectivität der Unterfuchung
', § 3 die ,'Auctorität des prophetifchen Selbft-
zeugnifses'. (p. 8—18 Auseinanderfetzung mit Fichte,
Kant, Schleiermacher u. a.; dann Beleuchtung des fünffachen
Angriffs gegen die Autorität und Tragweite der
prophetifchen Selbftausfagen. Diefe Angriffe find: die
Herleitung aus Betrug, Selbfttäufchung, einfeitiger Betrachtung
der Offenbarung nach ihrer fubjectiven Seite
als Infpiration [Rothe], ferner die Beurtheilung der prophet.
Zeugnifse nach den angeblichen Refultaten der vergleichenden
Religionsforfchung [Kuenen], endlich die von

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