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Ausgabe:

1882 Nr. 14

Spalte:

315-317

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Die Sprüche der Väter. Ein ethischer Mischna-Traktat, mit kurzer Einleitung

Titel/Untertitel:

Anmerkungen und einem Wortregister von Herm. L. Strack 1882

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologifche Literaturzeitung. 1882. Nr. 14.

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gangene längere Literaturentwickelung denkbar' fei (255).
Koheleth dagegen ift, wie die traditionelle Anfchauung
will, von Salomo vertatst (273). Das Hohelied wird, wie
dem Ref. fcheint, mit Unrecht als eine einheitliche Dichtung
verftanden (276}; die allegorifche Deutung (277) erwartet
man bei dem Verf., nicht minder, dafs er B. Je-
faja als ,ein einheitliches Ganzes' (301) darfteilt. Gegen
S. 326 § 381 itt zu bemerken, dafs allerdings von Zunz
die Abfaffung des B. Ezech. durch einen exilifchen Ezechiel
in Frage geftellt worden ift. Dafs das ,protokano-
nifche' B. Daniel von Daniel felbft verfafst fein foll
(339)i befremdet nicht, mehr aber, dafs ,aller Wahrfchein-
lichkeit nach das Selbe von den apokryphen Zufätzen des
Buches gilt (340). Bedauerlicher Weife hat der Verf. die
auch von Fr. Lenormant aufgeftellte Rechtfertigung des
griechifchen Wortes Pfanterin in einem angeblich exilifchen
Buche aus der Abbildung eines Pfalterion bei den
Affyrern fich angeeignet (340). Dafs im B. Micha mit
Ausnahme der drei erften Capitel ,alles Andere' aus der
Zeit nach dem Exil flamme, ift von ,einigen neueren
Beftreitern' (356) nicht behauptet worden. Der Verfaffer
hätte bei feinen textkritifchen Urtheilen die Schreibweife
"pTj nicht für nachexilifche Abfaffung von Sach. 9 ff.
geltend machen dürfen (368).

Es wäre zu wünfchen, dafs das in feiner Art gediegene
Buch von den katholifche Theologie Studiren-
den fleifsig benutzt würde. Wenn diefelben nur die hier
zu erwerbenden Kenntnifse fich aneignen wollten, würde
es bei ihnen mit der Bibelkunde bedeutend beffer be-
ftellt fein, als es im Durchfchnitt gegenwärtig der Fall
zu fein fcheint.

Marburg i. H. Wolf Baudiffin.

rha» ^plB, Die Sprüche der Väter. Ein ethifcher Mifchna-
Traktat, mit kurzer Einleitung, Anmerkungen und
einem Wortregifter von Lic. Dr. Herrn. L. Strack.
Karlsruhe 1882, Reuther. (58 S. 8.) M. 1. 20.

Obwohl von den Pirke AbotJi fchon zahlreiche Einzelausgaben
exiftiren, darf diefe neue doch fehr willkommen
geheifsen werden. Denn keine der bisherigen
giebt auf fo knappem Räume und für fo billigen Preis
ein verhältnifsmäfsig fo reiches und zuverläffiges Material
befonders zur fprachlichen Erläuterung diefes Trac-
tates. Der Herausgeber war dazu wie Wenige befähigt:
er ift unter den chriftlichen Theologen Deutfchlands gegenwärtig
einer der betten Kenner rabbinifcher Sprache
und Literatur. Bei der von ihm veranftalteten Ausgabe
hat er vor allem die Bedürfnifse des Unterrichts im
Auge. Er will nicht weitgehende wiffenfchaftliche Bedürfnifse
befriedigen, fondern für einen möglichft billigen
Preis eine Text-Ausgabe mit kurzen Anmerkungen
liefern, welche namentlich zur erften Einführung in die
rabbinifche Sprache ein zweckmäfsiges Hülfsmittel darböte
. Die Einleitung giebt auf fechs Seiten die noth-
wendigften Notizen über Wefen und Compofition des
Tractates und eine Ueberficht der wichtigsten Ausgaben.
Der Text ift forgfältig vocalifirt und mit fehr deutlichen
Typen (in der renommirten Drugulin'fchen Druckerei zu
Leipzig) gedruckt; namentlich verdient die Schärfe des
Vocal-Druckes hervorgehoben zu werden. Auf Beigabe
einer deutfchen Ueberfetzung hat der Herausgeber verzichtet
. Dagegen find zur fprachlichen und fachlichen
Erläuterung unter dem Text kurze Anmerkungen gegeben
, welche in fehr knapper P'affung alles für den Anfänger
nothwendige enthalten. Mitbefonderer Sorgfalt find
alle Abweichungen vom biblifchen Sprachgebrauch notirt,
überhaupt in grammatifcher und lexikalifcher Beziehung
alles erklärt, was für den nur mit dem biblifchen Sprachgebrauch
Vertrauten neu ift. Sehr zweckmäfsig find die
lexikalifchen Erläuterungen fo eingerichtet, dafs die öfters
vorkommenden Worte nur an der je erften Stelle

erklärt find, und dann in einem Wortregifter am Schluffe
auf die betreffenden Stellen des Commentares verwiefen
wird. Die fachlichen Erläuterungen, namentlich bei theo-
logifch wichtigen Begriffen, hätte Ref. wohl etwas ausführlicher
gewünfeht. Sie find aber vom Verfaffer wohl
abfichtlich fo kurz gehalten, um dem mündlichen Unterrichte
Spielraum zu laffen und den Umfang des Buches
in möglichft engen Grenzen zu halten.

Aufser den fünf Capiteln des eigentlichen Tractates
Abotli hat der Herausgeber auch die in den jüdifchen
Gebetbüchern als fechftes Capitel angehängte ,Lobrede
auf das Gefetz' mit aufgenommen, obwohl diefelbe gar
nicht zur Mifchna gehört und fich fchwerlich in den
Mifchna-Handfchriften findet, jedenfalls nicht in den
beffern. Die Zugabe wird Manchem erwünfeht fein;
und infofern läfst fich ja nichts dagegen einwenden.
Wohl aber kann ich nicht unterlaffen, mein Bedauern
über das ganze Verfahren bei Herftellung des Textes
auszudrücken. Man erfährt überhaupt nicht, woher der
Text genommen ift. Es werden zwar öfters abweichende
Les-Arten angegeben; aber es bleibt im Dunkeln, woher
fie flammen. Jedenfalls ift der gebotene Text im
Grofsen und Ganzen der herkömmliche gedruckte Vulgär
-Text. Wie lange foll diefes Verfahren auf dem Gebiete
der rabbinifchen Literatur noch geftattet fein, dafs
man immer wieder die Texte abdruckt, ohne fich um
die Handfchriften zu kümmern ? Der Herausgeber rechtfertigt
fich damit, dafs er fagt, ,zu einer kritifchen Ausgabe
fei die Zeit noch nicht gekommen' (S. 2). Warum
denn nicht? Ich glaube felbft nach meinen geringen
Erfahrungen fagen zu dürfen, dafs fchon die Vergleich-
ung von drei oder vier Handfchriften genügen würde,
um einen ziemlich guten Text zu liefern, jedenfalls einen
viel beffern, als er auch hier wieder vorliegt. Gegenüber
dem Herrn Herausgeber bin ich in der eigenthüm-
lichen Lage, bekennen zu müffen, dafs ich gerade ihm
meine Kenntnifs diefer Dinge verdanke. Er hatte fchon
vor längerer Zeit die Freundlichkeit, mich auf die wich-
tigften Mifchna-Handfchriften aufmerkfam zu machen,
und ich liefs darauf hin (um für eine kleine Arbeit über
die geographifchen Namen in der Mifchna die hand-
fchriftlichen Lesarten feftzuftellen) mir mehrere Handfchriften
nach Giefsen kommen, darunter auch den wichtigen
cod. de Rossi 138 aus Parma (der ohne jede Schwierigkeit
in liberalfter Weife durch diplomatifche Vermit-
telung hieher gefandt wurde). Schon auf Grund der
wenigen Notizen, die ich mir bei diefer Gelegenheit
machte, kann ich für den Text der Pirke Aboth folgende
Verbefferungen geben, die ich nur mittheile, um zu
zeigen, wie leicht es wäre, einen correcteren Text zu
liefern.

I, 1—2: noi3 ift in der vorletzten Sylbe nicht mit
Segol, fondern mit Zere zu fchreiben; fo cod. de Roffi
an der grofsen Mehrzahl der Stellen; und dafs dies das
j richtige ift, zeigt das aramäifche KrUJiSD. — I, 4—5:
I DpTÖVb, die Handfchriften haben faft durchgängig
dbt£n-b ohne Jod in der letzten Silbe. — III, 2a, ftatt
Ü^ron pD S»^:n ift zu lefen ÖWTW1 po WSST; fo die
Tofefta an zwei Stellen unter dreien (f. den Index in
Zuckermandel's Ausgabe) und übereinftimmend hiermit
I cod. de Roffi, der unter den elf Stellen, an welchen der
Name in der Mifchna vorkommt, nur einmal Clianina
hat. Ebenfo ift nach dem übereinftimmenden Zeugnifs
von Tofefta und cod. de Roffi zu lefen III, 2b: p rr^n
p"H"in, und III, 4: 13*0)1 p rran, beidemal ftatt SO^n;
allerdings hat cod. de Roffi den erfteren Namen gerade
an unferer Stelle in der fehlerhaften Form fßian, dagegen
Taanith II, 5 richtig P^TVl p tPSSn, wie Tofefta
wiederholt. Auch die von Taylor in feiner Ausgabe der
Pirke Abotli (1877) benützte Cambridger Handfchrift hat
fämmtliche drei Namen in der Form fixOn. Richtig ift
dagegen III, 9 p KMO. — III, 7a, der Ortsname

SttTinia ift nicht Bartotha auszufprechen (als ob die erfte