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Ausgabe:

1882

Spalte:

265-266

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Krummel, L.

Titel/Untertitel:

Die Religion der Arier nach den indischen Vedas 1882

Rezensent:

Baudissin, Wolf Wilhelm

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung.

Herauso-ep-eben von D. Ad. Harnack und D. E. Schürer, Proff. zu Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 12.

17. Juni 1882.

7. Jahrgang.

Krümmel, Die Religion der Arier (Graf Baudiflin).
Novum Testamentum graece et germanice, hrsg.

von O. von Gebhardt (Bertheau).
Opera patrum apostolicorum recens. Funk Vol. II.

(A. Harnack).
Duchesne, Vita S. Polycarpi auctore l'ionio

(A. Harnack).

Heliand, nach dem Altfächfifchen von Simrock
(Braune).

Paftor, Die kirchlichen Reunionsbeftrebungen
während der Regierung Karls V. (Brieger).

Runze, Der ontologifche Gottesbeweis (Gott-
fchick).

Kreyher, Die myftifchen Erfcheinungen des

Seelenlebens und die biblifchen Wunder
(Wetzel).

Oehninger, Die Rede des Stephanus nach
ihrer Bedeutung für die Gegenwart (Wetzel).
H a r m u t h, Perikopenfreude i n Liedern(SchlolTer).
Uhlmann. Immortellenkränze (SchlolTer).
Ofer, Geiftliche Triolette (SchlolTer).

Krümmel, Ffr. Lic. L., Die Religion der Arier nach den
indischen Vedas. [Sammiung von Vorträgen, hrsg. von
W. Frommel und F. Pfaff. 6. Bd. 5. u. 6. Hft.]
Heidelberg 1881, C. Winter. (51 S. 8.) M. 1. —

Des Verfaffers Darftellung fchliefst (ich hauptfächlich
an Max Müller's hierher gehörende Schriften an,
namentlich an ,Urfprung und Entwickelung der Religion'.
In Einzelheiten hat Ref. mancherlei zu beanflanden. Ob
das Alte Teftament den Plfilifterkönig Abimelech ,als
Monotheiften vorführen' will (S. 112), ift doch nicht fo
o-anz deutlich. Die Behauptung, dafs im ganzen alten
Teftamente' der ,Glaube an den Einen waliren Gott' an-
gefehen werde als etwas ,mit der menfchlichen Natur
von Uranfang Verwachfenes' (S. 112) wird z. B. durch
die Erzählung von Jakob's Eindrücken zu Bethel widerlegt
, wo derfelbe fich vornimmt, nur bedingungsweife
Jahwe als feinen Gott anzuerkennen (Gen. 28, 20 f.), andernfalls
alfo einen anderen Gott. Die Religion ,unferer
alt-arifchen Vorfahren' foll vor 3000—4000 Jahren ,mit
relativ reinen monotheiftifchen Vorftellungen' begonnen
haben (S. 113,. Diefe höchft unpräcife Ausfage (ein Relativ
reiner' Monotheismus foll doch wohl kein wirklicher
Monotheismus fein) mag den Sachverhalt richtig
darfteilen wollen, es wäre aber das Wort ,monotheiftifch'
hier zu vermeiden. S. 155 lefen wir jedoch deutlicher
und unrichtiger: ,die Arier der Veda's find urfprüng-
lich Monotheiften gewefen'. Die Bezeichnung ,San-
fkrit' für die arifche Mutterfprache (S. 114) ift durchaus
unzuläffig, wie fich dem Verf. felbft hätte ergeben
können, da er fehr wohl weifs, dafs das noch erhaltene
Sanfkrit diefe Mutterfprache nicht ift. Nach S. 125 follte
man glauben, dafs unter Fetifchismus und Polytheismus
ein und diefelbe Religionsauffaffung zu verliehen fei, was
doch unmöglich des Verf.'s Meinung ift. Sonderbar ift
die Behauptung S. 141, dafs ,der Glaube an eine per-
fönliche Unfterblichkeit' die ,Grundvorausfetzung jeder
wahren Religion' fei. Wenn es nicht Eine wahre Religion
, fondern mehrere giebt fo hat auf diefen Titel doch

aufgefunden haben' (S. 156), würde fchwer fallen. Dafs
die Berufung auf Ebrard's Autorität geeignet war zur
Erhärtung von ,Reminiscenzen an einen urfprünglich vorhanden
gewefenen Monotheismus' bei den ,älteften Ae-
gyptern' werden mit dem Ref. die Aegyptologen von
Fach beftreiten. Diefelbe Thefe wird übrigens auch von
Aegyptologen aufgeftellt, wie mir fcheint, mit Unrecht.

Diefe Bemerkungen werden genügen, um zu zeigen,
dafs der Gegenftand vom Verf. nicht ganz ohne tenden-
tiöfe Färbung dargeftellt worden, ebenfo nicht mit der
für den Druck erforderlichen Beherrfchung des Gegen-
ftandes, welche erft durch lange fortgefetzte Studien'auf
diefem fchwierigen Gebiete erworben werden kann. Im
übrigen ift der nicht häufige Fall, dafs ein im praktifchen
Kirchendienfte Stehender fich mit den aufserbiblifchen Re
ligionen befchäftigt — und zwar mit unverkennbarer
Neigung, auch nicht ohne Talent — freudig zu be-
grüfsen, und die Verbreitung des Intereffes für diefes im
gröfseren Publicum nur allzu unbekannte Gebiet dankbar
anzuerkennen.

Marburg i. H. Wolf Baudiffin.

Novum Testamentum graece et germanice. Das Neue Teftament
griechifch nach Tifchendorfs letzter Recen-
fion und deutfeh nach dem revidirten Luthertext, mit
Angabe abweichender Lesarten beider Texte und
ausgewählten Parallelftellen hrsg. von Oskar von
Gebhardt. Ster.-Ausg. Leipzig 1881, B. Tauchnitz.
(XVIII, 913 S. gr. 8.) M. 5. —; geb. in Leinw.
M. 6. —; in Leder M. 9. —

Diefe Ausgabe des N. T.'s in griechifcher und deut-
fcher Sprache, eine Frucht mehrjährigen mühfamen
PTeifses, hat feit ihrem Erfcheinen vor einigen Monaten
fchon fo allgemein eine günftige Aufnahme in den Krei-
fen, für welche fie beftimmt ift, gefunden, dafs eine Empfehlung
derfelben unnöthig geworden ift. Eine An-
zeige derfelben in diefem Blatte kann fich deshalb auf
wohl auch die der altteftamentlichen Propheten Anfpruch. j einen kurzen Bericht über das, was in ihr und zwar na-
Nach jenem Satze aber wären mindeftens die älteren unter ! mentlich im Vergleich mit andern griechifch -deutfehen

ihnen von diefem Vorzuge ausgefchloffen. Die Bezeichnung
des Brahmanismus als .polytheiftifch', des Buddhismus
als ,pantheiftifch' (S. 155) ift beiderfeits irrig; vielmehr
ift der Brahmanismus polytheiftifcher Pantheismus,
der Buddhismus in feiner urfprünglichen Geftalt überhaupt
keine eigentliche Religion, fondern eine Wcltan-
fchauung; Pantheismus wurde er erft durch feine rückläufige
Bewegung in den Brahmanismus. Einen wirklichen
Beweis für die Behauptung zu erbringen, ,dafs die
Miffionare auch unter den Fetifchanbetern durchweg die

Ausgaben geboten wird, befchränken.

Für den Handgebrauch der Theologen und folcher
Laien, die des Griechifchen kundig find, das N. T. in
der Urfprache zugleich mit der lutherifchen Ueberfetz-
ung desfelben drucken zu laffen, fcheint eine Erfindung
des Pietismus zu fein, der ja überhaupt zu eifrigem Bi-
belftudium anregte und geeignete Hülfsmittel zu einem
folchen zugänglich machte. Unter empfehlenden Begleitworten
Johann Winckler's, des Freundes und Ge-
finnungsgenoffen Spener's, geftorben im J. 1705 als

leutlichen Spuren eines urfprünglichen Monotheismus Hauptpaftor zu St. Michaelis in Hamburg, erfchien im
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