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Ausgabe:

1881

Spalte:

121-123

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Vollers, K. A.

Titel/Untertitel:

Das Dodekapropheton der Alexandriner. 1. Hälfte 1881

Rezensent:

Hollenberg, Joh.

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Hamack und U. E. Schürer, Proff. zu Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 6. 12. März 1881. 6. Jahrgang.

Völlers, Das Dodekapropheton der Alexandriner ! Von Druffel, Briefe und Akten zur Gefchichte

(Ilollenberg). des fechzehnten Jahrhunderts (Kawerau).

Wiedemann, Gefchichte Aegyptens von Pascal, The provincial leltres. Edited byj.de

Pfammetich I. bis auf Alexander d. Gr. (Bau- Soyres (darnach).

diffin). Lecky, Entftehungsgefchichte undCharakteriftik

Ern efti, Die Ethik des Apoflels Paulus (Wendt). ! des Methodismus (Ritfehl).

Amfilochy, Paläographifche Befchreibung 1 Mejer, Febronius (Ritfehl).

datirter griechifcher Handfchriften des IX. Der chriflliche Glaube und die menfehliche

Kraus, SynchroniflifcheTabellen zur clirifllichen
Kuntlgefchichte (Ilarnack).

Kraus, Real-Encyklopädie der ehriftl. Alter-
thümer, 3. Lieferung (darnach).

Notiz überdie Kemptener Kirchenväter-Bibliothek.

Notiz zu ,Benrath, die Summa der heiligen
und X. Jahrhunderts [ruffifch] (Gebhardt). Freiheit. I. Theil: Präliminarien (derrmann). Schrift.'

Völlers, K. A., Das Dodekapropheton der Alexandriner.

1. Hälfte: Naüm, Ambaküm, Sophonias, Angaios,
Zacharias, Malachias. Berlin 1880, Mayer & Müller.
(IV, 80 S. gr. 8.) M. 1. 50.

Diefe ErfViingsfchrift Hellt fich die Aufgabe, eine
Vergleichung der LXX mit dem maf. Text in den fechs
letzten kleinen Propheten zu geben. Nach einer kurzen
Einleitung fpricht der Verf. (jeden Propheten einzeln
behandelnd) zuerft von dem Sprachgeift und Stil des
Ueberfetzers, zählt fodann die Stellen auf, wo die Ueber-

fetzung durch ein Plus oder Minus vom maf. T. abweicht | fo mufste er äyyilov avxoü fetzen, ohne dafs er -ssVa

thut. Er fchränkt die dem Ucb. zuftehende Freiheit ungebührlich
ein. Bei einer weniger mechanifchen Auffaffung
diefes Verhältnifses würde eine grofse Zahl von andern
Lesarten, welche die Vorlage des Ueb. enthalten haben
foll, verfchwinden. Selbft in einem Falle, wie Nah. 2, 7
(8), wo der Ucb, weil (pDsyynitEvai folgt, bip nicht
wiedergiebt, nimmt der Verf. ein Fehlen des bip in der
Vorlage an; und doch hat derfelbe Ueb., was dem Verf.
entgangen ift, auch 2, 13 (14), ebenfalls aus leicht er-
fichtlichem Grunde, bip weggelaffen. Wollte der Ueb.
Mal. 1, 1 ■Oätba appellativ wiedergeben, um es zu deuten,

und bietet endlich eine eingehende Vergleichung der
felben, wobei er die Discrepanzen angiebt und ihren
Urfprung unterfucht. Dagegen wird die Frage nach dem
abfoluten Werthverhältnifs beider Recenfionen und die
Aufgabe, den maf. Text durch Verwerthung der Verfion
dem Archetyp näher zu führen, ausdrücklich von der
Behandlung ausgefchloffen. Anzuerkennen ift zunächft
der Fleifs und die Sorgfalt, mit welcher der Verf. das
Material in möglichfter Vollftändigkeit vorgelegt hat.
Dafs er dabei doch manche Discrepanzen überfehen,
wird niemanden, der mit folchen Unterfuchungen vertraut
ift, Wunder nehmen. So fehlt z. B. Nah. 2, 10 (9)
die Bemerkung, dafs die LXX zweimal öi>)Q7iaCov hat,
alfo für iT3 na las. Mal. 1, 10 fleht öinxi, alfo ftatt

Mal. 3, 2 Zufatz eiguoyeütxui, Mal. 3, 10 -rraa ißt
t<fß or/.oi aüxoi, Mal. 3, 11 rrrn»-1 öicupiltigio u. a. Auch
mit der principiellen Stellung des Verf.'s kann hell Ref.
nur einverftanden erklären. Gewifs ift die alex. Verfion
als Ganzes genommen nicht der maf. Recenfion vorzuziehen
, aber ebenfo mufs man mit dem Verf. gegen diejenigen
Front machen, welche he zu einem Werke der
Willkür, des Unverftandes und der Tendenzkrämerei
herabdrücken.

Trotzdem kann Ref. gegen die Art, wie der Verf.
verfährt, und gegen feine Ergebnifse lebhafte Bedenken
nicht zurückhalten. Wenn der Ueberfetzer, wie aus den
eigenen Bemerkungen des Verf.'s hervorgeht, feinem
fehwierigen Text oft rathlos gegenüberftand (oft übrigens
kaum rathlofer als wir), wenn er diefes oder jenes Wort
nicht verftand oder ganz mifsverftand, fo mufste er den
die unverftandenen Worte umgebenden Text fo gut als
möglich zu deuten fuchen. Niemand wird in diefen
Fällen den Ueberfetzer der Willkür befchuldigen können,
wohl aber ift es Willkür, dann jedesmal eine vom maf.
Text abweichende Vorlage bei ihm anzunehmen. Ein
Verfahren, welches bei einem leicht vcrftändlichen hiftori-
fchen Buche unbedenklich, ja nothvvcndig ift, mufs bei
den poetifchen und prophetifchen Stücken mit viel
gröfseren Cautclen angewendet werden, als der Verf.

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las. Schwierigere Fälle hier zu befprechen, verbietet
natürlich der Raum.

Oft hilft auch die Annahme einer Verderbnifs des
griechifchen Textes über manche Schwierigkeiten hinweg
. Dafs die Entftehung folcher Fehler oft vor Hieronymus
und vor Origenes fällt, hat ja auch den Verf.
felbft nicht abgehalten, ftellenweife folche Emendationen
vorzunehmen. Nah. 1, 2 ift für eS,uiowv ik~cuoüv zu
accentuiren (alfo eigentlich keine Correctur); sSuigiw
(allerdings meift Medium) ift gleich na:, Uta und bedeutet
oft ,retten, bewahren', fiehe Nah. 2, 1 e%uiQov(.isvog {pass)
für ms: [ff. ßuo. III, 12). Die Entftehung diefes Mifs-
verftändnifses ift aus der Umgebung klar. Nah. 1, 3 ift
dißwov in ur<t>(jüv (AI. aißoav) zu verbeffern; dafs der
Abfchreiber das Part, (für Inf. abs.) nicht erkannte, lag
an der Trennung desfelben vom Verb. fin. Nah. 2, 6
ift nihil nöXturv gewifs aus 71. noiuiiwv, worunter man
fich nichts denken konnte, verdorben. Ebenfo ift die
Conjectur wdifiuca für evoVnrätttzu Mal. 2, 16 nicht ab-
zuweifen. Dagegen nehme ich tg~ui7iäaovcai Hab. 1, 8
gegen den Verf. in Schutz. Die an fich unwahrscheinliche
Annahme des Cappellus, welche vom Verf. adop-
tirt wird, das fonderbare tfxo/toee (Nah. 3, 12) fei aus
ovxäs (richtig vielmehr otxa) -j- -/.ngnohg (Randgloffe) ent-
ftanden, fcheitert fchon daran, dafs Hof. 9, 10, wo nn::
auch durch OxOfiov wiedergegeben ift, derfelbe Vorgang
angenommen werden müßte. Sollte man nicht axOftog als
alex. Wort für Frühfeige faffen oder xny./.ovg le fen dürfen
(cf. Steph. Thes. unter xoxxoCtfa)? Der Verf. verkennt
den Ueb., wenn er S. 57 (Sach. 3, 8) dvaxoh'j durchaus
in feiner gewöhnlichen griechifchen Bedeutung faffen
will, während es das Subft. zu dvarelleiv = rv*öJtn ift.
Ebenfo wenig will der Ueb. Sach. 10, 2 (S. 52) etymo-
logifiren. trem fafst er als Orakel (wie Hof. 3, 4) und
fetzt wegen na*l und rr;:oip die Perfonen (lacfxpÜ-ty-
yiatiui ift renn, techn. für Orakel geben).

Die Unterfuchung des fprachlichen Charakters der
Ueberfetzung ift nicht gründlich genug; die wenigen
Bemerkungen des Verf.'s ermöglichen dem Lefer kein