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Ausgabe:

1881

Spalte:

115

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Fischer, Balduin

Titel/Untertitel:

Freuet euch mit Zittern! Predigten und Ansprachen 1881

Rezensent:

Sachsse, Eugen

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Seite 1

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ii5 Theologifche Literaturzeitung. i88r. Nr. 5. 116

der Wahrheit ihnen nahe gebracht werden kann. Ein
treuer Seelforger wird fich daher mit befonderem Fleifse
auf fie vorbereiten und gerne zufehen, wie es andere
Prediger machen. Dazu ift bei guten Cafualreden die
Gefahr des Mifsbrauchs gering; fie beziehen fich auf per-
fönliche Umftände und Erlebnifse, wie fie in derfelben
Complication nicht wieder vorkommen. Je individueller
die Cafualrede ift, um fo beffer ift fie und um fo weniger
dem Mifsbrauch ausgefetzt. Der Herausgeber hat es fich
angelegen fein laffen, möglichft individuelle Reden zu
fammeln und dadurch am beften verhütet, dafs feine
Sammlung zum Schlummerkiffen für Träge wird.
Auch in anderer Beziehung unterfcheidet fich die vorliegende
Sammlung vortheilhaft von ähnlichen Unternehmungen
Maurer, Prof. H., Der Brief Pauli an die Philipper für die

Gemeinde ausgelegt. Herborn 1880, Buchh. des Naf-
fauifchen Colportage-Vereins. (158 S. 8.) M. 1. 50;
geb. M. 2. —

Eine kurze, kräftige Auslegung diefes Briefes, mit
fteter Beziehung auf innere Erfahrungen und gegenwärtige
Verhältnifse. Schriftlefende Gemeindeglieder werden
daraus Belehrung und Erbauung fchöpfen; für Theologen
ift fie nicht beftimmt.

Hamm. Sachfsc.

Dieffenbach, G. Chr., Bibel-Andachten. Auslegung der
heiligen Schrift in kurzen Betrachtungen zur Erbauung
Sie~bringt im erften Bande Cafualreden für allerlei j für die Gemeinde. 2. Bd.: Das Evangelium St. Jo-
Gelegenheiten: 5 Reden bei Taufen, 3 bei Confirmationen, hannis j Abth Gotha lggl) Schloefsmann. (302 S.

4 Beichtreden, 5 Reden bei Trauungen, 9 bei Beer
digungen, 2 Gedächtnifsreden, 2 bei Einführung von Ael-
teften, 4 Weihereden; endlich 16 Predigten bei verfchie-
denen Gelegenheiten. Dadurch wird Abwechselung erreicht
und ftetige Wiederholung derfelben Gedanken
vermieden. Ferner finden wir nur vollftändig ausgearbeitete
Predigten, flüchtige Skizzirungen einzelner Gedanken
find ausgefchloffen.

Wenn der Herausgeber betont, dafs er vermieden
habe, fich an theologifche Koryphäen zu wenden, und
meift unbekannte Geiftliche Beiträge geliefert haben, fo
bezeugen wir ihm gern, dafs dies dem Werth feiner
Sammlung keinen Eintrag gethan hat. Es find viele
tüchtige Arbeiten darunter; jeder hat offenbar fein Beftes
gegeben und fo wird fich die Sammlung auch ohne den
Klang berühmter Namen die verdiente Anerkennung
erringen.

Hamm. Sachfse.

Fischer, Oberdiac. Balduin, Freuet euch mit Zittern!

Pred;gten und Anfprachen bei den in Folge. der
Attentate auf Se. Maj. den Kaifer und König im Jahre

1878 ftattgehabten Dank-, Bitt- und Bufs-Gottesdien-
ften, gehalten von namhaften Geiftlichen der evan-
gelifchen Kirche Deutfchlands. Striegau 1880, Hoffmann
. (VIII, 278 S. gr. 8.) M. 3. —; geb. M. 4. -

Als am 2. Juni 1878 der Mordverfuch auf Kaifer
Wilhelm wenigftens theilweife gelungen war, da ging eine
tiefe Bewegung durch ganz Deutfchland. Mit Recht bemerkte
der Oberkirchenrath in Berlin, dafs diefer Frevel
auf fittlich religiöfe Schäden des ganzen Volkes hin-
wiefe und ordnete einen allgemeinen Bufstag an, der am
erften Pfingftfeiertage, auch über die Grenzen der preu-
fsifchen Landeskirche hinaus, gefeiert wurde. Obige
Sammlung enthält 31 Predigten und Anfprachen, die bei
diefer Gelegenheit gehalten find. Wir könnten fie ein
Thema mit Variationen nennen. Das Thema find die
fittlichen Schäden unferes Volkes und der Weg zur Heilung
; verfchieden ift die Ausführung. Wir hören Prediger,
welche fich auf die fittlichen Schäden befchränken: die Habgier
, den Schwindel, die Vergnügungsfucht, die Verhöhnung
der Religion, die Lockerung der fittlichen Begriffe und
der Pietät, die wir vielfach wahrnehmen; andere gehen auf
das politische Gebiet über und finden in der Civilftands-
gefetzgebung, Simultanfchule, Gewerbefreiheit, Proteftan-
tenverein, Majoritätsprincip in Staat und Kirche Producte
des irreligiöfen Zeitgeiftes, die baldigft zu befeitigen find.
Einig find alle Prediger in dem Heilmittel|, nämlich dafs
alle Stände mehr als bisher von dem Geifte frommer
Sittlichkeit erfüllt werden müffen. Möchten denn die
gedruckten Predigten ebenfo wie die gefprochenen nicht
wirkungslos bleiben.

Hamm. Sachfse.

8.) M. 5. —

Bei aller Anerkennung der guten Abficht, welche
den Verf. geleitet hat, glauben wir doch feine Arbeit als
eine verfehlte bezeichnen zu müffen.

Er fchreibt nicht für Theologen, fondern für die
Gemeinde; indefs doch für folche Gemeindeglieder,
welche in der Bibel forfchen und auch für diefe dürfte
der Verf. vieles gefagt haben, was fich von felbft verlieht
, und deshalb beffer fortgeblieben wäre.

Sodann follen es kurze Betrachtungen zur Erbauung
fein. Solche Betrachtungen find werthvoll, wenn fie durch
prägnanten Ausdruck, treffende Bilder, lebendige Beziehung
auf die Gegenwart den Verftand anregen, das
Gemüth ergreifen, den Willen heiligen. Aber davon
ift nicht viel zu finden. Der Verf. paraphrafirt in ab-
ftracter Weife den Text ,kühl bis ans Herz hinan', darum
läfst er auch kühl. Wenn Godet von einer monotonen
Majeftät des Evang. Johannis fpricht, fo kommt diefen
Betrachtungen nur das erftere Prädicat zu. Sollte der
Verf. den vorliegenden 110 Betrachtungen noch ein
weiteres Hundert folgen laffen, wie er in Ausficht Hellt,
fo wünfehen wir, dafs diefe kürzer, inhaltreicher und
mannigfaltiger werden.

Hamm. Sachfse.

Theologische Arbeiten aus dem rheinischen wissenschaftlichen
Prediger-Verein. In Gemeinfchaft mit den übrigen
Vorftandsmitgliedern . . . herausgegeben von Fr.
Evertsbufch. 4. Bd. Elberfeld 1880, Friderichs.
(158 S. gr. 8.) M. 3. -

Ueber die erften drei Bände diefer Zeitfchrift f. Theol.
Litztg. 1877, Nr. 6. Der neue 4. Bd. enthält zunächft
(S. 1—45) einen gut orientirenden Vortrag von Thon es
über ,Darwinismus und Chriftenthum', der auf
Grund einer umfaffendenLiteraturkenntnifs eine forgfältige
Darfteilung der Darwin'fchen Theorien giebt und das
Verhältnifs des Chriftenthums zum Darwinismus dahin
beftimmt, dafs der Darwinismus ,wenn er in den Dienft
eines teleologifchen Entwickelungsgefetzes geftellt wird,
wozu fowohl in den Principien Darwin's felbft, wie auch
in der Unmöglichkeit, eine ganze Reihe von Lebens-
erfcheinungen rein mechanifch zu erklären, reichliche
Veranlaffung vorliegt, dem Chriftenthum nicht nur nicht
feindlich zu fein braucht, fondern demfelben fogar förderlich
fein kann' (S. 43).

Den übrigen Raum des ganzen Bandes füllen wiederum
fehr dankenswerthe Beiträge von Paftor C. Krafft
in Elberfeld, der auch fchon zu den früheren Bänden
das Meifte und Werthvollfte beigefteuert hatte. Er giebt
zunächft (S. 46—106) eine Reihe von Studien über den
Liederdichter Joa'chim N eander — nicht ein zufammen-
hängendes Lebensbild, fondern monographifche Unter-
fuchungen über einzelne Partien aus der Gefchichte feines