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Ausgabe:

1881

Spalte:

76-77

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Sayous, Ed.

Titel/Untertitel:

Jésus-Christ d‘après Mahomet ou les notions et les doctrines Musulmanes sur le Christianisme 1881

Rezensent:

Baudissin, Wolf Wilhelm

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Theologifchc Literaturzeitung. 1881. Nr. 4.

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Wünsche, Dr. Aug., Bibliotheca Rabbinica. Eine Sammlung
alter Midrafchim zum erften Male ins Deutfche übertragen
. 1—3. Liefg. Leipzig 1880, Otto Schulze. (XVI,
165 u. 96 S. gr. 8.) ä M. 2. —

Zur Ueberfetzung der alten jüdifchen Midrafche ift
Herr Dr. Wünfche durch langjähriges Studium der jüdifchen
Literatur befähigt wie nur fehr wenige geborene
Chriften; auch die Nützlichkeit einer Ueberfetzung diefer
Schriftwerke wird Jedem feftftehen, der von der Mannigfaltigkeit
des Inhaltes wie der Schwierigkeit des Ver-
ftändnifses derfelben eine Ahnung hat. Das Unternehmen
des genannten Gelehrten und des rührigen Verlegers,
durch eine verftändlich gehaltene deutfche Ueberfetzung
einem weiteren Publicum mühelofes Verftändnifs diefer
in manchen Beziehungen wichtigen oder doch interef-
fanten Literatur zu erfchliefsen und Solcher!, welche ein
gründliches Verftändnifs des Originals fich aneignen
wollen, diefe Arbeit zu erleichtern, ift daher mit anerkennendem
Danke zu begrüfsen. Zu bedauern ift nur,
dafs die fchncll fortfchreitende Ueberfetzung — wohl
eben wegen diefes zu fchnellen Fortfehreitens nicht fo
forgfältig angefertigt ift, wie man bei den Kenntnifsen
des Herrn Dr. W. erwarten könnte, und nicht den Grad
von Zuverläffigkeit befitzt, welcher — da der weitaus
gröfste Theil der Lefer, weil er nicht nachprüfen kann,
Alles auf Treu und Glauben hinnehmen mufs — durchaus
unerläfslich ift. Eine ausführliche Befprechung einiger
Theile der Bibliotheca Rabbinica denkt Ref. fpäter in
diefer Zeitfchrift zu liefern. Diesmal begnügt er fich,
weil er eine ähnliche Arbeit des Herrn Dr. W. in Nr. 16
des vorigen Jahrganges ausführlich recenfirt hat, mit der
Bemerkung, dafs ihm bis jetzt drei Lieferungen vorliegen,
von denen die erlte und dritte zufammen den Midrafch
zum Kohelet (XVI, 165 S.) enthalten — warum wurde
gerade mit diefem verhältnifsmäfsig jungen Werke begonnen
? —, während die zweite (96 S.) den Anfang des
lehr alten Midrafch Berefchith Rabba bringt. Buchhänd-
lerifcher Anzeige zufolge find fchon vier weitere Lieferungen
(Schir ha-fchirim Rabba und Berefchith R. Fort-
fetzung) erfchienen. Der Subfcriptionspreis (2 Mark für
die Lieferung) ift mit Rückficht darauf, dafs kein fehr
ausgedehnter Leferkreis zu erwarten, nicht zu hoch. —
Die der el ften Lieferung vorangefchickte Einleitung hätten
wir etwas gründlicher gewünfeht. S. VIII. IX ift dreimal
,Abraham ben Daitd' ftatt ^Abraham ben Diod zu lefen.

Berlin. Hermann L. Strack.

Becker, Ferd., Die heidnische Weiheformel D ■ M (Diis ma-
nibus sc. sacrum) auf altchristlichen Grabsteinen. Ein

Beitrag zur Kenntnifs des chriftlichen Alterthums. Mit
vielen Abbildungen in Holzfchn. Gera 1881, Reifewitz
. (68 S. gr. 8.) M. 2. 40.

Unter den Archäologen ift gegenwärtig mit Recht
kein Zweifel mehr darüber, dafs die Sigla D-M auf
chriftlichen Grabfteinen nicht etwa in DEO MAGNO auf-
zulöfen ift, wie man früher wollte, fondern in demfelben
Sinne fteht wie auf heidnifchen Epitaphien = DIS
MANIBVS. Schwieriger erfcheint, wie die Uebcrtragung
einer rein heidnifchen Formel in die chriftliche Epigra-
phik zu erklären ift. Es ift ein nicht geringes Verdienft
des vorliegenden Schriftchens, in welchem die Gefchichte
der Formel ausführlich gegeben und die diefelbe aufweifenden
Denkmäler, zum Theil faefimilirt, aufgeführt
werden, diefe Frage in definitiver Weife, wie Ref. wenig-
ftens fcheint, gelöft zu haben. Der Verf. kommt mit
Annäherung an Cavedoni zu dem Refultate: ,der Grund,
die Siglcn D ■ M auch auf chriftliche Grabfteine zu fetzen,
war die allgemein herrfchende Sitte, jede Grabfchrift fo
zu beginnen. Es mufs fich wohl die Bedeutung diefer
Weiheformel im allgemeinen Gebrauche faft bis zur Be-

deutungslofigkeit abgefchwächt haben' (S. 66). Werthvoll
ift auch der Nachweis einer weit gröfseren Zahl
von chriftlichen Infchriften mit D • M, als man bisher
annahm. Während noch Kraus {Roma Sotterr.
2. Aufl. 1879 S. 64 Anm. 3) die zuverfichtliche Angabe
hat: ,auf (ammtlichen chriftlichen Grabfchriften Roms
kommt das D ■ M nur 35 mal vor', zählt der Verf. 74 Fälle
auf. Dazu treten noch gegen 30 Infchriften aufser-
römifchen Urfprungs. Ja, auch diefes Verzeichnifs dürfte
das Inventar noch lange nicht erfchöpfen. Ref. fügt als
vom Verf. überfehen hinzu: Caftello, Siciliae et adjacc.
insull. inscript. n. 18 (D • M • S), n. 22 (D • M); Armellini
, Cimit. di S. Agnese S. 234. 235; Marucchi, La
cripta di S. Valentine- S. 66; meine Archäol. Studien
S. 106. Auch hätte es fich empfohlen, die jüdifchen
Infchriften mit D ■ M bzw. (■) ■ K (z. B. C. I. G. IV
7i. 6406; 6363) zum Vergleiche heranzuziehen.

Im Einzelnen fei noch bemerkt, dafs die Infchrift
S. 44 11. 65 fchon S. 16 n. 6 aufgezählt ift. N. 16 S. 23
ferner ift fchwerlich chriftlich; 17 ebendaf. wohl jüdifch,
worauf der Eigenname Eliasa und das Symbol, das doch
wohl der fiebenarmige Leuchter fein foll, hinweifen.

Die Schrift ift ein neuer Beweis, 'dafs an den uns von
Rom her importirten Refultaten auf kirchlich-archäo-
logifchcm Gebiete noch Mancherlei richtiger zu ftellen
oder ganz zu befeitigen fein wird. Es ift erfreulich, dafs
gegenwärtig die proteftantifche Wiffenfchaft in fo reger
Weife nicht nur diefer Aufgabe der Nachprüfung fich
unterzieht, fondern das ganze Gebiet felbftändig zu bearbeiten
angefangen hat.

Leipzig. Victor Schultze.

Sayous, Prof. Dr. Ed., Jesus-Christ d'apres Mahomet ou les

notions et les doctrines Musulmancs sur le Christia-
nisme. Leipzig 1880, ü. Schulze. (92 S. gr. 8.) M. 1. 50.

Die kleine Schrift giebt, fo weit ich zu beurtheilen
im Stande bin, nicht eben felbftändige Refultate, am
wenigften eine erfchöpfende Darfteilung, aber in Kürze
einen guten Ueberblick über die Stellung Muhammcd's
und des Muhammedanismus zum Stifter des Chriften-
thums und zu der kirchlichen Chriftologie, nicht wie man
aus dem zweiten Titel entnehmen könnte, zum Chriften-
thum überhaupt. Zumeift ift die Rede von der Beur-
theilung Chrifti durch Muhammed felbft; diejenige durch
den fpäteren Islam wird nur wenig berührt. Mir fcheint,
dafs diefe Darfteilung, welche fich an Nichtoricntaliftcn
wendet, befonders auch an Miffionare, die mit dem Islam
in Berührung kommen, ihrem Zweck durchaus ent-
fpricht. — In zwei Abtheilungen behandelt der Verf.
zunächft was Muhammed vom Chriftenthum kannte und
dann, wie er darüber urtheilte. In der erften Abtheilung
ift die Rede vom Einflufs des Chriftenthums auf Arabien
vor Muhammed, von den Quellen, aus welchen M. feine
Kenntnifs des Chriftenthums fchöpfte und von dem Leben
Jefu nach M.'s Vorftellung; in der zweiten von den
chriftlichen Dogmen, welche M. verwarf (Trinität und
Erlöfung), von den chriftlichen Elementen, welche er
aufnahm oder nachbildete, und von der muhammeda-
nifchen Darftellung der ,mcffianifchen Prophetie' (ein
etwas mifsverftändlicher Ausdruck; der Verf. meint: bi-
blifche Weiffagung auf Muhammed). Faft nur bei diefem
letzten Punkte wird auch auf die islamifche Anfchauung
nach M. eingegangen; fonft lediglich noch infofern auf
M.'s Lehre nach der Tradition (neben dem Koran) Rückficht
genommen wird. Was M. an Lehre aus dem Chriftenthum
entnommen, läfst fich nach des Verf.'s Darfteilung
in folgenden Hauptpunkten zufammenfaffen: Jefus ift,
wunderbar geboren, das Werk des Geiftes Gottes, das
Wort Gottes (S. 70); diefe Würdeftellung wird offenbar
in feinen Wundern (S. 72); als Gottgefandter empfing er
ein infpirirtes Buch, das Evangelium, welches von den