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Ausgabe:

1881 Nr. 2

Spalte:

590-595

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Meyer, Heinr. Aug. Wilh.

Titel/Untertitel:

Kritisch-exegetischer Kommentar über das Neue Testament. 4. Abth.: Des Paulus Brief an die Römer. 6. Aufl 1881

Rezensent:

Schürer, Emil

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589

Theologifche Literaturzeitung. 1881. Nr. 25.

S90

desfelben, wenn er in einem kabarta eine Compofition falls wird, wer die Producte der fogenannten Schule
aus kabar und ta fieht, oder in einem bharami eine Friedr. Delitzfch's auf diefen Punkt genau anfleht, leb-
Wurzel bhar und eine Endung tni anerkennt, fo dafs haft an die Worte des Pollonius erinnert werden:
alfo ein bharami trotz alles Sträubens nach ihm felbft Though this be madness, yet there is met/iod in it
aus bhar dr a + vl> (0D nn erft aus ma gefchwächt, ift

wieder eine andere Frage) entftanden fein oder in diefe ' Roftock. Fr. Philippi.

Elemente zerlegt werden mufs. Beiläufig bemerkt ift H.-------

mit Aufteilung des urindogermanifchen bharami nicht Meyer, Dr. Heinr. Aug. Wilh., Kritisch-exegetischer Kom-
gerade glücklich gewefen. Denn nach den neueren mentar über das Neue yestament

l'orfchungen hat es in der indogerman. Grundlpracne

nie ein bharami gegeben, fondern nur ein bliarä = 4. Abth. Des Paulus Brief an die Römer. 6. Aufl., um-
bhara — ifuco, fero. Es folgt nun eine kurze gearb. von Dr. Bernh. Weifs. Göttingen 1881, Van-

Charakteriflik der femitifchen Sprachfamilie (hauptfach- denhoeck & Ruprecht. (VI, 666 S. gr. 8.) M 8 -
lieh nach Stade; und fodann eine kurze Skizze der femit. v vi s 1

Grundfprache. Ich hebe nur kurz die Hauptanftöfse her- 5. Abth. Der erfte Brief des Paulus an die Korinther
aus. Zu p. 51 Nr I werden wjr Note ^25 ^belehrt, dafs Aufl., neu bearb. von Dr. Georg Heinrici.

Ebendaf. 1881. (X, 479 S. gr. 8.) M. 6. —

Abth. Des Paulus Brief an die Galater. 6. Aufl.,
neu bearb. von Lic. Dr. Friedr. Sieffert. Ebendaf.

ra flehe, jara er fehe, Ii fei nahe etc. Refte zweiconfo
nantiger Bildungen fein follen. Wahrfcheinlich fleht H.
auch arab. kul (ifs) und hebr. gas (nähere dich) für folche
Refte an! Wer behauptet, dafs 'Ajin ein faft undefinir-
barcr Laut fei (p. 53), hat fich um die neuere Lautphy- I QQ /v "

uologie wohl wenig bekümmert. Der Araber foll nur j I88a 1X' 35° S. gr. 8.) M. 4. 60.
die drei Vocale a, i, u befitzen. Hr. II identificirt alfo ,,„r„^.^ 1 ,. .. . ,

einfach Sc« und Acfpeach, Daf, 0^^eÄ Ä^ftt^

men des Urfemitifchen alle auf a ausgelautet haben, be

1880, Nr. 21) find wiederum drei Bände in neuen Auf-

ltreite ich eben fo fehr, wie dafs es 2 Imperfcctformen lagen erfchienen. Alle drei lagen bisher nur in Original-
jakabura .und. jakbura befeffen. Ich hoffe, meinen Wider- bearbeitungen Meyer's vor; alle drei erfcheinen alfo jetzt
fpruch anderwärts näher motiviren zu können. Tadli- zum erftenmale in einer Umgeflaltung durch die neuein-
Inruia ift meines Erachtens ebenfowenig eine urfemitlfche tretenden Mitarbeiter. Bei allen ift von den neuen BeForm
, wie jadlikuräna (p. 54). Ift etwa im arab. (hebr.) . arbeitern in derfelben freien Weife verfahren worden,
jaktulnä einfach ä ausgeftofsenr Die Behauptung, dafs welche von Weifs fchon bisher bei Bearbeitung des
ter Plural im Semitifchen im Masc. wie Fem. durch Marcus und Lucas und des Johannesevangeliums beob-
Dehnung der Singularendungen entftanden fei (p. 53), hielt achtet worden war. Das Meyer'fche Material ift im
ich für einen längft überwundenen Standpunkt. Das Af- ; Wefentlichen beibehalten; aber die Herausgeber haben
fyrifche hat den Verf. wohl zu der irrigen Annahme ver- von dem Meyer'fchen Texte nur dasjenige flehen laffen,
leitet, dafs man im Urfemitifchen nie kalbu baiti, fon- , was fie felbft noch vertreten konnten. Ueberall, wo
dem nur kalab baiti gefagt habe. Schon hebr. Formen , ihre eigene Anficht von der Meyer'fchen abwich, ift
wie tnalkisädäk, peniiel, mUü%a'el u. a. legen dagegen ent- i erftere zur Geltung gebracht, und dabei nur die Meyer'-
fehieden Proteid ein. Vor den Poffeffivfuffixen foll der fche Anficht nebft ihrer Begründung forgfältig angeführt
Stat. constr. in der Form kalba erfcheinen, wo a nur Stamm- ; worden. Für den jetzigen Text übernehmen alfo die
endung, noch ohneAccufativbedeutungGv'c.') ift. H.fcheint j neuen Herausgeber allein die Verantwortung, und zwar
das a in der vermeintlichen Grundform kalba für kurz fo, dafs zwifchen dem, was noch von Meyer herrührt
zu halten. Wie erklärt er fich dann aber aram. — ach, und dem, was die Herausgeber hinzugethan habend
da das Aram. keine Tondehnung von a kennt, oder was äufserlich gar nicht unterfchieden wird. Dafs wir diefe
macht er bei feiner Auffaffung mit hebr. — enii, gelegent- j freie Art der Bearbeitung ganz und gar billigen, haben
lieh auch — rliir. Wie erklärt er fich ferner arab. bika i wir früher bei ähnlicher Veranlaffung fchon wiederholt
neben iaka, wenn ba wie la die Grundformen fein follen? ; ausgefprochen.

(p. 57). Die Reconftruction fchon der femitifchen Grund- I. Von der Weifs'fchen Bearbeitung des Römer-

fprache hat in der That ihre Schwierigkeiten, die Man- briefes braucht kaum bemerkt zu werden, dafs auch hier
eher nicht zu ahnen fcheint. Mehr aber als alle diefe vor allem wieder die Textkritik mit bekannter Meifter-

Aufftellungen dürfte Fachmänner die Entdeckung Hs.'
uberrafchen, die ich ihnen nicht vorenthalten darf, dafs
nämlich nach H. eine femitifche Sprachvergleichung als
Wiffenfchaft eigentlich doch erft feit wenigen Jahren exi-
ftirt, inaugurirt vor allem durch Bernhard Stade's Lehrbuch
der hebr. Grammatik (1870) und unabhängig davon
durch kleinere Arbeiten der aftyriolog. Schule Friedrich
Delitzfch's, während Männern wie Gefenius, Fleifcher,
Nöldeke und anderen hervorragenden Semitiften (Ewald
und ülshaufen werden alfo nicht einmal namentlich genannt
!) die befcheidene Stelle von Wegebahnern oder
Vorreformatoren auf diefem Gebiete zuerkannt wird
(p. 49 vgl. Note 5 u. 22). Ift das Kritiklofigkeit oder ab-
lichtliche Verkennung des offenkundigen Thatbeftandes?
Das eine wäre fo tadelnswerth wie das andere. Warum
gerade mit Stade eine neue Epoche beginnen foll,1) ift
mir übrigens um fo unklarer, da er nicht der allein feiig
machenden junggrammatifchen Methode huldigt. Jeden-

i) Es braucht kaum hervorgehoben zu werden, dafs Stade felbft am
wenigften an diefer Ueberfchätzung feines Lehrbuches Antheil hat, wie
Jeden fchon ein Blick auf die feinem Werk voranftchende Widmung oder
in das Vorwort desfelben belehren kann.

fchaft gehandhabt ift. Da faft gleichzeitig die längft erwartete
werthvolle Ausgabe des Neuen Tcftamentes von
Weftcott und Hort erfchien (London 1881, Macmillan&
Co.), — deren Bedeutung freilich einem vorlauten Recen-
fenten in Nr. 25 des Thcol. Literaturblattcs verborgen geblieben
ift —, fo war es mir von Intereffe, den Text der
beiden Engländer mit der Weifs'fchen Recenfion zu vergleichen
. Das Refultat ift leider nicht fehr ermuthigend.
Obwohl beide Recenfionen auf den gleichen Grundfätzen
beruhen und mit gleicher Sorgfalt und Sicherheit der
Methode ausgeführt find, find doch die Ergebnifse nicht
fo übercinftimmend, wie man wünfehen möchte. Es wird
alfo die Hoffnung auf einen auch in allen Einzelheiten
geficherten Text des Neuen Teftamentes wohl für immer
ein frommer Wunfeh bleiben. Da die Sache aber für
den gegenwärtigen Stand der Textkritik charakteriftifch
ift, fo gebe ich hier für die erften fünf Capitel eine Ver-
gleichung der Weifs'fchen und der englifchen Recenfion
mit dem Tifchendorf'fchen Text; und zwar 1) ein Ver-
zeichnifs der Stellen, in welchen die beiden erfteren
gegen Tifchendorf übeieinltimmen, und 2) ein Verzeich-
nifs der Stellen, in welchen Weifs allein lieht, während
die Engländer mit Tifchendorf gehen.