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Ausgabe:

1881 Nr. 20

Spalte:

467

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Singer, Salomon

Titel/Untertitel:

Onkelos und das Verhältniss seines Targums zur Halacha 1881

Rezensent:

Schürer, Emil

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467

Theologifche Literaturzeitung. 1881. Nr. 20.

468

Vorgangs verbürgt wähnen, aus Riehm's Vortrag lernen,
dafs der aus der altteftamentlichen Offenbarung ftammende
Wahrheitsgehalt der biblifchen Erzählung um fo leichter
über alle noch immer kräftigen Irrthümer triumphiren
mufs, ,je klarer und allgemeiner die Erkenntnifs wird,
dafs wir auf keine andern Fragen in dem biblifchen
Schöpfungsbericht Antwort zu fuchen haben, als auf die
Frage aller Fragen, die Frage der Religion' (S. 30)!

Bonn. Adolf Kamphaufen.

Singer, Dr. Salomon, Onkelos und das Verhältniss seines
Targums zur Halacha. Berlin 1881. Frankfurt aM.
Kauffmann. (IV, 60 S. gr. 8.) M. 1. 20.

Den Kern diefer Monographie über Onkelos bildet
S. 20—60 eine* Sammlung und Befprechung folcher
Stellen, an welchen trotz des fall wörtlichen Charakters
jenes Targums fich doch noch erkennen läfst, wie es in
der Wiedergabe gewiffer Gefetzesftellen der herrfchen-
den traditionellen Auffaffung (der ,Halacha') folgt. Zur
Ermittelung der halachifchen Auslegung ift aufser dem
Talmud namentlich die Mechilta (der halachifche Mi-
drafch zum Exodus) herangezogen. Der Verf. hat nämlich
, wie fich fchon hieraus ergiebt, feine Unterfuchung
auf das Targum zum Exodus befchränkt, obwohl eine
folche Befchränkung weder im Titel noch im Vorwort
angedeutet wird, und man daher berechtigt wäre, mehr
zu erwarten. Eine Ausdehnung der Unterfuchung auf
die übrigen Bücher des Pentateuches würde ohne Zweifel
noch eine grofse Bereicherung des Materiales ergeben,
während andererfeits die gefammelten Stellen einer ftar-
ken Sichtung bedürfen, da nicht alle das beweifen, was
fie beweifen follen. Immerhin ift fchon das Gebotene
von Intereffe.

Die fchwächfte Partie der Schrift ift jedenfalls die
Einleitung (S. 1 —19), in welcher der Verf. fich be-
müffigt gefehen hat, uns feine Anficht über das Alter
des Onkelos-Targums mitzutheilen und fogar allerlei
über das ,Leben' des Onkelos zu erzählen. Dabei ift
nun das merkwürdige dies, dafs er die Identität von
Onkelos und Aquila zugiebt. Statt aber daraus den
Schlufs zu ziehen, dafs ein chaldäifcher Bibelübcrfetzer
Onkelos gar nicht exiftirt hat, vielmehr das anonyme
chaldäifche Targum nur dadurch zu diefem Namen gekommen
ift, dafs man die Kunde von einer Bibelüber-
fetzung des Aquila, die fich urfprünglich auf die bekannte
griechifche Ueberfetzung des Alten Teftamentes bezog,
irrthümlich auf das chaldäifche Targum übertrug — ftatt
diefen allein vernünftigen und von der neueren Kritik
allgemein gezogenen Schlufs zu ziehen, fchreibt der
Verf. dem einen Onkelos-Aquila fowohl die griechifche
als die chaldäifche Ueberfetzung zu und combinirt
nun alle Fabeleien, die je über beide gemacht worden
find, zu einem fehr inhaltreichen Lebensbilde. Von der
griechifchen Ueberfetzung des Aquila hat er übrigens
nur eine fehr fchleierhafte Vorftellung. Die Exiftenz von
Montfaucon's und Field's Ausgaben der Hexapla ift
ihm offenbar verborgen geblieben; und fo kann er den
Satz wagen, die Ueberfetzung Aquila's fei ,bis auf ganz
kleine und unbedeutende und noch dazu nicht fehr
authentifche Reite verloren gegangen' (S. 13), und zugleich
behaupten, es fei ,ficher(!), dafs fie beim jüdifchen
Volke und auch aufserhalb desfelben keinen Eingang
gefunden' (daf.). Das gerade Gegentheil bezeugt Ori-
genes, Epist. ad African. §. 2: 'A/.vXag . . . cpikoTipoieQOv
jiSTtiatSvpihog naqä 'lovdaioig ijQ/.irjvevx£vcu zqv yocaprjv.
([> fidliOTCc elio&aoiv oi äyvoovvreg zrjv 'Eßgaiav ötd-
Xexzov XQvofrai, wg itävttov piäXXov enizszevyp,evq).

Giefsen. E. Schür er.

Palästina in Bild und Wort. Neblt der Sinaihalbinfel und
dem Lande Gofen. Herausgegeben von Georg Ebers
und H. Guthe. 1 — 3. Liefrg. Stuttgart 1881; Deutfche
Verlags-Anftalt (vorm. Ed. Hallberger). (ä 16 S.
Fol., mit Holzfchn. u. je 1 Stahlft.) ä M. 1. 50.

Die rührige Verlagshandlung hatte die Abficht,
ihrem Prachtwerke über Aegypten ein ähnliches über
Paläftina folgen zu laffen. Noch ehe das Unternehmen
aber in Angriff genommen werden konnte, wurde
ein ganz analoges Werk in England vorbereitet, bei
deffen Herftellung fo hervorragende Kräfte thätig waren,
dafs die deutfche Verlagshandlung nicht hoffen konnte,
dasfelbe im Laufe der nächften Jahre zu übertreffen.
So entfchlofs fie fich, auf ihren urfprünglichen Plan
zu verzichten, und ftatt deffen eine deutfche Bearbeitung
des englifchen Werkes zu veranftalten, von welcher nunmehr
die erften Lieferungen vorliegen. Der Schwerpunkt
des Werkes liegt in den Illuftrationen, welche
i eine lebendige Anfchauung von Land und Leuten vermitteln
follen. Nach dem auf dem Umfchlag der erften
Lieferungen abgedruckten Profpecte foll das Ganze etwa
40 Stahlftiche und gegen 600 Holzfchnitte grofsen Formates
enthalten — in der That ein ,grofsartiges' Unternehmen
, wie die Verlagshandlung nicht ohne Grund
rühmen darf. Den Illuftrationen ift ein befchreibender
und erzählender Text beigegeben, der für das deutfche
Werk von Ebers und Guthe in freiem Anfchlufs an
den englifchen Text bearbeitet ift. Der Preis des Ganzen
ift zwar an fich hoch (circa 56 Lieferungen ä M. 1. 50),
im Vergleich zu dem, was geboten wird, aber immer
noch niedrig.

Wenn man nach den erften Lieferungen urtheilen
darf, fo verfpricht das Werk eine Leiftung erften Ranges
zu werden. Ganz befonders erfreulich ift es, dafs folche
Unternehmungen auch im Zeitalter der Photographie
noch möglich find. Der Werth der letzteren foll ja nicht
gefchmälert werden; und gerade die Engländer haben
fich um möglich!! reichhaltige photographifche Aufnahmen
aus Paläftina verdient gemacht. Aber auch die befte
Photographie kann nie ein Bild erfetzen, das aus der
1 lebendigen Anfchauung eines Künftlers entfprungen ift.
Solche werden uns aber hier in der That geboten. Zwar
fteht nicht Alles auf gleicher Höhe. Aber durchweg
find es doch Stimmungsbilder, wie nur ein Künftler fie
entwerfen kann. Man fühlt fich beim Betrachten diefer
Blätter wirklich hineinverfetzt in jenes wunderbare Land,
das überall den Stempel einer heruntergekommenen Grofse
auf der Stirne trägt. Die bis jetzt vorliegenden Theile
befchäftigen fich ausfchlicfslich mit Jerufalem und geben
uns von allen in Gefchichte und Tradition irgendwie be-
merkenswerthen Gebäuden der heiligen Stadt, wie von dem
Leben undTreiben ihrer heutigen Einwohner ein höchft an-
fchauliches, wenn auch nichts weniger als erfreuliches
Bild. Zum Verftändnifs der Befchreibung ift freilich die
Vergleichung eines Planes von Jerufalem unerläfslich.
Hoffentlich wird ein folcher, der bis jetzt fehlt, in einem
der folgenden Hefte noch nachgeliefert.

Giefsen. E. Schürer.

Riess, Prieft. Florian, S. J., Das Geburtsjahr Christi. Ein

chronologifcher Verfuch mit einem Synchronismus
über die Fülle der Zeiten und 12 mathematifchen
Beilagen. Freiburg i/Br. 1880, Herder. (IV, 267 S.
gr. 8.) M. 3- -

Das Ziel, auf welches der Verf. (bekanntlich einer
der namhafteften unter den jetzt lebenden deutfehen
Jefuiten) mit feiner gelehrten Unterfuchung losfteuert,
ift: die Richtigkeit der Dionyfifchen Aera zu beweifen.
Er kommt nämlich (S. 16b) zu dem Refultat, dafs Chri-
ftus am 25. December 752 a. U. c. geboren ift. Und