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Ausgabe:

1881

Spalte:

457

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Leonhardi, Gust.

Titel/Untertitel:

Altarreden. Eine Sammlung von Casualreden, in Beiträgen namhafter Geistlichen der evangelisch-lutherischen Kirche Deutschlands hrsg. 2. Sammlung. 1. Bd. Confirmations-, Beicht- und Abendmahlsreden 1881

Rezensent:

Wächtler, August

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457

Theologifchc Literaturzeitung. 1881. Nr. 19.

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nitatis aus den älteren Erbauungsfchriftftellern der evan-
gelifchen Kirche. Eine Beziehung auf die Ferikope des
betr. Sonntages ift nicht durchgängig wahrzunehmen,
wenngleich eine folche bei einzelnen Betrachtungen
augenfcheinlich für die Auswahl beftimmend gewefen
ift. So z. B. find für die beiden letzten Sonntage die
Betrachtungen aus den klaffifchen Erbauungsfchriften
über die letzten Dinge, nämlich aus Mayfart's himm-
lifchem Jerufalem und aus Nicolai's Freudenfpiegel des
ewigen Lebens entnommen. Am 19. tritt, ift irrthüm-
lich gefagt: Das Evangelium des .vorigen' Sonntages,
während gerade dasjenige diefes Sonntages gemeint ift.
Die Auswahl ift gut — und die Bearbeitung fo wohl gelungen
, dafs das Buch auch als Erbauungsbuch empfohlen
werden kann.

Halle aS. A. VVächtler.

Leonhardi, Pfr. Guft., Altarreden. Eine Sammlung von
Cafualreden, in Beiträgen namhafter Geiftlichen der
evangelifch-lutherifchen Kirche Deutfchlands hrg.
2. Sammlung. 1. Bd. Confirmations-, Beicht- und
Abendmahlsreden. Leipzig 1880, Teubner. (VIII,
249 S. gr. 8.) M. 2. 40.
Der vorliegende Band enthält 16 Confirmationsreden
und 33 Beichtreden aus verfchiedenen Gegenden ,der
evangelifch-lutherifchen Kirche Deutfchlands'. DieBeicht-
reden find nach dem Gange des Kirchenjahres geordnet
und zeichnen fich noch mehr als die Confirmationsreden
durch eigenthümliche Texte und originelle Ausführung
aus. Ein Theil der Reden ift den Lefern der ,Paftoral-
blätter für Homiletik u. f. w.' (früher ,Gefetz und Zeug-
nifs') fchon bekannt, der gröfsere Theil aber find Originalarbeiten
. Dafs nur muftergiltige Reden in der
Sammlung enthalten feien, will auch der Herausgeber
nicht behaupten, aber fchon fein Name wird dafür bürgen
, fowohl dafs keine untüchtigen Arbeiten aufgenommen,
als auch dafs alle in dem Gcift evangelifchen Glaubens
nach dem lutherifchen Bekenntnifs gehalten find. Eine
'Beurtheilung des Einzelnen ift hier nicht möglich. Ob das
Verlangen nach Cafualreden noch fo rege ift, wie der
Herausgeber annimmt, mufs erft der Erfolg des Unternehmens
ergeben.

Halle a. S. A. Wächtler.

Werner, Pfr. Herrn., Biblische Bilder in erbaulichen Betrachtungen
. Langenberg 1880, Jooft. (340 S. gr. 8.)
M. 3. 50; geb. M. 4. 50.

,Wie finnig und tief die Bilderfprache der h Schrift
ift, wird in der Regel mehr dunkel gefühlt und geahnt,
als klar und deutlich erkannt. Und doch hat es einen
befonderen Reiz, wahrzunehmen, wie die Bilder der
Schrift es wohl vertragen, gleichfam unter die Lupe gelegt
zu werden und dann ihre Schönheit nur um fo
überrafchender offenbaren.' Von diefem Gefichtspunkte
aus hat Werner es unternommen, einige biblifche Bilder
in Predigten ausfuhrlich zu behandeln. Predigten nämlich
find diefe zwanzig bibüfchen Betrachtungen, welchen
biblifche Bilder als Texte zu Grunde gelegt find. Diefe
werden dann in der Regel auch als Themata aufgeftellt
und ausfchliefslich zum Gegenftand der Betrachtung gemacht
, z. B. nach Pf. 92, 13: der grünende Palmbaum
ein Sinnbild des geiftlichen Lebens, 1. nach der Ent-
ftehung, 2. nach dem Wachsthum, 3. nach dem Segen
desfelben, oder naoh demfelben Spruch: die Ceder ein
Abbild des Gerechten, 1. als ein Baum der Kraft, 2. als
ein Baum des Segens. In der Ausführung werden die
einzelnen Züge des Bildes mit der gröfsten Sorgfalt verfolgt
, und es gelingt dem Verfaffer oft in überrafchender
Weife, auch für die Deutung fcheinbar irrelevanter
Züge das entfprechende Material aus der Bilderfprache

der Bibel zufammenzuftellen und auf diefe Weife in der
! Betrachtung das Bild vollftändig durchzuführen. Ueber-
haupt ift die Sorgfalt, mit welcher die Predigten ausge-
j arbeitet find, zu rühmen. Bei der Sammlung des Stoffes
hat der Prediger fich nichts entgehen laffen, was zur
Auslegung des Wortes refp. zur Deutung des Bildes
dienlich werden konnte, und der fehr reiche Stoff ift
; überall in guter Ordnung mit dem Hauptgedanken ver-
j bunden; die zahlreichen feinen Bemerkungen, zu welchen
der Verfaffer bei der Auslegung des Bildes ge-
■ langt, werden nicht nur andeutungsweife ausgefprochen,
fondern immer auch eingehend in praktifcher eindring-
; licher Anwendung verwerthet. Durch diefe Vorzüge
heben fich die ,Bibl. Bilder' in fehr vortheilhafter Weife
heraus aus der Maffe unferer Predigtliteratur. Die breit
getretenen Pfade allgemeiner religiöfer und chriftlicher
Ideen werden meift glücklich vermieden, oder wenigftens
in neuem Zufammenhang und in eigenthümlicher Beleuchtung
aufgezeigt. Ueberall ift es dem Verfaffer um
wirkliche Förderung chriftlicher Erkenntnifs zu thun,
! und deshalb find die Predigten nicht nur als gute homi-
letifche Mufter den Berufsgenoffen zu empfehlen, fondern
geförderten Chriftcn überhaupt, welche mit der Sprache
der Schrift vertraut genug find, um auch die felteneren
und auffallenden biblifchen Bilder würdigen zu können.
Allem Anfcheine nach hat der Verfaffer auch folche
Zuhörer vorausfetzen dürfen; in vielen Kirchen aufser-
halb des bergifchen Landes würden wenigftens folche
Themata wie z. B. das der Predigt über Jerem. 11, 16:
,rechte Miffionsleute gleichen den Oelbäumen', oder jenes
andere aus Jef. 44, 3 u. 4 .inwiefern die lebendigen
Chriften den Bachweiden gleichen', nicht ohne Gefahr
für die Andacht der Zuhörer ausgefprochen werden
1 können. Vom homiletifchen und exegetifchen Stand-
1 punkte aus liefse fich ohnehin gegen das Verfahren des
I Verfaffers manches Bedenken geltend machen. Bei der
J Ausdeutung biblifcher Bilder in folcher Ausführlichkeit
J liegt die Gefahr nahe, dafs die incongruente Seite des
j Bildes künftlich verdeckt, und dafs das tertiiuu cotttpara-
tionis zu Gunften der Vollftändigkeit, in welcher der
j Prediger den Vergleich behandeln will, verfchoben wird.
Z. B. in der fonft fo vortrefflichen Predigt über Pfalm
110, 3 ftellt der Verf. das Thema auf, ,deine Kinder
I werden dir geboren wie der Thau aus der Morgenröthe'
und weift dann nach, wie das gilt i. von der Weife, in
der diefe Geburt fich vollzieht, 2. von den Merkmalen,
in denen fie offenbar wird. Nach einer reichen Befchrei-
bung des Vorganges der Thaubildung werden die einzelnen
Vergleichungspunkte derfelben mit der geiftlichen
Geburt durchgenommen: der Thau fällt zur Nachtzeit, zu
einer Nacht der Geburt wird das Dunkel der Verzagtheit
j nur, wenn der Schmerz über unfere Gottentfremdung
; hinzukommt; unbereute Sunden find die Wolken, welche
den Thaufall hindern; wie der Pflanze die Erdenwärme
entzogen wird, fo mufs das Herz feine Liebe zur Erde
1 verlieren, diefe Liebe erkaltet nicht fogleich, wie der
Thau auch erft in den letzten Stunden der Nacht mit
| dem Aufleuchten der Morgenröthe fich bildet; dann end-
! lieh fällt der Thau in der Stille, wer diefe Stille nicht
recht gebraucht, oder gar mit den geiftlichen Erfahrungen
folcher Zeit prunken will, hindert die Thaubildung, oder
verwandelt den Thau in froftigen Reif. Der Thau bleibt
I nicht verborgen, in jedem Tropfen fpiegelt fich die
j Sonne wieder, das Bild Chrifti; in jedem nach feiner Individualität
, unzählig ift ftets die Menge der Thautropfen,
wenn auch nicht gleich grofs zu allen Zeiten, und in
unverwelklicher Frifche flehen die Jünger Chrifti in der
Welt da.

Wir haben abfichtlich dies Beifpicl gewählt, welches
auch eine Anfchauung von den Vorzügen diefer Predig-
j ten geben kann. Nicht alle behandelten Texte enthal-
. ten biblifche Bilder; ob es zweckmäfsig ift, folche Aus-
1 drücke wie .geiftliche Auferftehung', nach Eph. 2, 5. 6,