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Ausgabe:

1881

Spalte:

25

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Stade, Bernhard

Titel/Untertitel:

De populo Javan parergon patrio sermone conscriptum 1881

Rezensent:

Kautzsch, Emil

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack und D. E. Schürer, Troff, zu Giefsen.

Erfcheint Prels
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 2.

15. Januar 1881.

6. Jahrgang.

Stade, De populo Javan (Kautzfeh).

De Visser, De Daemonologie van het Oude

Testament (Baudiffin).
Delisle, Melanges de Pal^ographie et de

Bibliographie (Gebhardt).
Zahn, Acta Joannis (Overbeck).

Luthardt, Die modernen Weltanfchauungen
(Herrmann).

Ordnung eines fonn- und fefttaglichen Ilaupt-
Gottesdienftes, von M. B. (Kraufs).

Dächfei, Agende für die evangelifche Kirche
(Krauts).

Berfier, Ausgewählte Predigten (Lindenbergl.

R i n c k, Bileam und Elifa. Schriftbetrachtungen
(Fay).

Sperber, Pädagogifche Lefeftücke (K. Strack).

Erklärung betreffend die Tifchendorf'fche Sep-
tuaginta-Ausgabe (Neftle).

Stade. Bernh., De populo Javan parergon patrio sermone | De Visser, Joh. Theod., De Daemonologie van het Oude

conscriptum. Giefsen 1880, Brühl'fche Univ.-Buchdr. | Testament. Proeffchrift ter verkrijging van den graad

(Univerf.-Programm.) (20 S. gr. 4.)
Die Ergebnifse diefer fcharffinnig geführten Unter-
fuchung find in Kürze folgende: die Uebertragung des
Namens Jon/er' auf alle Hellenen erfolgte bei den alten
Orientalen femitifcher wie indogerm. Zunge in Folge des
Umftands, dafs zuerft ionifche Städte in perfifchen Belitz
kamen. Dagegen ift Ez. 27, 13 und in der davon
abhängigen Stelle Je f. 66, 19 das Handelsvolk der klein-
afiatifchen Ionier, genauer deren Colonien an der Süd-
küfte des fchwarzen Meeres gemeint; dabei erklärt fieh
der Verf. für die Emendation von Jef. 66, 19 nach LXX
{Put für Pul und Reftituirung von mäsäkh), fowie gegen
die Annahme eines afrikanifchen Volkes Lud (Jer. 46, 9.
Gen. 10, 13 fei lubim zu lefen). Noch Gen. 10, 2. 4, ,in
einem aus der fogen. Grundfchrift, der jüngften Quellen-
fchrift des Pentateuchs, flammenden Stücke', bezeichnet
Javan, wie die Art der Aufzählung lehrt, fämmtlichc
kleinafiatifche Ionier, aber nicht Griechen oder Griechenland
überhaupt; V. 4 feien den Ioniern nichtgriechifche
Völkerfchaften als Söhne beigelegt, denn Elischa ift nach

van Doctor in de Godgeleerdheit. Utrecht 1880,
Blanche & Co. (X, 177 S. gr. 8.)

Diefe Utrechter theologifche Doctordiffertation
liefert einen neuen guten Beitrag zur altteftamentlichen
Theologie, wie wir fchon manchen der Utrechter wie
der Leidener Schule verdanken. — In einem erften Ab-
fchnitt befpricht der Verf. ,den Einflufs Jahwe's auf das
Böfe' (S. 5—47). Ausgehend von der Vorftellung .eines
böfen Geiftes von Gott' behandelt er zunächfi die alt-
teftamentliche Anfchauung vom Geifte, der in feiner individuellen
Erfcheinung überall als ein Ausflufs des Gottes-
geiftes gedacht wird —, um dann hinfichtlich jener fpe-
ciellen Vorftellung zu dem Ergebnifs zu gelangen: ,Der
gute fnwohl als der böfe Geift kommt von Gott; er erneuert
das Herz und den Geift und er ift es auch, der
beide verftockt; er treibt den Menfchen zu verkehrten
wie zu trefflichen Thaten; er läfst ihn reden was gut,
aber auch was böfe ift' (S. 45). Mittelpunkt der altteftamentlichen
Gottesidee ift die Vorftellung von der Allmacht
Gottes; deshalb giebt es für fie nichts, was nicht

dem Verf. der ältefte Name für Karthago. — Dan. 8, 21. 1 Von Gott gewirkt wäre. Die Reinheit oder Heiligkeit
10, 20 bezeichnet Javan die Hellenen. — An drei Stellen Gottes bleibt daneben beftehen, indem das Verhältnifs
endlich hat man in Javan die Bezeichnung eines füd- j derfelben zur Allmacht noch nicht confequent feftgeftellt
arabifchen Volkes finden wollen: Ez. 27, 19 (faft alle wjrd 05. 45 f.;. Diefe ohne Zweifel richtige Darftellung
Exegcten), Joel 4, 6 (Credner u. a.), Zach. 9, 13 (Hitzig), i ergiebt fich dem Verf. aus einer forgfamen Unterfuchung
Bei Ez. 27, 19 macht der Verf. aus den LXX, welche aner jn Betracht kommenden altteftamentlichen Stellen,
anders abtheilen und ftir vejavan vielmehr lafen, eine J deren Gedanken er mir getreu wieder zu geben fcheint,
ftarke Textverderbnifs fehr wahrfcheinlich; es könne dort fich forgfam hütend vor Umbiegungen oder Abfchwäch-
nun von irgendwelchen damascenifchen Waaren, nicht Ungen derfelben, die gerade hier fehr häufig vorgekommen
aber von einem Volke die Rede gewefen fein. Joel 4, 6 | f,nd (man beachte nur die verfchiedenen dem Wortlaute
können die bene liajevanim im Gegenfatz zu den Sabäern j Gewalt anthuenden Deutungen von der Verftockung des
nur ein nördliches Volk fein, alfo die Ionier; der Verf. ! Herzens Pharao's S. 38. 41). Befonders eingehend ift
erklärt fich bei diefer Gelegenheit energifch für die Ab- ; mit Recht die merkwürdige Stelle von dem aus Jahwe's
faffung des Joel in perfifcher Zeit. Zach. 9, 13 endlich himmlifcher Umgebung ausgehenden Truggeifte I Kön.
find die bene Javan die feindliche Weltmacht (der 22, 19 ff. befprochen worden. Richtig erkennt der Verf.
Griechen), die es erft feit dem Perferreiche geben konnte, darin den erften Anfang des ethifchen Anftofses an der
Der Verf. fügt hinzu: ,wie bei der Beftimmung der ; Ableitung auch des Böfen von Gott, welcher zu einer
Abfaffungszeit Joels ift die Kritik auch bei der von 1 Art Perfonification des den Trug eingebenden Geiftes
Za. 9—14 in einer für alle Zeiten denkwürdigen Weife , Anlafs wurde. Bei der Erwägung, ob hier wirklich an eine
in die Irre gegangen. Za. 9—14 ift ein nachexilifches Perfonification, an ein ielbftändiges Wefen diefes vor
Schriftftück, welches fich nach feinen Ideen wie feinen | Jahwe's Thron flehenden Geiftes zu denken fei (S. 28 f.),
hiftorifchen Vorausfetzungcn am beften als im Anfange 1 hätte der Verf. die Beobachtung nicht unterlaffen follen
des 3. Jahrb. v. Chr. entftanden begreift'. Den Beweis ; dafs der Begriff der Perfönlichkeit dem A. T. wie wohl
dafür will der Verf. in einer demnächft erfcheinenden | dem Alterthum überhaupt fehlt; mit diefem Truggeifte
Abhandlung antreten. ( fleht es gerade fo wie mit den Emanationen der Gno-

TübiflgeO- E. Kautzfeh. ^er> von welchen fich häufig ebenfowenig conftatiren

lafst, ob fie als felbftändige Perfonen in unferem Sinne
j zu denken feien. — Der zweite Abfchnitt behandelt die
j ,Lehre vom Satan' (S. 48—87). Es ift hier eine Fortbil-
I dung jener I Kön. 22, 19fr. zu findenden ,1'crfonification'

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