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Ausgabe:

1881 Nr. 17

Spalte:

401-402

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ewald, Paul

Titel/Untertitel:

Der Einfluss der stoisch-ciceronianischen Moral auf die Darstellung der Ethik bei Ambrosius 1881

Rezensent:

Harnack, Adolf

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung. 1881. Nr. 17.

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ftellen wäre manches zu erinnern, doch mufs Ref. auf I können. Er ift gevvifs von dogmengefchichtlichen,Voreine
Auseinanderfetzung mit dem Verf. hier verzichten. ; urtheilen' unabhängig. Aber feine Analyfe des Ambro-
r. , Adolf Harnack. 1 Aus kommt mutatis mutandis zu demfelben Refultate wie

die Engelhardt'fche in Bezug auf Juftin, und der Verf.

Ewald I)r Paul, Der Einfluss der stoisch-ciceronianischen wird eine tiefer gehende Deutung feiner belangreichen
Moral auf die Darstellung der Ethik bei Ambrosius. Leip- gj^ff Jö*eener felbft fo "ahe hat' nicht mehr

zig 1881, Bredt. (88 S. gr. 8.) M. t. 20.
Mit Freuden bringt Ref. diefe von feiner Beobachtungsgabe
und gründlichem Studium zeugende, gut ge-

Giefsen. Adolf Harnack.

Hoffmann, Joh. G. E., Julianos der Abtrünnige. Svrifche

fchnebcne Specialunterfuchung zur Anzöge Ihr Inhalt Erzählungen. Leiden 1880. Brill. (XVIII, 2<o S. 4 )

ift durch den Titel fehr präcis angegeben. Um die Dar- M 20 —

ftellung der Ethik bei Ambrofius handelt es fich für j ' u>

den Verf. Mit Recht hat er diefe Frage fcharf getrennt | Zu der reichen Quellenliteratur über Julian den Ab-

von der andern nach der Ethik des Ambrofius und ift ; trünnigen kommt durch Hoffmann's Ausgabe zweier fyri-

fchon in diefer Unterfcheidung feinen Vorgängern über- | fcher Originalfchriften neues Material hinzu. Freilich

legen. Er hat fich damit ein begrenztes, deutliches Pro- : würde man fich irren, wenn man meinte, aus diefen

blem geftellt und hat dasfelbe nach einer durchaus rieh- Schriften neue gefchichtliche Belehrung über den viel-

tigen Methode, wie Ref. fcheint, befriedigend gelöft. umftrittenen Charakter des berühmten Chriftenfeindes

Ambrofius ift in feiner Darfteilung direct abhängig von gewinnen zu können, der einem Gibbon nicht behagte

der antiken Moral und zwar insbefondere und faft aus- ! und einen David Straufs theilweife abftiefs, während er

fchliefslich von der ftoifch-ciceronianifchen (über den Sinn, von einem Arnold mit Vorliebe behandelt wurde und

welchen der Verf. mit diefem Ausdruck verbindet (f. S.
8—14). Das Chriftliche ift immer nur ein Einfchlag, der
lediglich dort eintritt, wo der Chrift fich auf Eigenthüm-
liches befinnen mufste. Ganze ftoifche Gedankenzüge,
und gerade an den entfeheidendften Stellen, in der Be-

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Neander faft zur Begeifterung hinrifs. Julian ift hier einfach
das perfonificirte Böfe und die Erzählungen find
durchaus fagenhaft, ja theilweife mythifch gehalten; auch
ift der Zweck der Darftellung nicht fowohl ein eigentlich
gefchichtlicher als vielmehr ein erbaulicher.

arbeitung der Begriffe fclbft, begegnen in den Officien. Von den beiden Erzählungen in Hoffmann's Buche;

Wie weit folchc wirklich Eigenthum des Ambrofius ge- I welche in je einem Manufcript des britifchen Mufeums
worden find, wollte der Verf. nicht unterfuchen. Man | erhalten find, ift die erfte bei weitem umfangreichere

wird ihm nur zuftimmen können, wenn er bemerkt:
.Nicht die Gedanken und Ueberzeugungen des Ambrofius
(in ethifcher Hinficht), fondern feine Darfteilung der-
felben ift bedeutungsvoll für die Folgezeit gewefen'. In-
deffen fo anerkennenswerth diefe Zurückhaltung ift, deren
fich leider nicht Viele befleifsigen, fo hätte der Verf.
doch, ohne feine ftreng vorgezeichneten Grenzen zu über-
fchreiten, mehr bieten und namentlich den Schein von
Abfonderlichkeiten des Ambrofius an wichtigen Stellen
wegräumen können, wenn er einigen neueren dogmengefchichtlichen
Unterfuchungen eine gröfsere Aufmerk-
famkeit gefchenkt hätte. So wäre es ihm zur Deutung
einer Reihe der wichtigften chriftlichen Einfchläge in das
ethifche Syftem bei Ambrofius von Nutzen gewefen,
wenn er von Engelhardts Arbeit über das Chriftcn-
thum luftin's verglichen hätte. Der Abfchnitt aber über

(S. 3 — 242 in Hoffmann's Ausgabe) faft vollftändig; es
fehlen in der Handfchrift zwölf Blätter am Anfang und
zwei in der Mitte, was im Druck zufammen etwa 28
Seiten ausmachen würde. Aber der Schlufs der Erzählung
giebt auch über den Anfang Auskunft. Es heifst
hier (S. 241) nämlich in Ueberfetzung: ,Ich, der geringe
Knecht Jefu Chrifti, Apoloris [Apollinaris?], Beamter des
Kaifers Jovinianos [fo immer für Jovian] habe diefe
Schriftftücke verfafst [1. may] für den vorzüglichen und
Gott liebenden Herrn 'Abdil, Abt des Klofters ;m:o
NTinu [in heidnifchem Gebiet gelegen vgl. 60,2], welcher
ausgezeichnete Freund der Belehrung uns durch feinen
Diakon bat, ihm die Erzählung und Ordnung und Weife
diefes Krieges [zwifchen Julian und Sapor] zu verzeichnen
, der in unferen Tagen ftattfand, indem er uns
aufforderte, in unferer Erzählung zu beginnen mit dem

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das höchfte Gut und die Güter (S. 23—40) hätte eine betrübten Hingang des gläubigen Conftantin bis dahin,
wefentliche Bereicherung erfahren, wenn z. B. die pa- wo das Leben Jovinian's, des Errichters der Kirchen, ein
rallelen Unterfuchungen Herrmann's über die Theo- Ende nahm'. Der vorliegende Druck beginnt mit dem

logie Gregor's von Nyffa berückfichtigt worden wären.
Der Verf. hätte dann die richtige Beobachtung, dafs das
höchfte Gut nach Ambrofius einerfeits die vtta actema,
anderfeits die Tugend fei, und die von ihm fclbft richtig
gegebene Entfcheidung, dafs im Zufammenhang des ethi

Lebensende des Conftantius (der Name ift nicht mehr
erhalten) und dem Regierungsantritt Julian's; der gröfste
Theil der Erzählung von der Regierung der Söhne Con-
ftantin's ift alfo verloren gegangen.

Da Th. Nöldeke in ZDMG Bd. 28 S. 263 ff. nach

fchen Syftems eigentlich nur die letztere in Betracht 1 Hoffmann's Manufcript eine ausführliche Inhaltsübersicht
komme, ganz anders gewürdigt. ,Die vtta aeterno?, fagt gegeben hat, genügt es, hier nur das Gerippe der Erder
Verf., ,ift ganz äufserlich an die von der Stoa Zahlung aufzuftellen. Der erfte Theil (S. 3 —so) enthält
herübergenommene Beftirnmung des hüchften Gutes als j als ein erftes Beifpiel der Verfolgungen Julian's die faxender
mit der Tugend gegebenen Glückfehgkeit ange- ; haft ausgefchmückte Gefchichte von den Glaubensorü-
fchweifst.' Ganz äufserlich allerdings, wenn man im fungen des römifchen Bifchofs Eufebius mit der Unter-

fchrift: ,Zu Ende ift die Gefchichte und der Lobpreis
des glaubigen kaifers Conftantin und feiner Söhne und
die Gefchichte des feiigen Eufebius, Bifchofs von Rom'
Es folgt S. 59. 60 ein Brief des Abtes 'Abdil an Apollinaris
, in welchem er um Mittheilung über den Ausgang
des perfifchen Krieges und das fchmähliche Ende des
i iyrannen [Julian] bittet, zugleich aber auch über den
Rcfultat feiner Theologie find, welche mit einer Moral Ruhm und die Gröfse Jovian's und den Glaubenskampf
von diefer Art zu capituliren gar nicht nothig hatte, weil fie der von Julian Verfolgten. Apollinaris erzählt nun wie
fte vielmehr forderte. Doch ift es ohne Zweifel nützlich, Jovian, der bei Julian in hohem Anfehen fleht, als fchein-
dafs der Verf. auf folche Unterfuchungen nicht einge- barer Heide allen Verfolgungen Julian's die Spitze ab-
gangen ift. Die Vorwürfe, die z. B. von Engelhardt zubrechen weifs; weiterhin den Zug Julian's über Con-
betroffen haben, wird man dem Verf. nun nicht machen ftantinopel, Tarfus, Antiochia, Haleb, Haran, Nifibis bi

Rahmen der Ethik bleibt; aber dafs die Theologie des
Ambrofius gerade diefe ganz äufserliche Zuordnung
verlangte, jenes Epitheton alfo die Sache noch nicht
erledigt, liefsc fich unfehwer zeigen. Auch in der Tugendlehre
(S. 41—77) dringt der Verf. nicht bis zum ent-
fcheidenden Punkte vor. Hier fleht es ebenfalls fo, dafs
die Aufftellungen des Ambrofius zugleich das correcte

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