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Ausgabe:

1881 Nr. 1

Spalte:

20-21

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schuhmacher, G.

Titel/Untertitel:

Gesammelte Gedanken zu den Erzählungen des Neuen Testamentes. Ein Hülfsbuch zum biblischen Geschichtsunterricht 1881

Rezensent:

Strack, Carl

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Theologifche Literaturzeitung. 1881. Nr. 1.

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in ihre Schranken vervviefen wird; Auslaffungen wie die
angeführten können wir in der Predigt, zumal ohne
nähere Begründung, für zweckmäfsig nicht halten. Mehr
noch ift uns das Bedenken entftanden durch die Empfindung
eines andern Mangels in den Predigten, dafs
die fchneidige Kraft des Wortes Gottes nicht genug
hervortritt, mit welcher dasfelbe alle Hörer ohne Ausnahme
zu allen Zeiten {traft und richtet und bei jedem
auf eine völlige Erneuerung dringt. Nach der formalen
Seite zeigen die Predigten eine fchwungvolle rednerifche
Sprache, welche hin und wieder an Wortfüllo leidet,
und durch Häufung coordinirter Satztheilc und tauto-
logifcher Wendungen das Verftändnifs erfchwert.

Halle aS. A. Wächtler.

Riemann, Paft. O., ,Lasset die Kindlein zu mir kommen!'

Fünfzig Taufreden. Magdeburg 1880, E. Baenfch.
(VIII, 178 S. gr. 8.) M. 2. 25; geb. M. 2. 75.

Mit Recht bemerkt der Herausgeber, dafs in den
vorhandenen Sammlungen von Cafualreden die Taufrede
in der Regel zu kurz komme, und bei der erhöhten
Bedeutung derfelben für die Taufgemeinde, wie fie jetzt
, in der Regel bei Haus- und Kirchentaufen in Stadt und
Land fich zufammenfetzt, hält er eine befondere Sammlung
für gerechtfertigt. Die hier dargebotenen 50 Taufreden
flammen von 37 evangelifchen Geiftlichen, darunter
«.neben mehreren neuen viele bekannte Namen, welche
bei folchen Sammlungen nicht zu fehlen pflegen. Jeder
Rede ift ein Schriftwort zu Grunde gelegt, und hierin
zeigt die Sammlung eine gute Mannigfaltigkeit, denn
aufser zwei oder drei der beliebteften ift jeder der nach
der Reihenfolge der biblifchen Bücher geordneten Tauftexte
nur ein Mal benutzt. Auch im übrigen ift die
Mannigfaltigkeit zu loben, es giebt kaum ein bei der
Taufe eines Kindes mögliches Verhäftnifs, welches nicht
berückfichtigt wäre. Mit wenigen Ausnahmen haben
auch die Verf. fich bemüht, der Bedeutung des Sacra-
ments in der Ausführung ihrer Reden gerecht zu werden,
wenn auch nicht immer die Gefahr vermieden ift, über
den Beziehungen, welche Erlebnifse und Lage der betr.
Familie an die Hand geben, den Hinweis auf das Sacra-
ment zurücktreten zu laffen; allerdings ift bei keiner
Rede angegeben, was für ein liturgifches Formular, refp.
wie weit dasfelbe noch gebraucht werden foll. Ein Verf.
hat abfichtlich und ausdrücklich alle perfönlichen und
familiären Beziehungen aufser Acht gelaffen, um die
Bedeutung des Sacraments allein in's rechte Licht zu
flehen; noch mehrere derartige Reden würden den Werth
des Buches für den praktifchen Gebrauch dauernd erhöht
haben. Bei der Nothtaufc eines fterbenden Kindes würden
wir hingegen auf eine Rede verzichten; wenn (wie
in dem betr. Falle gefagt ift) die Taufe ohne alle Liturgie,
wegen des hereinbrechenden Todes, vollzogen wurde,
mag der Täufer fich auf ein Gebet befchränken, und
nach Bedürfnifs und Vermögen das übrige den Eltern
in feelforgerlichem Gefpräch fagen; eine ,Rede' ift dann
nicht am Platz, am wenigften eine folche mit Apoftrophen
an das ,fterbende' Kind wie die folgende: (S. 65) ,Himmelreich
, herzig Kindlein: ja ich fehe es dir an deinen
treuen, blauen, klaren Augen an: dein ift das Himmelreich
. Ich höre es an deinem dürftenden, rufenden,
unausfprechlichen Seufzen: dein ift das Himmelreich.
Ich gewahre es an deinen fo feft, wie zu brünftigem
Gebet gefaltenen, zarten, lieben Händchen: dein ift das
Himmelreich.'!!

Halle aS. A. Wächtler.

Kapff, Oberhelfer Carl, Biblische Lebensbilder von Abraham

bis David. Bremen 1880, Müller. (XI, 232 S. 8.) M. 2. —

Es find im ganzen elf biblifche Lebensbilder aus
der Zeit von Abraham bis David, welche der Sohn des
j kürzlich verdorbenen württembergifchen Prälaten Kapff
mit Gefchick und Sorgfalt gezeichnet hat. Zuerft werden
die drei Patriarchen Abraham, Ifaak und Jakob (S. 1—55)
dargeftellt; es folgen dann Jofeph (S. 56—78), Mofe (S.
79—118), Jofua (S. 119 —139), die Richter (S. 140 — 158)
I und Ruth (S. 159 — 167), hierauf zum Schlufs Samuel,
Saul und David (S. 168 — 232). Licht und Schatten find
richtig vertheilt, die Farben gut gewählt, die Umriffe klar
und beftimmt gezogen, fo dafs nicht verfchwommene
I Nebelbilder, fondern Geftalten, die Kraft und Saft und
; Fleifch und Blut haben, uns begegnen. Auch darf nicht
unerwähnt bleiben, dafs gründliche Vorftudien nirgends
fehlen und dafs diefe, wie z. B. die auf S. 80 vorliegende
! Aeufserung über den Pentateuch zeigt, mitUnbcfangcnheit
gemacht find.

Das Büchlein ift dem Verf. aus dem Unterrichte in
der Bibelkunde (S. VII) erwachfen, die einzelnen Ab-
fchnitte find dann in den Jahren 1875 —1877 im ,Chriften-
boten' erfchienen. Demnach erlaubt fich der Verf. es
I einestheils den Geiftlichen und Lehrern für den Rcligions-
I Unterricht, anderfeits auch ,forfchenden Nichtthcologen
i zum Selbftftudium, vielleicht auch zur Bekämpfung
mancher Zweifel an der Wahrheit der Bibel' zu empfehlen.
Ref. fchliefst fich mit aufrichtigem Danke für manche
j durch die Leetüre der Lebensbilder empfangene Anregung
und Belehrung diefem Wunfche an.

Crefeld. F. R. Fay.

Schuhmacher, Hauptlehrer G., Gesammelte Gedanken zu
den Erzählungen des Neuen Testamentes. Ein Hülfs-
buch zum biblifchen Gefchichtsunterricht. Gütersloh
1880, Bertelsmann. (XII, 412 S. gr. 8.) M. 5. —

Dem Titel nach ift diefes Buch befonders für den
Gebrauch der Lehrer zur befferen Behandlung des. bibl.
! Gefchichtsunterrichts beftimmt, und doch glaubt Ref.,
j dafs dasfelbe verdient in diefer Zeitfchrift angezeigt zu
I werden, nicht allein, weil es der Kirche und deren Dienern
daran liegen mufs, dafs diefer Unterricht in dem
rechten Geift ertheilt wird, fondern auch weil hier faft
nur Theologen zum Worte kommen und weil wir auch
den Geiftlichen den Gebrauch diefer Schrift empfehlen
möchten. Diefelbe enthält nicht eine Anleitung zur
methodifchen Behandlung der biblifchen Gefchichte oder
eine zufammenhängende Erklärung derfelben, fondern
eine Sammlung kürzerer oder längerer Ausfprüche, geift-
reiche Sentenzen, fowie Auszüge aus Predigten u. dgl.
von berühmten Theologen, von Luther, Bengel,
Starke, Rieger, v. Gerlach, Mallet, Krummacher
, Beffer, Monod, Oofterzee, Steinmeyer,
Gerok u. f. w. Nach Nennung diefer Namen bedarf
es keiner weiteren Erörterung, in welchem Geifte das
Ganze abgefafst ift. Möchte nur diefer Geift feften un-
erfchütterlichen Bibelglaubens bei allen Lehrern lebendig
fein! Uebrigens ift der Herausgeber fern von con-
feffioneller Engherzigkeit wie feine Mittheilungen über
das h. Abendmahl bewerfen. Er bedauert, dafs gerade
über das Sacrament, welches zur Vereinigung der Gläubigen
in Chrifto beftimmt fei, fo heftige Streitigkeiten
entftanden feien. Charaktcriftifch ift folgendes Citat:
,Straufs hatte nicht Unrecht, als er in diefer Hinficht
unparteiifcher als mancher Dogmatiker fchrieb: »Den
Schreibern unferer Evangelien war das Brod im Abend-
j mahl der Leib Chrifti; aber hätte man fie gefragt, ob
' alfo das Brod verwandelt fei, fo würden fie es verneint;
! hätte man ihnen von einem Genufs des Leibes mit
I und unter der Geftalt des Brodes gefprochen, fo würden
fie dies nicht verftanden, hätte man gefchloffen, dafs