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Ausgabe:

1881 Nr. 13

Spalte:

314-316

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Josenhans, J.

Titel/Untertitel:

Missionsliederbuch. 2., neu bearb. u. verm. Aufl. der ‚Sammlung von Missionsliedern‘ 1881

Rezensent:

Lauxmann, Richard

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313 Theologifche Literaturzeitung. 1881. No. 13. 314

Vorwort S. VI die Bemerkung vorausgefchickt wird, dafs
durch dasfelbe des Verfaffers früheres Lehrbuch ,bei
Seite gefchoben' worden ift, hätte, um Nebengedanken
vorzubeugen, eine gewiffe Gereiztheit der Polemik hier
und da vermieden werden können.
Leipzig. Wold. Schmidt.

Meier, Superint. Confift.-R. D. Ernft Jul., Stunden der
Weihe für den Dienst an der Gemeinde. Ephoralanfpra-
chen. Leipzig 1881, Teubner. (106 S. gr. 8.) M. 1. 80.

Wahre Stunden der Weihe müffen es gewefen fein,
in denen diefe Ephoralanfprachen gehalten worden find,
und für den Dienft an der Gemeinde können fie nicht
ohne Segen bleiben. Ephoralreden find Predigten
für Paftoren. Halbjährlich etwa fammeln fich die Amtsträger
einer Diöces zur Hauptconferenz um ihren Epho-
rus. Der Eine kommt aus lieblich erblühendem Eami-
Henglück, der Andere gebeugt aus ftillem, einfam gewordenem
Pfarrhaus. Mancher weifs von Frucht der
Lippen und kirchlichem Leben zu melden, Andere feufzen
mit dem Propheten: ,Man predigt wohl viel, aber fie
hörens nicht'. Alle aber kommen mit herzlichem Verlangen
nach brüderlichem Austaufch, nach geiftlicher
Stärkung und Erquickung. Wenn's da dem Ephorus gegeben
ift, Worte zu reden, die in die Tiefe gehen, und
den Ton zu treffen, der die Seele erzittern läfst, dann
werden aus den Conferenzen Stunden der Weihe, die
auch Frucht bringen für den Dienft an der Gemeinde.

In folchen Stunden kann fichs nicht darum handeln,
Abfchnitte aus der Paftoraltheologie zu geben. Da will
fich Herz an Herz entzünden, da follen mit bifchöf-
lichcm Geift Impulfe gegeben und Ausfichten eröffnet
werden, welche laffe Hände ftärken und müde Seelen
erquicken können. Die Rede mufs auf der Höhe der
Zeit einhergehen und doch aus der Tiefe eines gotter-
fahrenen Herzens kommen, voll Geift und Leben fein
und doch nicht fchillern und blenden, wohlthuend brüderlich
erwärmen, aber voll Bufsernft mit dem Gerichte
bei dem Haufe Gottes anfangen, im Bewufstfein der
Laften und Aengfte eines Seelforgerherzens, aber auch
in Erfahrung des Segens und Friedens unferes köftlichen
Amts, nicht optimiftifch verhüllend und fchönfärbend,
doch auch nicht peffimiftifch klagend und zagend, fondern
fröhlich und feft des Glaubens gewifs: das Reich
mufs uns doch bleiben!

Dies alles fanden wir beim Lefen der Ephoralreden
von Dr. Meier. Vor 10 Jahren fchon ift ein erftes Heft
von ihm ausgegangen unter dem Titel: ,Fcftftunden brüderlicher
Gemeinfchaft'. Diefes zweite Bändchen ift
einem Amtsgenoffen, Dr. Franz in Dresden, zur Feier
feines 25 jährigen Ephoraljubiläums gewidmet. Es enthält
aufser 6 Reden an die Geiftlichen auch 3 Anfpra-
chen bei Diöcefanverfammlungen und eine Einführungsrede
. Es fei vergönnt, von den Ueberfchriften der An-
fprachen nur einige zu nennen. Da wird gefprochen über
Joh. 4, 35: ,Der Ausblick ins Erntefcld unter den Mühen
des Amtes»; Luc. 11, 24—26: ,Das Ringen des Amtes
um die Seele des Volkes im grofsen Kampfe des Weltreiches
und des Gottesreiches'; Eph. 5, 16: ,Das Ge-
heimnifs der Amtsfreudigkeit auch in böfer Zeit'; Sach.
1, 3: .Keine Reaction von Segen, als allein die Rcaction
von Innen'; Matth. 3, 3: ,Die Arbeit der Kirchenvor-
ftände — ein Johannesdienft vom HErrn' etc. Möchten
diefe Anfprachen den Weg in viele Pfarrhäufer und zu
vielen Paftorenherzen finden.

Eythra. E. Lehmann.

Josenhans, Miffionsinfp. J., Missionsliederbuch. Für die

Miffionsgemeinde und die Arbeiter auf dem Miffions-
felde gefammelt und hrsg. 2., neu bearb. u. verm.
Aufl. der .Sammlung von Miffionsliedern'. Bafel 1879,
Miffionsbuchh. (XII, 346 S. 8.) M. 2. —; geb. M.
2. 80; m. Goldfehn. M. 3. 20.

Während im Allgemeinen che Hymnologie ihr goldenes
Zeitalter am wenigften im 19. Jahrhundert fucht,
und alle Hochfehätzung der Lieder eines Albert Knapp,
Spitta und Anderer, wie fie z. B. Otto Kraus zu einem
lebensvollen Buch vereinigt hat, uns nicht zu einer rück-
haltslofen Anerkennung der Befähigung der Gegenwart
fürs eigentliche Kirchenlied zu bringen vermag, eröffnet
fich in dem vorliegenden Buch ein Blatt geiftlicher Liederdichtung
, wie fie gerade nur unferem auch fonft fchon
als Miffionszeitalter benannten Jahrhundert eignet; und
wir ftaunen über den poetifchen Reichthum, mit welchem
die Miffionsgemeinde unferer Tage gefegnet ift. Die
Anregung zu diefer Sammlung geht von dem nun in
Stuttgart von feiner Arbeit ausruhenden Basler Miffions-
infpector Jofenhans aus, der 1869 zum erftenmal durch
feine Gehilfen und Freunde folche Lieder zufammentrug
und herausgab, welche Miffionsvorftehern und Miffions-
freunden lieb und werth geworden find; dann aber zehn
Jahre fpätcr feinen Schwiegerfohn Gutbrod, jetzt Pfarrer
in Kohlberg bei Nürtingen, beauftragte, die neue Auflage
vorzubereiten. Es ift ein wefentliches Verdienft des
jetzigen Herausgebers, dafs er diefe 470 Miffionslieder
aus der roh-alphabetifchen Anordnung herausgenommen
und in eine fachliche gebracht hat. Die darauf verwendete
Mühe belohnt fich reichlich nicht nur durch die
Erleichterung für die Benützung des Buches, fondern
auch durch den hiemit erzielten Fundruck von der Mannigfaltigkeit
und Reichhaltigkeit der Miffionsgefänge. Es
find 7 Netze, in welche er feine Lieder gefchlungen: die
Noth der Heiden, die Grundlagen des Heils für die Heiden
, das Miffionswerk und feine Träger, die Miffions-
verheifsung, der Miffionsfieg, Ifmael, Ifrael. So fehr wir
nun mit diefer Eintheilung im allgemeinen cinverftanden
fein können, ift uns doch kein Zweifel darüber, dafs in
den Unterabtheilungen des Guten im Disponiren für ein
Liederbuch zu viel gefchehen ift. Weniger in der Eintheilung
wäre mehr in der Volkstümlichkeit.

Für den Inhalt und Werth der dargebotenen Ge-
fänge ift der Name von D. Barth in Calw charakteriftifch.
Es giebt wohl auf der ganzen Welt, jedenfalls im deut-
fchen Vatcrlande, keinen fo fruchtbaren Sänger von Miffionsliedern
, wie diefen genialen Herzog der Miffions-
leute, der feiner Zeit vom ftillen Schwarzwaldftädtchen
aus fo vielen Sendboten in Oft und Weft, in Süd und
Nord der erfahrenfte Rath und Troft gewefen ift. Es
mufs in feiner Blüthezeit kein Jahr vergangen fein, wo
er nicht fürs Basler Feft feinen Köcher mit neuen Miffionsliedern
gefpickt hätte. Auch mangelte es ihm weder
an den gründlichften Kenntnifsen des Objects feiner
Poefie, noch an der Formgewandtheit, um in immer
neuen Tönen den König aller Heiden zu preifen. Com-
mandirte er auch zuweilen die Poefie, fo ftand er doch
mit voller Begeifterung in der Miffion; nie blieb er bei
den Allgemeinheiten des Miffionswefens flehen, fondern
führte immer tief ins Miffionsleben hinein. Daher die
frifche farbige Diction, welche auch die vorliegende
Sammlung durchdringt, bei welcher er der erfte Lieferant
gewefen ift. Dennoch ift Barth zu fehr Reflexionsmenfch
und feine Dichtung zu fehr Tendenzpoefie, als dafs er
j die reine feelenvolle Lyrik überall hätte zum Ausdruck
bringen können. Pulfirt nun fo auch in diefer Sammlung
hie und da mehr eine falomonifch-didaktifche, als eine
davidifch-hymnifche Ader, fo können wir doch hoffen,
dafs bei neuen Auflagen noch einfachere Lieder an die
Stelle von allzukünftlichen treten. Hie und da fühlt