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Ausgabe:

1881

Spalte:

297-300

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Musée Guimet. Catalogue des objects exposés précédé d‘un apercu des religions de l‘Inde, de la Chine et du Japon 1881

Rezensent:

Baudissin, Wolf Wilhelm

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Theologische Literaturzeitung.

Herauso-eo-eben von D. Ad. Hamack und D. E. Schürer, Proff. zu Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

Typ. 12. 18. Juni 1881. 6. Jahrgang.

Musee Guimct, Catalogue des objets exposes
(Baudiffin)

Annales du Musee Guimet, Tome premier
(Baudiffin).

Weifs, David und feine Zeit (Giefebrecht).
Reville, De anno dieque quibus l'olycarpus
Smyrnae martyrium tulit (Lipfius)

Hertel, Die ,Hifloria' des Möllenvoigtes Seb. „ _ . /T . .

Langhans betreffend d. Einführung d Reform, j Meier- Stunt,en der Welhe (Lehmann).

in Magdeburg (Kawerau). | Jofenhans, Miffionsliederbuch (Lauxmann).

Ka^-t"r'h,?aS WefeD <1Cr ChriftUchen Relig!°n i Thilo, Kurze pragmatifche Gefchichte der
Kriuffold, Katechetik f. Schule u. Kirche (W. 2" Au^e- 2' Theil (Gott"

Schmidt). 'CniCk;-

1 Musee Guimet Catalogue des objets exposes precede ! gen finden, fo giebt es doch fchwerlich eine andere von
' d'un apercu des religions de l'Inde, de la Chine et : dem gleichen Umfang. Uebrigens ift auch hier die er-
F v T 00 t • * ■ ' ' ftrebte Vollftandigkeit bis jetzt ein frommer Wunfeh;

du Japon. Lyon 1880, Impnmene Pttrat aine. (6, | namt.ntlich die a*tiken Religionen find einftwcilen nur

112 S. gr. 8. mit 3 Tafeln.) I fekr fpärlich vertreten. Je mehr diefem Mangel nach-

2. Annales du Musee Guimet. Tome premier. Paris 1880, ' geholfen wird, defto mehr wäre wunfehenswerth dafs

T ozr c t r Ui Gegenftande, welche in diefe Sammlung gar nicht hinein-

Leroux. (386 S. 4. mit 9 latein.j gehören, ausgefchieden würden. Der Katalog weift orien-

Von dem Muses Guimct ift aufser den beiden vor
ftehend genannten Publicationen ferner ausgegangen die

talifchen Hausrath auf, Porzellangefäfse u. dgl., wo Beziehungen
zur Religion nicht erfindlich find. S. 75 lieft

Revue de t'/tistoire des religions (ebenfalls als Annalcs du j man die in dem Katalog eines religionsgefchichtlichen
Musee Guimet bezeichnet), deren erftes Heft der Unter- , Mufeums befremdliche Bemerkung: ,Alle diefe Gegenzeichnete
in diefer Zeitfchrift 1880, C. 401 ff. befprochen 1 ftände . . . find japanifches Fabrikat. Sie haben kei-
hat. Die Revue ift feitdem regelmäfsig erfchienen. Das | nerlei religiöfe Bedeutung und find lediglich decora-
Mufeum, welchem wir diefe verfchiedenen Schriften ver- ; tiv'. Aehnlich S. 84 ff., 96 ff. Wenn dies Mufeum wirkdanken
, ift eine fo cigenthümliche Einrichtung und, wenn ijch erreichen will, was es erftrebt, die Religionen des

ich nicht irre, in Deutfchland noch fo wenig bekannt,
ilafs es nicht unnütz fein wird, feine Anlage an der Hand
des Catalogue in Kürze zu befchreiben.

I. Der im Catalogue abgebildete ftattliche Bau des
i. J. 1878 vor dem Orientaliften-Congrefs zu Lyon eingeweihten
Mufeums ift religionsgefchichtlichen Sammlungen
und Studien gewidmet. Götterbilder, Cultusge-
räthe, heilige Schriften, zumeift des örtlichen Afiens, find
hier zufammengertellt. Grundrtqck der Sammlung bilden
die Gegenftände, welche Herr Emile Guimet mitbrachte
von einer im Auftrage des Unterrichtsminifteriums unter

Oftens und die des Alterthums zu illurtriren durch Vorführung
ihrer Cultusobjecte, fo ift durchaus nothwendig,
dafs Alles ausgefchieden wird, was nicht in ganz directer
Beziehung zum Cultus fleht. Das gefammte Leben des
Altcrthums war von dem Cultus dermafsen beeinflufst,
dafs wenige feiner Ueberrerte ohne irgendwelchen Zu-
fammenhang mit demfelben find, fo dafs ohne ftrenge
Befchränkung ein religionsgefchichtliches Mufeum zu
einem Univerfalmufeum werden könnte und dann wieder
feinen befonderen Zweck verfehlen würde. Weiter follte,
wo es immer möglich ift, im Katalog angegeben werden,

nommenen Reife zur Erforfchung der Religionen Indiens, aus welchem Ort und welcher Zeit die einzelnen Gegen-

China's und Japans. Das ganze Inftitut umfafst: I. eine
Bibliothek, 2. die religionsgefchichtlichen Sammlungen,
in welche aufser den oftaliatifchen Gegenftänden auch
,alle Götter Aegyptens, Griechenlands und des römifchen
Reiches' Aufnahme finden follen, 3. eine Schule, ,in welcher
die Orientalen Franzöfifch lernen und die FYanzofen
die lebenden Sprachen des äufserften Orients ftudiren
können'.

Der Charakter diefes Inftituts ift demnach ein ge-
mifchter, indem es theils religionsgefchichtlichen Zwecken
dient, theils ohne Rückficht auf folche dem Verkehre zwi-
fchen Europa, refp. Frankreich, und den Ländern des
äufserften Oftens. S. Ii der Annales fpricht fich der
Begründer dem Minifterium gegenüber in Betreff jener
Schule dahin aus: ,Ich habe allen Grund, zu vermuthen,
dafs diefe Einrichtung, gleich nützlich den Handelsinter-
effen wie der Philofophie und der Philologie, befucht
werden wird von den zahlreichen jungen Leuten in Lyon,

ftände flammen, was in dem vorliegenden Kataloge nur
fehr vereinzelt gefchehen ift.

Die dem Kataloge vorausgefchickten religionsgefchichtlichen
Bemerkungen von de Milloue find überaus kurz: Indien
, Vedismus S. 4 ff., Brahmanismus S. 8 ff., Buddhismus S.
12 ff, China, Ahnencult S. 19 f., Taoismus S. 21, Buddhismus
S. 22 f., Japan, Schintoismus S. 24, Buddhismus S. 25 f.
— Einzelne Bemerkungen wären zu rectificiren: S. 14
über Nirvana giebt etwa die moderne Vorftellun", follte
aber in aller Kürze auch die ältere andeuten. Ganz un-
ftatthaft ift S. 54 die Vcrgleichung der Mutter Buddha's,
Maya, mit Maja, der Mutter Mercur's, und gar mit Maria,
der Mutter Jefu; faft noch unglaublicher, obgleich fchon
dagewefen, die Zufammenftellung des Feuergottes Agni
= ignis mit dem chriftlichen Symbol agnus ,Lamm' S. 64.

2. Was Ref. früher an der Revue auszufetzen hatte
und im Obigen auch hinfichtlich des Mufeums ausfetzen
mufste, hat er nicht minder gegen die Anna/es einzu-

welche fich dem auswärtigen Handel widmen oder < wenden, eine gewiffe Unklarheit der Anlage, welche

welchen bei der Ivntfernung der Hauptftadt (bisher) die
Mittel fehlten, das Sprachenftudium zu ergreifen'. Als
religionsgefchichtliches Mufeum möchte diefe Anftalt

leicht verfchulden könnte, dafs diefer Complex von Unternehmungen
, obgleich grofs angelegt mit einer Liberalität
, welche anderen Nationen als Mufter dienen könnte

kaum ihres Gleichen haben. Wenn fich auch, z. B. im I doch den Nutzen nicht erreichte, welchen er bei mehr
Bafeler Miffionshaufc, Anfätze zu dergleichen Sammlun- I durchdachter Anlage und fefter gezogener Begrenzung
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