Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1881

Spalte:

249-250

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bastian, Adolf

Titel/Untertitel:

Die heilige Sage der Polynesier. Kosmogonie und Theogonie 1881

Rezensent:

Baudissin, Wolf Wilhelm

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Hamack und D. E. Schürer, Proff. zu Giefsen.
alleiA Tage. Leipzig. J. C. HLnrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°: 11.

21. Mai 1881.

6. Jahrgang.

B a fti a n, Die heilige Sage der Polynefier(Baudiffin).
Smith, The Old Testament in the Jewish Church

(Wellhaufen).
Spiefs, Der Tempel zu Jerufalem (Schürer).
Vogel, Die Wunder Jefu alsGleichnifse (Weiffen-

bach).

Biefenthal, Das Troftfchreiben des Ap. Paulus
an die Hebräer (Schmiedel).

Lipfius, Die Edeffenifche Abgar-Sage (Bon-
wetfch).

Juliani imp. librorum contra Christianos quae
supersunt ed. Neu mann (Overbeck).

Julians Bücher gegen die Chriften, überf. v.

Neu mann (Overbeck).
A Dictionary of Christian Biography, Littera-

ture, Sects and Doctrines, edit. by. W. Smith
and H. Wace. Vol. L II. (A. Hamack).
Roth, Augsburgs Reformationsgefchichte (Ka-
werau).

Mendelsfohn's, Mofes, Schriften, hrsg. von

M. Brafch (Gottfchick).
Harnifch, Das Leiden beurtheilt v. theiflifchen

Standpunkt (Gottfchick).

Bastian, Adf., Die heilige Sage der Polynesier. Kosmo-
gonie und Theogonie. Leipzig 1881, Brockhaus.
(XIII, 304 S. gr. 8.) M. 6. —

Der bekannte Ethnologe erzählt nach einer fehr
allgemein gehaltenen Einleitung die heiligen Sagen Neu-

Maori S. 29—35 in deutfchem, S. 36—43 in englifchem
Texte gegeben wird. Unklar ift die Bemerkung S. 131:
,Göttergefchichten (auf Hawaii), die fich noch hier und
da im Munde des Volks finden, obfchon mehr und
mehr durch hebräifch gefärbte Erzählungen verdrängt';
es ift dabei natürlich an chriftlichen Einflufs gedacht.

feelands S." 17 ff. und Hawaii's S. 63 ff. Den Abfchlufs j Charakteriftifch für die Verfchwommenheit des modernen
bilden einige Bemerkungen zur Ethnologie S. 217 ff. und j Fetifchbegriffs ift S. 134: ,Der Fetifch ift [im Gegenfatz
ausführliche Anmerkungen S. 223—302. Wir find dem zum Himmelsgott] immer überall und immernahe [sie], dicht
Verf. zu dauerndem Danke verpflichtet, dafs er die im bei und alert, auf dem Qui vive, nthere i no mistake about
Erfterben begriffene einheimifche Tradition jener Länder htm*'. Es folljaaber dochgerade dieEigenthümlichkeit des
gebammelt hat, ein gewifs mühfames Unternehmen. Die j Fetifchismus fein, dafs die Gottheit an einen beftimmten
vorliegende Veröffentlichung aber würde ungleich werth- j finnlichen Gegenftand gebunden gedacht wird. Gern
voller fein, wenn fie etwa auf die Hälfte oder einen noch 1 hätte Ref. eine Erklärung darüber, wie es mit dem Prie-

geringeren Umfang reducirt wäre, wenn nämlich der : fternamen Kahuna auf Hawaii (S. 174) beftellt ift, wobei
Verf. alle Vergleichungen der von ihm erzählten Sagen
mit denen anderer Völker geftrichen hätte; denn in der
Art, wie diefe Verglcichung hier angeheilt wird, hat fie

gar keinen Werth und richtet nur Verwirrung an. Der
Verf. legt eine erftaunliche Belefenheit auf religionsge-
fchichtlichem Gebiet an den Tag, daneben aber keine
Kritik und wenig Genauigkeit. Er vergleicht ohne Un-
terfchied was in irgend einem vielleicht nur nebenfächlichen
Punkt eine Analogie bietet. Ich will nicht einmal

der Semitift an arab. kähin, liebr. höhen erinnert wird.
Strafsburg i. E. Wolf Baudiffin.

Smith, W. Robertson, The Old Testament in the Jewish
Church. Edinburgh i88i,A.&C. Black. (XII,446S. gr. 8.)

Prof. Robertfon Smith hat, der Aufforderung vieler
angefehener Mitglieder der Schottifchen Freikirche folgend
, die Mufse feiner Suspenfion vom Lehramte benutzt,

tadeln, dafs dabei die Mythen des ganzen Erdballs bunt um zu Glasgow und Edinburg vor einem äufserft zahl-

durcheinander geworfen werden ohne Rückficht darauf,
ob einhiftorifcherZufammenhang der verglichenen Erzählungen
oder Anfchauungen befteht; denn bei richtiger
Behandlung hat auch das einen Werth, nachzuweifen,

reichen Publicum einige Vorlefungen zur Einführung in
die Kritik des A. T. zu halten. Daraus ift (unter Hinzufügung
einiger references) dies Buch erwachfen. Man
wird alfo nicht gerade viele Neuigkeiten darin erwarten,

wie ohne folchen Zufammenhang analoge Vorftellungen j obwohl es nicht an originellen Beobachtungen (z. B. über
und Sagen bei verfchiedenen Völkern entftanden find, j die fociale Gefetzgebung oder über Pf. 51) fehlt. Aber
Es mufs aber die Analogie den Kern der Sache be- meifterhaft ift der Gang der Entwicklung und die Art
rühren; fonft ift fie werthlos. Was foll man fagen, wenn j des Vortrages; Smith mufs ein ausgezeichneter Lehrer
S. 269 die phönieifche Tanit nicht nur mit etruskifchem j fein und man kann die Begeifterung feiner Studenten für
frava, fondern auch mit einem auf Tahiti .langgefchweift
und funkenfprühend durch die Luft fliegenden' Wefen
Tane zufammengeftellt wird! Zudem find die aus anderen
Gebieten beigebrachten Belege mit grofser Vorficht
aufzunehmen, da der Verf. zumeift aus fecundären
Quellen, lauteren und unlauteren, fchöpft (fo nimmt er
S. 45 die Conjectur Kolpiach ftatt Kolpia als Textlesart
auf) und diefe nicht einmal genau angiebt, fondern nur
den Namen des oft fehr obfeuren Schriftftellers beifügt,
fo dafs die Controle unmöglich oder doch fehr erfchwert
wird. So lefen wir z. B. S. 223 f. ohne weitere Hinzufügungen
die Citate: Renan, f. Mezger, f. Lepfius, f. Roberts
, nach Diodor, f. Döllinger, nach Plato. Der Verf.
hat es diefem Verfahren zuzufchreiben, wenn feine Lefer
auch die Behandlung feines eigentlichen Gegenftandes

ihn begreifen. Er fetzt an demfelben Punkte an, bei
dem die CriUca sacra hiftorifch (mit Cappellus Morinus
und Simon) begonnen hat, an den Ueberfetzungen; er
zeigt, wie die Textkritik von felbcr zur höheren Kritik
führt, und begründet dann feine Meinung über die Er-
gebnifse der letzteren, wobei er ftets beftrebt ift, eine
Gefammtanfchauung zu geben. Sein Standpunkt ift
einerfeits durch feinen Lehrer Lagarde beftimmt, an-
dererfeits durch Graf. Dafs er den Prieftercodex für
nachezechielifch hält, werden ihm manche verübeln, die
fonft mit ihm zu fympathifiren geneigt wären. Wenn
man es nur einfehen könnte, warum die biblifche Kritik
der feit Schleiermacher's Tode herrfchenden Theologie zwar
in Bezug auf das Buch Daniel dem Heiden Porphyrius
Recht giebt, aber die Authentie des mofaifchen Gefetzes
mit einem gewiffen Mifstrauen aufnehmen follten. Die | als Noli me tätigere betrachtet! Ohne Zweifel erklärt fich
Durcharbeitung des Buches läfst überhaupt manches zu diefe Inconfequenz als Reft einer im Princip aufgegebe-
wünfehen übrig. Ueberflüffig ift, dafs eine Erzählung der ! nen Betrachtungsweife, wonach die Offenbarung der Ge-
249 250