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Ausgabe:

1881

Spalte:

196-197

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Schreib- und Hülfskalender für Geistliche auf das jahr 1881 1881

Rezensent:

Strack, Carl

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Theologifche Literaturzeitung. 1881. Nr. 8.

196

diefem Wege die Freude an der Wiffenfchaft und fchliefs- j wandeln könne, als vielmehr auch in Beziehung auf diefe

lieh auch am Berufe Gefahr läuft verloren zu gehen. ! Fragen und Kämpfe dem Jünger der Wahrheit zurufen:

Was der Verf. in diefer Richtung ausführt, ift wahr und j ,nur frifch hinein, es wird fo tief nicht fein'. ■— Was der

treffend. Aber das Heilmittel, das er bietet, könnte leicht j Verf. fchliefslich über den Mangel an praktifcher Vor-

noch fchlimmer fein als das Uebel. Wer an die Kritik | bereitung für das Amt fagt, ift an fich berechtigt, trifft

der Bibel mit der perfönlichen Erfahrung der Kraft und J jedoch lange nicht in diefer Allgemeinheit zu. Das Wit-

Wahrheit ihres religiöfen Geiftes herantrete, fagt er (S. ; tenberger Predigerfeminar zum wenigften wird ihm nicht

81), der könne dies nur ,mit dem brennenden Verlangen, I unbekannt fein. Was in den bezüglichen Ausführungen

auch die äufseren Zeugnifse für diefclbe fo zu finden, richtig ift, hat fchon vor länger als 40 Jahren R. Rothe

in feiner Denkfchrift bei Errichtung des Predigerfeminars
in Heidelberg (1838) gefagt.

Friedberg. K. Koehler.

wie das innere Erfahren von ihrer Kraft fchon bezeugt',
mit andern Worten mit dem feften Vorfatz, die herkömmlichen
Angaben über Alter und Herkunft der biblifchen
Bücher, die Infpiration der Verfaffer u. f. w. als richtig be-
wiefen zu fehen, es kofte, was es wolle. Das heifst nichts
anderes, als dem Theologen im Namen der Frömmig- Denzler, Pfr. J. R., Festgrüsse an die christliche Gemeinde,
keit das Opfer des Wahrheitsfinnes zumuthen: die Art j p;jne ßlumenlefe aus der religiöfen Literatur der Ge-
von Apologetik die aus jenem brennenden Verlangen' j art nach den Zeiten des Kirchenjahres geordnet,

geboren wird, hat fich durch ihre Leiitungen bereits felbit % . ' . TTT ' ns b

gerichtet. U. E. wird eine wahrhaft felbftgewiffe Fröm- ! Zunch l88o> Hohr m Comm- (VT, 392 S. 8.) M. 4. -
migkeit an die wiffenfehaftliche Erforfchung der Bibel Aus einer Anzahl von Predigten, Reden, Vorträgen

mit keinem anderen Intereffe herantreten als mit dem, zu j und einigen mehr populär gehaltenen theologifchen Wer-
erfahren, auf welchem Wege diefe Schriften thatfächlich j ken hat der Herausgeber diefes Buches folchc Stellen,

zu Stande gekommen find, von vorn herein bereit, Alles,
was immer eine gewiffenhafte PTrfchung als den wirklichen
Thatbeftand herausftcllen mag, zu aeeeptiren, und
ficher, dafs der religiöfe Werth der heiligen Schrift dadurch
weder gemehrt, noch gemindert werden kann. —
Die Dogmatik läfst der Verf. als Wiffenfchaft nur gelten
, fo weit fie hiftorifche Wiffenfchaft, d. h. hiftorifche
Darflcllung des Kirchenglaubens ift: die Wahrheit ihres
Inhaltes könne auf wiffenfehaftlichem Wege überhaupt
nicht erkannt werden, fondern nur auf dem moralifchen
der inneren Erfahrung. Doch will er darum auf eine
wiffenfehaftliche Vermittelung nicht verzichten: fie foll

die ihm befonders treffend erfchienen, herausgefchnitter.
und diefe nach Form und Inhalt fehr verfchiedenartigen
Ausfchnitte ohne genauere Angabe der Quelle nach dem
Gang des Kirchenjahres geordnet. Die Abficht, dadurch
unfere gegenwärtige religiöfe Literatur den weiten Krei-
fen der gebildeten Welt zugänglicher zu machen, ift gc-
wifs lobenswerth; dafs diefelbe aber auf diefem Wege
erreicht werde, mufs Ref. bezweifeln. ,Eine Blumenlcfc'
nennt der Herausgeber fein Buch; der Ausdruck .Herbarium
' wäre zwar weniger poetifch, aber mehr der Sache
entfprechend. Die meinen der hier gefammeltcn Blüthen
haben durch die Entfernung von ihrem urfprünglichen

(S. 92 ff.) darin beftehen, dafs wiffenfehaftlich die Unzu- I Standort Duft und Farbe verloren. Man könnte darüber

länglichkeit jedes andern Weges als des bezeichneten,
zur Gewifsheit über die überfinnlichen Dinge zu gelangen
, dargethan wird. So foll der Baugrund abgegrenzt
werden, auf dem fich, unberührt durch das Für und Wider
des verftandesmäfsigen Denkens, das Gebäude der
Glaubensgewifsheit erheben kann. Diefe Gewifsheit aber,
wenn fie einmal gewonnen ift, .erftreckt fich nicht nur
auf das einzelne Erfahrungsmomoment, fondern auf den
ganzen Umfang der mir objectiv gewordenen Realität', —
die Meinung ift erfichtlich: auf den ganzen Umfang des
traditionellen kirchlichen Lehrfyftems. Mit einem kühnen

eher hinwegfehen, wenn wenigftens die Sammlung einen
einigermafsen vollftändigcn Ueberblick über die in der
gegenwärtigen religiöfen Literatur vertretenen Hauptrichtungen
gäbe. Allein das ift offenbar nicht die Abficht
des Verf.'s gewefen; fonft könnten nicht Gröfsen
erften Ranges in unferer heutigen Erbauungsliteratur wie
Gerok, Kögel, Brückner, Ahlfeld, Steinmeyer, Müllensiefen
und viele andere völlig ignorirt fein, während doch
manche dii minorum gentium fich ziemlich breit machen.
Dafs diejenigen, welche eine Vorliebe dafür haben, in
Excerpten zu blättern, hier manchem treffenden und

Sprunge find wir plötzlich von dem Boden des religiöfen fruchtbaren Gedanken begegnen werden, foll damit nicht

geleugnet werden.

Nuffe. H. Lindenberg.

Erfahrens auf den des verftandesmäfsigen Denkens hinüber
gelangt: um was es fich nun handelt, das ift wieder nichts
anderes als ein auf dem Wege der Reflexion feiner Zeit ge-
fehaffenes Begriffsfyftem. Für die fehllofe Richtigkeit eines
folchendie religiöfe Erfahrung anzurufen, geht nicht ohne Schreib- und Hülfskalender für Geistliche auf das Jahr 1881.
arge Verfchiebung der Begriff e. Was vom Verf. unter dem 8. Jahrg. Unter Mitwirkung des Pfr. Schöner hrsg.
Namen der .Beugung des Subjectes unter den Gehör- von Pfr. R. Schneider. 2 Tie. Bielefeld, Vclha-
fam der Wahrheit', des .neuen Organs für die höhere & K]anng- ,22* u. vill, 235 S. 16.) geb. u. geh.

Sphäre' gefordert wird, unterfcheidet fich kaum von der fr*
katholifchen fides implicita. Es ift zu beforgen, dafs ein ! *'

Theil unferer jungen Theologen den Rathfchlägen des , Ein reichhaltiges Büchlein, dem praktifchen Geift

Verf.'s nur zu bereitwillig Gehör fchenken wird, zumal
fich derfelbe von der häfslichen Weife, abweichenden
Anfchauungen perfönliche Motive fchlimmer Art unter-
fchieben (S. 82), nicht frei hält. Die Hoffnung freilich,
auf diefem Wege zu der inneren Fettigkeit und Freudigkeit
zu gelangen, welche nur eine innerlich einheitliche
Ueberzeugung gewähren kann, wird fchwerlich in Erfüllung
gehen. Es kann eben dem Theologen in diefer
Zeit nicht erfpart bleiben, fich auch mit der Kritik, der
hiftorifchen wie der philofophifchen, auseinander zu fetzen.
Gerade vom Standpunkte felbftgewiffer Frömmigkeit aus
follte man viel weniger befliffen fein, die Probleme bibli

liehen wohl zu empfehlen, wie fchon der Umftand, dafs
dasfelbe zum achten Male erfcheint, beweift. Der erftc
Theil enthält zunächft ein Kalendarium mit vielen inter-
effanten Notizen ; fodann folgen ein Notizbuch für alle
Tage des Jahres und allerlei Formulare zu Notizen für
Geiftliche. Hierauf findet fich noch ein Anhang: Poft-
und Depefchentarif, das neue Münzfyftem u. f. w.

In dem zweiten Theil findet fich ein kirchlicher Feft-
kalender, worin befonders die Gefchichte des Ofterfeftcs
behandelt wird. Dann folgen reiche Mittheilungen aus
der Gefetzgebung der deutfehen Einzelftaaten, welche
meiftens von Intereffe find. Wir führen beifpielsweife

fcher Kritik als bedeutungslos bei Seite zu fchieben (S. an: das preufsifche Kirchengefetz, betr. das Ruhe-,
63) oder Wege nachzuweifen, welche man unbehelligt j gehalt der emeritirttn Geiftlichen; Kirchengefetz, betr.
durch das .Gebell der fogenannten Wiffenfchaft' (S. 92) ; die Verletzung kirchlicher Pflichten in Bezug auf Taufe,