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Ausgabe:

1881

Spalte:

188

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Frantz, Adolph

Titel/Untertitel:

Das katholische Directorium des Corpus Evangelicorum 1881

Rezensent:

Köhler, Karl

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung. 1881. No. 8.

188

ciden ift nie kanonifch gewefen, vgl. meine Bemerkungen | s. 127 Anm. 1. iiicüs; s. 136, 8 1. den . . Ort; s. 145,
in Herzog-Plitt VII, 430. 431. ■— Daf., auch die neue ; 23 1. mufste; s. 152, 15 l n. Chr.; s. 163 Anm. 2. 1.

Ausgabe der Tofsefta hat ohne Angabe einer Variante
den Plural Sifre. — S. 73, auch im jeruf. Talmud heifst
,es wenigftens einmal , Bücher des Ben Sira' ftatt ,Buch

d. B. S.), nämlich Berachoth nb (Z. 16 v. u. ed. Krakau Frantz, Privatdoc. Dr. Adph., Das katholische Directorium

Viriau; S. 165, 4 1. entnehme.

Berlin. Hermann L. Strack.

,-id-03). — S. 114, ,die Eigenfchaften Gottes . . treten
häufig wie felbfländige Wefenheiten, Hypoftafen, auf.
Falfch: die Middoth find Verfahrungsweifen und die
bildliche Wendung in einzelnen Gebetformeln berechtigt
nicht, an Hypoftafen zu denken. — S. 117, Anm. 1, die
für des Verf.'s Darfteilung wichtigen Worte rrlpu 71721
bis D"ip-I~lt flehen nicht im Talmud, auch nicht im

des Corpus Evangelicorum. Nach handfchriftlichen
Quellen dargeftellt. Marburg 1880, Elwert. (VIII,
180 S. gr. 8.) M. 4. —

Durch die aus rein weltlichen Beweggründen hervorgegangene
Converfion des Kurfürften Friedrich Au-
guft von Sachfen (1697), welcher 1712 auch die des Kur-

Münchener Codex, fondern nur im 'En Jakob (z. B. ed. • prinzen folgte, trat der fonderbare Zuftand ein, dafs
Amfterd. 1740, I, 163a ob.). In der 2. Anm. lieft der das Directorium des Corpus Evangelicorum auf dem Re-
Aruch anders, f. Levy, nh. Wb. I, 395a. — S. 121, be- , gensburger Reichstag in den Händen eines katholifchen
treffs der vielbuchftabigen Namen Gottes hätte der Verf. j Fürften lag. In die Gefchichte der daraus erwachfenen
Bacher's Agada der babyl. Amoräer S. 17 ff. nach- 1 langjährigen diplomatifchen Kämpfe giebt die vorliegende
fehen müffen. Wie fichRabbenu Tham den zweiundvierzig- l Schrift zum erftenmale vollen Einblick. Zu Grunde liegt
buchftabigenNamen Gottes v>-inNbiDpiOD73i n->iöN13?3N3:r>n j ein reiches, von dem Verf. neu aufgefchloffenes Urkun-
gedacht habe, wird fich kaum noch ausmachen laffen. | denmaterial, befonders in den Archiven zu Berlin, ,Dres-
Die erften Worte der Genefis bis nomn einfchliefslich den, Wien, Gotha und Marburg. Das Bild, welches man

haben 42 Buchftaben; vielleicht aber ift cppior;72i zu lefen
und dann ergeben fich mehrere Möglichkeiten, deren
Erwähnung hier zu weit führen würde. — S. 127, die Anficht
, bei der Gefetzgebung auf dem Sinai hätten Engel
mitgewirkt, ift nicht ,in chriftlichen Kreifen' aufgekommen.
Das ergiebt fich fchon aus genauer Erwägung und Ver-
Qeichung der neuteftamentlichen Stellen Apoftg. 7, 53,
Gal. 3, 19, Hebr. 2, 2; aufserdem vgl. Deuteron. Rabba
Sect. 2, P'fsiqta {ed. Buber) Bl. 107C 124b, Targum zu
Deut. 33, 2 und Hohl. 2, 3 und Wiefeler zu Gal. —
S. 135, Anm. 1 fehlen an dem Talmudcitat die drei für
den Text wichtigften Worte rpwbnj rob ■p3öiT7J ; übrigens
nimmt der Talmud in den dann unmittelbar folgenden,
vom Verf. gleichfalls nicht mehr angeführten Worten
heben Klaffen von Gerechten an. S. 155, 15. 16 ift nicht
zu überfetzen ,als habe er fich nämlich feinen Gefchöpfen
entzogen' fondern ,die über Gott Dinge fagen, die er von
feinen Gefchöpfen entfernt [d. i. ihnen verborgen] hat'
(-prvp-072 pTU'Tna). — S. 159 Anm. 2, die Ueberfetzung
des 7; "37:7; Megilla IV, 9 ,wer die verbotenen Ehen alle-
gorifirt' ift keineswegs zweifellos; Levy nh. Wb. II, 350:
,wer . . umfchreibt (anders lieft) . ., d. h. wenn er . .
die Inceftverbote (Lev. 18, 7 fg.) in der 3. anftatt in der
2. Perfon lieft', vgl. auch den Gebrauch des 7133 in den
Dikduke ha-Pamirn (Lpz. 1879) $ 57. — S. 160 Ende,
eine viel deutlichere Spur der Syzygienlehre findet fich
Deuteron. Rabba Sect. 2: ,Der Heilige fagte zu Israel:
Meine Söhne! Alles, was ich erfchaffen habe, habe ich
als Paare (rmi) erfchaffen. Himmel und Erde find ein
Paar, Sonne und Mond find ein Paar, Adam und Eva
find ein Paar, diefe Welt und die zukünftige Welt find
ein Paar, aber meine Herrlichkeit [= ich] ift eine und
einzig in der Welt'.

In ftiliftifcher Beziehung kann die Arbeit als wohl
befriedigend bezeichnet werden. Leider aber hat der
Verf. das Verftändnifs feiner Darlegungen durch eine
mangelhafte Dispofition erfchwert; namentlich im Haupt-
theile wird der Lefer wiederholt durch Einfchaltungen
(z. B. S. 7—9) und unüberfichtliche Anordnung des Stoffes
geftört.

Druckfehler find nicht ganz feiten. Wir corrigiren
hier folgende, den Fehler felbft nur einige Male und
zwar in Klammern angebend: a) Citate, S. 24 Anm. 1
2 ,Hal. 1' (fol. 55b Z. 13 ff); S. 35 Anm. 2 1. Bl. 28b [ft.
29b]; S. 43 Anm. 1. Bl. 7l_c; S. 64 Anm. 3 1. Sabbath
u5a; S. 117 Anm. 1 1. i2b; b) Namen, S. 3 Anm. 1.
Sefer [ft. Sifre]; S. 8 Nöldeke; S. 10 u. f. Sota; S. 13.
34 Lightfoot; S. 33, 8 Rosch; S. 45, 6 R. Jochanan ben
Saccai; S. 61 Jofephus; S. 105. 127 Origenes; S. III
Lipfius; S. 120 Bezalel; S. 137 Plotini; S. 163 Delitzfch;
c) andere Druckfehler, S. 40 1. Häkchen (zweimal),

von den Zuftänden des abfterbenden Reiches daraus gewinnt
, ift höchft inftructiv, wenn auch wenig erfreulich.
Die Zerfahrenheit, Energiclofigkeit, kleinliche Eiferfüchtelei
, welche auf dem Reichstag herrfchten, die Schwerfälligkeit
des Apparates, die Unfähigkeit zu jeder ge-
fchloffenen Action feitens des evangelifchen Corpus, das
ftete Hereinfpielen auswärtiger politifcher Intereffen, das
alles tritt Einem in fignificanter Weife entgegen. Der
einzige Stand, der von höheren Gefichtspunkten aus mit
Nachdruck für die Sicherung des ,evangelifchen Wefens'
im Reiche thätig war, ift Brandenburg-Preufsen. Der
Anfpruch, der von dort erhoben wurde, an der Stelle
des abgefallenen Kurfürften von Sachfen das Directorium
der Evangelifchen zu erhalten, war formell und fachlich
wohl begründet; er fcheiterte an der Nebenbuhlerfchaft
von England-Hannover und an der inftinetiven Abneigung
der kleinen Stände gegen preufsifche Führung. So
kam es, dafs nach langwierigen Weiterungen der Direc-
torialftrcit fchliefslich im Sande verlief und Sachfen im
Belitz des Directoriums verblieb. Und das in einer
Epoche, wo die katholifche Aggreffion einen neuen,
kräftigen Anlauf nahm; es war die Zeit der pfälzifchen
Katholifirungsverfuche und des Blutbades von Thorn.
Der Erfolg war freilich nicht der von der einen Seite
gehoffte, von der anderen gefürchtete. Das Corpus Evangelicorum
finkt unter dem fächfifchen Directorium mehr
und mehr zur Bedeutungslofigkeit, das Directorium felbft
zur blofsen Form herab, während die wirkliche Führung
des proteftantifchen Reichstheiles dem aufftrebenden
Preufsen zufällt. Ein Gewinn für die römifche Propaganda
ift aus der Bekehrung des Hauptes des Corpus
Evangelicorum nicht erwachfen; eher war das zähe Feft-
halten Sachfens an dem Directorium von Nachtheil für
diefelbe, fofern die Kurfürften um ihre Stellung im
Corpus Evangelicorum zu fichern, fich zu Zugeftändnifsen
nach der evangelifchen Seite verftanden, welche fonft
vielleicht nicht gemacht worden wären. So verdankt die
wiederholt gegebene Garantie gegen Einführung des Si-
multaneums in Sachfen — und was dies zu bedeuten
hatte, erlebte man eben damals in der Pfalz — ihren
Urfprung offenbar der Rückfichtnahme auf Erhaltung
des Directoriums. Das Ganze ift ein werthvoller und
dankenswerther Beitrag zur Gefchichte des deutfehen
Proteftantismus.

Friedberg. K. Koehler.

Scientific Transcendentalism. By D. M. London 1880,
Williams & Norgate. (113 S. 8.) geb.

Das Buch eines Denkers aus Infpiration! Der Verf.
ftand im Dienft eines ßankhaufes in Südamerika und war