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Ausgabe:

1881 Nr. 8

Spalte:

179-180

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Tregelles, Samuel P.

Titel/Untertitel:

The Greek New Testament 1881

Rezensent:

Gregory, Caspar René

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'79

Theologifche Literaturzeitung. 1881. Nr. 8.

180

haupt ift. Wäre dem fo, fo liegt es dann allerdings nahe,
b« mit bN zufammenzuftellen, da fich ohne Zufammen-
hang beider Gottesnamen die fchon fo früh vorhandene
faft gänzliche Verdrängung des erften durch den letzteren
iiläk, alläk) bei den Nordarabern kaum erklären liefse.

Strafsburg i. E. Wolf Baudiffin.

Tregelles, Samuel Prideaux, LL. D., The Greek New

Testament, edited from ancient authorities, with their
various readings in füll, and the Latin version of
Jerome. London 1857—1879, Bagster and Sons.
(24, XXXII, 1070 p. 4.)

Der Text diefer werthvollen Ausgabe des Neuen
Telfaments erfchien 1857 — 72 (Matt. u. Marc, im Jahre
1857, Lc.-Joh. 1&61, Act.-Kath. 1865, Röm.-2 Theff. 3, 3,
1869, 2 Theff. 3, 3 Hebr.-Philem. 1870, Apokal. 1872).
Hier haben wir es nur mit dem, von Prof. Dr. F. J. A.
Hort und Herrn A. W. Streane beforgten, fiebenten
Theile zu thun, welcher die Prolegomena, fowie die
Addenda und Corrigenda enthält.

Die eigentlichen Prolegomena, S. III—XXVII, bieten
etwa fünfzehn Stücke dar aus früheren Schriften von
Tregelles, nämlich aus dem 4. Bande von Horne's In-
troduction (ein in Deutfchland leider feltenes Buch)
und aus dem Account of the printed text of the Greek
New Testament, und enthalten feine kritifchen Grund-
fätze und feine Vorarbeiten. Die Addenda und Corrigenda
, S. XXVIII—XXXII u. 1019—1070, enthalten eine
Befchreibung des Verfahrens der Herausgeber (S. XX VIII—
XXXII), Add. u. Corr. zu den fünf Vorworten der früher
ausgegebenen Text-Hefte (S. 1019—1022), und Add. u.
Corr. zum Texte und zum Apparat fS. 1022—1070).

Hieraus erhellt, dafs Neues nur in den Addenda zu
finden ift. In diefen wiederum kommt das Meifte den
Evangelien zu Gute (S. 1023—1056), wo der Codex Si-
naiticus nachzutragen war, fowie die fpäteren Auffchlüffe
über die Lesarten des Codex Vaticanus. Auch find die
Lesarten aller neueren Uncialfragmente des griechifchen
N. T. hinzugefügt, mit Ausnahme der neuen Blätter des |
/', der Codd. S u. II der Evangelien, und des Cod. P
der Apoftelgefch.; hier ift befonders zu bemerken, dafs 1
das neue Fragment der Apoftelgefchichte, welches Cozza j
veröffentlicht hat, mit dem Zeichen 67^ verfehen worden
ift. Diefe Collation beforgte Streane, dem auch die
Correctur des Druckes zufiel. Hort, welcher die Ober-
aufficht über die Arbeit führte, lieferte einige Lesarten
aus den fyrifchen, memphitifchen und thebaifchen Ver-
fionen und aus den neueren Ausgaben der Patres, befonders
Origenes, nebft einigen aus Juftin, Hippolyt, den Clemen-
tinifchen Homilien, Cyprian, Eufebius und Primafius; —
es ift unnöthig, die bekannte patriftifche Belefenheit
Hort's zu betonen, welche diefen Beiträgen grofsen i
Werth verleiht. Die Herausgeber haben folche Lesarten
, welche von Tregelles im Texte oder am Rande,
wahrfcheinlich, oder vielleicht, oder möglicherweife, gebraucht
worden wären, hätte er die neuen Zeugen hören
können, mit den Zeichen j , j(, und JJ verfehen.

Auf Seite 1019a, bei der Befchreibung des Codex I
TV, wäre ein Verweis auf Duchesne, Archiv es des missions [
scientifiques, III, 3 angezeigt gewefen. S. 1020b, Zeile 19,
füllte der Name Irico, nicht Irici heifsen. Was den Druck
der weiteren Addenda betrifft, hofft Referent, dafs die
Seite (1067—1068), welche er zufällig gründlich durch-
muftert hat, von einem befonderen Mifsgefchick betrof- j
fen worden ift, denn fie enthält wohl zehn bis fünfzehn
Verfehen verfchiedener Art, fo dafs fic felbft reichliche
Corrigenda nöthig hat.

So viel über das Gelieferte. Etwas mehr aber hätte
man billig erwarten können; Referent wenigftens kann
fich nicht einverftanden erklären mit der den Heraus- I
gebern, wie es fcheint, auferlegten Begrenzung ihrer I

Arbeit: keine Befchreibung des kritifchen Verfahrens
Tregelles', keine vollftändige Lifte der MSS., überhaupt
nichts ift gegeben, was nicht in den eigenen Worten
Tregelles' mitgetheilt werden konnte. Ein gefchickter
Mechanicus hat eine neue, grofse Mafchine gebaut, ftirbt
aber vor Conftruirung des Feuerraums. Seine Freunde
meinen, die Mafchine müffe vollendet werden, aber der
Feuerraum dürfe nur aus älteren, von ihm felbft gebauten
Mafchinen entnommen werden. Und fo fleht die
Mafchine von fünfzig Pferdekräften da, verfehen mit zwei
kleinen altmodifchen Feuerräumen von fechs und acht
Pferdekräften, welche das grofse Werk unmöglich treiben
können. Um das umfangreiche und reichhaltige Neue
Teftament von Tregelles nutzbar zu machen, wäre min-
deftens eine gedrängte Gefchichte des Textes, wenigftens
eine genaue Aufzählung der langjährigen Arbeiten des
Verewigten, namentlich aber eine einheitliche, ins Einzelne
gehende Befchreibung der angeführten Handfchrif-
ten, Verfionen und Patres nöthig gewefen.

Leipzig. Caspar Rene Gregory.

Simons, Lic.Ed., Hat der dritte Evangelist den kanonischen
Matthäus benutzt? Bonn 1881, Straufs. (112 S. gr. 8.)

M. 2. —

Vorliegende Schrift leiftet mehr als fie auf den erften
Anblick verfpricht. Einer Specialität auf dem Gebiete
der fynoptifchen Forfchungen gewidmet, rechnet sie
eine der vielen Möglichkeiten, die fich hier aufgethan
haben, gesviffenhaft durch, ohne fich vermöge irgend
welcher Ausfchmückung eines trockenen Stoffes um die
Gunft des lefenden Publicums zu bemühen oder dem-
felben für einen mühevollen Gang durch eine Wüfte von
Citaten irgendwelche eingebildete oder wirkliche Belohnung
in Ausficht zu (teilen. Der Kreis derjenigen,
welche das Detail der fynoptifchen Frage fo gegenwärtig
haben und beherrfchen, um den Punkt des kritifchen
Proceffes, wo diefe Arbeit einfetzt, fofort zu erkennen
und ihr demgemäfs das gebührende Interelfc entgegenzubringen
, ift überdies ein enggezogener. Die Beiträge,
welche Jahr aus Jahr ein zur Erforfchung unferer Evangelien
geliefert werden, ftellen trotz ihrer nicht unbeträchtlichen
Anzahl doch zwar eine recht breite, aber
auch recht langfam fich fortbewegende, zum gröfsten
Theil feichte Waffermaffe dar, in deren Mitte die Con-
tinuität wahrhaft fruchtbarer Leiftungen nur ein fchmales
Fahrwaffer herzuftellen vermag. Der Verfaffer findet
eine folche .lebendige und Harke Strömung' zunächft in
der ,Ueberzeugung, dafs das zweite Evangelium das
ältefte und die Grundlage der beiden andern ift' (S. 1).
Und nicht minder haben wir in der Entdeckung der
Logia ,eines der werthvollften Erträgnifse der mühevollen
Arbeit auf fynoptifchem Gebiet zu fehen, welches nicht
wieder preisgegeben werden darf (S. 2). Beide Er-
rungenfehaften brauchen nicht in alle Ewigkeit gegen
nie ausfterbenden capricirten Widerfpruch vertheidigt zu
werden; wohl aber fleht noch in Frage, in welche Art
von Verbindung diefe Reite der Urevangeliumshypothefe
mit der Benutzungshypothefe zu treten haben, um den
fynoptifchen Thatbeftand ausreichend zu erklären.

Was nämlich zu folcherlei weiteren Experimenten
Anlafs geboten, ja genöthigt hatte, war ,die Beobachtung
einer grofsen Anzahl geringerer oder bedeutenderer
Uebereinftimmungen zwifchen dem erften und dritten
Evangeliften über Marcus hinaus in denjenigen Stücken,
in welchen beide nachweislich dem Marcus-Faden folgen,
fei es nun eines Zufammentreffens gegen Marcus im
Ausdruck, fei es eines gemeinfehaftlichen plus oder
minus1 (S. 3). Das paradoxe Verhalten der Seitenreferenten
zu Marcus war es in der That in erfter Linie,
wodurch fich die Marcushypothefe in der grofsen Mehrzahl
ihrer Vertreter zur Urmarcushypothefe fortgetrieben