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Ausgabe:

1880 Nr. 23

Spalte:

563-564

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Rüling, Louis Bernh.

Titel/Untertitel:

Grüsse an die Gemeinde. Ein Jahrgang Predigten, aus den zehn Jahren 1855 - 1866 seiner Amtsführung in der Petrigemeinde zu Bautzen zusammengestellt. 2 Thle. in 1 Bde. 2. Aufl 1880

Rezensent:

Wetzel, R. E.

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Theologifche Literaturzeitung. 1880. Nr. 23.

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kann diefe Entfchuldigung kaum ernftlich gemeint fein, : famkeit d. h. nicht blofs als eine Erinnerung an feine
und denen gegenüber, die als letztes Ziel aller wiffen- i Perfon, fondern an den, der, wie er felbft in der Vor-
fchaftlichen Arbeit die Förderung der Gemeinde be- rede zur erften Auflage fagt, ,unfere gemeinfame
trachten, wird es derfelben nicht bedürfen. Wenn er Paffion ifl', hat der Verfaffer einft diefe feine Predigten in
mit dem urfprünglichen Sinn der 2. Bitte das Pro- Druck gegeben. Sie tragen auch zum Theil eine locale,
gramm einer rechtlich fichergeftellten, reichlich privi- j ja auch temporelle Färbung, fo die Predigt zum Gedächt-
legirten und dotirten Volks- und Staatskirche fchwer
vereinbar findet, wenn er in der Auslegung der 4.
Bitte am Schlufs auf den fchneidenden Contraft hinweift,
in welchem zu der geforderten kindfchaftlichen Zuverficht
diejenigen Beftrebungen flehen, die heutzutage für I 9, 38—41, fo die zweite Predigt am Reformationsfeft:
die Paria's der Menfchheit ein menfchenwürdiges Dafein | Katholifche und Evangelifche Confeffion ein Schweftcrn-
reclamiren und den Wechfel auf das Jenfeits mit frechem i paar wie Martha und Maria, oder die vom Glaubens-
Hohn zurückweifen, oder wenn bei Behandlung der 5. ! wechfel über Ruth ], 15 —17 u. a. m. Es wird daher

nifs der Schlacht bei Bautzen über Pf. 46, 9 — 12 (Bd. II,
2), fo Nr. 9 mit dem Thema: ,Nur als Petrigemeinde hat
die Kirche eine Zukunft' über Matth. 16, 15 —19, fo die
Predigt von der echten chriftlichen Toleranz über Marc.

Bitte auf eine Auffaffung des Beichtinftituts hingedeutet
wird, welche diefe Bitte zu einem reinen Monolog herabdrückt
, fo vermag Ref. nicht einzufehen, dafs dadurch
der Gehalt der Ausführungen beeinträchtigt würde. Dafs
der Verf. feine Arbeit auch gebildeten Laien geniefsbar
gemacht hat, indem er die exeget. Excurfe (unter andern

auch der Gemeinde, der zuerft diefe Predigten gewidmet
find, wie allen denen, die fie in diefer ihrer befonderen
Geftalt und Färbung lieb gewonnen haben, nur erwünfeht
fein, dafs die zweite Auflage keine vermehrte und nur
in Bezug auf die Druckfehler (an denen es gleichwohl
auch in der zweiten Auflage nicht mangelt, z. B. S. 138
über das vielbefprochene i/rtocoiog) in die Anmerkungen j das ftatt dafs, S. 137 mir ftatt wir) eine verbefferte ift.
am Schlufs verwiefen hat, thut ebenfalls dem Werth ■ Gerade diefe locale und temporelle Färbung macht diefe
desfelben keinen Abbruch. Ref. glaubt daher, unbe- Predigten eben fo werthvoll für die Einen, wie inftruetiv
fchadet einiger Bedenken gegen Einzelheiten (wie z. B. für die Andern, befonders für jüngere Prediger. Sie
die wunderliche Parallelifirung der Weihnachtsdoxologie find aber auch fo gefättigt mit dem ewigen, allgemeinen
mit den erften drei Bitten oder die der Erklärung der Inhalte des Evangeliums, dafs fie mit Recht, wie die
4. Bitte zu Grunde liegende Auffaffung von zooytoc) diefe zweite Auflage beweift, eine weite Verbreitung in der
auch anziehend gefchriebene Abhandlung namentlich ganzen grofsen ,Petrigemeinde', die auf Matth. 16, 16
allen praktifchen Geiftlichen zu angelegentlicher Berück- ; fleht, gefunden haben. Eine Empfehlung ift folchen
fichtigung empfehlen zu follen.

Nuffe. H. Lindenberg.

Predigten gegenüber nicht mehr nöthig, nur darauf
möchten wir aufmerkfam machen, dafs diefelben auf
Grund des Sächfifchen Perikopenbuches gehalten und
dafs in denfelben alle 4 Theile des Sächfifchen Perikopen-
Kögel, Gen.-Superint. Dr. Rud., Aus dem Vorhof ins Heilig- buches enthalten find. Ueber die zweite Hälfte des
thum. Ein Jahrgang evangelilcher Zeugnifse über alt- j Sächfifchen Perikopenbuches giebt es noch wenig mufter-
teftamentliche Texte. 2. Bd. Vom Sonntag Cantate : gütige Predigten. Wer folche fucht, wird fie hier finden.
, . ,, , ... . .. .. _ a a ij„„„ Die 2. Hälfte des Sächfifchen Perikopenbuches ift srerade

bis zum 27. Sonntag nach I nn.tatis. 2. Aufl. Bremen , fehr ^ ^ den behandelten Texten vertreten

1880, Müller. (VIII, 364 S. gr. 8.) M. 5. 40. Einen Wunfch aber möchten wir zugleich im Namen
Auch der 2. Band diefer nach Form und Inhalt ! Vieler auch hier ausfprechen, nämlich den, dafs es dem
gleich hervorragenden Predigtfammlung ift in der 2. j Herausgeber gefallen möge, diefen alten, wenn auch
Auflage faft ganz unverändert geblieben. Es darf da- durch ihren Inhalt immer neuen Predigten, einen Jahrher
auf das früher in diefer Zeitung (Jahrg. 1876 Sp. 651) gang zeitlich neuer, d. h. Dresdner Predigten hinzuzugegebene
Referat zurückverwiefen werden. Die einzige fügen. Mit Freuden haben die Verehrer und Freunde-
Veränderung — dafs für die Predigt am 3. Sonntag ! Rüling's aus dem Vorwort zur zweiten Auflage der
nach Trinitatis über den Doppeltext Jef. 42, 3 u. Matth. : Bautzner Predigten erfehen, dafs ein folcher bereits in Mali
, 28 eine andere über Pf. 18, 26—28 eingefetzt ift — nuferipten fertig liegt. Zu ihrem Bedauern aber hat der

mufs fowohl des Textes als auch des reicheren Inhalts
wegen als eine Verbefferung bezeichnet werden. Die
gegen die Doppeltexte früher erhobenen Bedenken werden
damit in Bezug auf diefen Band hinfällig, da in den
beiden einzigen Predigten, die jetzt noch neben dem
altteft. Schriftwort ein neuteftamentliches führen, das

Verf. hinzugefügt, dafs diefe dritte und letzte Sammluiu
wie die beiden bisherigen auch ,ein Vermächtnifs des
Scheidenden' fein folle. Wenn auch aus authentifchfter
Quelle verfichert werden kann, dafs in diefen Worten nicht
die Abficht des Verfaffers ausgesprochen ift, die man zu noch
gröfserem Schmerze aus ihnen herausgelefen hatte, fchon

letztere durch den Gegenftand Himmelfahrt, Sabbath : jetzt oder wemgftens bald ,zu fcheiden', fo fcheint doch
und Sonntag) motivirt erfcheint. Einer Empfehlung
wird diefer Band nicht mehr bedürfen.

Nuffe. H. Lindenberg.

der Wunfch der jetzigen Gemeinde gerechtfertigt, ja gerade
deshalb nur um fo gerechtfertigter, nicht hinter der
früheren zurückftehen zu wollen, die, wenn fie auch
! räumlich von ihrem Prediger getrennt war, ihn doch nur
7 ~~~z ■ D _ T ; 1 ~ 7T_ an einem andern und höhern Orte thätig wufste und

Rüting, Hofpred. Loniilt.-K. D. Louis Benin., Grusse an mit $toz noch immer den Ihrigen nennen konnte. Möge,
die Gemeinde. Ein Jahrgang Predigten, aus den zehn das ift der nicht blofs egoiftifche Wunfch aller Freunde
Jahren 1855—1866 feiner Amtsführung in der Petri- des Reiches Gottes, die von dem Verf. gewünfehte
gemeinde zu Bautzen zufammengeftellt. 2 Thle. in Mufse zur Redaction diefer dritten Sammlung in dem
oj a q t • _00- HinrtVe ,y ,„„ tw von lhm ausgefprochenen Sinn ihm noch recht lange
1 Bde. 2. Aufl. Leipzig 1880, Hinnchs. (X, 329 u. IV, vorcnthalten, dagegen in anderer Weife ihm zu Theil wer-
388 S. gr. 8.) M. 8. —; geb. M. 9. — deri) möge er noch recht lange feiner Gemeinde und der

Die hier bereits in 2. Aufl. vorliegenden Predigten Sächfifchen Landeskirche, wie der evangelifchen Kirche
Rüling's find, wie das Titelblatt befagt, in den Jahn n überhaupt erhalten bleiben.

1855-1866 in Bautzen, der altehrwürdigen Wendenftadt. Bifchofswerda. Wetzel.
gehalten worden, wo der yerfaffer 10 Jahre lang als
Paftor Primarius gewirkt und fich in den Herzen der '
chriftlichen Gemeinde ein unvergängliches Denkmal errichtet
hat. Als eine Erinnerung an diefe feine Wirk- '