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Ausgabe:

1880 Nr. 22

Spalte:

526-531

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Nowack, Wilhelm

Titel/Untertitel:

Der Prophet Hosea erklärt 1880

Rezensent:

Stade, Bernhard

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Theologifche Literaturzeitung. 1880. Nr. 22.

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den ift. Ich kann das nur billigen, halte fogar diefe
Edition für mufterhaft für die Art und Weife, in der
überhaupt unfertige posthuma folcher Männer herausgegeben
werden Tollten, deren Bedeutung doch nicht
von der Art ift, dafs es nothwendig wäre, überall ihre
authentifchen Worte zu befitzen.

Breslau. L. Lemme.

Hümmel. Fritz, Abriss der babylonisch-assyrischen und
israelitischen Geschichte von den älteften Zeiten bis J
zur Zerftörung Babcl's in Tabellenform. Leipzig 1880,
Hinrichs. (III, 20 S. Lex.-8.) M. 1. 50.

Wir unterlaffen es nicht, die Aufmerkfamkeit der
Lefer der Theol. Literaturzeitung auf diefe nützliche I
und dankenswerthe Publication zu lenken, die einem j
entfchiedenen Bedürfnifse entgegenkommt, fofern fie es
fich zur Aufgabe ftellt, die chronologifcb.cn Coincidenzen
zwifchen Bibel und Keilfchriftmonumenten in überficht-
licher Darftellung vorzuführen. Wir unterftützen diefe
Empfehlung noch durch den Hinweis darauf, dafs der
Verfaffer zwar damit, wie er fich den Ausgleich der
zwifchen beiden Chronologien beftehendcn Discrepanzen '
denkt, nicht zurückhält, durchweg aber zugleich die
traditionellen chronologifchen Daten beifügt, fo dafs |
auch der die Anflehten des Verfaffers nicht gutheifsende
Lefer in der Lage ift, die Tabellen mit Nutzen zu
gebrauchen.

Vorausgefchickt find einige Vorbemerkungen zur
.Geographie, Nationalität und Religion' des Zweiftrom-
landes und feiner Bewohner, welche zwar nur fkizzen-
artig hingeworfen find, aber zur Orientirung des Lefers
wohl geeignet erfcheinen. Dasfelbe gilt von dem Blicke
auf ,die Zeit der Sage', S. 2, deren Betrachtung den 1
Uebergang zu der .eigentlichen Gefchichte' bildet. Diefe j
letztere, für die ältere Zeit überhaupt eine folche wie
Südbabyloniens oder Sumir's, fo Nordbabyloniens oder
Akkad's, ilt zunächft wieder wefentlich eine folche I
Sumir's oder Südbabyloniens mit dem ,Ur der Chaldäer' |
in demfelbcn. Seit rund 1000 v. Chr. beginnt, nach in-
zwifchen erfolgter Gründung und Loslöfung Affur's von j
Babylonien, die Coincidenz der biblifchen Königsge- i
fchichte mit der affyrifchen, bezw. affyrifch-babylonifchen j
Gefchichte. Der Verf. fetzt dabei die traditionellen
Daten der biblifchen Gefchichte erheblich herab; David
z. B. regierte nach ihm ftatt 1055—1015 vielmehr J
iCKX3-c/do; Salomo ftatt 1015—975 vielmehr 960—930 j
u. f. w. Dafs eine derartige Herabrückung irgendwie j
geboten fei, ift auch uns nicht zweifelhaft; eine Recht- j
fertigung aber gerade diefer Anfätze im Einzelnen |
würde erwünfeht gewefen fein (für Salomo ift indefs des
Verf.'s Anm. 17 auf S. 16 zu vergl.). — Ob Arnos 8, 9
die auf der Eponymenlifte erwähnte Sonnenfinfternifs
vom 15. Juni 763 in Ausficht genommen fei (S. 7), ift
doch zum Mindeftcn fraglich. — Die Gleichungen Pliul
= Por = Tiglath- Pi/cser; Mardokempad = Marduk-
habal-iddin; Arkcanos = Sarnikin; Belibos — Bi'libiii;
Aparanadios (aus Asaranadios) — Ahtr-nadin-him und endlich
Sardaiiapallus — Ahtr-bani-habal find dem Verf.
(und wir meinen mit Recht) nicht minder feftftehend,
wie die Gleichung Satnmughes = Saosduchin — Samul-
him-ukin (richtiger nunmehr Bamah-hwi-ukin). Das Jahr
der Zerftörung Samaria's wird nach Anficht des Referenten
S. 8 mit gutem Fug auf 722 angefetzt. Das Jahr
6c6 wird als fpäteftes Jahr der Zerftörung Niniveh's
mit Recht vermuthet; ob aber (S. 13) als Jahr der Zerftörung
Jerufalem's wirklich 587 oder gar 587 86 (ftatt 588)
anzusetzen, ift wenigftens dem Ref. noch recht fraglich.
Es hängt damit zufammen die Berechnung der Regierungsjahre
des Nebucadnezar, welche in den biblifchen
und den aufserbiblifchen Quellen, nach Anficht des Ref.,
keineswegs von vornherein als diefelbe zu betrachten

ift (vgl. auch den Verf. felber S. 12 col. I Abfatz 3).
Für die Zeit der Ausgänge der babylonifchen Gefchichte
konnten bereits zwei neue infehriftliche Funde, die fich
auf die Regierungen Nabunahid's und Cyrus', des Perfers,
beziehen, mit verwerthet werden. — Bezüglich der Zeit
Tiglath-Pilefer's II (745—727) fei noch angemerkt, dafs
der Lefer gänzlich eine Erwähnung der Züge diefes
Königs nach dem Often fNamri, Medien u. f. w.) vermifst.
War Grund der Ausladung vielleicht die Ungewifsheit,
bezw. der Zweifel des Verf.'s über die Ausdehnung
diefer Züge? Ein folcher wäre nicht ungerechtfertigt
gewefen; es wird im Gegentheil durch neuere Unter-
Tuchungen immer wahrfcheinlicher, dafs die Ausdehnung
der Züge auch diefes affyrifchen Königs nach dem Often
eine erheblich geringere war, als man felbft bis in
die allerneuefte Zeit hinein meinte. Ref. wird darüber
an einem andern Orte berichten (über die Zeit, in welche
die verfchiedenen Züge nach dem Often fallen, f. des
Ref. Ausführungen in deffen Abhdlg.: Zur Kritik der
Infchriften Tiglath-Pilefer's II u. f. w. Berl. 1880. S.
10 ff. 26). Noch fei in Bezug auf Einzelheiten bemerkt,
dafs (gegen S. 13 col. a) an dem XL Jahre des Kam-
byfes, .Königs von Babylon', paläographifch jedenfalls
nicht zu rütteln ift. Referent hat hierauf das betr.
Monument bei feiner letzten Anwefenheit in London
des Näheren unterfucht. — Ebenfo bezweifelt derfclbe,
wie er an einem andern Orte (f. Berichte d. K. Sächfifchen
Gefellfchaft der Wiffenfchaften, philolog.-hiftor. Claffe,
Lpz. 1880, S. 19 ff.) ausgeführt hat, die Zuläffigkeit der
Subftitution des Gottesnamens Ninib ftatt Adar in dem
bisher Adarmalik = Adrammelech gelefenen Namen
und ähnlichen; bemerkt auch zu S. I; 15 Anm. 4, dafs,
foviel ihm bekannt, derjenige, der die Lefung Adar
zuerft vermuthete, nicht Lenormant, fondern (f. ABK.
148 Z. 7 flg. v. u.) J. Oppert war {Rev. arcli. 1868), der
felber freilich diefe feine eigene Vermuthung nicht zu
verfolgen wagte, wie anderfeits Lenormant, nachdem
er fie aufgeftellt, diefelbe ganz neuerdings wieder zurückgezogen
hat — beide diefes augcnfchcinlich, weil fie die
in den Augen des Ref. hier in erfter Linie in Betracht
kommende phonetifche Schreibung des Namens als A-tar
(mit hartem Dental) überfahen, welche uns in dem Eigennamen
Atar-ilu (mehrfach!) überkommen ift (ABK. 149)
und welche zugleich den Fingerzeig für die aus dem
Semitifchen in befriedigender Weife nicht zu gewinnende
Erklärung des Gottesnamens an die Hand giebtT. weiter
Berichte a. a. O.).

Die äufsere Ausftattung läfst nichts zu wünfehen
übrig; der Druck ift correct (S. 9 col. b; 17 Anm. 27
ftatt Bi'l-i pus u. f. w. lies Bi'l-i pus).

Berlin. Eb. Schräder.

Töttermann, Doc. Lic. Klas Aug. Rhold., Die Weissagungen
Hosea's bis zur erften affyrifchen Deportation
(1—VI, 3,) erläutert. Nebft dem Commentar des Ka-
räers Jephet ben Ali zu Hofea Cap. I—II, 3. Acade-
mifche Abhandlung. Leipzig (1880), M.Schäfer. (IV,
131 S. gr. 8.) M. 2. —

Nowack, Privatdoc. Lic. Dr. W., Der Prophet Hosea
erklärt. Berlin 1880, Mayer & Müller. (XXXVII, 255 S.
gr. 8.) M. 8. —

Kaum eines andern Propheten Schrift bietet dem
Ausleger eine so dankenswerthe Aufgabe, wie die des
Hofea. Durch Form wie Inhalt erleichtert fie ihm das
Gefchäft. Wie der Umfang feiner Schrift ein mäfsiger,
leicht überfichtlicher ift, fo läfst fich auch der Umfang
feiner Ideen leicht auf gewiffe Grundgedanken zurückführen
. Und doch ermüdet er infolge der Lebhaftigkeit
und Frifche feiner Darfteilung, infolge der bei ihm hoch
entwickelten Fähigkeit, denfelben Gedanken in verfchie-