Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1880

Spalte:

474-477

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wieseler, Karl

Titel/Untertitel:

Zur Geschichte der neutestamentlichen Schrift und des Urchristenthums. Untersuchungen 1880

Rezensent:

Weiß, Bernhard

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2, Seite 3

Download Scan:

PDF

Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von Prof. Dr. E. Schürer in Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. HinrichsTche Buchhandlung. jahrlich 16 Mark.

N°- 20. 25. September 1880. 5. Jahrgang.

Wurm, Der Buddhismus (Baudiflin).
Wiefeler, Zur Gefchichte der ueuteftament-

lichenSchrift unddes Urchriftenthums (Weifs).
Feyerabend, Die Bekehrung des Apoftels

Paulus und fein Evangelium (Weifs).
Pölzl, Kurzgefafster Commentar zu den vier

heiligen Evangelien. I. Bd. Evangelium des

heil. Matthäus (P. Wetzel).

Heinrici, Das erfte Sendfehreiben des Apoftels Allgemeine kirchliche Chronik, begründet von

Paulus an die Korinthier erklärt (Schürer). Matt h es, fortgefetzt von S tichart, 26Jahrg.

Ascoli, Iscrizioni inedite o mal 'note greche j (Koehler).

latine ebraiche di antichi sepolcri giudaici

del Napolitano edite e illustrate (Schürer).
Reichling, Johannes Murmellius, fein Leben

und feine Werke (Kawerau).
Gaedeke, Maria Stuart (Möller).
Opitz, Maria Stuart (Derf.).

Schultze, Schräder, Eifelen, Züge aus
dem Bilde Jefu, Ein Blick auf Hollands
kirchliche Gegenwart, Rückfchau auf die
erfte ordentliche preufsifche Generalfynode,
Drei Vorträge (Koehler).

Wurm, Pfr. Paul, Der Buddhismus oder der vorchriftliche j dem Bedürfnifs des Menfchenherzens nach einem anzu-
Verfuch einer erlöfenden Univerfalreligion Gütersloh ! betenden Gegenftande, welches keine Genüge fand in
1880, Bertelmann. (50 S. gr. 8.) M. -. 80. | J^er Anfchauung von einer Welt ohne Gottheit. — In

' allem übrigen berührt die objective Haltung der üar-

Der Vert, J^^V^^j^11^ du,rch ffin^, zuverläf- ftellung wohlthuend, namentlich Denjenigen, welcher aus

Köppen's grofsem und in feiner Art ausgezeichnetem
Werke über den Buddhismus fich unterrichtet hatte, wo
in verftändnifslofer Weife abgeurtheilt wird über das im
Buddhismus zu beobachtende unfichere und fehlgreifende
Taften des nach Erlöfung verlangenden Menfchengeiftes,
und wo mit unäfthetifchem Hohne Seitenblicke geworfen
werden auf parallele Verirrungen der chriftlichen
Kirche.

fige und einen guten Ueberblick gewährende ,Gefchichte
der indifchen Religion' (1874), welche fich zur Orientirung
des Laien auf diefem Gebiete vor andern Hilfsmitteln
empfiehlt, hat einen Abfchnitt jenes gröfseren Gegen-
ftandes in der vorliegenden ,etwas populärer gehaltenen'
Arbeit behandelt, welche zunächft für die Allgemeine
Miffionszeitfchrift gefchrieben war. Er befpricht das Leben
des Buddha (S. 10—23), dann die Entwickelung und
Ausbreitung des Buddhismus (S. 23—34) und zuletzt die
Grundzüge der buddhiftifchen Lehre (S. 34—50). In diefem
letztern Abfchnitt folgt er nicht, wie es fonft bräuchlich
geworden und auch der Verf. in feiner früheren Darfteilung
es gethan hatte, der Eintheilung des Tripitaka,
fondern rubricirt nach den vier von Buddha gepredigten
Grundwahrheiten: 1. das Weltübel und feine Urfache,
2. die Verbreitung des Uebels, 3. die Zerftörung des
Uebels, 4. der Weg zur Erlöfung vom Uebel.

Die kleine Schrift ift als durchaus zeitgemäfs dankbar
zu begrüfsen. Directer und indirecter Einflufs des
Buddhismus ift heutzutage fo verbreitet, dafs es auch für
Solche wichtig ift, einigermafsen über denfelben orien-
tirt zu fein, welche nach ausführlicheren und mehr wif-
fenfchaftlich gehaltenen Darftellungen nicht greifen können
oder mögen. Die in diefer allerdings lehr kurzen
Skizze gegebene Darftellung der wunderbarften und tief-
ften aller aufserbiblifchen religiöfen Erfcheinungen —
oder, da im Grunde der Buddhismus eine folche nicht
ift, richtiger gefagt: Weltanfchauungen — ift durchaus
frei von Tendenz und wägt Werth und Verirrung der
buddhiftifchen Lehre in gerechter Weife ab. Nur ein
Punkt ift mir aufgefallen, wo der Verf. ein nicht ganz
correctes Urtheil fällt, in dem Satze S. 24: ,1m Buddhismus
ift der Reliquiendienft keine Entartung einer ur-
fprünglich geiftigeren Religionsform'. Es ift richtig, dafs
uns von keiner Periode der buddhiftifchen Gemeinfchaft
Kunde überliefert worden, wo fie ohne Reliquiendienft
gewefen wäre; allein was uns von der Predigt ihres
Stifters erzählt wird, ift mit demfelben unvereinbar. Es
ift vielmehr eine grofse Ironie der Gefchichte, dafs Derjenige
, welcher die Nichtigkeit des menfehlichen Leibes
wie alles Materiellen nachdrücklicher gepredigt hat, als
irgend ein anderer Religionsftifter, es fich hat gefallen
laffen müffen, dafs die Nachwelt die angeblichen Refte
feiner irdifchen Exiftenz als die gröfsten Heiligthümer
anfah. Es ift diefer Reliquiendienft eine nothwendige
Rcaction gegen die Lehre des Buddha, ausgehend von

Strafsburg i. E. Wolf Baudiffin,

Wieseler, Konfift.-R. Prof. D. Karl, Zur Geschichte der
neutestamentlichen Schrift und des Urchristenthums. Un-

terfuchungen. Leipzig 1880, Hinrichs' Verl. (XII,
192 S. gr. 8.) M. 5. —

Die erfte der in diefem Buche vereinigten drei Abhandlungen
handelt von den korinthifchen Parteien. Nach
kurzer Befprechung der Paulus- und Apollospartei ftellt
der Verf. zunächft feft, dafs die Petriner keine phari-
fäifch gerichtete, paulusfeindliche Partei gewefen feien,
was er dann namentlich noch durch eine Befprechung
der fchwachgläubigen Judenchriften in Rom und der im
Galaterbrief befprochenen Verhältnifse gegen Baur zu
erhärten fucht. Man kann in diefen Dingen mit dem
Verf. im Wefentlichen einverftanden fein (bis auf den
ganz gekünftelten Verfuch, aus Rom. 4, 12. 16 zwei Klaffen
von Judenchriften herauszuexegefiren , p. 25 ff.;,
ohne zu finden, dafs hier über diefelben etwas fonder-
lich neues gefagt ift. Die Hauptfache bleibt natürlich
auch hier die Unterfuchung über die fogenannten Chri-
fti ner. Mit Recht fcheint mir der Verfaffer feftzuftellen,
dafs das Schibbolet derer, die nach 1. Cor. 1, 12 fagen:
eyio Xqiotoi , nicht wohl von demjenigen getrennt werden
kann, dem Paulus 2 Cor. 10, 7 fein ovrag xai r;«£te ent-
gegenftellt, und dafs damit die Auffaffung jener Partei
als der relativ ungefährlichften, die mit dem uns fonft
bekannten Parteitreiben gewiffer Judenchriften gegen
Paulus nichts zu thun habe, hinfällig wird. Denn dafs
Paulus in jenem Abfchnitt des zweiten Corintherbriefs
fehr gefährliche judenchriftliche Gegner bekämpft, kann
nicht geleugnet werden. Aber auch Wiefeler ift über
die hieraus entftehende Schwierigkeit nicht hinausgekommen
, ja er fcheint fie nach dem Schwankenden, das
auch feine Darfteilung behält, gar nicht gefühlt zu haben.

473 474