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Ausgabe:

1880

Spalte:

417-419

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Missionsgeschichte in Heften. (10. Hft.) 1880

Rezensent:

Wurm, Paul

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Theologifche Literaturzeitung. 1880. No. 17.

418

Missions-Literatur.

1. Burkhardt's, Dr. G. E., Kleine Missions- Bibliothek.

2. Aufl., gänzlich umgearbeitet und bis auf die Gegenwart
fortgeführt von Paft. Dr. R. Grund emann.

3. Band: Afien. IL Ceylon und Hinterindien. (VI,
102 S.) M. 2. —. — III. China und Japan. (VI, 339 S.)
M. 3. 6b. — Bielefeld 1879—80, Velhagen & Klafing.
(gr. 8.)

2. Missionsbilder. Neue Serie: Asien, in 10 Heften: 1.
Syrien und Paläftina. 2. Vorderafien. 3. Die Indusländer
. 4. Die Gangesländer. 5. Malabar. 6. Tamil-
und Teluguländer. 7. Ceylon und Hinterindien. 8.
Die oftafiatifche Infelwelt. 9. China's Millionen. 10.
China's Miffionsgemeinden. Calw und Stuttgart 1876
—79, Vereinsbuchhandlung, (ä IOO—120 S. m. ein-
gedr. Holzfchn. gr. 8.) ä M. 1. —

3. Missionsgeschichte in Heften. (10. Hft.) Süd- und Oft-
Afrika. A. Sandiii und Cetfchwayo. Ein Spiegelbild
von Kafferland und feinen Kriegen. Berlin 1879,
(Wohlgemuth). (IV, 208 S. m. 4 Holzfchn. gr. 8.)
M. — 65.

4. Kalkar. Dr. Chr. H., Geschichte der christlichen Mission
unter den Heiden. 1. Theil: Katholifche und evan-
gelifche Miffion in America, Oftindien, Hinterindien
und den indochineflfchen Ländern. Autorifirte deutfche
Ausgabe v. A. Michelfen. Gütersloh 1879, Ber"
telsmann. (XII, 408 S. gr. 8.) M. 6. -

5. Plath. Miff.-Infp. Privatdoc. Karl Heinr. Chrn., Eine
Reise nach Indien, für kleine und grofse Leute be-
fchrieben. Mit vielen (eingedr. Holzfchn.-j Bildern.
Berlin 1880, Buchhandlung der Gofsnerifchen Miffion.
(167 S. gr. 8.) cart. M. I. 20.

Wir haben in Nr. I—3 drei Sammelwerke, welche
uns auf allen Gebieten der cvangelifchen Miffion herumführen
wollen, und von denen jedes für einen befonderen
Leferkreis empfohlen werden darf. Für das vorzüg-
lichfte, am bellen verarbeitete, die eigentliche Miffions-
thätigkeit am eingehendften fchildernde und den gröfs-
ten Leferkreis befriedigende möchten wir das zweite,
dievom Calwer Verlagsverein herausgegebenenMiffions-
bilder erklären.

Ueber die früheren Bände der Burkhardt-Grun-
demann'fchen Miffionsbibliothek haben wir in
diefen Blättern fchon berichtet. Auch die zwei vorliegenden
Hefte zeichnen fleh aus durch treffliche geo-
graphifche und ethnographifche Einleitungen. Namentlich
die uns von Jugend auf wenig bekannte Geographie
von Japan wird viele Lefer intereffiren und manche
irrige Vorftcllungen berichtigen. Die Darftellung der
Million ift bei Hinterindien, wo der Verfaffer eine tüchtige
Vorarbeit hatte an Eppler's Auffätzen über die Ka-
renen, anfprechender als bei China. Bei letzterem hat
auch das breite feuilletonartige Durcheinander unter dem
Titel ,Land und Leute' nicht befriedigt. Ueberdies ift
die Darfteilung der chinefilchen Religion fehr mangelhaft
. Grundemann hätte dabei nicht nur die 8 Vorträge
von Lechler benützen follen, fondern auch die Arbeiten
des amerikanifchen Miff. Yates über den chinefifchen
Ahnendienft (Miff.-Mag. 1868 S. 469 ff. 1869 S. 211 ff.).
Es wäre überhaupt an der Zeit, dafs einmal die irrige
Anficht, als ob Confucius Religionsftifter wäre, aus den
Büchern verfchwände, und der Ahnen- und Geifterdienft
als die altchinefifche Volksreligion erkannt würde. Das
Grundemann'fche Werk hat feinen wiffenfchaftlichen
Werth; aber es hätte noch gewonnen, wenn es nicht fo

rafch fortgefetzt würde, und wenn die Calwer Miffions-
bilder benützt worden wären.

Die Miffionsbilder find zu wenig bekannt, und es
trägt dazu wohl auch der allzu anfpruchslofe Titel bei.
Man erwartet unter demfelben etwa eine Schrift für
Kinder, das ift aber mit Ausnahme der vielen Holz-
fchnitte diefe neue Serie, welche Alien umfafst, ganz
und gar nicht. Wir bekommen vielmehr hier über die
ganze evangelifche Miffionsarbeit eine vollftändigere
und anfehaulichere Darfteilung als bei Grundemann.
Der Titel .Miffionsbilder' rührt wohl daher, dafs der
Calwer Verlagsverein die von ihm für das Calwer Mif-
flonsblatt und das Kindermifüonsblatt erworbenen Holz-
fchnitte noch einmal verwerthen wollte und dazu einen
nach Ländern geordneten Text veranftaltcte. Unter der
trefflichen Leitung des Dr. Gundert entftand daraus eine
vollftändige Miffionsgefchichte. Die Einleitungen können
fleh natürlich nicht mit dem vorhin befprochenen Werke
meffen; fie find knapper gehalten, doch beruhen auch
fie auf gründlichen Studien, und bei China wird man
hier felbft in der Einleitung, welche ein ganzes Heft
füllt, manches finden, was man bei Grundemann vermifst.
Die Holzfchnitte bilden freilich nicht immer das ab, was
man hauptfächlich abgebildet wünfeht. Die Calwer Verlagsbuchhandlung
mufste fie eben aus verfchiedenen
Miffionszeitfchriften, namentlich englifchen, zufammen-
fuchen. Die deutfehen Miffionare dürften in der Aufnahme
von Bildern noch manches von den englifchen
lernen, damit man vom Leben auf ihren Arbeitsfeldern
eine deutlichere Anfchauung bekäme. Die Qualität der
Holzfchnitte, überhaupt die Ausstattung diefer Calwer
Miffionsbilder hat vom dritten Heft diefer neuen Serie
an wefentliche Fortfehritte gemacht, und es ift zu hoffen,
wenn einmal die ältere Serie eine neue Auflage erlebt,
dafs diefelbe in ähnlicher Weife umgestaltet werde, um
den Anforderungen unterer Zeit zu entfprechen. Der Preis
von 1 M. für jedes Heft, das auch einzeln abgegeben

j wird, ift gewifs billig.

Die dritte Sammlung, die Berliner, hat den Titel:

i Mi ffionsge fchiclite in Heften. Hier möchten wir

! den Titel im Vcrhältnifs zu dem, was bis jetzt geleistet
wurde, eher zu anfpruchsvoll nennen. Auch in dem
vorliegenden Heft erfahren wir von Cetfchwayo nicht
fo viel, dafs der Inhalt dem Titel entspräche. Die
wenigen Holzfchnitte find nicht fchön zu nennen. Trotzdem
können wir auch diefe Sammlung empfehlen, denn
fie ift wenigstens in einzelnen Abfchnitten die populärste

| und verweilt noch mehr als die Calwer bei einzelnen
Perfönlichkeiten, bietet daher für Miffionsftunden in
Landgemeinden willkommenen Stoff und ift jedenfalls
die billigste. Ks wird fich zeigen, wenn die fchwieriger
zu bearbeitenden Miffionsgebiete, Indien und China, in
diefer Sammlung erfchienen find, ob fie auch dort ihrer
Aufgabe gewachfen ift.

Aufser diefen drei deutfehen Sammlungen liegt uns
noch ein aus dem Dänifchen überfetztes Werk vor, die
Gefchichte der christlichen Miffion unter den
Heiden von Dr. Kalkar. Dasfelbe hat mehrere Vorzüge
: 1) dafs es neben den evangelifchen auch die ka-
tholifchen Miffionen bearbeitet, von denen wir fontt
weniger Kunde bekommen; 2) dafs es in 2 Bänden
das ganze Miffionsgebiet abfolviren will, 3; dafs es
die Quellen uberall angiebt, 4) dafs es trotzdem
nicht zur trockenen Statistik wird, fondern einzelne wichtigere
Erfcheinungen, und im Ganzen mit guter Auswahl
, näher befpricht, während es anderes übergeht.
Aber leider können wir es nicht überall als einen zu-
verläffigen Führer empfehlen. Dafs viele von den angeführten
Quellen nicht gelefen wurden, wie der Verf.
in der Vorrede felbft gefleht, tritt manchmal fehr deutlich
hervor. Es ift ja freilich eine fchwere Aufgabe,
welche fich der hochbetagte Verf. geftellt hat, und wir
wollen nicht über einzelne Unrichtigkeiten kntifiren.