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Ausgabe:

1880 Nr. 15

Spalte:

349-350

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bredenkamp, Conr. Just.

Titel/Untertitel:

Vaticinium quod de Immannuele edidit Jesaias (VII, 1 - IX,6) explicavit 1880

Rezensent:

Guthe, Hermann

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349 Theologifche Literaturzeitung. 1880. Nr. 15. 350

lieh der Stelle Jef. 9, 5 für ,eine Fabel' erklärt etc. Es
ift dem Verf. nur zu thun um den Kampf gegen den
,Unglauben' und fein Eifer für denfelben ift ja an und
für fich durchaus löblich. Aber er führt ihn auf einem
Gebiet, das nichts damit zu thun hat. Denn nicht Glaube
oder Unglaube entfeheidet über ,die Frage der Echtheit
von Jef. 40—66', fondern allein eine wahrhaft gefchicht-
liche Erkenntnifs des Inhalts und der Vorausfetzungen
der fraglichen Capitel.

Leipzig. H. Guthe.

Bredenkamp, Paft. Conr. Juft., Vaticinium quod de Immanuele
edidit Jesaias (VII, 1 — IX, 6) explieavit. Erlangen
1880, Deichen. (39 s- gr- 8-) M- —• 80.
Ein neuer Verfuch, Jef. 7, io ff. von dem Meffias,
fpeciell von der wunderbaren Geburt desfelben zu ver-
ftehen! Das Zeichen V. 14 mufs ebenfo wie das
Zeichen V. 11 als ein miraculum aufgefafst werden;
dasfelbewird in der zukünftigen wunderbaren Empfängnifs
undGeburt Immanuels vonirgend einem ,unverheiratheten
Weibe' (= nuVy mit v. Hofmann nach Jef. 54, 4) beliehen
. In ödem und verwüftetem Lande wird er aufwachten
und fich auf die Verwerfung des Böfen und
die Erwählung des Guten verftehen lernen. Der Verf.
überfetzt nach Syr. und Vulg. etc. iry-b mit ,ad seien-

Weiffagung nach Sinn und Meinung der Worte des
Propheten erfüllt hat. Der Verf. hingegen vermifcht
das Gefchäft des Auslegens und die Beantwortung jener
Frage, ja er argumentirt (S. 24) fogar aus fpäteren ge-
fchichtlichen Ereignifsen, um die Frage des eigentlichen
Sinnes des Propheten zu entfeheiden. Das ift für ein
wirkliches Auslegen, das ja eine gefchichtliche Arbeit
ift, unerlaubt — oder ift dem Verf. die Exegefe
des A. T. keine Aufgabe gefchichtlicher, fondern apo-
logetifcher Art?

Ob der Verf. die neuerdings namentlich von P. de
Lagarde {Semitica I, S. 9 ff.) betonte Anficht, dafs die
uns vorliegende Form von Jef. 7 nicht von dem Propheten
felbft herrühren könne, durch feine Arbeit zurückweifen
will, ift nicht deutlich zu erkennen. Jedenfalls
ift durch die Parallelen und Bezüge, welche er in dem
behandelten Stücke nachwein, diefe Beobachtung nicht
widerlegt.

Leipzig. H. Guthe.

Sc h u 11 z e, Doc. Vict., Archäologische Studien über altchristliche
Monumente. Mit 26 Holzfchn. Wien 1880, Braumüller.
(V, 287 S. gr. 8.) M. 6. —

Seit neuerdings die Kenntnifs der Monumente der
altchriftlichen Kunft fich fo anfehnlich erweiterte und
dum', ,ui sciaP und rechtfertigt das Suffix am Infinitiv I der Eifer der Gelehrten auf diefem Gebiete aufs Neue

damit, dafs Immanuel's Fähigkeit, das Gute zu erwählen,
im Gegenfatze zu der Verwerfung des Guten durch Ahas
gemeint fei. Die Verödung des Landes fowohl der
Syrer und Ephraims (V. 16), als auch das fchwere Unglück
Juda's und der davidifchen Dynaftie (V. 17) in
der Gefammtdarftellung V. 16—25 dient zur Fdrklärung
von V. 15*. Juda und das königliche Haus müffen erft
fchweres Unglück erleiden, nach dem Unglück kommt
Immanuel, der alfo eine Drohung für die davidifche

erwachte, mochte mancher fich mit der Hoffnung tragen,
die Erfahrungen, welche die Wiffenfchaft mit der Interpretation
der kirchlichen Literatur in den letzten Jahrhunderten
gemacht hat, möchten nicht vergeblich ge-
wefen fein und die Interpretation der Monumente würde
nun nicht gerade wieder alle Irrungen jener anderen
durchzumachen haben. Allein alle Hoffnungen diefer
Art niederzufchlagen fchien der gröfste Theil der neueften
Literatur der chriftlichen Archäologie fich angelegentlichft

Dynaftie, doch für die Gläubigen (V. gh) eine Hoffnung zu befleifsigen. 'Kaumhatten die Ausgrabungen derNeuzeit
ift. So hat Immanuel, der als Meffias natürlich nach auf diefem Gebiete unfere Kenntnifs der Thatfachen zu

der ganzen Schrift ein Davidide ift, mit dem ephraimi-
tifchen Kriege nichts zu thun, fondern ift mit den cala-
mitatibus extremis per Assyriam etAegyptum addueendis verknüpft
, — alfo verfchieden von dem Knaben 8, 3 — und
tritt fachgemäfs nach der Erwähnung Affur's in 8, 7 f.
wieder hervor in 8, 9—11 (?n irz? von V. 8 zu V. 9
zu ziehen).

Die Art und Weife, wie der auf Grund diefer Differ-
tation in Erlangen habilitirte Verf. die Exegefe handhabt,
berührt bald angenehm, bald ftöfst fie ab, indem fie
in die üblen Bahnen der Einlegung ablenkt. Recht hat
der Verf. darin, wenn er betont, dafs das Zeichen der
davidifchen Dynaftie, nicht dem Ahas perfönlich gegeben
wird, ferner in der Erklärung des ?n:;ffr V. 15 und

bereichern begonnen, fo waren diefe auch fchon in den
Streit der Theologie hineingezogen und in kürzefter Zeit
war man glücklich fo weit gekommen, dafs auch die Interpretation
der altchriftlichen Monumente nach Confeffionen
auseinanderging. Unter diefen Umftänden ift ein Werk
wie das vorliegende eine höchft erfreuliche Erfcheinung.
Ausgezeichnet durch die reichfte und genauefte, auf Aut-
opfie des Verfaffers beruhende Kenntnifs der älteften
Denkmale der chriftlichen Kunft Italiens, durch gründliche
Bildung auch auf dem Gebiete der claffifchen Archäologie
und durch hellen und unbefangenen Blick für die
hiftorifchen Bedingungen der Entwickelung der älteften
chriftlichen Kunft vereinigt es in fich eine Reihe von Eigen-
fchaften, welche, foweit die Kenntnifse des Referenten

in der Verbindung der Verfe 16 und 17 unter einander j reichen, zur Zeit namentlich in der deutfehen Literatur
und mit dem Vorhergehenden. Dagegen ift der aus der chriftlichen Archäologie noch feiten find, vom Ver-
V. 11 abgeleitete Beweis für die Wunderbarkeit des faffer noch eine reiche Fülle zuverläffiger Belehrung erZeichens
in V. 14 durchaus nicht ftichhaltig. rviH ift Zei- I warten laffen und insbefondere Lefer zum Danke gegen
chen; ob wunderbar oder nicht wunderbar (8, 18), macht I ihn verpflichten werden, welche, wie Ref., felbftändiger
für die Semiten, denen das Wunder nicht fo wie uns auf- i archäologifcher Kenntnifse ermangelnd, fich diefe allzufiel
, nicht viel aus. Die r.nry ift überhaupt nur als Mutter theuer zu erwerben meinen, wenn es nur unter dem
des ausfchliefslich betonten Imm. da, oder der Prophet ( Schwall von Unfinn möglich ift, welchen ein überwuchernwählte
diefen Ausdruck, um eine niedrige Stellung der j der dogmatifcher Deutetrieb über die altchriftliche Kunft
Mutter zu bezeichnen. Dafs der Imm. ein Davidide fei, breitet. Der Verf. eröffnet die Reihe der acht in vorfetzt
der Verf. wegen anderer Weiffagungen voraus, über- liegenden Bande zufammengeftellten Auffätze sehr zweck-
fieht aber die Pflicht eines gewiffenhaften Exegeten, her- J mäfsig mit ,Prolegomenen über die Symbolik des
vorzuhaben, dafs Jef. an diefer Stelle über Abdämmung >■ altchri ftlichen Bilderkreifes', welche uns mit feinen
und Geburtszeit des Imm. gar nichts berichtet. In 1 allgemeinenGrundfätzenderlnterpretationbekanntmachen
letzter Beziehung fchwanken des Verf.'s Angaben und find j und die fchon aus dem durchgängig fepulcralen Cha-
nicht recht im Einklang (S. 25. 26. 27. 30). Ucberhaupt racter der altchriftlichen Kunft fich ergebende Bedeutung
find des Verfaffer's Blick und Urtheil bei dem Gefchäft | des chriftlichen Auferftehungsglaubens für die Auffaffung
des Auslegens zu fehr auf die Erfüllung der Weiffagungen diefer Kunft feftftellen. Das Thema des Verf. liefse fich
gerichtet; er meint, si non litera et nomine, re tarnen et noch überzeugender behandeln, wenn man es im
materia vaticinium impletum est (S. 25). Der Exeget Zufammenhang mit den Beziehungen der alten Kirche
hat aber nur die Frage zu entfeheiden, ob fich die zu der fie umgebenden Culturwelt überhaupt betrachtete