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Ausgabe:

1880

Spalte:

297-300

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Keil, Carl Friedr.

Titel/Untertitel:

Commentar über die Evangelien des Markus und Lukas 1880

Rezensent:

Weiß, Bernhard

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Theologische Literaturzeitung

Herausgegeben von Prof. Dr. E. Schür er in Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. HLnrichs'fche Buchhandlung. jahrlich 16 Mark.

N°- 13. 19. Juni 1880. 5. Jahrgang.

Keil, Commentar über die Evangelien des Markus
und Lukas (Weifs).

Schmidt, Die Anfange des ChriUenthums in
der Stadt Rom (Harnack).

Kraus, Real-Encyklopädie der chrifllichen Alter-
thümer, 1. u. 2. Lfg. (Harnack).

Egli, Actenfammlung zur Gefchichte der Zürcher

Reformation in den Jahren 1519—1533
(Stähelin).

Rilliet, Le retablissement du Catholicisme ä
Geneve il y a deux siecles (Stähelin).

Ritfehl, Gefchichte des Pietismus, I. Bd. Der
Pietismus in der reformirten Kirche (Weiz-
fäcker).

Koch, Den danske Kirkes Historie i Aarene

1801 —1817 (Garßens).
Baumgart, Biblifche Keftblüthen für das evan-

gelifche Kirchenjahr (Wetzel).
Pädagogifcher Jahresbericht von 1878, bearbeitet

und herausgegeben von üittes, 31. Jahrg.

(K. Strack).

Keil, Prof. Dr. Carl Friedr., Commentar über die Evange- Obwohl das y.airegi'jg des Prologs auch nach ihm die zeit-
lien des Markus und Lukas. Leipzig 1879, Dörffling & j liehe Reihenfolge bezeichnet, fo hat er doch von Hof-
Franke. (501 S. gr. 8.) M. 8. - | magelernt' dafs dies, 'eine nach lfhrhaften Gefichts-

punkten gruppirte Darlegung des lnuns und Lehrens

Als ich die Notizen, die ich mir bei der Leetüre ! jefu' keineswegs ausfchliefst (p. 161. 183), und fo er-
diefes Commentars über charakteriftifche Einzelheiten in J fcheint nun z. B. der fogen. Reifebericht ausfchliefslich
demfelben gemacht hatte, noch einmal überfchaute und als eine Zufammenftellung von Lehren über die Natur
meine vor mehr als zwei Jahren gefchriebene Anzeige des des Gottesreichs (p. 315). Auch mit der Beftimmung des
Matthäuscommentars von Keil auffchlug, da frappirte Buchs für Heidenchriften wird vielfach operirt, aber
mich felbft die völlige Gleichheit der dort von mir mit wenn unter diefem Titel p. 293 auch die Äuslaffungen
zahlreichen Einzelzügen belegten Eigcnthümlichkeiten in 9, 18 — 9, 50 erklärt werden follen, fo haben doch
mit denen, die mein jetzt gefammeltes Material illuftriren die daneben aufgezählten Einzelmotive mit Ausnahme
würde, und ich mufste den Gedanken aufgeben, unfere der Weglaffung der Gefchichte von der Cananäerin mit

Lefer noch einmal durch die unerquickliche Aufzählung
diefer Details zu ermüden, um fchliefslich doch nur
wieder zu fagen, was ich dort gefagt hatte. Es ift ganz
diefelbe von dogmatifchen oder apologetifchen Ten-

diefer Beftimmung auch nicht das Geringfte zu thun.
So entrüftet der Verf. jede Benutzung andrer Evangelien
oder gar der als haltlofe Hypothefe überall verworfenen
,apoftolifchen Quelle' ablehnt, fo freigebig ift er dann

denzen beeinflufste Exegefe, deren Refultat man allemal auf einmal mit felbfterfundenen fchriftlichen Que"
fchon im Voraus weifs, wenn man den Standpunkt des j Aus einer fchriftlichen Aufzeichnung der betheiligten
Verfaffers kennt; es ift ganz diefelbe entfchloffene Har- ' Perfonen flammt ,ohne Zweifel' die Vorgefchichte (p.
moniftik, die vor keiner Künftelei zurückfehreckt, die das 186), und die antipharifäifche Rede Luc. II ift ,mit ihren
offenbar Identifche für Verfchiedenes erklärt um der j gefchichtlichen Umftänden' aus einer fchriftlichen Quelle
vorhandenen Abweichungen willen, und die offenbaren gefchöpft. Noch weniger als bei Luc. ift ein Verftänd-
Differenzen immer wieder in die fchönfte Einheit aufzulöten nlfi der Gompofition des Marc, auch nur verflicht, wo
weifs und wäre es nur mit der Erklärung, dafs diefelben j nur 2, 1—3, 6 eine Gruppcnbildung zugeftanden, alle

ganz unerheblich find und fich aus der Eigenart des
Schriftftellers erklären, oder dadurch, dafs die Worte

übrigen Verfuche feine Gliederung nachzureifen al«
jkünftliche und willkürliche Conftructionen' verworfen

nicht fo genommen fein wollen, wie fie lauten; es ift ganz werden (p. 57). Dafür hören wir hier im Wefentlichen
diefelbe Art der Polemik, die die bekämpfte Anficht S (ohne Anführung des Urhebers) die Kloftermann'fche An

entweder nicht verliehen kann oder nicht verliehen will,
die fich jedes Verfuchs, in ihre Motive oder ihre Begründung
einzugehen, entfehlägt, die fie entweder mit
leeren Proteften und mit naiven Entgegnungen, die mit
der Sache gar nichts zu thun haben, abweift, oder mit
Inftanzen als widerfpruchsvoll beftreitet, die eben von
dem Gegner nicht anerkannt werden, weil er fie völlig

ficht, dafs fich das Evang. t, 1 felbft bezeichnet als den
gefchichtlichen Urfprung des Evangeliums durch das
Auftreten und Wirken Chrifti und erhalten eine ausführliche
Vertheidigung des unechten Schluffes, in dem der
Verf. p. 148 f. fogar eine ftattliche Reihe fpeeififcher
Eigenthümlichkciten des Marcus entdeckt hat.

Und was ift nun der dogmatifche und apologetifche

anders auffafst. Nur dafs ich hier noch bemerkt zu 1 Ertrag all' diefer Künfte ? Wir können das natürlich nur
haben glaube, dafs der Verf. häufig eine Anficht be- an Beifpielen veranfehaulichen. S. 155 hören wir, dafs
kämpft, die er nachher mit fall unmerkbarer Variation ,das Sichfetzen zur Rechten Gottes als wirkliche Er-
felbft adoptirt, eine Erfcheinung, die bekanntlich auch < hebung zur göttlichen Thronftätte zu faffen und nicht
bei Hofmann, dem er in der Detailexegefe am liebften j als fymbolifcher Ausdruck der Theilnahme an der gött-
folgt, nicht feiten ift. j liehen Herrlichkeit und Weltherrfchaft', S. 187 lernen

Intereffant ift es, mit welchem Spürfinn der Verf. wir, dafs die Rechtbefchaffenheit des Zacharias ,nur
Alles aufgreift und verwerthet, was feinen apologetifchen wiffentliche und unbewufste Uebertretungen der gött-
Tendenzen entfpricht. So erhalten wir hier ein Refume liehen Gebote, nicht aber die Sünde und Sündhaftigkeit
aus den Auffätzen Nösgen's in den Stud. u. Krit., wel- überhaupt ausfchliefst'. Luc. 22, 16 aber ift ein wirk-
ches uns beweift, dafs die Gefchichtsfchreibung des liches Paffahmahl gemeint, wenn wir auch feinen UnterLucas
felbft in lexikalifcher und grammatifcher Hinficht fchied von dem Hochzeitsmahl des vollendeten Gottesganz
an den kunftgerechten Schriftwerken der griechifchen reichs nicht beftimmen können, weil wir keine Vorftell-
Hiftoriker fich gebildet hat (p. 170 ff.), f0 erhalten wir aus ung über die Befchaffenheit desfelben haben. Nicht
ihm p. 168 eine Darfteilung von der kunftvollen Glie- weniger als vierzehn Seiten compreffen Drucks find der
derung der Leidensgefchichte, obwohl diefelbe natürlich Frage wegen der Schätzung gewidmet, um zu dem
durch den Gang der Ereignifse von felbft gegeben war. Refultat zu kommen, dafs damals ein kaiferliches
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