Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1880 Nr. 12

Spalte:

277-278

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Rohling, Aug.

Titel/Untertitel:

Das Salomonische Spruchbuch. Uebersetzt und erklärt 1880

Rezensent:

Baudissin, Wolf Wilhelm

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

277

Theologifche Literaturzeitung. 1880. Nr. 12.

278

fei (nämlich gegenüber 2 K. 18, 17 ff.), fchwerlich einem
Lachmann einreden: 2 Chr. 32, 1 ift nichts als fch anfärbende
Reproduction von 2 K. 18, 13 (beachte das:
,und er gedachte [zu erbrechen]'). Der Abfchnitt
2 K. 14—16 ift von dem Chroniften aus demfelben Grunde
fortgeiaffen, wie von dem Redactor des Buches Jefaja:
er pafste eben beidemale nicht zu der prophetifch-natio-
nalen Tendenz der Betreffenden.

Sollen wir unfer Urtheil über diefen neueften Aus-
gleichverfuch betreffend Bibel undKeilinfchriften fchlicfs-

buch ein durch Sammlungen verfchiedener Perfonen ent-
ftandenes Werk falomonifcher Sprüche befitzen; Zeit und
Perfon jeder Sammlung zu beftimmen, ift .... ebenfo
hirnlos, als die Behauptung, dafs die vorliegenden Wiederholungen
mit dem falomonifchen Urfprung des Werkes
nicht zu reimen feien' (S. 17). Dafür, dafs die Zahl
der Sprüche für den Einen Salomo nicht zu grofs fei,
wird Ewald angeführt mit der Bemerkung: ,Ewald, den
Gott feiig habe, hielt fich bekanntlich bei Lebzeiten im
Befitz eines göttlichen Geiftes. Man wird daher gewifs

lieh zufammenfaffen, fo lautet dasfelbe dahin, dafs, in- mit Ehrfurcht vernehmen . . .' (S. 6). Bei Gelegenheit
dem derfelbe dadurch zu Stande kommt, dafs der Tenor des Nachweifes verfchiedener Lehrtypen von evangeh-
der biblifchen Erzählung verändert, bezw. die bibli- j fcher Seite lefen wir: ,Der Proteftantismus zeigt fich
fchen, in fich unmifsverftändlichen Ausfagen gewaltfam j auch darin als ein Syftem geiftlofer Verknöcherung, dafs
interpretirt und ihrem Sinne nach umgebogen werden | er die Sufficienz der Bibel als fein falfches Axiom hinftellt
(Benhadad-Hazael; Pekach-Hofea; Sanherib-Hizkia); in- und dann . . . eine Gefchichte der Lehrentwickelung
dem derfelbe weiter aber auch den monumentalen An- welche auf Grund höchfteigner . . . Exegefe erwächfb
gaben nicht gerecht wird (Ignorirung des (Achabbu) für die den wirklichen Verhältnifsen entfprechende aus-,

Sir lai; Antedatirung der Regierungsjahre des Phul-Ti
glath-Pilefer; Unterfchätzung der monumentalen Ausfagen
über Pekach-Hofea), wir auch diefen Verfuch als
gelungen nicht zu betrachten vermögen.

Berlin. Eb. Schräder.

Rohling, Prof. Dr. Aug., Das Salomonische Spruchbuch.

Ueberfetzt und erklärt. Mainz 1879, Kirchheim.
(XLIII, 416 S. gr. 8.) M. 7. —

Diefen Gommentar habe ich wie fchon einen früheren
desfelben Verf.'s gelefen aus Gefälligkeit für den Herausgeber
diefer Zeitfchrift. Die Unbefangenheit, wit welcher
ich dabei anfing, wurde einigermafsen erfchüttert, als ich
S. 177 an den Satz kam: ,der proteft. Graf Baudiffin
findet wohl auch hier kein Behagen an meiner polemifchen
Art; doch nehme er nicht für ungut, wenn ich ihm er-
wiedere, dafs feine Kritik mala fides verräth und ein
öfteres Ave Maria auch ihm wohlthun könnte'. Nicht
gefonnen, diefem Rathe Folge zu leiften, glaubte ich
jenem Vorwurf am beften zu begegnen, indem ich mich
der Mühe unterzog, auch diesmal das Buch gewiffenhaft
bis zu Ende zu lefen und indem ich mich bei meinem
Referate in meinen eigenen Bemerkungen auf Lob be-
fchränke, foweit mir folches möglich ift. Was ich aus-
zufetzen hätte, mögen die Lefer felbft entnehmen aus
den Auszügen, welche ich als wenige Proben für Vieles
gebe. Mögen Andere beurtheilen, in wie weit die früher
gemachte Bemerkung (Jahrg. 1878 C. 331), auf welche
fich jener Vorwurf bezieht, auch für diefen Commentar
gilt: ,Auf wenigen Blättern diefes Buches wird fich nicht
irgend ein Ausfall gegen die akatholifchen Exegeten oder
die nichtkatholifche Theologie überhaupt finden . . .,
vorgetragen in nicht weiter zu charakterifirenden Ausdrücken
, für welche wir nur die Entfchuldigung haben,
dafs fie vielfach durch den Zufammenhang, in welchem
fie flehen, erheiternde Wirkung nicht verfehlen'. Vielleicht
darf zugegeben werden, dafs derartige Angriffe
in dem vorliegenden Buche an Zahl etwas geringer find.

Als Ruhm auch diefes Commentars kann ich das
(a. a. O.) über den zum Buche Daniel Gefagte wiederholen
: ,Diefer Commentar wird als folcher wie fchon
der zum Jefaja von demfelben Verfaffer in Vergleich
mit vielen andern immer noch unter die befferen Leift-
ungen der katholifchen Theologie auf exegetifchem Gebiete
zu ftellen fein'. Der Verf. bekundet hier wie dort
eine ausgedehnte Belefenheit. — Er giebt zunächft ein
ausführliches Vorwort, in welchem er behandelt: Materialismus
(S. VIII ff.), ,Chriftus ift keine Fabel' (S. XIX ff.),
,Chriftus ift kein Betrug' (S. XXXI—XLII). Dann folgt
in der Einleitung: über .Titel und Charakter' (des Spruchbuches
) S. 1 ff., über den Verfaffer S. 5 ff. ,Das Rich-
tigfte ift, ... zu fagen, dafs wir in dem jetzigen Spruchgibt
' (S. 12 f.). Die Einleitung fchliefst mit Bemerkungen
über die Ueberfetzung der LXX S. 19—24.

Dem nun folgenden Commentar fchliefst fich an
,die metrifche Darfteilung der Sprüche' (S. 383—415).
Es wird hier eine Transkription des ganzen Spruchbuches
in .metrifcher' Form gegeben. Der Verf. fieht
es nämlich als von Bickell bewiefen an, ,dafs die hebr.
Poefie nach Weife der fyrifchen und chriftlich-griechi-
fchen auch metrifch ift' (S. 24). Das ganze Spruchbuch
befteht nach der Darftellung des Verf.'s aus fiebenfüfsigen
Verfen.

Aus dem Commentar hebe ich nur Weniges hervor,
mich auch hier der Kritik enthaltend. Wiederholt wird
zur Erläuterung altteftamentlicher Anfchauungen ,die
nicht gefälfehte Kabbala, die echte Tradition Ifraels'
(S. 161) beigezogen. Die richtige Ausfprache des Tetra -
grammaton ift Jehova, wie die Juden zu allen Zeiten
fprachen (S. 29). So fprach den Namen fchon Rahel
aus ,von der die Genefis fagt: Sie nannte feinen Namen
Jofeph (== Jehofeph) und fagte: Jehova hat mir einen
andern Sohn gegeben' (S. 31). Cap. 22, 14: ,Einc tiefe
Grube ift Dirnenmund' giebt dem Verf. Veranlaffung zu
der Bemerkung: .Befonders ift es der Stolz und fein
Kind, die Härefie, welche den Zorn Gottes durch die
Ueberantwortung an die thierifchen Lüfte des Fleifches
erfährt. Wir fehen dies an den verliebten „Heiligen"
der fog. Reformation Luther, Zwingli, Carlftadt, Cranmer,
Heinrich VIII u. A.' (S. 256). Eine verwandte Notiz
über die .Herrn Rabbiner' S. 354 laffe ich nicht abdrucken
.

Strafsburg i. E. Wolf Baudiffin.

1. Kihn, Prof. Dr. Heinr., Theodor von Mopsuestia und
Junilius Africanus als Exegeten. Nebft einer kritifchen
Textausgabe von des letzteren Inftituta regularia di-
vinae legis. Freiburg i/Br. 1880, Herder. (XXIII,
528 S. gr. 8.) M. 6. 80.

2. Juniiii Africani instituta regularia divinae legis, ex

ampliore libro qui inscribitur .Theodor v. Mopfueftia
und Junilius Africanus als Exegeten' in usum prae-
lectionum publicarum ed. Prof. Dr. Heinr. Kihn.
Freiburg i Br. 1880, Herder. (64 S. gr. 8.) M. — 80.

In dem Werke Kihn's über Theodor v. M. und Junilius
begrüfsen wir eine Arbeit, welche zwar ebenfo
wie deffen frühere Schrift (Ueber die Bedeutung der an-
tiochen. Schule auf dem exeg. Gebiete. Weifsenburg
1866; durch Breite, Weitfchweifigkeit und Wiederholungen
ftarke Anforderungen an die Geduld des Lefers
ftellt, trotz diefen formellen Mängeln aber fachlich fehr
werthvolle Forfchung zu Tage bringt. In erfter Linie