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Ausgabe:

1880

Spalte:

262-263

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Postler, G.

Titel/Untertitel:

Hallelujah! Organ für ernste Hausmusik. 1. Jahrg. 1880. 4 Musikhefte und 4 Lesenummern 1880

Rezensent:

Sachsse, Eugen

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Theologifche Literaturzeitung. 1880. Nr. Ii.

Traureden. In Verbindung mit Freunden herausgegeben
. Wiesbaden 1880, Niedner. (VII, 352 S. 8.)
M. 3. -

Der Herausgeber beablichtigt, mehrere Bände geift-
licher Cafualreden zu fammeln. Nr. 1 enthält 115
Grabreden, Nr. 2 87 Traureden. Es follen noch folgen:
Tauf- und Confirmationsreden, Beicht- und Abendmahlsreden
, Synodal-, Miffions-, Ernte-, Bufstagspredigten.
Diefe Sammlungen follen aber keine Faulbank für träge
Geifter oder eine Verlockung zur Untreue fein, fondern
treuen und gewiffenhaften Predigern aus der Verlegenheit
helfen, wenn fie plötzlich vor einen Fall hingeftellt
werden, der noch nicht da war. Und dazu können fie
ja auch dienen. Indeffen, wenn dies die Abficht ih
möchten wir den Wunfeh ausfprechen, dafs die künftigen
Sammlungen an Quantität abnähmen, an Qualität
zunähmen. Denn neben manchen trefflichen Reden findet
fich in den vorliegenden zwei Bänden viel Mittelgut,
das des eingehenden Studiums fich nicht verlohnt. Derartige
Sammlungen dürfen nur gute, ausgearbeitete Reden
enthalten, welche als Vorbilder dienen können. Dies
ift bei den Traureden noch weniger der Fall, als bei den
Grabreden. Letztere find wenigflens meift ganz ausgearbeitet
, erftere lind oft kurze Skizzen, einige naheliegende
Gedanken kurz angedeutet, fo dafs weder Inhalt
noch Ausführung die Aufnahme rechtfertigen. Im
Uebrigen ift auf Vielfcitigkeit Bedacht genommen. Die
Grabreden theilen fich nach folgenden Rubriken: 1. bei
Geiftlichen, 2. bei fonftigen kirchlichen Beamten, 3. bei
Beamten und Gelehrten, 4. bei Ermordeten und Selbft-
mördern, 5. bei Verunglückten, 6. Verfchiedenes Noch
mannigfaltiger ift die zweite Sammlung. Man findet da
Traureden für adelige, fogar gräfliche Brautpaare, für
Paftoren, Landgerichtsaffefforen, Mufikdirectoren und
Opernfängerinnen, Aerzte, Wittwer und Wittwen, ge-
mifchte Ehen. Auch Jubelhochzeiten lind nicht ver-
geffen.

Unter den Verfaffern finden fich neben berühmten
Namen wie Mullenfiefen, Gerok, Kapff, Arndt, Nebe
auch unbekannte, die erft etwas werden wollen.

Als gelungen heben wir hervor: Grabrede über
Rom. 14, 7. 8 von Stöcker und die Traureden über
1 Mof. 2, 18 von Nietfehmann, fowie über Pfalm 84, 12.
13 von Dieffenbach. Wir fehen den folgenden Sammlungen
mit Spannung entgegen und hoffen, dafs der
Herausgeber feine verdienftliche Arbeit durch höhere
Anforderungen noch verdienftlicher machen wird. Sollten
dadurch die Sammlungen nur halb fo dick werden, fo wäre
auch das kein Schade.

3. Schultz, Erhard, Wahrheit, Freiheit, That! Predigten.
Mülhaufen i E. 1879, Bufleb. (VI, 279 S. 8.) M. 4. —

Der Verfallen- will möglichft viele Wahrheiten der
fog. liberalen Theologie darlegen. Als folche Wahrheiten
treten hervor die ewige Vaterliebe des höchften
Gottes, die fittliche Vollkommenheit Jefu Chrifti, der
wir aus edler Begeifterung nachftreben follen, die per-
fönliche Unfterblichkeit. Die Sprache ift edel und von
einer gewiffen Wärme, die Polemik richtet fich einerfeits
gegen die materialiftifche Zeitftrömung, andrerfeits gegen
die Strenggläubigen. So ift in einer Charfreitagspredigt
von der verföhnenden Wirkung des Todes Chrifti keine
Rede. Das Thema lautet: feid duldfam! Nachdem dargelegt
ift, wie die mittelalterliche Kirche das Werk der
Pharifäer durch Scheiterhaufen und Foltern fortgefetzt
habe, wird derfelbe Vorwurf gegen die Strenggläubigen
erhoben, weil fie den Vertretern der liberalen Theologie
Ehre, Amt und Auskommen nehmen wollen. In
einer Ofterpredigt wird die perfönliche Auferftehung
Chrifti nicht erwähnt, fondern die Wahrheit: wir find
unfterblich! darauf begründet, dafs die Sehnfucht nach
Unfterblichkeit uns unauslöfchlich eingegraben fei, dafs

in diefer Welt ein ungelöfter Widerfpruch zwifchen Tugend
und Glück, fittlichem Ideal und thatfachlicher Un-
vollkommenheit lieh finde. In der erften Predigt wird
der Sieg Chrifti über den Tod gefunden in der verklärenden
und begeifternden Wirkung des Tragifchen.
,Der Held erliegt, die Helden flehen auf. Hinweggerafft
ift der Träger der die Menfchheit befeligenden
Idee, aber um fo gewaltiger tritt fie felbft hervor, diefe
Idee'.

Wenn der Verf. glaubt, das reine Evangelium zu
predigen, fo möchten wir ihn fragen, ob in dem Evangelium
, wie esjefus, Petrus und Paulus gepredigt haben,
nichts zu finden ift von der Verformung mit Gott durch
den Tod Chrifti, von feiner perfönlichen Auferftehung
und göttlichen Herrlichkeit?

4. Aus dem Heiligthume. Predigten von Geiftlichen der
evangelifch - lutherifchen Kirche im Herzogthum
Braunfchwcig über die evangelifchen Perikopen des
2. Jahrgangs, hrsg. v. Paft. Dir. Gull. Stutzer.
Braunfchwcig 1878, Buchhandlung für theolog. Literatur
. (XII, 658 S. gr. 8.) M. 6. -

Line Anzahl von Geiftlichen der evang.-lutherifchen
Kirche Braunfchweigs hat fich zufammengethan, um Predigten
über die in Braun fchweig vorgefchriebenen Perikopen
herauszugeben. Der vorliegende Band behandelt die
evangelifchen Perikopen des zweiten Jahrgangs. Wenn
es auch in der Natur der Sache liegt, dafs die Predigten
von verfchiedenem Werthe find, fo zeigt doch die Sammlung
, dafs in Braunfchweig ein tüchtiger Predigerftand
j ift, der der Verkündigung des Evangeliums mit Ernft

1 und Treue obliegt. Dabei find die Predigten von 6inem
milden Geiftc evangelifcher Wahrheit durchzogen und
heben ftets die Grundwahrheiten des Heils hervor, fern von
dogmatifchen Subtilitäten. Die Sammlung wird daher
in allen evangelifchen Kirchen gern gelefen und mit
Segen gebraucht werden können.

Hamm (Weftfi). Lic. Sachfse.

Hallelujah! Organ für ernfte Hausmufik, hrsg. von G.
Poftler und Dr. Fr. Zimmer. 1. Jahrg. 1880. 4 Mu-
fikhefte u. 4 Lefenummern. Quedlinburg, Vieweg.
(Nr. 1. 16 S. hoch 4.) M. 4. —

Die vorliegende Zeitfchrift, welche feit Beginn diefes
Jahres erfcheint, will ein Organ fein für ernfte, vornehmlich
religiöfe Hausmufik. Eine Anzahl bekannter Com-
poniften und Schriftfteller haben ihre Mitwirkung zuge-
lagt. Wir nennen nur Hofprediger W. Baur, Mufik-
director Martin Blumner, Max Bruch, Ludwig Erk, Karl
von Gerok, Profeffor Ed. Grell, Ferd. Hiller, Friedr.
Kiel, Robert Radecke, Carl Reinecke, C. Rheinthaler,
Mufikdirector Sering, Franz Abt, Emil Frommel. Jährlich
follen 4 Mufikhefte erfcheinen, deren Inhalt fich
an die kirchlichen Feftkreife anfchliefst. Sie werden
vierftimmige Lieder, leichtere Motetten, Arien, Stücke
für Piano oder Harmonium enthalten. Nur Originalarbeiten
oder gediegene alte Werke, die fchwer zugänglich
find, werden aufgenommen. Ferner follen jährlich min-
deftens4Lefenummern erfcheinen, weichein praktifch ge-
haltnen Auffätzen die Hausmufik nach allen Richtungen behandeln
. Die Erwartungen, zu welchen die Namen der
Mitarbeiter berechtigen, werden durch die vorliegenden

2 Hefte durchaus befriedigt. Die erfte Mufiknummer
enthält mehrere vierftimmige Advents-, Weihnachts- und
Ncujahrslieder, zwei Abendlieder für eine Stimme und
einen Satz für Harmonium. Die Compofitionen find einfach
und edel. Die Lefenummer enthält u. a. eine Einführung
in die Harmonielehre, einen Auffatz von Aloys
Hcnnes über die Frage: Wann und unter welchen Bedingungen
kann man mit Ausficht auf Erfolg den Cla-