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Ausgabe:

1880 Nr. 1

Spalte:

3-4

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Martin, Abbé

Titel/Untertitel:

Traité sur l‘accentuation chez les Syriens orientaux 1880

Rezensent:

Nestle, Eberhard

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung. 1880. Nr. 1.

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Azteken, Chinefen, Inder, Eranier, Semiten, Aegypter,
Griechen, Römer, Kelten, Germanen und Skandinavier,
Slaven — Islam (letzterer fleht nach der Ueberfchrift
S. 89 unter den ,humanen Naturreligionen'!). —Die
Schrift ift zu werthlos, um uns zur Polemik gegen
Einzelheiten zu veranlaffen. Nur zur Charakteriftik
Einiges. Der Zufammenhang von Ur-Ariern und Ur-
femiten wird einfach vorausgefetzt und demgemäfs werden
mögliche und unmögliche altarifche Gottheiten einfach
mit El-eljon, Adrammeleh u. f. w. identificirt (S. 23).
Das hebräifche Amen ift von dem brahmanifchen Onm
{dm) abzuleiten (S. 28). Davon, dafs die brahmanifche
Trimurti (Dreieinigkeit) erft in der fpäteren Entwicklung
auftaucht, verräth der Verf. S. 28 keine Kenntnifs. Er
weifs beftimmt, dafs Zarathuftra 599 v. C. geboren wurde
(S. 62). Die Phönicier flammen nach S. 71 aus Afrika.
Jehova ift S. 76 der (nicht exiftirende) Jao der Aegypter.
— Dergleichen liefse fich im Ueberflufs anführen. Das
Schlimmfte find aber nicht folche Details, fondern die
völlig verftändnifslofen Gefammtdarftellungen.

Strafsburg i. E. Wolf Baudiffin.

Martin, Abbe, Traite sur l'accentuation chez les Syriens
orientaux. Paris 1877, Leroux. (VI, 30 u. 21 S. fyr.
autogr. Text. gr. 8.) M. 4. —

Im Jahr 1832 hat Ewald auf Grund zweier Parifer
Handfchriften Dank feiner fcharfen Beobachtungsgabe
das fyrifche Accentuationsfyftem in feinen Hauptzügen
eruirt und als Vorbild des hebräifchen erkannt. Heute
find wir für unfere Kenntnifs desfelben auf keine fo
fpärlichen Mittel mehr angewiefen. Durch die Bemühungen
von G. Phillips in Cambridge und Abbe Martin
in Paris liegen uns jetzt eine ganze Reihe Tractate fyri-
fcher Grammatiker verfchiedencr Schulen und aus den
verfchiedenften Zeiten vor vom fechften bis ins dreizehnte
Jahrhundert, die fpeciell von den Accenten handeln
und uns ermöglichen, nicht blofs das fertige Syftem,
fondern auch die allmähliche Ausbildung desfelben ziemlich
klar zu überfehen. Die jüngfte allerdings fchon aus
dem Jahr 77 flammende hiehergehörige Publication ift
mir zur Befprechung zugegangen. Sie bringt zum erften
Mal einiges über das Syftem der örtlichen d. h. neftori-
anifchen Syrer zu allgemeinerer Kenntnifs, indem fie
aus den grammatikalifchen Schriften des zu Anfang des
XIII. Jahrhunderts lebenden Johann bar Zu'bi den die
Accente behandelnden Abfchnitt aus einer Londoner
und einer vaticanifchen Handfchrift mit franzöfifcher
Ueberfetzung enthält. Die Publication ift alfo nicht,
wie man aus dem Titel fchliefsen könnte , eine felb-
ftändige Abhandlung Martin's über den genannten Ge-
genftand; er befchränkt fich auf die Aufgabe des Herausgebers
, wofür ihn feine Gewandtheit in der Autogra-
phie befonders befähigt, und Ueberfetzers. Die Ordnung
des Tractats ift die, dafs zuerlt die 4 Hauptaccente be-
fprochen, ihre Verbindungen mit den ihnen entfprech-
enden servi aufgezählt und alle Fälle mit einigen Bibel-
ftellen belegt werden. Ein Abfchnitt über die als Lefe-
zeichen fungirenden Linien (im Unterfchied von den
Punkten, welche, anders als bei den Juden, einzig als
Accentzeichen verwerthet werden, in ein- bis dreifacher
Zufammenfetzung und verfchiedener Stellung) und, was
befonders dankenswerth ift, eine etymologifche Erklärung
der Accentnamen bildet den Schlufs. Die ganze
Darftellung beruht auf der Lehre des im Jahr 1028 zum
Bifchof von Tirhan erhobenen Grammatikers Elias I. In
einer Berliner Handfchrift, die ich nach einer Copie von
Prof. Hoffmann in Kiel benutzen konnte, findet fich
diefer letzte Abfchnitt gleichfalls; der Text könnte darnach
an einzelnen Stellen verbeffert werden. Die Ueberfetzung
des Tractats ift da und dort nicht ganz richtig,
die biblifchen Belegftellen find nicht vollftändig nach-
gewiefen; im Uebrigen ift Abbe Martin's Arbeit fehr dankenswerth
. Näher auf den Inhalt des Tractats einzugehen
oder ihm fyrifche Gloffen zur hebräifchen Grammatik
zu entnehmen, wozu er reichlich Stoff bieten
würde, ift hier nicht der Ort. —■ Nachdem nun hebräi-
fcher- und fyrifcherfeits genügendes Material vorliegt,
dürfte es an der Zeit fein, durch eine Vergleichung beider
Syfteme das Dunkel, das über ihrem Urfprung liegt,
einigermafsen zu lichten.

Tübingen. E. Neftle.

Psalterium Syriacum ad fidem plurium optimorum codi-
cum habita ratione potissimum hebraici textus nunc
accuratissime exactum a Josepho David chorepis-
copo Syro Mausiliensi cui accedunt x cantica sacra [•]
Mausiii 1877, typis Fratrum Praedicatorum. (Auch
mit fyrifchem Titelblatt.) (LVI, 376 S. 8.) M. 9. —

Die mit dem römifchen Stuhl unirtcn fyrifchen
Chriften befitzen an dem Chorbifchof Jofeph David von
Mofful einen ebenfo rührigen als gebildeten Vertreter.
Anläfslich der Unfehlbarkeitsfrage ift er 1870 in Rom
den Maroniten gegenüber literarifch aufgetreten mit einer
ziemlich umfangreichen Schrift Antiqua Ecclesiae Syro- Chal-
daicae traditio circa Petri Apostoli eiusque sucecssorum Romanorum
Pcmtificum divinum primatum. Erfreulicher ift uns
die Thätigkeit, die er feither entfaltet hat, die Bibel bei
feinen Landsleuten bekannt zu machen. Unlängft ilt
eine grofse von ihm beforgte Ausgabe der arabifchen
Bibel in Mofful fertig geworden (in 4 Bänden 1871—78,
60 M.), gleichzeitig hat er auch dem Syrifchen, das dort
noch immer Kirchenfprache ift, feine Aufmcrkfamkeit
zugewendet; dabei gehen ihm die Dominikaner, die in
Mofful eine Druckerei errichtet haben, tüchtig an die
Hand. So erfchien zunächft 1876 ein kleines Lefebuch
Livre de Lecture Syrien, Mossoul, Imp. des Peres Domi-
nicains, welches nach Art unferer Fibeln eingerichtet,
das Vater Unfer, Ave Maria, Glaubensbekenntnifs, einzelne
Sprüche und Erzählungen aus der Bibel, dann
aber auch längere Stücke aus Ephrem und deflen jüngerem
Zeitgenoffen Cyrillonas enthält. Dem folgte die
obenftehend verzeichnete Pfalmenausgabe, mit einem
fyrifch-lateinifchen Vorwort von Cyrillus Behnam Benni,
fyrifchem Erzbifchof von Mofful bis S. XV) und einer
längeren arabifch gefchriebenen Einleitung von dem Herausgeber
. Es will uns zwar etwas eigenthümlich klingen,
wenn der Erzbifchof die Arbeit feines Klerikers mit dem
vergleicht, was Origenes für die griechifche und Hieronymus
für die lateinifche Kirche gethan habe; für die
Kreife, die es berührt, hat das Unternehmen aber doch
ähnliche Bedeutung, und da gegenwärtig bei uns allenthalben
Verfuche gemacht werden, die beftehenden Bibel-
überfetzungen zu revidiren, dürfte es gerechtfertigt fein,
wenigftens kurz auf diefen im fernen Offen aus der Mitte
der katholifchen Kirche heraus unternommenen Verfuch
hinzuweifen. Dabei möchte ich vor allem hervorheben,
dafs in der ganzen Vorrede von der Vulgata als dem
authentifchen Texte mit keiner Silbe die Rede ift, fondern
Jofeph David von feinem kirchlichen Oberen den
ausdrücklichen Befehl hatte, nach dem hebräifchen
als dem urfprünglichen Text die fyrifche Verfion zu revidiren
, übrigens collatis insuper optimis et praeeipids ve-
teribus versionibus, nominatim vero — nicht der Vulgata,
fondern ea quae Septuaginta Virorum nomine venit. Wieweit
nicht doch von der Vulgata Gebrauch gemacht
I wird, habe ich umfoweniger controllirt, als ja die rö-
mifche Kirche zwei lateinifche Pfalmenrecenfionen anerkennt
. In der Einleitung wird über Werth, Alter, kirchlichen
Gebrauch, Eintheilung, Verderbnifse der altfyri-
fchen Pfalmenverfion Auskunft gegeben; gegen den
j nefforianifchen Bifchof Jefudad (= Jefufreund im IX. Jahr-
I hundert), der mit manchen andern Syrern fie unter Sa-
| lomo für den König Hiram gemacht fein läfst, wird ihr