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Ausgabe:

1880

Spalte:

249-252

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Buddensieg, Adolf

Titel/Untertitel:

De Christo et suo adversario antichristo 1880

Rezensent:

Lechler, Gotthard Victor

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Theologische Literaturzeitung

Herausgegeben von Prof. Dr. E. Schür er in Giefsen.

Erfcheint . , ,, , , Preis

alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinricns fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

iyjo. nt 22. Mai 1880. 5. Jahrgang.

Bu dden Heg, De Christo et suo adversario anti-
christo, ein polemifcher Tractat Johann
Wiclifs, zum erften Male herausg. (Lechler).

Druffel, Ignatius von Loyola an der Römifchen
Curie (Möller).

Baumgarten, Ignatius von Loyola (Derf.).

Jenfen, Schleswig-Holfteinifche Kirchenge-
fchichte, Überarb. und hrsg. von Michelfen,
4. Bd. (Möller;.

Bachmann, Ernft Wilhelm Hengftenberg, fein
Leben und Wirken, 2. Bd. 2. Hälfte (Weiz-
fäcker).

Peip, Religionsphilofophie, hrsg. von Hoppe
(Thönes).

Ohly, Was foll ich predigen? Sammlung von
Grabreden und Leichenpredigten (Sachfse).

Ohly, ,Dein Gott, mein Gott!' Sammlung von
Traureden (Derf.).

Schultz, Wahrheit, Freiheit, That! Predigten
(Derf.).

Aus dem Heiligthume, Predigten von Geldlichen
der evangelifch-lutherifchen Kirche im Herzogthum
Braunfeh weig, hrsg. von Stutzer(Derf-).

Hallelujah! Organ für ernde Hausmuflk. hrsg.

von P o d 1 e r und Zimmer, I .Jahrg. (Sachfse).
Zur focialen Frage und inneren Miffion (Lehmann).

Buddensieg, Dr. Adolf, De Christo et suo adversario anti-
Christo. Ein polemifcher Tractat Johann Wiclifs, aus
den HSS. der K. K. Hofbibliothek zu Wien und der
Univ.-Bibliothek zu Prag zum erften Male herausgegeben
. Gotha 1880, F. A. Perthes. DO S. 4.) M. 2. —
Ein erwünfehter Beitrag zur Literatur über Wiclif,
und namentlich zur Veröffentlichung noch ungedruckter
Schriften des Mannes. Der Verfaffer hat fchon vor Jahren
fich mit Wiclif befchäftigt, und in der Zeitfchrift f.
hift. Theologie 1874 ,Studien zu Wiclif gegeben. Neue-
flens hat er die polemifchen Tractate desfelben, und
zwar die lateinifch gefchriebenen, fo weit fie in Wien
und Prag handfehriftlich vorhanden find, zum Gegenftand
feines Studiums gemacht. Denn mit Recht fchlägt er
den Werth der lateinifchen Werke des Mannes, zum
Behuf einer gediegenen Erkenntnifs feines Geiftes und
Charakters, höher an«, als deffen englifche Schriften. Da
ift es denn mit Freuden zu begrüfsen, dafs der Herausgeber
uns hier einen von den polemifchen Tractaten in
vollftändigem und getreuem Texte zugänglich macht.
Dem Abdruck felbft gehen einige Erörterungen vorher
theils allgemeinen Inhalts, über den gegenwärtigen Stand
der Wiclif-Literatur, den Werth der lateinifchen Werke

gäbe notandi ecclesie, was völlig räthfelhaft klingt. Nun
hat aber Handfchrift B: nocendi, nicht notandi, wie die
kritifche Anmerkung behauptet. Nocendi pafst aber ganz
vortrefflich: Wiclif erinnert, ,mit welchem Feuereifer und
wie grofser Beforgnifs, der Gemeinde zu fchaden, Paulus
die evangelifche Freiheit dem Petrus gegenüber in Schutz
genommen habe'. — Cap. XII § 109, S. 52 lautet der
Text: judicet fidelis utrum in hoc seqnitnr Jesum Christum.
Das utrum pafst nicht in den Zufammenhang, weil zwei
Päpfte einander gegenübergeftellt werden. Da hat wieder
die Handfchrift B allein das richtige: utcr ftatt utrum,
was zugleich dem Gedanken eine farkaftifche Spitze
giebt. Aber auch hier hat der Herausgeber die wichtige,
und unftreitig urfprüngliche Variante in B nicht beachtet.

Hie und da hat fich der Herausgeber zu Vermuthungen
veranlafst gefehen, welche nach meinem Erachten
überflüffig waren; z. B. Cap. IV § 34, S. 39 ift
die Vermuthung, dafs vor dco die Präp. in ausgefallen
fei, entbehrlich, da der Satz: ecclesia deo est unita einen
guten Sinn giebt. Ebenfo fcheint mir die Correctur
Cap. X § 87, S. 47 difftnita ftatt infinita, was die Hand-
fchriften haben, völlig entbehrlich zu fein; der Text der
Handfchrift befagt, dafs unendlich viele päpftliche Erlaffe
betr. Privilegien, Abiäffe, Cenfuren u. f. w. von ein-

Wiclif's, insbefondere feiner polemifchen Schriften; theils j fachen Leuten für Glaubensfachen angefehen werden.
Bemerkungen über den Tractat felbft, feine Bedeutung j Dagegen will ich nicht unerwähnt laffen, dafs die Vermuthung
Cap. XIII § 122, S. 55 ducere ftatt docere oder
dare, was die Handfchriften bieten, treffend und unbedingt
richtig ift.

Mit Recht hat der Herausgeber, wie er vorausfehickt,
den Text mit einer Interpunction nach eigenem Er-
meffen gegeben. Er würde in diefem Betracht an manchen
Stellen noch etwas mehr haben thun können.

für die Kenntnifs von Wiclifs Polemik, Inhalt, Ab
faffungszeit und Echtheit des Stückes, endlich über die
Handfchriften und ihr gegenfeitiges Verhältnifs, fo wie
über die bei der Ausgabe befolgten Grundfätze.

Was nun die Textgeftalt betrifft, welche der Herausgeber
uns liefert, fo bin ich geneigt anzunehmen,
dafs diefelbe bei genauerer Beachtung und angemeffener

Würdigung derjenigen Handfchrift, welche derfelbe mit f Eine richtige Interpunction erleichtert die Lectüre fehr
B bezeichnet (3933 der Wiener Hof-und Staatsbibliothek), , bedeutend und vertritt hie und da die Stelle einer errichtiger
, urfprünglicher und verftändlicher hergeftellt ; klärenden Anmerkung. Wir wollen Kleinigkeiten, wie
werden konnte. Es ift Thatfache, dafs Herr Dr. Bud- ; das mehrmals zu vermiffende Fragezeichen und dergl.
denfieg lange nicht alle Verfchiedenheit der Lesarten, j mit Stillfchweigen übergehen, und begnügen uns damit
welche die verglichenen Handfchriften bieten, in den zu bemerken, dafs ein Paffus, der dem Herausgeber
Anmerkungen conftatirt hat, und zwar Lesarten, welche j Zweifel erregt hat, in den Handfchriften vollftändig
für den Sinn erheblich und entfeheidend find. Einige ! richtig erfcheint, wenn man nur die angemeffene Interwenige
Beifpiele mögen dies erhärten. Gleich im I. Ca- ; punetion anbringt, die wir in dem Druck vermiffen.
pitel ^ 3 S. 33, giebt das Wort instrumcnttim or oratorum j Die Stelle Cap. XI § 103, S. 51 ift offenbar in folgen-
keinen Sinn; Handfchrift B hat aber instruentium, was , der Weife zu interpungiren (des Zufammenhangs wegen
unftreitig das richtige ift, fachlich und grammatifch. ! gehe das Wort Jefu voran): ,Bonus pastor animam
Wiclif unterfcheidet dort in der ftreitenden Kirche die , suam ponit pro ovibus suis'. E contra iste papa qui vi-
drei bekannten Stände: Lehrftand, Wchrftand, Nährftand, detur melior, pro sua vita superba quam continuat contra
die Stände der clerici oder der ,unterweifenden Redner' Christum, per fictam suam cruciatamponit multa milia aui-
(Prediger), der Ritter oder Vorkämpfer der Kirche, und marum. Wiclif will fagen: Während Chriftus, der gute
der Arbeiter. Dafs aber B ftatt instrumentum vielmehr Hirte, fein Leben opfert für die Schafe, opfert Urban VI
instruentium hat, ift vom Herausgeber nicht bemerkt. — | obwohl er vergleichungsweife noch befler ift als fein Geg-
Cap. VI S. 42, § 57 lefen wir in der vorliegenden Aus- | ner, Clemens VII in Avignon, taufende von Seelen zum

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