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Ausgabe:

1880

Spalte:

1-2

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lefèvre, André

Titel/Untertitel:

Religions et mythologies comparées. 2. ed., revue et corrigée par l‘auteur 1880

Rezensent:

Baudissin, Wolf Wilhelm

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von Prof. Dr. E. Schür er in Giefsen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinriclis'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

jvjo. i 3. Januar 1880. 5. Jahrgang.

Leffevre, Religions et mythologies compar^es.
2. ed. (Baudiffin). .

Müller, Die aufserbiblifchen Religionen dar-
geftellt für höhere Lehranftalten und gebildete
Leier (Baudiffin).

Martin, Traite sur l'accentuation chez les Syriens
orientaux (Neftle).

Psalterium Syriacum ad fidem plunum optimo-
rum codicum etc. exactum aJosepho David
chorepiscopo Mausihensi (Neftle).

Baethgen, Unterfuchungen über die Pfalmen 1 Kramer, Neue Beiträge zur Gefchichte Auguft

nach der Pefchita, I. Abth. (Neftle).

Thierfch, Die Kirche im apoftolifchen Zeitalter
, 3. Aufl. (Holtzmann).

Deufsen, Die päpftliche Approbation der deut-
fchen Königswahl (Carl Müller).

Grün, Kulturgefchichte des fiebzehnten Jahrhunderts
, I. Bd. (Nafemann).

Hermann Francke's (Weizfäcker).

Oofterzee, Praktifche Theologie, deutfche Ausgabe
, 2. Bd. (Fay).

Allgemeines Kirchenblatt für das evangelifche
Deutfchland, herausg. von Schott im Auftrage
der evangelifchen Kirchenbehörden etc..
27. Jahrg. (Bertheau).

Lefevre Andre, Religions et mythologies comparees. I Unterfuchungen an. Es folgen: Les dicux de Fancienne
2 ed' revue et corrigee par l'auteur. Paris 1878, j ^Mrte S. 211. L'ißopee finttoise S. 241 (veranlafst durch
' ,Yy -fzt c q Leouzon-le-Duc's Ueberfetzung des Kalevala). Nach:

Leroux. (aa, 305 s. »j La nouvdle vk de jisjn gj 2$s ff fmd ;die endgiltigen

Eine Reihe von Abhandlungen — zum Theil an- Aufklärungen über die Meffiaslegende, den chriftlichen
fcheinend ziemlich alten Datums — bilden den Inhalt > Mythus und die Perfon des Nazareners' bei Straufs zu

des Buches. Sie ftehen in keinem andern Zufammen-
hang als dem, dafs fie fämmtlich Gegenftände der Reli-
gionsgefchichte behandeln. Es find nicht Unterfuchungen,
fondern überfichtlichc Zufammenfaffungen von Ergeb-
nifsen, berechnet auf einen weiteren Leferkreis. Gute
Bemerkungen über die Entftehung einzelner reli-
giöfer Vorftellungen fehlen nicht, ohne dafs jedoch
Neues und Selbftändiges von irgendwelchem Belang
vorgetragen wäre. Religiöfes Verftändnifs geht der
Darfteilung gänzlich ab: wie die Entftehung der Religionen
überhaupt, fo wird namentlich die des
Chriftcnthums mit Voltaire'fchem Spott in den Staub
gezogen. ,Die religiöfe Anfchauung' {le sentiment reli-
rjeujn — f° fagt der erfte Artikel: La naissance des
dicux S. 1 ff. — beruht auf dem ,unvollftandigen und
falfchen Urtheil der urfprünglichen Unwiffenheit, welches
durch die Macht der Gewohnheit (routine) aufrecht erhalten
blieb ... Sie mufste entftehen und dauern, wie
fic wieder verfchwinden mufs. Sie war natürlich, ift
bequem gewefen; hinfort ift fie unnütz und verwerflich'
(S. 5). Auf die Frage, wodurch diefe Anfchauung zu
erfetzen fei, S. 6 die Antwort: ,Wir würden uns damit
begnügen, fie zu befeitigen'. — Zuweilen verliert fich
der Verf. in haltlofen Combinationcn; fo, wenn er in
dem zweiten Auffatze: La science des religions S. 17 ff.
(der fich vorzugsweife mit Bürnouf befchäftigt) meint,
bei dem aguiis, .welches, man Geht nicht ein weshalb, den
Erlöfer der Chrilten darfteilt', könne man ,eine dunkle
Erinnerung an den indifchen Feuergott Agni vermuthen'
(irver S. 27). Nach der Darftellung S. 26, wo das Kreuz
Chrifti aus dem Doppelholz im Agni-Dienft entftanden
gedacht wird: ,der Kreuzungspunkt, an welchem man
fpäter die Strahlenkrone anbrachte, in eine Dornenkrone
verwandelt an der Stirne des Gekreuzigten, ift genau
der Punkt, wo die Flamme herausfehlug' — follte man
meinen, der Verf. halte, wenn nicht die Kreuzigung, fo
doch die Dornenkrönung Chrifti für einen Mythus. —
Solider ift der Inhalt von : La mytliologie comparee S. 31 ff.,
eine Skizzirung der von Max Müller u. A. aufgeftellten
vergleichenden Methode. Dann folgen: Les animaux sym-
boUqucs S. 51; La mytliologie populaire S. 69, Les idees
rcligicuses et cosmogoniques aTHesiode S. 89. Die Abhandlung
: La vie futurc d'apres Homere S. 185 lehnt fich an
Jules Girard, Sentiment rcligicux en Grece, die nächfte:
Croyances et legendes de l'antiquitc S. 197 an Alfr. Maury's
1

finden (S. 259). Die Maximen Jefu erklärt der Verf. zum
Theil (z. B. Seligpreifung der geiftlich Armen, Freude
über den bufsethuenden Sünder) für ,der menfehlichen
Natur, Vernunft und Würde geradezu widerftreitend'
(S. 261). — E. Havet's Christianisme et ses origines hat
dem Verf. Anlafs gegeben zu: Le christianisme et ses
origines helleniques S. 271 ff. Darauf folgen: Mennes
pratiques S. 289, Le buddhisme ancien et moderne S. 301,
Mesmerisme et spiritisme S. 321, Une Utopie morte S. 337,
Paleontologie intellectuelle S. 353—364.

So viel von dem buntfeheckigen Inhalt. Zur Empfehlung
vermag ich nichts hinzuzufügen.

Strafsburg i. E. Wolf Baudiffin.

Müller, Pfr. J., Die ausserbiblischen Religionen dargeftellt
für höhere Eehranftalten und gebildete Lefer. Aarau
1879, Chriften. (IV, 140 S. gr. 8.) M. f. 80.

Nach Titel und Vorwort ift vorzüglich dies die Abficht
des Verf.'s gewefen, einen Leitfaden für den Schulunterricht
zu liefern. Abgefehen davon, dafs Ref. die
Einführung der allgemeinen Religionsgefchichtc als Un-
terrichtsgegenftand in Schulen, feien es auch Gymnafien,
für durchaus unzweckmäfsig hält und die zu Grunde
liegende Anfchauung des Verf.'s von der Berechtigung
des confeffionslofen Religionsunterrichtes (S. III) in keiner
Weife theilt — abgefehen davon ift vorliegende Schrift
zu irgendwelchem Unterricht durchaus nicht geeignet,
weil fie viel zu wenig verfteht, das Wichtige und Un-
terfcheidende der verfchiedenen Religionen herauszuheben
und von höchft oberflächlicher Bekanntfchaft des
Autors mit feinem Stoffe zeugt. Auffallend unpräcife
ift fchon die Gruppirung des Inhaltes; der Verf. unter-
fcheidet als Entwickelungsftufen der Religion: Schamanismus
und Fetifchismus, Cultur- oder fymbolifche Naturreligion
(eine Stufe, die, fehr ungücklich bezeichnet,
von der erften fchwer zu trennen fein würde), humane
Naturreligion, Gefctzesrcligion, Geiftesreligion (S. 5 f.).
Nach 2 , Seiten über Schamanismus und Fetifchismus
kündigt eine Ueberfchrift S. 9 die fymbolifchen Naturreligionen
an, unter welchen dann weiterhin zum Er=
ftaunen des Lefers der Buddhismus folgt. Der Verf. hat
offenbar fein Schema nicht durchzuführen vermocht und
in der That hauptfächlich nach geographifchen und ethno-
logifchen Gefichtspunkten zufammengeftellt: Peruaner,