Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1880

Spalte:

189-191

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hase, Carl Alfr.

Titel/Untertitel:

Herzog Albrecht von Preussen und sein Hofprediger. Eine Königsberger Tragödie aus dem Zeitalter der Reformation 1880

Rezensent:

Möller, Wilhelm

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

189 Theologifche Literaturzeitung. [880. Nr. 8. 190

des grofsen Werkes, von welchem der vorliegende Band
den Abfchlufs der alten Kirchengefchichte bildet, find
hinreichend bekannt. Es fei daher nur eine allgemeinere
Bemerkung verftattet. Die Biographen haben fich durch

Roterodami und den Ueberfetzungen verfchiedener latei-
nifcher Schriften Luther's und Melanchthon's treten hervor
die anonyme Schrift über die Bedeutung des Wörtleins
Sela, der populär-reformatorifche Verfuch gegen

die Perfönlichkeit Gregor's fympathifcher berührt gefühlt die Heiligenanbetung, nämlich ,St. Anfelmus Frage,
als durch die Leo's. Namentlich heben fie es wiederholt 1 die Kraft und Ehre Gottes und feiner Heiligen be-
hervor, dafs jener die päpftlichen Anfprüche in mafs- | langend', ein Dialog zwifchen Anfelm und der Mutter
vollerer Weife geltend gemacht habe, als diefer, und dafs 1 Gottes zuerft in etwas holprigen Reimpaaren, dann in
er Züge von Demuth aufweife, die man in diefer Art | Profa ausgehend; der Regensburger Katechismus (1542).
bei Leo vergebens fuche. Dies Urtheil vermag Ref. Ferner erfcheint in diefer Zeit der erfte Theil der Chro-
nicht zu theilen. Die Biographen haben ein Doppeltes I nologie und die Fortfetzung der Chronik Carion's. Von
überfehen, refp. nicht hinreichend gewürdigt, crftlich: Gre- ; befonderem Intereffe ift auch die bei Funck's Lebzeiten
gor ift Mönch, Leo ift es nicht und zweitens: die poli- nicht gedruckte Arbeit über die Offenbarung Johannis,
tifchen Verhältnifse, unter denen Gregor regierte, waren i aus welcher der Verf. S. 105 ff. Mittheilungen macht,
ungleich fchwierigere und complicirtere, als die zur Zeit Die Arbeit fleht unter den Eindrücken des Interim, in
Leo's. Diefer befand fich in der denkbar günftigften folge deffen F. feine heimifche Stellung verlor; die ange-
Lage namentlich Byzanz gegenüber, Gregor trat in ein hängte apologia mitoris datirt vom 2. Auguft 1547.
fchlimmes Erbe ein. Hätten die Verf. die Zeitlage in : Natürlich richtet fich hier, wie bei Luther und Ofiander,
ihrer Biographie Gregor's eben fo forgfam gewüdigt, die Spitze der Auslegung gegen das antichriftifche Papft-
wie fie das in Bezug auf die Leo's gethan haben, fo ; thum; bemerkenswerth ift aber das ftarke Selbftgefühl,
wäre ihr Urtheil anders ausgefallen. Aber fchon der j welches fich bei ihm diefen Vorgängern gegenüber aus-
Umfland, dafs fie Gregor in ihrer Darfteilung nicht mehr fpricht: ,und hat ihnen (sc. den Wenigen, welche mit

Raum bewilligt haben als Leo, — obgleich die Quellen
über jenen drei- und vierfach reicher find — darf als
Mafsftab dafür gelten, wie viel vollftändiger und deshalb
zuverläffiger die Biographie Leo's hier ausgefallen ift,
als die Gregor's, des Papftes, der doch ungleich Bedeutenderes
und Bleibenderes gefchaffen hat als Leo, wenn er
auch nur feiten fo unverhüllt reden durfte und konnte

Fleifs diefen Dingen nachgeforfcht) doch Gott nicht
mehr verliehen, denn dafs fie mit ihren Gaben mir weiter
zu forfchen und zu buchen Anleitung und Urfach
gegeben haben, aus welchen die fürnehmften find: Herr
Doctor Martin Luther und Herr Andreas Ofiander'.
Mit diefem ,feinem lieben Herrn und Bruder in Chrifto'
hat nach einem vom Verf. mitgetheilten Briefe vom 25.

wie diefer. Mai 1547 Funck fich über feinen Ruf nach Preufsen be-

r- f„„ Ari i-iormri- rathen, und Ofiander hat ihm zugeredet. Im folgen-

Giefsen. ca. riarnacK. , p u__c.__.. , „, p ,. ,

----! den Gap. (der Streit der Theologen bis zum lode

Hase, Mil.-Oberpfr. D. Carl Alfr., Herzog Albrecht von ; Ofiander's) fchliefst fich der Verf. im Ganzen eng an

Preussen und sein Hofprediger. Eine Königsberger Tra- meine Biographie Ofiander's an. Doch bietet er zur

gödie aus dem Zeitalter der Reformation. Leipzig Beurtheilung Funck's manchen neuen Beitrag aus Hand-

fchriftlichem, wie den Bericht Funck's für feinen Nürnb.

Schwager Schulthefs (S. 163 f.), Funck's eigene wenig

erbauliche Darfteilung von feiner Gemüthsanfechtung

(S. 171 f.), welche übrigens abgefehen von der differi-

renden fubjectiven Färbung den bisher allein bekannten

Bericht Mörlin's im Wefentlichen beftätigt; den pfeudo-

nymen Brief (S. 175 f.), das Spottlied auf Mörlin (183)

u. f. w. Auch im vierten Capitel (F.'s geiftl. Herrfchaft

und Widerruf 1552— 1561 [mufs 1563 heifsen]) fallen

manche neue Streiflichter auf das perfönliche Verhalten

1879, Breitkopf & Härtel. (VIII, 396 S. gr.8.) M. 8.
geb. M. 9. — .

Es ift die Geftalt des Mag. Joh. Funck, des eifrigen
Anhängers Andr. Ofiander's, welche im Mittelpunkt diefer
anziehend und gefchmackvoll gefchriebenen Darfteilung
fteht; doch ift der umfaffenderc Titel des Buchs berechtigt
, denn die Königsberger Tragödie kann nicht darge-
ftellt werden, ohne dafs das Bild des Herzogs mit aufgenommen
und beleuchtet werde. Gerade die intime

Beziehung des Herzogs zu feinem Hofprediger, wie der j Funck's, die Ausdehnung feines Einfluffes auf Albrecht,

verhängnifsvolle Einflufs diefes auf jenen fchürzen den
Knoten der Tragödie. Aus den Schätzen des Königsberger
Archivs bringt der Verf. nicht Weniges bei, was
beide Männer in helleres Licht fetzt. Das einleitende
erfte Capitel bringt eine gut gearbeitete lichtvolle Darfteilung
der Anfänge Albrecht's wie der reformatorifchen
Predigt in Preufsen; die eigenthümlich fchwierigen Verhältnifse
Albrecht's vor wie nach dem Krakauer Frieden,
die Durchführung der Reformation, endlich die redlichen
Bemühungen A.'s um Schule und Univerfität werden
dargeftellt bis zu dem Zeitpunkt hin, in welchem Johannes
Funck in Folge der Interimsunruhen feine Schritte
von Nürnberg nach Preufsen lenkte. Das zweite Capitel
hat das Verdienft, zum erften Male etwas ausführ-

die zuweilen recht bedenklichen Mittel, deren er fich
bediente, endlich auf die beginnende Unficherheit des
viel gehafsten Mannes. Ueberfehen hat der Verf. den
Rath, welchen Brenz bereits am 7. Jan. 1555 dem Herzog
hinfichtlich Funck's gab (Preffel, Anecd. Brentiana
400 sq.). Die Notiz über Funck's Reife nach Warfchau
zur Theilnahme an einer Synode im Herbft 1555 (S.234)
bedarf der Ergänzung und Berichtigung; gemeint ift
jene Synode, welche behufs Vereinigung der Evange-
lifchen Polens mit den Böhm. Brüdern vom 24. Aug.
bis 2. Sept. 1555 nicht in Warfchau, wie man nach dem
Verf. annehmen müfste, fondern in Kozminek bei Kalifch
in Grofspolen gehalten wurde, und zu welcher Herzog
Albrecht neben einem andern Deputirten auch feinen

licher und genauer das frühere Leben Funck's darzuftel- 1 Hofprediger fandte (f. Regenvolscii Systema hist. chron.
len, wobei auch die zum Theil recht feltenen Schriften j Eccles. Slavon. Ultraj. 1652 p. 76, u. Salig, hiftor. d. A.
desfelben aus diefer Zeit befprochen werden. — In mei- j Conf. II, 589). Einen peinlichen Eindruck macht es nun,
ner Skizze in der Real-Encyklopädie (2. A. IV, 716) j wie bei der Wendung, welche durch den Herzog Joh.
hatte ich, geftützt auf die mir hier allein zugängliche j Albrecht von Mecklenburg herbeigeführt wurde und
Ausgabe von Funck's Chronologie, Wittenberg 1578, welche fchliefslich zu Funck's Widerruf auf der Synode

als Geburtsdatum den 7. Febr. 1518 angegeben; nach
unferm Verf. (S. 87) wird ftatt deffen auf Grund der
Originalausgabe von 1552 der 24. Februar zu fetzen
fein. Die literarifche Betriebfamkeit des jungen rafch
auffaffenden und felbftbewufsten Mannes, der 1539 Wittenberger
Magifter geworden war, ift eine ziemlich ftarke.
Abgefehen von dem Gefpräch aus den Colloquiis Erasmi

von Riefenburg (Febr. 1556) führte. Funck fich windet
und fträubt und zuletzt fich felbft untreu wird. Der
Verf., welcher für diefe "Periode wichtige briefliche
Aeufserungen Funck's beibringt und das Wefentliche
aus deffen Zufammenftellung und fubjectiver Zurecht-
ftellung des von ihm Widerrufenen mittheilt, urtheilt
mit Recht von diefer ganzen Epifode: ,es war ihm Un-