Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1880

Spalte:

188-189

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Böhringer, Friedr.

Titel/Untertitel:

Die Kirche Christi und ihre Zeugen oder die Kirchengeschichte in Biographieen. 12. Bd. 2. völlig umgearb. Aufl. 2. Ausg 1880

Rezensent:

Harnack, Adolf

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

187

188

tut [Var. tvcpqaivovcai] hat. Da eine Lesart tiu,%rioav-
%ai nicht überliefert ift, liegt es am nächften exsultabuntur
zu emendiren). An auffallenden, mitunter wunderlichen
Ueberfetzungen fehlt es nicht. So wird z. B. 1-vlov
■d-vivov 18, 12 durch lignum incensi wiedergegeben, hnwqa
18, 14 durch hora, 'iva aiii}V nozctj.io(pÖQrjTov noirfitj 12,
15 durch Ut eam faceret ictu fluminis trahi ad se. Als
gelegentlich bemerkte Nachträge zu Rönfch, Itala und
Vulgata, find zu notiren sexingcnti 13, 18 ft. sexcenti und
salpistra 18, 22 für aahiian'ß.

Göttingen. O. Gebhardt.

Atzberger, Leonh., Die Logoslehre des hl. Athanasius. Ihre
Gegner und unmittelbaren Vorläufer. Eine dogmen-
gefchichtliche Studie. Gekrönte Preisfchrift. München
1880, Stahl. (VII, 246 S. gr. 8.) M. 3. 60.

Diefe umfangreiche Monographie erfüllt die Erwartungen
nicht, die man an fie zu ftellen berechtigt ift, d.
h. fie macht das Intereffe nicht deutlich , aus welchem
die athanafianifche chriftologifche Formel flammt, bringt
daher auch den Gegenfatz zwifchen Athanafius und feinen j
Gegnern nicht zum richtigen Ausdruck und läfst endlich
bei aller Ausführlichkeit eine genaue und zutreffende
Erläuterung der ftreitigen Begriffe vermiffen. Der Verf.
ftatuirt für feine Darftellung der Logoslehre des Atha- j
nafius einen doppelten Ausgangspunkt: der hiftorifche
Chriftus und die Exiftenz des Logos, feine Thätigkeit 1
als Schöpfer des Univerfums inbegriffen. Dazu ftellt er
als drittes die beweiskräftige Autorität der h. Schrift.
,Auf diefer dreifachen Vorausfetzung der hiflorifchen
Erfcheinung Chrifti, der Exiftenz und fchöpferifchen
Wirkfamkeit des Logos und der Autorität der h. Schrift
ruht das ganze Gebäude der athanafianifchen Lehre vom
Logos in Gott'. Demgemäfs handelt er im erften Theil
von den immanenten Beziehungen des Logos (I. Haupt-
ftück: Gegner und Vorläufer der Logoslehre des h. |
Athanafius. II. Hauptftück: Athanafius im Kampfe gegen 1
die antitrinitarifche Härefie. III. Hauptftück: Die Ausbildung
der Lehre von den immanenten Beziehungen des
Logos durch Athanafius), im zweiten Theile von dem
Verhältnifs des Logos zur Creatur auf Grund der Schöpfung
und im dritten vom Verhältnifs des Logos zur Creatur
auf Grund der Incarnation (I. Hauptftück: Die chriftologifche
Härefie. II. Hauptftück: Athanafius im Kampfe
gegen die chriftol. Härefie. III. Hauptftück: die Ausbildung
der Chriftologie und Soteriologie durch Athanafius
). Unter der Vorausfetzung jenes dreifachen Ausgangspunktes
mag diefe Eintheilung zu Recht beftehen;
aber wie fteht es um die Vorausfetzungen? Erftlich j
find fie nicht gleichwertig, fondern disparat, fodann !
kann auf Grund ihrer Gültigkeit die Logoslehre des
Athanafius höchftens als theologifch-wiffenfchaft-
1 ich es Problem erörtert werden. So erörtert fie auch
der Verf. Er fagt S. 8: Jede Logoslehre, die als Syflem
auftritt, mufs gewiffe philofophifche Vorausfetzungen in
(ich fchliefsen und diefe werden auch naturgemäfs einen
ganz wefentlichen Einflufs ausüben auf die wiffenfchaft-
liche Darftellung der theologifchen Wahrheiten. Denn
das Uebernatürliche kann nur begriffen werden
durch die Begriffe von dem Natürlichen, eine
falfche Philofophie wird demnach jederzeit zujr
Härefie in der Theologie führen'. Alfo handelt
es fich für den Verf. wefentlich um die richtige Philofophie
in dem trinitarifchen Streit, und zwar, dürfen
wir fortfahren, um eine folche Philofophie, die nach dem
Grundfatz verfährt: ,was man nicht verftehen kann, das
erklärt man fich'. Indeffen andererfeits fchilt der Verf. !
S. 29 die Arianer in der Theologie kurzweg Rationaliften,
,indem fie die Verhältnifsbegriffe des Endlichen ohne
Weiteres in ihrem ganzen Umfange auf das Unendliche
übertrugen'. Der Nachdruck liegt hier auf den
beiden gefperrt gedruckten Worten. Alfo zieht der Verf. i

den grofsen Streit auf ein Niveau herab, auf welchem
man ihn nicht mehr verftehen kann: Hier und dort übernatürliche
Wahrheiten, aber in verfchiedener Behandlung
, dort in formaliftifch dialektifcher, hier in fpecula-
tiv ontologifcher. ,Allerdings hat in der Dogmatik das
dialektifche Element diefelbe Berechtigung wie das 011-
tologifch-fpeculative; allein eine fo abfolute Herrfchaft,
wie ihm Arius zuwies, mit gänzlicher Preisgebung des
zweiten, darf es nie erlangen, wenn nicht der ganze
Glaube in dürre Formeln und todte Begriffe
aufgehen foll'. DieArianer find Häretiker, weil fie
,das Seiende felbft nach den Formen des endlichen
Denkens bemeffen'. Das heifst man offen geredet: das
Schickfal des Glaubens liegt in der Hand des Philofophen;
die Probleme des Theologen find nur als philofophifche
verftändlich zu machen. Und das religiöfe Intereffer
nun dem wird eben in der ontologifchen Speculation
genügt, die fich bei der Behandlung der Soteriologie im
betten Falle potenzirt. Dies ift freilich Alles nicht neu,
vielmehr fehr bekannt; aber die Offenheit, mit welcher
der Verf. feine untheologifche Scholaftik an die Spitze
feiner hiflorifchen Unterfuchung geftellt hat, ift dankenswerte
In einzelnen Stücken foll dem Verf., der fteifsig
aus den Quellen gearbeitet hat, Verdienft nicht abge-
fprochen werden; indeffen die ganze Vorgefchichte des
Streites hat er unfelbftändig nach mangelhaften Vorarbeiten
reproducirt. Bei Urtheilen wie diefem, dafs im
Sabellianismus der j ü d i f ch e Monotheismus mit den Waffen
des heidnifchen Pantheismus auftrete, begnügt fich der
Verf., Marcell's von Ancyra Lehre hat er einer näheren
Unterfuchung nicht gewürdigt. Endlich liefert der Verf.
am Schlufs [.Refultat der Lehre von dem Werke Chrifti
bei Athanafius') den Beleg dafür, wie verhängnifsvoll es
ift, die Logoslehre des Athanafius von feinen übrigen
.Lehren' zu ifoliren. Denn was der Verf. uns als Summa
der Anfchauungen Athanafius' vom Werke Chrifti bietet:
.Chriftus fteht vor uns alseinWefen, das durch feine unmittelbare
Erfcheinung und feine Wunderwerke
fich als Herrn alles Seienden und als Ideal alles fitt-
lichen Strebens hinftellt, das durch feinen Tod die
Sünde vernichtet in der menfchlichen Natur felbft und
diefe mit Gott verföhnt, das durch feine Auferfteh-
ung den factifchen Beweis liefert für die Vernichtung
des Todes, durch feine Himmelfahrt uns die Pforten
des Himmels erfchliefst , das fortwährend in der
Kirche lebt und wirkt, fei es in facramentaler, fei
es in myftifcher Weife u. f. w.' — ift entweder geradezu
falfchoderdochunvollftändigund übervollftändig zugleich.
Der Verf. hat fich dabei ,des tiefften Staunens überdieTiefe
und Innigkeit der athanafianifchen Anfchauungen nicht
erwehren können' — man möchte ihn dafür an die mittelalterlichen
Theologen und Asketen feiner eigenen Kirche
verweifen, deren .Tiefe und Innigkeit' fich in werthvolleren
Gedankenreihen ausgefprochen hat. Oder ift ,der
unerfchöpfliche Inhalt des Dogma von der Incarnation'
das letzte Wort auch der abendländifchen Kirchen?

Giefsen. Ad. Harnack.

Böhringer, Friedr., Die Kirche Christi und ihre Zeugen oder
die Kirchengefchichte in Biographieen. 12. Bd.
A. u. d. T.: Die alte Kirche. 12. Thl.: Das 4. u.
Jahrhundert. Von Friedr. und Paul Böhringer.
Die Väter des Pabftthums: Leo I. und Gregor I. 2.
völlig umgearb. Aufl. 2. Ausg. Leipzig 1879, Hin-
richs. (VIII, 264 S. gr. 8.) M. 6. —

Die Biographieen der beiden grofsen Päpfte er-
fcheinen in diefer zweiten Auflage in wenig veränderter
Geftalt. Die umfangreichften Zufätze find eine Ueber-
ficht über die Entwicklung der Hierarchie bis auf Leo
und eine von Keffelring gelieferte Abhandlung .Gregor
und der Cultus'. Methode, Vorzüge und Mängel