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Ausgabe:

1879 Nr. 8

Spalte:

177-180

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kleinert, Paul

Titel/Untertitel:

Abriss der Einleitung zum Alten Testament in Tabellenform. An Stelle der 3. Aufl. von Hertwig’s Einleitungstabellen neu bearbeitet 1879

Rezensent:

Baudissin, Wolf Wilhelm

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Theologifche Literaturzeitung. 1879. Nr. 8.

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legende Hinweis auf die Notwendigkeit eigenen Prüfens
unumgänglich erfchien. In Folge der erwähnten Anläffe
hat in diefer Anzeige Dasjenige, worin Herausgeber und
Ref. bis jetzt nicht übereinftimmen, einen ziemlich grofsen
Raum einnehmen muffen. Niemand wolle dies für Ta-
delfucht halten! Ref. fchliefst gern mit dem Zugeftänd-
nifs, dafs er auch aus der neueften Arbeit des Hrn. Dr.
Baer nicht Weniges gelernt hat und dafs diefelbe, ab-
gefehen fogar von den Anhängen, alle früheren Drucke des
Zwölfprophetenbuchs an Werth übertrifft. Möchte es dem
trefflichen Herausgeber befchieden fein, nach und nach
auch die übrigen Bücher des A. T. zu ediren, und möchte
er fich cntfcliliefsen können, die hier vom Ref. ausge-
fprochenen Wünfche zu berückfichtigen'. Den Dank
Aller, die fich mit dem A. T. wiffenfchaftlich zu be-
fchäftigen haben, verdienen auch Hr. Prof. Franz De-
litzfch für die rege Förderung der Baer'fchen Arbeiten
und der Hr. Verleger für die uneigennützige Bewilligung
der nicht unerheblichen materiellen Mittel, welche die
würdige Herftellung folcher Bücher erfordert.

Berlin. Herrn. L. Strack.

Kleinert, Prof. Dr. Paul, Abriss der Einleitung zum Alten

Testament in Tabellenform. An Stelle der 3. Aufl.
von Hertwig's Einleitungstabellen neu bearbeitet.
Berlin 1878, G. W. F. Müller. (VIII, 115 S. gr. 4.)
M. 7. —

Wenn diefer Abrifs auf dem Titel bezeichnet wird
als ,an Stelle der dritten Ausgabe von Hertwig's Einleitungstabellen
' getreten, fo will damit die neue Arbeit
an den Namen eines feit lange als brauchbar anerkannten
Hülfsbuches fich anlehnen; he ift im Grunde ein ganz
neues Buch, welches mit der fchon von Kleinert beforg-
ten zweiten Auflage faft nur die tabellarifche Form gemein
hat. Diefe ift durch Zufammenziehung mehrerer
Tabellen wie durch Verminderung der Rubriken auf den
einzelnen Tabellen vortheilhaft vereinfacht. Auch alle
anderen Neuerungen find unbedingt als Verbcfferungen
zu bezeichnen. Sehr vervollkommnet fcheinen mir namentlich
die Inhaltsüberhchten zu fein; die Darftellung
der verfchiedenen kritifchen Auffaffungen eines jeden
Buches ift vervollftändigt und bei weitem überhchtlicher
angelegt; ausgezeichnet ift z. B. der Ueberblick über
die hifto'rifch-kritifche Behandlung des Pentateuchs; ich
wüfste nicht, wo der einigermafsen Vorbereitete
fich in Kürze beffer die verfchiedenen Anfchauungen
vergegenwärtigen könnte, und jede derfelben fcheint mir
gleichmäfsig zu ihrem Rechte gekommen zu fein; für
den Lernenden ift gerade hier die Fülle der Einzelheiten

faft zu grofs. Die Literaturangaben find mit dem gröfs- i Charakteriftik' nicht überall klar; auch läfst fich beides

Fach werden öfter "in der Lage fein, fich diefes Hülfs-
mittels mit Dank zu bedienen. Uns will auch bei diefer
Neubearbeitung bedünken, dafs gerade für fie und den
Kreis der gefchulten Theologen überhaupt dies Buch
nützlicher ift als für die Studirenden, welchen es, fo gebraucht
, wie es gebraucht fein will, nämlich ,als das Ge-
rüft, in welches der Studirende den Ertrag der Vorlef-
ungen über biblifche Einleitung und feiner eigenen bez.
Studien einzutragen in der Lage fein werde' (S. V), freilich
ebenfalls fehr dienlich fein, welchen es aber anderer-
feits leicht verführerifch werden kann zu mechanifcher
Einprägung einer Summe von Behauptungen, deren Begründung
ihnen unbekannt ift. Für unbefonnenen Gebrauch
aber kann der Verf. nicht verantwortlich gemacht
werden. Die guten Inhaltsangaben und Bemerkungen
zur Charakteriftik, welche den ,Abrifs' vor fämmtlichen
gebräuchlichen Einleitungen auszeichnen, erhöhen ohne
Zweifel die Brauchbarkeit für Studirende, welche bei der
gewöhnlichen Behandlungsweife diefer Disciplin nicht
feiten mit einigen kritifchen Brocken fich abfpeifen laffen,
ohne ein deutliches Bild von dem behandelten Buche
felbft zu befitzen.

Was Ref. allein an der überaus umfichtigen und in
ihrer anfpruchslofen Geftalt doch für den Wiffenden von
feinem Verftändnifs und fogar von geiftvoller Darftell-
ungsgabe (man (ehe z. B. die fehr gefchickte Ueberficht
über die Auslegungsweife der Gegenwart S. 93) zeugenden
Schrift auszufetzen findet, ift — eine Hauptfache
allerdings — die tabellarifche Form. Bei langem Gebrauche
der Hertwig'fchen Tabellen für Einleitung habe
ich nie herauszufinden vermocht, worin der praktifche
Nutzen diefer Anordnung beftehe — davon nicht zu
reden, dafs die Ueberfichtlichkeit der Tabellen, die fich
über mindeftens 2 gegenüberflehende Seiten erftrecken,
gänzlich geftört wird, wenn man wie nach Hertwig's
Vorgang Kleinert felbft empfiehlt, fich das Buch mit
weifsem Papier durchfehiefsen läfst für eigene Nachträge.
Ich kann nicht einfehen, was dadurch gewonnen wird,
dafs ich in einer Spalte von Namen und Inhalt, in der
daneben flehenden von der Charakteriftik, in einer dritten
von der Entftehung u. f. w. und in einer vierten
von der Literatur eines altteftl. Buches erfahre. Diefes
Nebeneinander fcheint mir eher zu verwirren als der
Orientirung dienlich zu fein. Auch will mich bedünken,
dafs der Verf. zuweilen den 4 Rubriken zu liebe, welche
er nun einmal herftellen mufs, gekünfteltc Scheidungen
vornimmt. Warum müffen z. B. bei den kleinen Propheten
die Bemerkungen über ,Geftalt, Beftandtheile und
Elntftchung' in eine Rubrik, ,Vcrfaffer, Bemerkungen zur
Charakteriftik' in eine andere gerathen? Zudem ift mir der
Unterfchied der Bemerkungen über ,Geftalt' und ,zur

ten Fleifse revidirt und weiter geführt. Sehr dankens- j nicht fo durchaus fondern vom .Inhalt', welchem wieder
werth find am Schluffe die neu hinzugekommenen ,Ta- j eine befondere Spalte eingeräumt ift. Unbequem wird

fein': 1) ,Die Zufammcnfetzung des Hexatcuchs' giebt
Capitel für Capitel, Vers für Vers die Compofition nach
Hupfeld, Knobel, Schräder, Kayfer, aufserdem die der
Gcnelis nach Dillmann und des Deuteronomiums nach
Kleinert; Tafel 2 bietet den .Synchronismus der Könige
von Juda und Ifrael' nach Keil, O. Wolff, Ewald, The-
nius, Brandes und Sharpe; eine fehr nützliche Zugabe
und in einer Einleitung durchaus am Platze. Der Index

die Tabellenform namentlich da, wo 2 Seiten für eine
1 abelle nicht ausreichen und man beim Umfchlagen fich
wieder der betreffenden unter den 4 Columnen erinnern
mufs. Bei den Megilloth, welche fich in einer Tabelle
zu vertragen haben, ftört geradezu beim Lefen die Befürchtung
fich aus einem Buch in das andere zu verirren.
Es wäre hier in etwas zu helfen gewefen, wenn auch in
Spalte 2—4 (oder doch auf jeder neuen Seite, alfo Sp. 3)

der Sachen und Autoren ift mit grofser Vollftändigkeit jedes Buch, wie es nur in Sp. 2 beim Hohenliede ge
angelegt und, fo weit ich bemerkt habe, durchaus ^ fchehen ift, durch fette Schrift hervorgehoben worden
correct. J wäre. Vollends aufgehoben wird das Princip, wenn —

Mit anerkennenswerther Selbftlofigkeit läfst der Ver- ; wie dies viele Male gefchieht — das Endftück einer

faffer faft überall das eigene Urtheil zurücktreten, mit
wenigen Ausnahmen nur da feine Anfchauung angebend,
wo er über eigene frühere Schriften zu referiren hat;
denn diefer .Abrifs' will nicht Selbftändiges geben, fondern
zur Orientirung für Lernende dienen und als Nach

Spalte zur Raumerfparnifs auf den leeren Raum einer
anderen übertragen wird (z. B. S. 9. 15. 25). Ich verftehe
nicht, welche Nachtheile es mit fich brächte, wenn, wie
es fonft in vernünftigen Büchern gebräuchlich ift, Seite
für Seite ein Abfchnitt nach dem andern gedruckt und

fchlagebuch für .folche, welche im praktifchen Beruf die 1 fomit das Tabellenwerk in ein Compendium umgewan-
biblifchcn Studien fortfetzen'. Aber auch Exegeten von ! delt würde, wozu durch Kleinert's Vereinfachung des