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Ausgabe:

1879

Spalte:

121-123

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Encyclopédie des sciences religieuses, puliée sous la direction de F. Lichtenberger. Tome I - III 1879

Rezensent:

Bertheau, Carl

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Theologische Literaturzeitung,

Herausgegeben von Prof. Dr. E. Schürer in Giefsen.

Erfcheint Prels
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

No. 6, 15. März 1879. 4. Jahrgang.

Encyclopedie des sciences religieuses, publiee ; sium. t. Bd. Von Bonifacius bis Arnold von
sous la direction de F. Lichtenberger, Seiehofen, 742?—1160, bearb. von Will

T. I—III. (Bertheau). | (Zoepffel).

Schnedermann, Die Controverfe des Ludovi- , Kraufsold, Dr. Theodorich Morung, der Vor-
cus Cappellus mit denBuxtorfen über das Alter 1 böte der Reformation in Franken (Ritfehl),
der hebräifchen Punctation (Strack). [ Baur, Martin Luther, ein Lebensbild (Plitt).

Kierkegaard, Einübung im Chriftenthum, aus
dem Dänifchen überfetzt von Barthold (Lindenberg
).

Schulze, Sonntags-Andachten in Predigten und
Liedern über die Sonn- und Fefltagsepifteln
des chriftlichen Kirchenjahrs (Wächtler).
Höhne, Mancherlei Gaben, ein Geilt. Vorträge

Vechtrup, Der heilige Cyptian. Ii Cyprian's Rothe, Der erfte Brief Johannis praktifch erklärt.

Leben (Harnack). I Aus Rothe's Nachlafs herausg. von Mühl- I über Themen aus den Grenzgebieten der Theo-

Böhm er, Regesta archiepiscoporum Maguntinen- häufser (Meier). logie (Meier).

Encyclopedie des sciences religieuses, publiee sous la direction
de F. Lichtenberger. Tome I—III. Paris
1877 et 78, Sandoz & Fifchbacher. (XXVII, 776;
804 u. 796 S. gr. 8.) ä M. 12. 50.
Gleichzeitig mit der zweiten Auflage unferer deut-
fchen Realencyklopädie für proteftantifche Theologie
und Kirche, deren vierter Band in diefen Tagen vollendet
ift, erfcheint in Paris ein ähnliches Werk in franzö-
fifcher Sprache, welches nach dem Profpect auf 10 bis
12 Bände berechnet ift, von welchen bis jetzt 3 Bände
vorliegen. Nach der Vorrede zu demfelben (vgl. Bd. I,
S. VI) hat die erfte Auflage des deutfehen Werkes die
Veranlaffung zu dem franzöfifchen gegeben (a inspire
ndee »ihm- de cette entreprise) und im Wefentlichen hat
fleh diefes letztere auch diefelbe Aufgabe mit dem erfteren
geftellt, nur dafs fie etwas unifaffender gedacht ift, wie
fchon der Titel ausfpricht. Eine Encyclopedie des sciences
religieuses, nicht theologiques (vgl. a. a. O. S. II),
nennt fleh nämlich das Werk und zwar theils wegen des
Lefcrkreifes, für den es beftimmt ift, theils wegen feines
Inhaltes. Es will allen denen dienen, die in die Unter-
fuchungen eingeweiht werden wollen, an welchen früher
nur die eigentlichen Theologen Antheil nahmen, — einem
Publicum, das gerade auch aufserhalb der kirchlichen
Kreife von Tag zuTage zahlreicher werde. Und was den
Umfang der Kenntnifse anlangt, die berückfichtigt werden
follen, fo fei die Theologie feit etwa fünfzig Jahren
eine ganz andere geworden; fle habe ihr Gebiet dadurch
bedeutend erweitert, dafs fie auch das Princip der hifto-
rifchen Methode angenommen und die Refultate anderer
Wiffenfchaften fleh dienftbar gemacht habe. Die letztgenannte
Aeufserung bezieht fleh vor allem auf die vergleichende
Religionsgefchichte. L'histoire des religions,
fo heifst es a. a. O. S. III, d'origine toide recente, y (nämlich
in diefer Encyklopädie) trouvera wie large place.
Grace aux travaux rcmarquables, que les dernieres decou-
vertes ont provoques sur l'Egyp/e, la Phenicie, l'Assyrie,
la Perse, rinde, la Chine, venant succkler aux recherches
plus anciennes sur la Grece, la Scandinavie et la Gaule,
il est possible, des aujourdhui, de tracer un tableau com-
plet au paganisme. Nous demanderons aux documenls
originaux de nous faire connaitre l' expression si variee et
souvent si ingemeuse que le sentiment religieux a trouvec
chez lespeuples qui vivaient avant l'ere chretienne ou qui sont
places en dehors de l'action de fEvangile. Es will uns
jedoch fcheinen, als wenn diefes Programm nicht in der
Ausdehnung zur Ausführung gekommen ift, als nach
diefen Worten zu erwarten gewefen wäre; der Artikel

eine noch kürzere über die chriftlichen Miffionsarbeiten
in China; ausführlicher find die Artikel Assyrie, Babylonc,
Chaldee, die beiden letzten von Jules üppert; aber es
kommt in ihnen mehr das Refultat der neueren Entdeckungen
überhaupt zur Sprache, als dafs auch nur
vorwiegend das Religionsgefchichtliche Beachtung fände.
Im grofsen und ganzen ift trotz des einen viel weiteren
Umfang in Ausficht flehenden Titels der Unterfchied
von dem deutfehen Werke nicht fo fehr grofs, wie eine
Vergleichung im Einzelnen ausweift. Und obwohl ferner
aus der Benennung des Werkes fich der kirchliche Standpunkt
desfelben nicht erkennen läfst, fo ift dasfelbe doch,
wie das deutfehe, ein entfehieden proteftantifch.es; die
Encyklopädie ift, fo heifst es a. a. O. S. V, Foeuvre col-
lective des diverses fractious du protestantisme de langue
francaise et des quelques kommes de banne volonte qui, en
dehors de nos cadres, ont bien voulu se joindre ä nous.
Der Herausgeber, Fi Lichtenberger, früher Profeffor der
Theologie in Strafsburg, feit Eröffnung der proteftan-
tifchen Facultät in Paris im Sommer 1877 Profeffor und
erfter Dekan derfelben, gehört der lutherifchen Kirche
an; von feinen drei Collegen (zwei Profeffuren an
der Facultät find bekanntlich noch vacant), welche
auch für die Encyklopädie Beiträge geliefert haben, find
A. Matter u. Phil. Berger gleichfalls lutherifch, während
A. Sabatier Profeffor der reformirten Dogmatik ift. Bei
den meiften Artikeln ift der Verf. genannt, bei vielen
namentlich im erften Theile auch nicht; unter den genannten
Mitarbeitern finden wir eine grofse Anzahl bekannter
Namen; ein Verzeichnifs der Mitarbeiter foll
am Schluffe des Werkes geliefert werden. Die Encyklopädie
ift, nach der Zahl und den Namen der Mitarbeiter
zu urtheilen, ebenfo ein Gefammtwerk der evan-
gelifchen Theologen franzöfifcher Zunge, wie das deutfehe
als ein Gefammtwerk der deutfehen Theologen evan-
lifchen Bekenntnifses betrachtet werden kann. Neben
dem evangelifchen Standpunkt, der fowohl nach der
lutherifchen als nach der reformirten Seite manchmal
recht deutlich hervortritt, — fo heifst Calvin II, S. 529,
ohne weiteres le theologien le plus eminent du seiz/ewe
siecle, nachdem er vorher doch nur le plus grand rifor-
matcur de langue francaise genannt war, — ift der iran-
zöfifche fehr merklich, was gewifs nicht zu verwundern
ift. Schon in der Vorrede wird S. VIII Frankreich le
pays de fortes etudes, des moeurs austi'res et de la propa-
gande enthousiaste de VEvangile genannt; im Artikel
chriftliche Chronologie fpricht S. Berger III, S. 160, von
ces habitudes de travail consciencieux et exaet, qui sont la
tradition de la science francaise; und ähnliche Ausfprüche

C hine giebt auf nicht zwei Seiten eine fehr kurze Ueber- ] finden wir auch fonft. Doch macht diefer Patriotismus
ficht über die heutigen religiöfen Zuftände und zugleich nicht blind gegen die Verdienfte deutfeher Theologen;
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