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Ausgabe:

1879 Nr. 5

Spalte:

113-114

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Fauth, Franz

Titel/Untertitel:

Die wichtigsten Schulfragen auf dem Boden der Psychologie erörtert 1879

Rezensent:

Gottschick, Johannes

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H3

Theologifche Literaturzeitung. 1879. Nr. 5.

114

heiligen Geiffes, dem er mit Recht die Taufe und Wie- I es die Hauptaufgabe des Unterrichts fei, den Werth der
dergeburt fowie die Lehre vom Gebet und von der Güter des chriftlichen Glaubens fühlbar zu machen.

Magdeburg. J. Gottfchick.

Kirche fubfumirt. Unter der Ueberfchrift: .Ausgang und
Vollendung' behandelt der Verf. die letzten Dinge des
Menfchtn. der Kirche und der Welt. So gliedert fich
die inhaltreiche Schrift in 7 Hauptabfchnitte, die in je Besser, D. W. F., Morgen- und Abendsegen aus den
7 Unterabtheilungen fich auseinanderlegen. Pfalmen und Propheten an der Hand der Evange-

Der gefammte Unterrichtsffoff Hellt fich alfo dar als
eine wohlerwogene Zufammenfaffung der biblifchen Ge-
fchichte und derKatechismuslehre mitEinfügung einzelner
befonders durchfchlagender Schriftftellen. Diefer Unter-

lien und Epifteln des Kirchenjahres der Hausgemeinde
dargeboten. Halle 1879, Mühlmann. (VIII, 760 S.
gr. 8.) M. 8. —; geb. M. 9. —

richtsfloff ift zwar nicht in Fragen und Antworten aus- Ein Andachtsbuch von dem Verfaffer der weitver

einandergelegt, aber in fortlaufender Rede auf fo didak- i breiteten Bibelffunden ift fchon durch deffen Namen

tifch klaren und einfachen Ausdruck gebracht, dafs er
dadurch überlichtlichcr und für Lehrer und Schüler
werthvoller wird. Ueberall ift wahrzunehmen, dafs der
Verf. von feinem Vater, dem vielbewährten und reich-
gefegneten Lehrer der biblifchen Gefchichte, fowie von
dem Meifter der Katechetik und Didaktik (von Zezfch-
witz) viel gelernt hat. Darum verlieht er es, mit feinem
tiefen und klaren Wort fowohl die Unmündigen als die

einer grofsen Gemeinde empfohlen. Auch kann fich
dies Buch in Bezug auf Reichhaltigkeit mit jedem andern
Andachtsbuche wohl meffen; 376 Morgenandachten und
ebenfoviele Abendandachten bieten eine Fülle erbaulichen
biblifchen Gehalts in Form von Meditationen
über kurze Schriftworte mit wenigen Gebetsworten und
einem Liederverfc zum Schlufs. Die Länge der Andachten
ift dem Zwecke täglichen und regelmäfsigen

Fortgefchrittenen zu lehren. Auch ich begrüfse dank- I Gebrauchs völlig angemeffen, jede umfafst kaum eine
bar in dem Büchlein die Verwirklichung eines Gedan- Seite bei gutem Druck, und die ganze Form und Auskens
, den ich in meiner amtlichen Thätigkeit wiederholt j ftattung des Buchs zeugt rückiichtlich der Arbeit des
durchzuführen verfuchte. Autors fowohl wie der des Verlegers von liebevoller

Dresden. Löber.

Fauth. Gymn.-Überlehr. Dr. Frz., Die wichtigsten Schul-
fragen auf dem Boden der Psychologie erörtert. Gütersloh
1878, Bertelsmann. (VIII, 175 S. 8.) M. 2. —

Ein wohlmeinendes, aber vielfach wunderliches Buch.
Der Verf. ift von der gewifs richtigen Ueberzeugung durchdrungen
, dafs die Philofophie Lotze's es verdient all-

feitig beachtet zu werden, und er bemüht fich an feinem I jahrs lind nur Pfalmftellen zugezogen, während auch in der

Sorgfalt. Die Eigenthümlichkeit des Buches befteht
darin, dafs die kirchlichen Perikopen der Sonn- und
Fefttage für jede Woche zur Grundlage der Betrachtungen
gemacht find; und zwar geben die Evangelien
für die Morgenandachten, die Epifteln für die Abendandachten
das Thema, welches dann die ganze Woche
hindurch unter Zuziehung eines bezüglichen Spruches
aus den Pfalmen oder aus den Propheten für jeden Fall
behandelt wird. In der feftlichen Hälfte des Kirchen-

Theile zur Verbreitung derfelben beizutragen. Dies j Trinitatiszeit für die Sonntagmorgen der Introitus aus

wackere Beftreben verleitet ihn zu unerlaubt vielen Di- : den Pfalmen verwandt ift, und für die übrigen Andach-

greffionen, indem er jede gelegentlich auftauchende PYage ! ten prophetifche Stellen behandelt werden. Der Verf.

nach Lotze ab ovo tractirt. In der erften Abhandlung ; fagt im Vorwort: .anfänglich hatte ich beabfichtigt, in

behandelt er den .gefammten Unterricht', formale Bildung
wie Erziehung, in der zweiten den Sprachunterricht
auf Grund Lotze'fcher Pfychologie. Dafs pfycholo-
gifche Grundlage für alle pädagogilchen Fragen uner-
läfslich ift, wird ihm kein Einfichtiger beftreiten, und man
wird auch trotz der abfehweifenden Behandlung feiner Themata
für manche Anregung ihm Dank wiffen. Die dritte

beiden Kirchenjahrshälften die Pfalmen ins Licht des
neuteftamentlichen Textwortes zu Hellen, und hätte ich
ein theologifches Kunftwerk liefern wollen, fo würde ich
verfucht haben, den Zufammenklang des Pfalters mit
fämmtlichen Feft- und Sonntags-Evangelien und Epifteln
lautbar zu machen. Darauf habe ich jedoch in der
Ueberzeugung verzichtet, dafs der Zufammenhalt der

Abhandlung befpricht Nothwendigkeit und Wefen des Re- | kirchlichen Texte der Trinitatisfonntage mit dem Worte
ligionsunterrichtes und giebt uns dabei auch Aufklärung j der Propheten reichlicher zur Erbauung dienen werde'.

über die Entftehung des Staates, eine Kritik der Vor-
Heilung von einer Mittheilung der Gottesidee durch äufscre
Offenbarung, fowie der Beweife für das Dafein Gottes
und eine Darlegung der pfychologifchen Entwicklung der
Gottesidee. Der Grundgedanke ift, dafs der Staat ein In-
tereffe an der Bildung des vorffcllenden und werth-
fchätzenden Lebens feiner Mitbürger hat, darum den
Unterricht in feine Hand nehmen und um der Bedeutung
der Religion für den Staat willen auch Religionsunterricht
mufs ertheilen laffen, der an fich nicht confeffionell
zu fein brauchte, es nur deshalb und infoweit iff, weil und
als die beffchenden Confcflionen mit den Gefetzen des
Staates und der allgemeinen Geiffesbildung, welche er
auf feinen Schulen treibt, nicht in Widerfpruch treten.
Der leitende Gefichtspunkt mufs nicht der confeffio-
nelle, fondern der ffaatliche und pädagogifche fein.
Mehr Werth als diefe Erörterungen, die den unbrauchbaren
Standpunkt der gegen den Werth- und Art-Unter-
fchied der beiden chrifflichen Confeffionen gleichgiltigen
Parität innehalten, mehr Werth auch als die Erörterungen
über die pfychologifche Genefis der Gottesidee,
welche eine Art Naturnothwendigkeit überall gleich-
mäfsiger Entffehung des in allen Religionen wefentlich
identifchen Gedankens eines allmächtigen guten Gottes
ffatuiren, hat der mit Wärme vorgetragene Gedanke, dafs

Zunächff dünkt uns, dafs die Conffatirung des bez. ,Zu
fammcnklangs' auch nicht Nebenzweck eines Andachtsbuchs
fein foll, ferner haben wir bei Durchficht und Gebrauch
des Buchs zuweilen den Eindruck gehabt, als ob
dem Verfaffer trotz des aufgegebenen Planes die Idee
eines ,theologifchen Kunffwerkes' mehr vorgefchwebt
habe, als für ein Andachtsbuch nöthig und nützlich ift.
Sodann liegt es auf der Hand, dafs bei diefer aus-
fchliefslich kirchlichen Haltung eines Buches für die
Hausgemeinde viele Momente, welche gerade in dem
Leben diefer befonders in Betracht kommen, fehr zurücktreten
müffen. Es iff zwar eine nothwendige Voraus-
fetzung jeder Hausandacht, dafs die Glieder der Hausgemeinde
auch ihre befondere Andacht, ein jeder für
lieh allein halten, da fie fich nur dann zu einer gefeg-
neten gemeinfamen Andacht zufammenfinden, aber jeder
Morgen und jeder Abend bringt doch viele gemein-
fame Gefichtspunkte für die ganze Hausgemeinde mit
fich, welche von der Perikopenreihe nicht berührt werden
und welche darum auch in diefem Buche wenig
Berückfichtigung finden. Ueber den Unterfchied zwi
fchen der Morgenbetrachtung und der Abendbetrachtung
z. B. fagt der Verf. felbff: ,wo in einem Haufe nur
Morgens oder nur Abends Familiengottesdienff gehalten
wird, da mag man füglich mit den evangelifchen und